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Mineralstoffe im Grünland
Bei allen für die Fütterung relevanten Mineralstoffen, d. h. den Mengen- und Spurenelementen besteht im Grünland eine mehr oder weniger starke Streuung in den gefundenen Nährstoffkonzentrationen. Insbesondere trifft dies für die Spurenelemente zu. Verursacht werden diese Schwankungen durch die oft kleinräumige unterschiedliche geologische Ausgangssituation (Gehalt im Boden). Dies ist gerade bei Spurenelementen zu beachten. Jedoch hängen die tatsächliche Verfügbarkeit bzw. die Aufnahme durch die Pflanzen und somit die Gehalte im Futter neben der Düngung noch von einer Vielzahl von weiteren Faktoren ab, selbst wenn die Versorgung durch den Boden ausreichend ist. Hierzu zählen Klima und Witterung, die mikrobiologische Aktivität, der pH-Wert, das Aneignungsvermögen der Pflanze und die teilweise vorhandene Konkurrenz zwischen einzelnen Elementen in der Pflanzenaufnahme. Eine erhebliche Rolle spielen vielfach auch die Ausprägung des Pflanzenbestandes, die Nutzungsintensität, das Reifestadium (Schnittzeitpunkt), die Werbungs- bzw. Konservierungsart und Verunreinigungen (Erde, Abrieb von Metallteilen). Im Gegensatz zum Rohprotein-Gehalt, der durch N-Düngung erhöht werden kann, ist der Mineralstoffgehalt des Grünlandes von der Höhe der Düngung weitgehend unabhängig, sofern optimale Versorgungswerte des Bodens gegeben sind (siehe Tabelle 1). Eine Ausnahme bildet das Kalium. Ein hohes Düngungsniveau führt hierbei zu einer Anhebung des Kaliumgehaltes im Aufwuchs, welcher weit über den pflanzenbaulichen und tierischen Bedarfsnormen liegen kann.
Tabelle 1: Anzustrebende Versorgung (Gehaltsstufe „C“) von Grünlandböden
| Phosphor (CAL) |
10 – 20 mg P2O5 (4,4 – 8,7 mg P) / 100 g Boden |
| Kalium (CAL) |
10 – 20 mg K2O (8,3 – 16,6 mg K) / 100 g Boden |
| Magnesium (CaCl2) |
10 – 20 mg Mg / 100 g Boden |
| Natrium (CAT) |
50 – 100 mg Na / kg Boden (geschätzt) |
| Kupfer (CAT) |
1,2 – 4,0 mg Cu / kg Boden * |
| Mangan (CAT) |
30 – 60 mg Mn / kg Boden * |
| Zink (CAT) |
1,1 – 3,0 mg Zn / kg Boden |
| Bor (CAT) |
0,2 – 0,6 mg B / kg Boden * |
* Werte gelten für mittlere bis schwere Böden
Prinzipiell weisen kräuter- und leguminosenreiche Wiesen höhere Konzentrationen an Phosphor, Kalium, Calcium, Eisen, Kupfer, Zink und Kobalt auf als grasreiche Bestände. Aufwüchse von Weidelgrasweiden sind häufig im ersten Aufwuchs sehr calciumarm. Gerade beim Phosphor hat vor allem beim ersten Aufwuchs ein rechtzeitiger erster Schnitt günstigen Einfluss auf die P-Konzentration im Futter. Die Nutzungshäufigkeit überdeckt den Einfluss der Düngung. Hohe Rohfasergehalte (als Maßstab für späte Ernten oder sehr obergrasreiche Aufwüchse) lassen hingegen den P-Gehalt absinken. Dies gilt auch für den N- bzw. Rohproteingehalt. Verschiedene Ernteverläufe und Ernteverfahren bewirken unterschiedliche Blattverluste. Mit steigendem Verlust an Blattmasse verringert sich der Mineralstoff-, insbesondere der Spurenelementgehalt. Dies erklärt auch Differenzen zwischen Grünfutter, Silage oder Heu und ist bei der Interpretation von Messergebnissen zu berücksichtigen. Allgemein führt ein zeitiger Schnitt nicht nur zu höheren Energiekonzentrationen, sondern auch häufig zu höheren Gehalten an Mengen- und Spurenelementen. Natrium: Hier ist immer eine Zufütterung erforderlich, da die tierischen Bedarfsnormen im Grünland bei weitem nicht abgedeckt werden und über die Düngung die für die Tiere erforderlichen Gehalte im Futter in der Regel nicht eingestellt werden können. Besonders beim ersten Aufwuchs werden häufig sehr niedrige Natriumgehalte beobachtet, während erst beim letzten Schnitt die in den Pflanzen gemessenen Na-Konzentrationen die tierischen Anforderungen oft erfüllen können. Sehr hohe Kaligehalte des Bodens bzw. eine hohe Kalizufuhr behindern zudem die Aufnahme von Natrium in die Pflanze. Allgemein werden im Boden meist niedrige natürliche Gehalte gemessen, da Natrium sehr auswaschungsgefährdet ist. Eine Anhebung des Natriumgehaltes über die Düngung gelingt bei weidelgras- und weißkleereichen Beständen, allerdings nicht in dem für die Tiere notwendigem Maße. Von den Kräuterarten können Gemeiner Löwenzahn, Spitzwegerich und Kriechender Hahnenfuß höhere Na-Mengen ausnehmen. Im allgemeinen jedoch sind kräuterreiche Wiesen und Weiden meist natriumarm.
Ist eine gezielte Spurenelement-Düngung nötig?
Bei regelmäßiger Versorgung des Grünlandes mit Wirtschaftsdüngern ist eine mineralische Ergänzungsdüngung an Spurennährstoffen für die optimale Ernährung des Pflanzenbestandes meist nicht erforderlich. Grundsätzlich lässt sich auch sagen, dass eine Spurenelementversorgung der Tiere über gezielte Mineralfuttergaben sicherer ist, als der „Umweg über den Boden“, da hier eine Vielzahl von Faktoren über die Aufnahme in die Pflanzen und somit über die tatsächliche Konzentration im Futter entscheidet. Besteht jedoch anhand von (möglichst mehrjährigen) Futteranalysen der Verdacht auf eine deutliche Mangelsituation, so sollten auf einigen typischen Betriebsflächen vor einer gezielten Düngung die Gehalte im Boden bestimmt werden (Bodenuntersuchung). Nach derzeitigen vorliegenden bayerischen Bodenuntersuchungs-Ergebnissen liegt eine Unterversorgung im Boden bei den wichtigen Spurenelementen (Mangan, Kupfer, Zink) unter 10 % vor. Voraussetzung für die Verfügbarkeit von Spurenelementen ist eine saure Bodenreaktion (Ausnahme Molybdän), welche im Grünland in der Regel vorhanden ist. In Hinblick auf die Spurenelementversorgung können kalkhaltige Böden mit pH > 7 oder starke Aufkalkungsmaßnahmen problematisch sein. Als optimale pH-Werte im Grünland gelten für mittlere Böden allgemein Werte im Bereich zwischen 5,4 und 5,9. Gülle, Stallmist und Jauche sind die wichtigsten Spurennährstoffdünger im viehhaltenden Betrieb. In Fällen einer regelmäßigen Versorgung des Grünlandes mit Wirtschaftsdünger ist davon auszugehen, dass auf die Fläche mindestens die Menge an Spurennährstoffen ausgebracht wird, die mit der Ernte abgefahren wird, da über 90 % der mit Grob- Kraft- und Mineralfutter aufgenommenen Nährstoffe wieder ausgeschieden werden. In der Regel haben viehhaltende Betriebe somit eine Anreicherung der Spurenelemente im Betrieb. Eine nicht ausreichende gleichmäßige Zufuhr an Spurenelementen über die Ausscheidung der Tiere ist bei sehr extensiver (ohne Zufütterung) Rinderhaltung denkbar.
Tabelle 2: Beispiele ausgewählter Spurennährstoffdünger
| Mangan |
Mangansulfat (Verbrennungsgefahr!) |
24 % |
| |
Manganchelat (flüssig) |
82 g Mn/Liter |
| |
Manganoxid |
48 % |
| |
Mineraldünger Jost |
20 % |
| |
Bittersalz microtop |
1 % |
| |
Ein- und Mehrnährstoffdünger mit Mangan |
variabel |
| Kupfer |
Kupfersulfat (Verbrennungsgefahr!) |
25 – 36 % |
| |
Kupferchelat (flüssig) |
98 g Cu/Liter |
| |
Excello Cu |
2,5 – 5 % |
| |
Mehrnährstoffdünger mit Kupfer |
variabel |
| Zink |
Zinksulfat |
23 – 26 % |
| |
Zinkchelat (flüssig) |
91 g Zn/Liter |
| |
Excello Zink |
3 % |
| |
Ein- und Mehrnährstoffdünger mit Zink |
variabel |
| Bor |
Borax |
11 % |
| |
Solubor |
21 % |
| |
Ein- und Mehrnährstoffdünger mit Bor |
variabel |
| Selen |
Ein- und Mehrnährstoffdünger mit Selen |
variabel |
Allgemein jedoch sollte lediglich auf stark unterversorgten Flächen eine mineralische Ergänzungsdüngung mit Spurenelementen durchgeführt werden. Ob eine Unterversorgung vorliegt, kann mit der Bodenuntersuchung festgestellt werden. Tabelle 2 gibt Beispiele ausgewählter Dünger wieder, die spezielle Spurenelemente in Reinform oder in Verbindung mit Ein- oder Mehrnährstoffdünger enthalten. Für das Selen gilt, dass die Grenze zwischen tierischer Bedarfsnorm und möglicher Toxizität sehr eng liegt. Dies ist im Falle einer Düngung und Mineralfutterbeigabe zu beachten. Gerade bei den Spurenelementen gilt nicht: Viel hilft viel! Vielmehr ist das Prinzip der Bedarfsdeckung anzuwenden. Vor „blinden Aktionen“ sei also gewarnt! Erste Ergebnisse der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft eines Exaktversuches im Allgäuer Alpenvorland mit Einsatz von selenhaltigen Düngern im Dauergrünland deuteten im Trend an, dass ein Effekt bezüglich der Anreicherung des Futters mit Selen bei nur bei mehrmaligen Düngergaben im Jahr festzustellen war.
Fazit und Praxistipp: Optimierung der Mineralstoffversorgung im Grünland
- Ausgeglichene Bestände mit ca. 20-30 % Klee und feinen Kräutern erhöhen den Mineralstoffgehalt im Futter.
- Rechtzeitiger Schnittzeitpunkt, Ernteverluste minimieren
- gezielte, „harmonische“ Düngung, Extreme vermeiden
- Regelmäßige Zufuhr von Wirtschaftsdünger; dies erhöht den Klee- und Kräuteranteil
- Regelmäßige Futter- und Bodenuntersuchung
- Angepasste Mineralstoff-Fütterung
- Düngung von spurenelementhaltigen Düngern v.a. auf Problemstandorten
- „keine blinden Aktionen“
Januar 2006
Dr. Michael Diepolder, Ulrich Hege
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Agrarökologie, Ökologischen Landbau und Bodenschutz
Tel.: 08161/71-3640 • Fax: 08161/71-5848
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