Berufsausbildung
Tierwirt, Tierwirtin Fachrichtung Geflügelhaltung

Ein Tierwirt, Tierwirtin Fachrichtung Geflügelhaltung arbeitet in einem landwirtschaftlichen Geflügelzuchtbetrieb oder in einem Betrieb der Geflügelhaltung, also z. B. in Brütereien, der Junghennenaufzucht oder der Eiererzeugung.

Allgemeine Informationen

Voraussetzungen

  • Haupt- oder Realschulabschluss
  • hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein
  • Freude am Umgang mit Tieren
  • Interesse für Technik
  • Bereitschaft auch am Wochenende oder an Feiertagen zu arbeiten

Ausbildungsdauer

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Mit dem erfolgreichen Abschluss in einem anderen Ausbildungsberuf oder einem Schulabschluss mit Hochschulreife kann die Lehrzeit um das erste Ausbildungsjahr gekürzt werden. Rechtlich ist bei dauerhaft überdurchschnittlichen Leistungen und einer sehr guten Zwischenprüfung auch eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung möglich.

Kosten

  • Für reguläre Auszubildende, die ihren Wohnsitz oder Ausbildungsbetrieb in Bayern haben, sind sämtliche Schulungswochen sowie die Teilnahme an der Zwischen- und Abschlussprüfung kostenfrei. Es entstehen lediglich die Kosten für Verpflegung und Unterkunft, für die ggf. eine Fördermöglichkeit nach den Agrarbildungsförderrichtlinien besteht.
  • Für außerbayerische Auszubildende mit Wohnsitz und Ausbildungsbetrieb außerhalb Bayerns, die aber ihre Abschlussprüfung in Kitzingen ablegen und an den Modulen teilnehmen möchten, entsteht eine Lehrgangsgebühr von 60,00 € je Lehrgangswoche, die Prüfung ist kostenfrei.
  • Quereinsteiger nach § 45 (2) BBiG müssen eine Prüfungsgebühr in Höhe von 120,00 € sowie Lehrgangsgebühren von 120,00 € je Lehrgangswoche entrichten.
  • In der Meisterausbildung entstehen folgende Kosten:
    Bayerische Teilnehmer zahlen keine Lehrgangsgebühren, jedoch eine einmalige Prüfungsgebühr in Höhe von 240,00 €.
  • Außerbayerische Teilnehmer müssen 60,00 € je Lehrgangswoche entrichten und die einmalige Prüfungsgebühr in Höhe von 240,00 €.
  • Fördermöglichkeiten gibt es keine, auch das sog. Meister BaföG kann nicht in Anspruch genommen werden, da hierfür die notwendige Anzahl an Unterrichtsstunden nicht erreicht wird.

Ablauf der Ausbildung

Berufsgrundschuljahr

In Bayern besteht bei dreijähriger Ausbildungszeit das erste Ausbildungsjahr aus dem Besuch des Berufsgrundschuljahres (BGJ), Berufsfeld Agrarwirtschaft, Schwerpunkt tierischer Bereich. Hier gehen die Auszubildenden ein Jahr Vollzeit in die Berufsschule mit 1 Praxistag je Woche - möglichst auf einem Geflügelbetrieb. Wird das BGJ erfolgreich absolviert, so wird es als 1. Ausbildungsjahr anerkannt, im Falle des Nichtbestehens würden anstelle der zwei drei Jahre praktische Ausbildung auf einem anerkannten Ausbildungsbetrieb folgen. Das BGJ bietet eine breite fachpraktische und fachtheoretische Grundausbildung mit praktischen Lehrgängen etwa zum Schweißen oder über Schlepper & Geräte sowie eine berufsfeldübergreifende Allgemeinbildung. Eine Spezialisierung auf die Geflügelproduktion findet hier noch nicht statt. Jedoch besteht die Möglichkeit durch den Besuch des "Grundlehrgangs Geflügelhaltung" einen ersten theoretischen und praktischen Einblick in die Geflügelhaltung zu bekommen.

Grundlehrgang

2. und 3. Lehrjahr

Nach bestandenem BGJ verbringen die Lehrlinge das zweite und dritte Ausbildungsjahr auf einem anerkannten Ausbildungsbetrieb bei einem qualifizierten Ausbilder (i.d.R. einem Geflügelwirtschaftsmeister). Die Anerkennung der Betriebe erfolgt durch die zuständige Stelle in Kitzingen, um sicher zu stellen, dass der Ausbildungsbetrieb alle notwendigen Voraussetzungen zum Ausbilden mitbringt. Hier eine Auswahl der wichtigsten Anforderungen: Vollerwerbsbetrieb dessen Haupteinkommen aus der Geflügelwirtschaft stammt, ausreichend große Tierbestände, zeitgemäße und ordentliche Betriebseinrichtungen, Einhaltung von Unfallverhütungsmaßnahmen. Eine Liste der anerkannten Ausbildungsbetriebe ist über die zuständige Stelle in Kitzingen erhältlich.
Da sich die Betriebe aus betriebswirtschaftlichen und hygienischen Gründen zunehmend auf eine Produktionsrichtung spezialisieren (z.B. Eierproduktion oder Geflügelmast mit Lebendvermarktung), wird es mehr und mehr zur Regel, dass die Lehrlinge während der praktischen Ausbildung den Betrieb wechseln. Nur so ist eine breit gefächerte Ausbildung und letztendlich das erfolgreiche Bestehen der Abschlussprüfung gesichert. Die Lehrlinge sind dann z.B. das zweite Ausbildungsjahr auf einem Legehennenbetrieb mit Direktvermarktung und saisonaler Wassergeflügelproduktion und das dritte auf einem Mastbetrieb, oder der Lehrling lernt beispielsweise auf einem Hauptausbildungsbetrieb mit Mastgeflügel, der ihn wochenweise zu kooperierenden anderen Ausbildungsbetrieben (mit Legehennen, Kunstbrut, Direktvermarktung mit eigener Schlachtung) schickt um fachliche Lücken zu schließen. So kann für jeden Auszubildenden die praktsiche Lehrzeit individuell angepasst werden. Ergänzend werden dazu in Kitzingen Schwerpunktmodule angeboten (siehe unten "Überbetriebliche Ausbildung").

Berufsschule

Während der praktischen Ausbildungsjahre ist die Berufsschule in Triesdorf zu besuchen:

Staatliches Berufliches Schulzentrum
Außenstelle Triesdorf

Steingruber Str. 6
91746 Weidenbach
Tel.: 09826/97 11
Fax: 09826/78 60
E-Mail: bs.triesdorf@t-online.de

Dort finden pro Ausbildungsjahr 9 Wochen Unterricht, verteilt auf drei bis vier Berufsschulblöcke, statt. Der Besuch der Berufsschule ist für alle Auszubildenden verpflichtend, die ihre 12-jährige Schulpflicht noch nicht erfüllt haben. Auszubildende ohne Berufsschulpflicht sind aber auch berechtigt die Berufsschule zu besuchen.

Überbetriebliche Ausbildung

Überbetriebliche Ausbildungslehrgänge am Fachzentrum für Geflügel in Kitzingen komplettieren die praktische Ausbildung auf dem Betrieb und die fachtheoretische Bildung in der Berufsschule. Das auf dem Betrieb und in der Berufsschule erworbene Wissen und Können soll in den überbetrieblichen Lehrgängen ergänzt, vertieft und gefestigt werden. Außerdem sollen Wissensunterschiede, die sich durch die Spezialisierung der Ausbildungsbetriebe ergeben, ausgeglichen werden.
Das Fachzentrum in Kitzingen bietet insgesamt fünf Schwerpunktmodule zu den Themen "Legehennenhaltung/Junghennenaufzucht", "Mastgeflügel", "Veredelung/Qualitätssicherung", "Sonder-/Wassergeflügel" und "Zucht/Vermehrung" an. Die Module werden über die zwei praktischen Ausbildungsjahre verteilt angeboten. Auszubildende müssen mindestens drei Module besuchen, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Die Lehrgänge können auch von "Quereinsteigern" in die Geflügelhaltung besucht werden. Schwerpunktmäßig werden in den Modulen die Themenbereiche Produktionstechnik, Wirtschaftlichkeit, Krankheiten und Gesundheitsprophylaxe sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen die jeweilige Tierart betreffend behandelt. Der theoretische Unterricht wird mit zahlreichen praktischen Übungen ergänzt, abgerundet wird das Programm jeweils mit einer eintägigen Fachexkursion.

Schwerpunktmodule

Zwischen- und Abschlussprüfung

Im ersten betrieblichen Ausbildungjahr wird in einer Woche im Frühjahr (März oder April) der aktuelle Ausbildungsstand in Form einer schriftlichen und praktischen Zwischenprüfung erhoben und die Woche mit überbetrieblichem Unterricht ergänzt. Die Teilnahme an der Zwischenprüfung ist Zulassungsvoraussetzung für die Abschlussprüfung, bestehenserheblich ist die Zwischenprüfung jedoch nicht. Die Auszubildenden erhalten von der zuständigen Stelle rechtzeitig ein Einladungsschreiben.
Die Berufsausbildung endet mit der schriftlichen und praktischen Abschlussprüfung, in der die Absolventen ihre erworbenen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse unter Beweis stellen müssen. Die praktische Prüfung wird für die Notenberechnung im Übrigen doppelt gewichtet. Um an der Abschlussprüfung teilnehmen zu dürfen, muss man sich schriftlich anmelden und alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllen (Ausbildungszeit zurückgelegt bzw. Ausbildungszeit endet nicht später als zwei Monate nach dem Prüfungstermin, Teilnahme an der Zwischenprüfung, Eintragung des Vertrages ins Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse, ordentliche und vollständige Berichtsheftführung sowie Teilnahme an den vorgeschriebenen überbetrieblichen Lehrgängen). Das Anmeldeformular zur Abschlussprüfung erhalten die Auszubildenden für gewöhnlich zusammen mit einem Einladungsschreiben.
Die schriftliche Abschlussprüfung wird i.d.R. am Ende des letzten Berufsschulblocks anfang Juli in Triesdorf abgenommen. In einer vierstündigen Prüfung werden folgende vier Themenbereiche geprüft:
  • Versorgen von Geflügel,
  • Produktion von Mast- und Zuchtgeflügel und von Eiern,
  • Gesundheitsprophylaxe und Geflügelkrankheiten sowie
  • Wirtschafts- und Sozialkunde.
Das Fachzentrum in Kitzingen bietet jedes Jahr im Juni eine Vorbereitungswoche auf die schriftliche Abschlussprüfung an. Die Teilnahme daran ist freiwillig.
Die praktische Abschlussprüfung wird Ende Juli in Kitzingen abgenommen. Jeder Prüfling muss je eine praktische Aufgabe aus den Bereichen
  • Produktgewinnung und Vermarktung sowie
  • Herdenmanagement
möglichst selbstständig planen, durchführen und dokumentieren und zu jeder Aufgabe ein Fachgespräch führen. Die praktische Prüfung dauert insgesamt ca. vier Stunden. Hier beispielhaft praktische Prüfungsthemen: Kontrollgang Geflügelbestand mit Tierbeurteilung, Impfungen, Betreuung Kükenschlupf, Konsumeier sortieren und vermarkten, Schlachten und Zerlegen von Wirtschaftsgeflügel, etc.
Mit erfolgreich bestandener Abschlussprüfung wird die Berufsbezeichnung Tierwirt / Tierwirtin, Fachrichtung Geflügelhaltung, erworben. Damit öffnet sich eine vielversprechende Tür in die fachberufliche Tätigkeit mit sehr guten Zukunftsaussichten. Mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses endet übrigens das Ausbildungsverhältnis, i.d.R. also am letzten Tag der praktischen Prüfung.

Quereinsteiger

Nach § 45 (2) des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) können sogenannte Quer- oder Seiteneinsteiger direkt zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn sie das 1,5-fache der Ausbildungszeit in dem Beruf tätig waren, in dem die Prüfung abgelegt werden soll. D.h. man kann mit 4,5-jähriger Berufserfahrung in der praktischen Geflügelwirtschaft die Abschlussprüfung zum Geflügelwirt ablegen ohne eine Ausbildung machen zu müssen. Im Nebenerwerb sollte man etwa 9 Jahre Berufserfahrung mitbringen.
Quereinsteiger legen dieselbe Abschlussprüfung ab wie die regulären Auszubildenden. Um möglichst gut auf die Abschlussprüfung vorbereitet zu sein, empfehlen wir die Teilnahme an den Schwerpunktmodulen und an der Vorbereitungswoche auf die Abschlussprüfung. Diese Schulungswochen bieten den notwendigen Ein- und Überblick über das geforderte Wissen und Können in der Abschlussprüfung. Zusammen mit einer intensiven häuslichen Vorbereitung ist der Grundstein gelegt die Prüfungen erfolgreich zu meistern.

Praktikum und Ausbildung am LVFZ Kitzingen

Wer ein Schnupperpraktikum, Pflichtpraktikum im Rahmen der Ausbildung oder eines Studiums oder die Ausbildung zum Geflügelwirt/in am Fachzentrum für Geflügel in Kitzingen absolvieren möchte, richtet seine Anfrage bitte an die Ausbildungsberatung.

LVFZ Kitzingen
Ausbildungsberatung

Tel.: 09321/39008-0/-281
E-Mail: LVFZ-Kitzingen@LfL.bayern.de

Das Fachzentrum für Geflügel in Kitzingen ist selbst anerkannter Ausbildungsbetrieb und kann bis zu 10 Lehrlinge gleichzeitig ausbilden. Der Vorteil des Kitzinger Betriebes liegt in seiner Vielfältigkeit: neben 8.000 Legehennen finden sich 4.800 Junghennenaufzuchtplätze, 4.000 Broiler, 1.200 Pekingenten, 800 Putenplätze, 600 Mastelterntiere, 400 Kaninchenmastplätze, 48 Häsinnenplätze sowie Zuchtherden von Wirtschaftstauben, Gänsen, Flugenten, Stockenten, Wachteln und Fasanen auf dem Kitzinger Betrieb. So kann man von der Bruteiproduktion über die künstliche Brut (eigene Brüterei), die Aufzucht und Haltung (Geflügelfleisch- und Eierproduktion mit Vermarktung u.a. im eigenen Hofladen) bis hin zur Schlachtung in der betriebseigenen Schlachterei alle Produktionsrichtungen kennen lernen. In Kitzingen werden außerdem zahlreiche Fütterungs- und Haltungsversuche in Zusammenarbeit mit der Geflügelwirtschaft und anderen staatlichen Forschungseinrichtungen durchgeführt, wodurch man sich in der Ausbildung eingehender mit speziellen Haltungs- und Fütterungsfragen befassen kann als das auf einem privat wirtschaftenden Betrieb möglich wäre. Für eine fundierte Ausbildung empfehlen wir dennoch, einen Teil der Ausbildung in Kitzingen und einen Teil auf einem privaten Ausbildungsbetrieb zu absolvieren.
Für auswärtige Auszubildende und Praktikanten steht ein Lehrlingswohnheim mit Einzelzimmern und Gemeinschaftsküche (mit Fernseher und PC mit Internetanschluss) und Gemeinschaftsduschen und WC zur Verfügung. Für die Mittagsverpflegung wird in der ansässigen Kantine gesorgt.

Mehr zum Thema

Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügel- und Kleintierhaltung Kitzingen

Das Fachzentrum für Geflügelhaltung in Kitzingen stellt sich allen wissenschaftlichen und der Praxis zugeordneten Aufgaben moderner Forschung auf dem Gebiet der Kleintierzucht. Mehr