Förderung der Bienenhaltung

Imker erhalten staatliche Unterstützung. Warum wird eigentlich die Bienenhaltung in Bayern gefördert? Welche Fördermaßnahmen stehen zur Verfügung und wie stark werden diese in Anspruch genommen? Der folgende Jahresbericht des Sachgebiets „Produktbeihilfen“ an der Abteilung Förderwesen und Fachrecht beantwortet diese Fragen.

Was sind die Ziele der staatlichen Imkerei-Förderung?

  • Es sollen möglichst viele Imker Bienen halten, damit die flächendeckende Bestäubung in Bayern gewährleistet bleibt
  • Bienenvölker sollen gesund, friedlich und leistungsstark sein
  • Wer Bienen hält, soll die Bedürfnisse der Bienen kennen
  • Imker sollen qualitativ hochwertige Bienenprodukte produzieren
  • Das Prinzip der Regionalität soll gestärkt werden ("Aus der Region, für die Region")
  • Der Nachfrage nach heimischem Bio-Honig soll entsprochen werden

Welche Maßnahme fördert welches Ziel?

  • "mehr Imker"
    • Investive Maßnahmen
    • Imkern auf Probe
    • Imkern an Schulen
  • "gesunde Biene"
    • Fortbildung der Imker durch Vereine
    • Bekämpfung von Bienenkrankheiten durch Bienengesundheitswarte
    • Bekämpfung der Varroose
    • Belegstellen
  • "Qualitätsproduktion"
    • Fortbildung der Imker durch Vereine
    • Analyse von Honig
    • Investive Maßnahmen
    • Öko-Imker
  • "Regionalität"
    • Analyse von Honig
    • Fortbildung der Imker durch Vereine
  • "Bio-Produktion"
    • Öko-Imker
    • Fortbildung der Imker durch Vereine
Die von Jahr zu Jahr steigenden Antragszahlen bei fast allen Maßnahmen zeigen, dass das Förderangebot den Bedürfnissen der Imker entspricht.

Die besondere Rolle der bayerischen Imker

Biene beim Nektarsammeln an einer Storchschnabelblüte
Bienenhaltung liegt im Trend. In Deutschland halten 110.000 Imker etwa 750.000 Bienenvölker (2015).
Es wurden 16.800 Tonnen Honig produziert, wobei auf Bayern knapp ein Drittel (4.821 Tonnen) entfielen (2013).
Die Zahl der Imker in Bayern stieg nach Angaben des Fachzentrums Bienen an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau um zehn Prozent in den vergangenen fünf Jahren an. Davon waren ein Drittel Frauen.
In Bayern leben rund 35.000 Imkerinnen und Imker, die etwa 250.000 Bienenvölker halten. Dies stellt knapp ein Drittel der deutschen Imker und Bienenvölker dar.
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass bundesweit mit Abstand die meisten jugendlichen Imker in Bayern beheimatet sind.

Warum und mit welchen Mitteln wird die Bienenhaltung staatlich gefördert?

Rapsfeld
Die Bedeutung der Imkerei für unsere Natur- und Kulturlandschaft ist immens
80% der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bienen als Bestäuber angewiesen. Die Unentbehrlichkeit der Biene für den Obstbau ist bekannt. Weit weniger verbreitet ist jedoch die Kenntnis, dass intensiver Bienenflug den Ertrag auch im Ackerbau steigern kann: Zwei Beispiele sind Raps (Mehrertrag von ca. 10 dt pro ha) und Sonnenblumen ( ca. 8 dt pro ha). Quelle: Bestäubungsleistung der Honigbiene, Dissertationsarbeit, Dipl.-Ind. Dr. Stefan Mandl, Universität für Bodenkultur, Wien, 2006
  • Diese Bestäubungsleistung ist um ein Vielfaches höher zu bewerten als der Erlös aus Honig, Wachs, Pollen und sonstigen Nebenprodukten.
  • Um die positiven Effekte der Bienenhaltung auf Umwelt und Kulturlandschaft zu sichern und weiter auszubauen, muss die Arbeit der Imker unterstützt werden.
  • Deshalb bietet das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten verschiedene Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Erzeugungs- und Vermarktungsbedingungen von Bienenzuchterzeugnissen an.
  • Für die Abwicklung dieser Maßnahmen ist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Abteilung Förderwesen und Fachrecht, zuständig.
  • Die Europäische Gemeinschaft beteiligt sich mit bis zu 50% an den beihilfefähigen Ausgaben (kofinanzierte Maßnahmen). Darüber hinaus können die Mitgliedsstaaten nach bestimmten Vorgaben allein mit Landesmitteln weitere Programme anbieten (Landesmaßnahmen).
  • Bayern nutzt beide Möglichkeiten und stellt den Imkern dadurch eine Vielzahl von Förderprogrammen zur Verfügung.
  • Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Gewinnung neuer Imker.
  • Hierzu bietet Bayern ein Probeimkerprogramm an und unterstützt Imkergruppen an Schulen.

Die einzelnen Fördermaßnahmen

1. EU-kofinanzierte Maßnahmen
Wendeschleuder
1.1 Investive Maßnahmne der Imker
Honig ist ein naturbelassenes und sehr reines Lebensmittel. Um wirtschaftlich und hygienisch einwandfrei produzieren zu können und um einen hohen Qualitätsstandard zu erreichen, sind hochwertige Geräte zur Honig- und Wachsgewinnung nötig. Dies stellt eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung dar, insbesondere für Jungimker.

Der Freistaat Bayern unterstützt die Bienenhalter mit Zuschüssen zur Anschaffung von Geräten zur Honig- und Wachsgewinnung. Die Förderung beträgt bis zu 30 Prozent der förderfähigen Netto-Anschaffungskosten.

Das Mindest-Investitionsvolumen betrug netto 800 €, bei Anfängern netto 400 €.
Die Antragszahlen haben sich in neun Jahren fast vervierfacht.

Säulendiagramm: Zahl der Anträge bei investiven Maßnahmen 2006 bis 2014

Kreisdiagramm: Anteile der Erwerbsimker, Imker und Anfänger bei den investiven Maßnahmen

Anteile der Erwerbsimker, Imker und Anfänger bei den investiven Maßnahmen

Die Maßnahme erfreut sich insbesondere bei den Anfängern großer Beliebtheit. Drei Viertel der Antragsteller haben mit der Bienenhaltung neu begonnen.
1.2 Bekämpfung der Varroose
Die Bekämpfung der Varroose bleibt - leider - eine der Hauptaufgaben in der Bienenhaltung. Die Völkerverluste durch die Varroamilbe sind nur durch aufmerksame Beobachtung und rasche Behandlung in den Griff zu bekommen.
Die staatliche Förderung und Beratung trägt dazu bei, die Ausfälle möglichst gering zu halten. Deswegen fördert die EU die Bekämpfung der Varroose.
Entwicklung der Zuschüsse zu den Varroose-Behandlungsmitteln:

Entwicklung der Zuschüsse zu den Varroose-Behandlungsmitteln

Laborantin Bei Der Honiganalyse
1.3 Analyse physikalisch-chemischer Merkmale von Honig
Imker, die die Qualität eines Honigs aus der eigenen Imkerei labortechnisch analysieren ließen, konnten hierfür einen Zuschuss von 75% der Kosten erhalten: Qualitäts- und Sortenbestimmung (Wassergehalt, Invertasegehalt, HMF-Wert, Pollenanalyse), Untersuchung auf Rückstände.
Imker mit Beute
1.4 Fortbildungen für Imker durch Vereine
Für Fortbildungsveranstaltungen erhalten die Imkervereine einen gestaffelten, teilnehmerorientierten Zuschuss.
2. Nur von Bayern finanzierte Maßnahmen
Bienen Auf Bienenwaben
2.1 Förderung der Belegstellen
Bienenvölker sollen gesund, friedlich und leistungsstark sein. Deswegen unterstützt der Freistaat Bayern staatlich anerkannte Belegstellen bei der Züchtung von entsprechenden Bienenvölkern. Die Belegstellen erhalten für jede angelieferte Bienenkönigin einen Zuschuss von einem Euro.
Entwicklung der Belegstellenförderung von 2005 bis 2014:

Säulendiagramm: Entwicklung der Belegstellenförderung von 2005 bis 2014

Säulendiagramm: Entwicklung der Förderung der Gesundheitswarte von 2010 bis 2014

Entwicklung der Förderung der Gesundheitswarte von 2010 bis 2014

2.2 Bekämpfung von Bienenkrankheiten durch Bienengesundheitswarte
Gesundheitswarte besuchen die einzelnen Imker vor Ort und unterstützen diese bei der Bekämpfung von Bienenkrankheiten. Dazu können sie vom Freistaat Bayern einen Zuschuss von 1,50 € je Bienenvolk erhalten. Diese ehrenamtliche Vor-Ort-Arbeit wird mit 20 bis 30 € pro Standbesuch gefördert.
Imkergruppe bekommt Erläuterungen an der offenen Beute
2.3 Imkern auf Probe - Schnupperkurs Imkern
Die Maßnahme "Imkern auf Probe" trägt dazu bei, Menschen für die Bienenhaltung zu begeistern. Mit dem "Imkern auf Probe" wird es Interessierten leicht gemacht, ohne große Verbindlichkeiten in die Imkerei "hineinzuschnuppern".
Seit 2008 können Imkervereine, die das "Imkern auf Probe" anbieten und damit den Imkernachwuchs fördern, 100 € je Probeimker erhalten. Voraussetzung ist der Besuch eines Theoriekurses und die eigenständige Betreuung eines Bienenvolkes.
Interessenten wenden sich an einen Imkerverein und werden "Imker auf Probe". Im Laufe der Monate erhalten sie unter fachlicher Anleitung eines erfahrenen Imkers ("Pate") Einblick in die theoretischen und praktischen Grundlagen der Imkerei. Nach Ablauf des ersten Jahres kann ein weiteres, förderfähiges Probeimkerjahr absolviert werden. Nach zwei Jahren endet die Probezeit.
Die Zahl der Probeimker steigt kontinuierlich an, dabei sind 30% der Probeimker Frauen.
Entwicklung der Förderung beim Probeimkern von 2008 bis 2014:

Säulendiagramm: Entwicklung der Förderung beim Probeimkern von 2008 bis 2014

Zwei Schüler beim Entdeckeln
2.4 Imkern an Schulen - Imkern macht Schule
Auch Imker brauchen Nachwuchs! Deshalb liegt es nahe, bereits Schulkinder an die Bienenhaltung heranzuführen und sie für die Imkerei zu begeistern. Immer mehr Schulen bieten lobenswerterweise entsprechende Wahlkurse an.
Kinder und Jugendliche werden dabei auch für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sensibilisiert. Die Betreuung eines Bienenvolkes öffnet dafür in besonderem Maße die Augen.
Junge Imker in Schutzkleidung
Die Schüler und Schülerinnen lernen in der Arbeitsgruppe "Imkerei" alle Arbeiten rund um das Bienenjahr kennen. Dieses Engagement wird vom Freistaat Bayern mit einem Zuschuss von bis zu 300 € pro Schuljahr unterstützt.
Antragsberechtigt sind alle bayerischen Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien ("Primar- und Sekundarbereich"). Anrechenbare Ausgaben für die imkerliche Wissensvermittlung sind alle Kosten rund um den Kurs, wie beispielsweise Kosten für Referenten, Fachmedien, imkerliche Geräte zur Bearbeitung von Honig und Wachs, Beuten und Verbrauchsmaterial (Rähmchen, Honiggläser, Wachs, Dochte u. ä.).
Imkern an Schulen; Entwicklung des Fördervolumens:

Säulendiagramm: Imkern an Schulen; Entwicklung des Fördervolumens

Honigernte
2.5 Öko-Imkern
Bio-Produktion muss besondere Qualitäts-Standards erfüllen. Die Kosten für die Öko-Zertifizierung werden seit 2014 mit einer Pauschale von 200 € pro Jahr bezuschusst.
2.6 Professionalisierung der Fach- und Gesundheitswarte
Ab 2015 werden Schulungen zur Professionalisierung von Fach- und Gesundheitswarten als Multiplikatoren gefördert. Die Schulungen müssen Themen aus den Bereichen Didaktik, Rhetorik und Präsentationstechnik behandeln.
Fördervolumen der einzelnen Maßnahmen:

Säulendiagramm: Fördervolumen der einzelnen Maßnahmen

Fazit

Die Bienenhaltung im Freistaat Bayern und vor allem die Arbeit der bayerischen Imkerinnen und Imker bringen neben Honig und Wachs eine Fülle - oftmals nicht messbarer - Vorteile und Leistungen für Umwelt und Gesellschaft. Wir brauchen deshalb dringender denn je eine zukunftsfähige, flächendeckende Imkerei in Bayern. Der Einsatz der einzelnen Imker und der Vereine hat den Aufschwung, den die Imkerei gerade erlebt, erst möglich gemacht. In den Medien wird viel über das Imkern berichtet und die Anzahl der Bienenhalterinnen und Bienenhalter nimmt beständig zu. Die zahlreich angebotenen Anfängerkurse können kaum die Nachfrage befriedigen. Die Förderung und Beratung der Landesanstalt für Landwirtschaft unterstützt die Bienenhalter bestmöglich in ihrem großen Engagement, das der ganzen Gesellschaft Nutzen bringt.

Nähere Informationen zur Bienenförderung 2015 finden Sie hier: