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Landesanstalt für LandwirtschaftAgrarökologie → Grünland
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Anforderungen an eine intensive und nachhaltige Grünlandbewirtschaftung

Die Milchviehhaltung auf der Basis der Grünlandbewirtschaftung ist eine tragende Säule der bayerischen Landwirtschaft. Sie unterliegt allerdings einem starken Strukturwandel, wobei die Milch bei festgelegten Quoten von immer weniger Betrieben und Kühen mit ansteigender Leistung erzeugt wird. Dies hat zur Folge, dass einerseits insgesamt immer weniger Grünland für die Milchviehhaltung benötigt wird, jedoch andererseits hohe Qualität gefragt ist. Viele Flächen werden daher intensiv genutzt. Durch das im Frühjahr und Frühsommer teilweise sehr enge Zeitfenster mit optimaler Futterqualität ist eine hohe Schlagkraft bei Werbung und Konservierung erforderlich. Maschinen und Geräte bringen deshalb immer höhere Flächenleistungen. Auf vielen Grasnarben nimmt durch die angestiegene Nutzungsfrequenz und die angestiegenen Maschinengewichte der Stress zu.

Grafik " Entwicklung der Grünlandflächen in Bayern"

(Die Grafik zeigt, dass das Grünland in Bayern seit den 50er Jahren kontinuierlich abnimmt. Sie zeigt ebenfalls, dass der überwiegende Anteil des Grünlandes in Bayern ausschließlich gemäht und nicht beweidet wird.)

Grafik "Grünlandnutzung und Milchviehhaltung in Bayern"

(Die Grafik zeigt, dass in 2001 gegenüber 1990 die Zahl der Milchkuhbetriebe um 50%, die Zahl der Milchkühe um über 20% und die Kuhzahl pro ha Grünland um ca. 15% abgenommen hat. Dagegen stieg die Kuhzahl pro Betrieb im gleichen Zeitraum um über 50% und die Milchleistung um 20% an.)



Gerade in einer leistungs- und wiederkäuergerechten Milchviehfütterung kommt dem optimalen Management der Grünlandbewirtschaftung eine ständig wachsende Bedeutung zu. In der Praxis besteht jedoch nach wie vor eine große Streuung hinsichtlich der erzielten Grundfutterqualität! Ebenfalls gibt das Bild vieler Wiesen und Weiden deutliche Hinweise auf eine stellenweise notwendige Verbesserung des Dauergrünlandes gerade im Sinne der Ertrags- und Qualitätssicherung. Dabei kann der Grat zwischen einerseits intensiver und dabei andererseits auch nachhaltiger Grünlandbewirtschaftung im Sinne von langfristig stabilen und leistungsfähigen Pflanzenbeständen in bestimmten Fällen sehr schmal sein. Als Ursachen für eine Verschlechterung von Wiesenbeständen sind u.a. zu nennen: Keine standortangepasste Nutzung und Düngung, Auftreten von Narbenlücken durch zu tief oder falsch eingestellte Mähgeräte, Fahr- und Trittschäden v.a. bei schwerem und nassen Boden, schlechte Verteilung von organischem Dünger, Bodenverdichtung und mangelnde Pflege nach aufgetretenen Narbenverletzungen, z.B. durch Mäh- und Erntegeräte, falsche Reifenwahl, Tiere, Frost, Schnee und Trockenheit. Oberster Grundsatz für eine intensive und dabei auch nachhaltige Grünlandbewirtschaftung lautet: Die Grasnarbe dicht und leistungsfähig zu erhalten. Voraussetzung hierfür ist die Kenntnis von Standort und Pflanzenbestand, eine angepasste Schnitthäufigkeit und Nährstoffversorgung, rechtzeitiger Pflanzenschutz sowie bei auftretenden Lücken und zur Bestandesverbesserung Über- und Nachsaaten.

Auswertungen der Bayerischen Landesanstalt für Tierzucht von bayerischen Hochleistungsbetrieben (SPANN, 2001) ergaben, dass die in der ersten Hälfte der Laktation erzielten Trockenmasse-Aufnahmen von über 25 Kilogramm aus den Futterrationen nicht nur im Herden- und Fütterungsmanagement, sondern auch in der überdurchschnittlich guten Grundfutterqualität begründet lagen.

Qualität von Grassilagen in neun bayerischen Hochleistungsbetrieben
Trockensubstanz
g/kg
Rohasche
g/kg
Rohprotein
g/kg
nutzbares Rohprotein
g/kg
Rohfaser
g/kg
Energiedichte
MJ NEL/kg TM
Grassilage
1. Schnitt
354
(305 - 462)  
107
(86 - 115)  
188
(167 - 221)  
143
(136 - 150)  
223
(206 - 237) 
6,38
(6,13 - 6,66)  
Ø Bayern 351   109   179   139   236   6,17  
Grassilage
2. Schnitt
357
(317 - 398)  
108
(90 - 110)  
193
(153 - 221)  
140
(128 - 147)  
218
(198 - 236)  
6,16
(5,70 - 6,43)  
Ø Bayern 399   118   168   127   242   5,52  

Ebenfalls weisen der Rinderreport der Bayerischen Landesanstalt für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur anhand der Ergebnisse von MIKUNOM-Betrieben, jedoch auch Praxisuntersuchungen aus Schleswig-Holstein (THAYSEN, 1995) auf den ökonomischen Vorteil eines hochwertigen Grundfutters hin.

Grafik "Wirtschaftlichkeit der höheren Grundfutterleistung bei Fleckviehkühen"

(Die Grafik zeigt, dass mit steigender Grundfutterleistung auch der Deckungsbeitrag pro Kuh zunimmt. Nach dem Rinderreport Bayern 2002 lag die Grundfutterleistung bei dem unteren Viertel der untersuchten Betriebe bei knapp 1600 Kilogramm Milch bzw. der Deckungsbeitrag bei rund 1900 Euro pro Kuh und Jahr. Beim oberen Viertel hingegen wurde eine mittlere Grundfutterleistung von ca. 3900 Kilogramm Milch und ein Deckungsbeitrag von über 2300 Euro pro Kuh und Jahr erzielt. Im Mittel ergab sich bei einer Steigerung der Grundfutterleistung von 1000 kg eine Zunahme des Deckungsbeitrages von 70 Euro pro Kuh.)

Schnittzeitpunkt Grassilage (1. Schnitt) Grundfutterleistung, Kraftverbrauch, Deckungsbeitrag
Ähren-/
Rispenschieben
Schnittzeitpunkt
Beginn/Blüte
Blüte
Hauptbestandsbildner
MJ(NEL)/kg TM
MJ(NEL)/ha
6,4
22400  
6,0
24000  
5,8
25650  
Grundfutteraufnahme
kg TM/Kuh und Tag

Grundfutterleistung
kg Milch/Kuh und Tag
13,0



14,3  
12,0



11,3  
11,0



8,5  
Milch aus Grundfutter/Winter (kg) 3003   2373   1785  
Kraftfutterverbrauch dt/Kuh und Jahr

Futterkosten (relativ)
8

100%  
11

119%  
15

138%  
Deckungsbeitrag pro kg Milch (rel.) 100%   83%   63%  

Hochwertiges Grundfutter setzt wiederum einen optimalen Schnittzeitpunkt und eine verlustarme Konservierung voraus. Herauszuheben ist allerdings auch, dass neben dem Grünland-Management und natürlich der aktuellen Jahreswitterung der Standort und der Pflanzenbestand der Wiesen selbst erheblichen Einfluss sowohl auf den Gesamt-Ertrag und seine prozentuale Verteilung auf die einzelnen Schnitte als auch auf die wertgebenden Inhaltsstoffe ausüben. Dies belegen langjährige Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau.

Grafik "Ertrag, Ertragsverteilung, N-Entzug und Futterqualität von zwei unterschiedlichen Standorten (10 Versuchsjahre)"

(Die Grafik zeigt an dem Beispiel eines zehnjährigen Grünlandversuches, dass sich unterschiedliche Grünlandstandorte bzw. Pflanzengesellschaften auch bei sonst gleicher Bewirtschaftungsintensität sehr stark im Ertrag, der Ertragsverteilung, in den wertgebenden Inhaltsstoffen und in den Nährstoffentzügen unterscheiden können. Daher gibt es in Bayern kein Einheitsgrünland und demzufolge auch keine Einheitsdüngung, vielmehr muss in der Bewirtschaftung aber auch in der Ertrags- und Qualitätserwartung auf kleinräumige Standortvoraussetzungen Rücksicht genommen werden.)

Mittlere Energiekonzentration wichtiger Wiesentypen in Abhängigkeit von der Nutzungshäufigkeit als Grünfutter
Zahl der
Nutzungen
1 2 3 4 5
trockene und wechseltrockene Glatthaferwiese 2
3  
4,9
5,0  
5,2
5,2 
-
5,7 
   
typische Glatthaferwiese und Berggoldhaferwiese 2
3
4  
5,0
5,3
6,1  
5,2
5,5
5,8  
-
5,8
5,9  

-
6,0 
 
frisch-feuchte Glatthaferwiese (Fuchsschwanzwiese) 2
3
4
5  
4,7
5,0
5,5
6,3 
5,2
5,5
5,7
5,7 
-
5,7
5,8
5,8 
-
-
5,9
5,8 
-
-
-
6,0 
kräuterreiche Mähwiese (meist Süddeutschland) und Weiden 2
3
4
5  
5,0
5,9
6,0
6,6 
5,5
6,0
6,1
6,2 
-
6,2
6,3
6,3 
-
-
6,7
6,7 
-
-
-
6,7 

Dabei wird das verfügbare Zeitfenster des optimalen Schnittzeitpunktes auch in gewissen Rahmen von der botanischen Artenzusammensetzung einer Wiese geprägt sein. Die sogenannte Nutzungselastizität eines Grünlandbestandes fällt in der Regel umso begrenzter aus, je höher der Anteil der Gräser und je geringer der Anteil von Leguminosen und feinstängeligen Kräutern ist, insbesondere dann, wenn im Bestand verstärkt Obergräser (Knaulgras, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenschwingel, Glatthafer) die Hauptbestandsbildner sind.

Grafik "Energiegehalte im 1. Aufwuchs Grünfutter in Abhängigkeit von Nutzungsstadium und Bestandestyp"

(Die Tabelle zeigt, dass beim ersten Schnitt generell mit zunehmendem Alter des Aufwuchses die Energiekonzentration im Futter abnimmt. Sie zeigt aber auch, dass das Ausmaß dieser Abnahme von der botanischen Ausprägung des Grünlandes abhängt. So sind bei gleichem Schnittzeitpunkt grasreiche, speziell obergrasreiche Bestände energieärmer als ausgewogene Bestände, die neben einem hohen Anteil von Untergräsern auch Klee und feinblättrige Kräuter enthalten. Somit sind ausgeglichene Grünlandbestände im Vergleich zu einen Grasbeständen nutzungselastischer.)



Entgegen der landläufigen Meinung wird die Energiedichte des Grundfutters bei gegebener Nutzungshäufigkeit nicht von der Höhe der N-Düngung bestimmt (RIEDER, 1998). Ähnliches gilt im Bereich eines ökonomisch sinnvollen Stickstoff-Aufwandes auch für den Rohproteingehalt (RIEDER, 1998). So besteht die Rolle einer bedarfs- und umweltgerechten Stickstoffdüngung in erster Linie darin, insbesondere bei knapper Futterfläche einen hohen Ertrag zu sichern, wobei hier allerdings unterschiedliche Vegetationstypen einer Wiese sich auch im Ertragsverhalten abzeichnen.

Stickstoffdüngung, Ertrag und Energiedichte von drei Vegetationstypen bei viermaliger Nutzung
N-Düngung
kg/ha
Ertrag
dt TM/ha
1 2 3 4
Weidelgrasweide 120
200
300  
107
123
130  
6,8
6,7
6,8  
6,0
5,8
5,6  
6,2
6,1
6,0  
6,4
6,5
6,5  
kräuterreiche
Mähweide
120
200
300  
82
92
101  
6,0
6,0
6,0  
6,1
5,9
6,1  
6,1
6,1
6,1  
6,9
6,9
6,9  
Wiesenfuchs-
schwanzwiese
120
200
300  
97
108
115  
5,8
5,4
5,5  
6,0
5,9
6,0  
6,0
5,9
6,0  
6,4
6,4
6,3  
Einfluss der N-Düngung auf den Rohproteingehalt
kg N/ha Schnitt 1 Schnitt 2 Schnitt 3 Schnitt 4 Schnitt 5
90
120  
12,0
11,7  
14,8
14,1  
14,6
13,8  
   
120
200
300  
13,9
14,1
14,4  
15,9
15,9
15,6  
17,7
17,1
17,5  
18,2
17,5
17,8  
 
200
300
400  
17,6
17,6
17,9  
17,3
16,8
17,3  
17,9
18,3
20,2  
19,6
18,6
20,6  
21,5
21,5
22,3  

Eine optimale Grünlanddüngung erfolgt auf dem Prinzip der Nährstoffbilanzierung auf Basis des gezielten Einsatzes wirtschaftseigener Dünger. Je nach Nutzungsintensität, Trockenmasse-Ertrag und Werbungsverlusten, jedoch auch in Abhängigkeit vom Pflanzenbestand des jeweiligen Standortes können dabei enorme Unterschiede im Netto-Nährstoffentzug bestehen.

Grafik: "So lassen sich Nutzung und Düngung im Grünland aufeinander abstimmen"

(Die Grafik zeigt schematisch die Verfahrensweise der Düngebedarfsermittlung von Grünlandflächen mit Wiesennutzung.)

Grafik: "Beispiele von Nährstoffentzügen bei unterschiedlicher Nutzungsintensität"

(Die Grafik zeigt an ausgewählten Beispielen die große Spannweite im Netto-Nährstoffentzug und daraus resultierend im Düngungsbedarf von unterschiedlich genutzten Wiesentypen des Dauergrünlandes.)



In der Diskussion um hohe Grundfutterleistungen vom Grünland darf allerdings auch nicht übersehen werden, dass bei weitem nicht alle Wiesen einen frühen Schnitt und eine hohe Nutzungsintensität vertragen. So können in vielen Fällen sich verschlechternde und instabile Grünlandbestände neben mangelnder Narbenpflege und unsachgemäßer Düngung auch auf eine überstrapazierte und nicht dem Standort angepasste Nutzung zurückgeführt werden. Dabei ist zu bemerken, dass das bayerische Dauergrünland aufgrund der differenzierten regionalen geologischen und klimatischen Bedingungen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Nur ein Teil kann aufgrund seiner natürlichen Standortvoraussetzungen und Artenzusammensetzung als Intensivgrünland bezeichnet werden, welches eine viermalige oder noch häufigere Nutzung zulässt. Es sind dies die Vegetationstypen Weidelgrasweide, Vielschnittwiese, Mähweide und mit Einschränkung die feuchte Glatthaferwiese in der Ausprägung einer Wiesenfuchsschwanzwiese.

Grafik: "Vegetationskundliche Gliederung wichtiger Pflanzenbestände des Grünlandes"

(Die Grafik gibt einen Überblick über die Diversität der Ausprägung von Wiesentypen des bayerischen Dauergrünlandes in Abhängigkeit von der Feuchtestufe des Standortes. Sie zeigt aber auch, dass nur ein Teil dieser Pflanzengesellschaften für eine intensive Nutzung geeignet ist.)



Auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung ist eine intensive Nutzung bei hohen Erträgen und Energiedichten durchaus bei langfristig stabilen Beständen möglich – optimale Narbenpflege und Düngemanagement natürlich vorausgesetzt – sofern als Hauptbestandsbildner vielschnittverträgliche Gräser wie Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenlieschgras und Knaulgras vertreten sind bzw. sich im Bestand halten können.

Grafik: "Schnittverträglichkeit von Grünlandpflanzen"

(Die Grafik gibt einen Überblick über die Schnittverträglichkeit von Grünlandpflanzen, hier von Gräsern. Sie verdeutlicht, dass eine hohe Schnittintensität nur bei entsprechenden ausgeprägten Standortvoraussetzungen und Pflanzenbeständen möglich ist, damit eine nachhaltige Stabilität der Pflanzenbestände gesichert wird.)



Gegenüber den niederschlagsreichen Grünlandgebieten Südbayerns weisen die trockeneren und raueren Mittelgebirgslagen jedoch vielfach nicht nur ein anderes Ertragspotenzial sondern meist auch eine andere Artenzusammensetzung auf. Standorte mit höheren Anteilen an Glatthafer, Wiesenschwingel oder Rotklee erlauben jedoch aufgrund des spezifischen Reservestoffhaushaltes dieser Arten langfristig nicht mehr als drei Schnitte pro Jahr. Ebenfalls ist der Glatthafer empfindlich gegen frühen Schnitt. Eine willkürliche Erhöhung der Nutzungsintensität führt bei hierfür nicht geeigneten Beständen (z. B. Trockenstandorte und/oder Höhenlagen) über kurz oder lang zu einer Entartung und Verunkrautung. Wird dennoch aus betrieblichen Gründen auf solchen Wiesen eine hohe Schnittintensität angestrebt, so kommt man um eine permanente Nachsaat mit für den Standort geeigneten Arten, Sorten und Mischungen nicht umhin, wobei allerdings der langfristige Erfolg dieser Maßnahme maßgeblich von den klimatischen Gegebenheiten abhängig ist. Man erreicht so gewissermaßen ein künstlich aufrechterhaltenes Fließgleichgewicht des Artenbestandes einer Wiese, wobei aus pflanzenbaulicher Sicht die Grenze vom Dauergrünland zum Feldfutterbau im Einzelfall schon etwas fließend sein mag.

Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Thema Bodenverdichtung auch im Grünland von Bedeutung sein dürfte, mit negativen Folgen für eine nachhaltige Grünlandwirtschaft.


Grafik "Zustand der Grasnarbe und Futterqualität"

(Die Grafik zeigt schematisch mögliche Probleme auf, wenn einerseits nachhaltig erstklassiges Grundfutter vom Grünland erzielt werden soll, andererseits Narbenverletzungen, Bodenverdichtungen und Verschiebungen im Pflanzenbestand durch supoptimale Bewirtschaftung eintreten.)



Intensives Dauergrünland weist gegenüber extensiver Nutzung eine geringere Durchwurzelungstiefe und reduzierte Wurzelmasse auf und ist dadurch auch stressanfälliger.

Grafik "Wurzeltrockenmasse in Abhängigkeit von der Nutzungshäufigkeit nach 4 Jahren unterschiedlicher Nutzung"

(Die Grafik zeigt, dass die Wurzelmasse unter Grünland mit zunehmender Nutzungsintensität abnimmt.)

Grafik "N-Düngung und Wurzelmasse bei 5-maliger Düngung"

(Die Grafik zeigt, dass sich unter intensiv genutztem Grünland rund 90-95% der gesamten Wurzelmasse in nur 10 cm Bodentiefe befinden. Sie zeigt ebenfalls, dass die Wurzelmasse mit zunehmender Stickstoffdüngung abnimmt. Aus diesen Sachverhalten und unter Berücksichtigung, dass die Wurzelmasse ebenfalls mit zunehmender Nutzungsintensität abnimmt, kann geschlossen werden, dass gerade bei Intensivgrünland Stressbedingungen im Oberboden zu nachteiligen Auswirkungen auf Ertrag, Qualität und Pflanzenbestand führen. Neben Trockenheit zählt u.a. auch eine Verdichtung des Oberbodens zu solchen Stressbedingungen.)



Vor allem auf verdichtungsanfälligen Böden ist es in Anbetracht der gewünschten hochwertigen Artenzusammensetzung einer optimalen Nährstoffverfügbarkeit und Durchlüftung von großer Bedeutung, jede Schadverdichtung zu vermeiden und eine dichte und leistungsfähige Grasnarbe zu erhalten. Gefahr besteht vor allem bei (häufigem) Befahren mit schweren Geräten bei verdichtungsanfälligen und zu feuchten Bodenverhältnissen. Während bei mechanischen Narbenschäden die Gefahr der Ausbreitung von Ampfer und anderen minderwertigen Arten besteht, können oberflächennahe Bodenverdichtungen dagegen zu nachhaltig negativen Bestandesumschichtungen durch Förderung der Gemeinen Rispe, der Jährigen Rispe und des Kriechenden Hahnenfußes führen. Hingegen ist die sehr wertvolle Wiesenrispe wiederum gegen Bodenverdichtungen sehr empfindlich.

Grafik: "Wirkungen nachhaltiger Schadverdichtung in Grünlandböden"

(Die Grafik zeigt schematisch, dass ein Boden aus einer Anordnung von mineralischer und organischer Substanz sowie Poren besteht, welche mit Luft oder Wasser gefüllt sein können. Bei verdichteten Böden nimmt das Porenvolumen ab. Gerade letztere sind jedoch u.a. Voraussetzungen für eine optimale Durchlüftung, Durchwurzelung und Gewährleistung eines funktionierenden Bodenwasserhaushaltes. Die Grafig zeigt die möglichen negativen Auswirkungen von Bodenverdichtungen auf einer Vielzahl von Parametern.)



Fazit: Der Wunsch nach energiereichem und qualitativ hochwertigem Grundfutter setzt vom Berater und Landwirt vor allem aufgrund der komplexen Wechselbeziehungen im Dauergrünland eine entsprechende Standort- und gute Pflanzenkenntnis voraus um nachhaltig leistungsfähige und stabile Grünlandbestände zu sichern bzw. um negativen Bestandesentwicklungen rechtzeitig Einhalt gebieten zu können. Je ungünstiger dabei die natürlichen Standortverhältnisse liegen, desto schmaler wird der Grat zwischen der Forderung nach hohen Erträgen bei bester Grundfutterqualität und nachhaltig leistungsstarken sowie stabilen Beständen mit hochwertiger Artenzusammensetzung.



Februar 2004
Dr. Michael Diepolder
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Agrarökologie, Ökologischen Landbau und Bodenschutz
Tel.: 08161/71-3640 • Fax: 08161/71-5848