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Aspekte der Grünlandnutzung in Bayern
Zusammenfassung
Land- und Forstwirtschaft halten mit 85 % den Hauptanteil an der Gesamtfläche (7,06 Mio. Hektar) Bayerns. Von den rd. 3,3 Mio. Hektar, welche unter landwirtschaftlicher Nutzung stehen, sind 1,15 Mio. Hektar Dauergrünland. Dies entspricht – regional sehr stark schwankend – rd. 35 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche bzw. 16 % der gesamten Gebietsfläche Bayerns. Dauergrünland und die damit verbundene Landwirtschaft spielen eine wichtige Rolle im Gewässer- und Bodenschutz sowie im Arten- und Biotopschutz. Die Grünlandnutzung prägt das Bild der bayerischen Kulturlandschaft vor allem im Voralpen-, Alpen- und Mittelgebirgsraum, aber auch in vielen Fluss- und Bachtälern. Sie ist gerade in diesen Regionen eine Grundvoraussetzung für die Attraktivität der Naturräume, für deren Freizeit- bzw. Erholungswert und für die Lebensqualität der dort wohnenden Bevölkerung. Sie hat damit aber auch direkte Auswirkungen auf den Tourismus sowie die mit der Landwirtschaft verbundenen Wirtschaftsbereiche. Für die Gesellschaft erfüllt Grünland viele Funktionen. Die Bedeutung reicht einerseits über die Futtergrundlage für die landwirtschaftliche Wiederkäuerhaltung hinaus, andererseits ist sie bislang mehr oder weniger direkt an diese gekoppelt. Im Zuge der agrarstrukturellen Umwälzungen hat sich auch die Grünlandbewirtschaftung geändert. Insgesamt ist die Zahl der rinderhaltenden Betriebe und der Milchkühe drastisch gesunken. Die ökonomischen Rahmenbedingungen spiegeln sich auch in kontinuierlich zunehmenden Milchleistungen pro Kuh und ansteigenden Tierzahlen pro Betrieb wider. Die Anforderungen an die Futterqualität und Produktionstechnik im Grünland steigen. Als Folge wird in Zukunft immer weniger Grünland für die Milchviehhaltung benötigt. Dies kann nicht in gleichem Maße durch andere extensivere Nutzungsformen (z.B. Mutterkuh-, Schaf-, Pferde-, Wildhaltung) aufgefangen werden. Ausgehend von der Notwendigkeit einer differenzierten Grünlandbewirtschaftung mit einem flächendeckenden Netz von überlebensfähigen Milchviehbetrieben müssen in Zukunft zusätzlich alternative oder neue Grünlanderhaltungs- und Landschaftspflegestrategien gefunden werden. Diese müssen gesellschaftlich gewünscht, betriebswirtschaftlich umsetzbar und volkswirtschaftlich tragbar sein. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bearbeitet in dem Arbeitsschwerpunkt „Grünlandbewirtschaftung“, in dem die Ergebnisse der Arbeitsgruppen verschiedener Institute zusammengeführt werden, Fragen zur gegenwärtigen und zukünftigen Ausrichtung einer nachhaltigen Grünlandbewirtschaftung.
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Summary
Agriculture and forestry hold the major part of 85 % of Bavaria’s total area (7.06 million ha). 1.15 millions of about 3.3 millions ha cropland area are permanent grassland. This corresponds– regionally enormously varying – to about 35 % of utilizable agricultural area or 16 % of Bavaria ‘s total area, resp. Permanent grassland and the agriculture associated with it play an important role in water and soil protection and in species and biotope protection as well. Grassland management shapes the appearance of the Bavarian cultivated landscape, above all in the regions of Alpine foothills, Alpine and low mountains range, but also in many river and brook valleys. Especially in these regions, it is the basic prerequisite for the attractiveness of the natural areas, for the value of leisure time facilities thereof or the recreational value thereof, resp., and for the quality of life of the population living there. But it has as well direct effects on tourism and the economic sectors related with agriculture. Grassland fulfils many functions for society. The importance exceeds on the one hand the feeding basis for agricultural ruminants keeping, on the other hand, it is up to now more or less linked to that. In the course of the radical changes in agricultural structure, grassland management has also modified itself. On the whole, the number of farms raising cattle and that of milk cows has drastically decreased. The basic economic conditions reflect themselves also in continually increasing milk performances per cow and increasing animal numbers per farm. The requirements for forage quality and production technique in the grassland are rising. As a consequence, less and less grassland will be needed in future for dairy cattle keeping. This cannot be neutralized to the same extent by other more extensive land use systems (e. g., suckling cow, sheep, horse and game keeping). Starting from the necessity of a differentiated grassland management with a net of dairy cattle keeping farms able to survive in blanket coverage throughout the area, there will additionally have to be found alternative or new strategies of grassland conservation and landscape management. These have to be desired from society, realizable in terms of business management and acceptable in terms of national economics. The Bavarian State Research Institute for Agriculture works in the section “grassland management”, in which the results of working groups of diverse institutes, e.g. the Institute of Agroecology, Organic Farming an Soil Protection, are brought together, on questions about the present and future orientation of a sustainable grassland management.
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Einführung
Betrachtet man die Gesamtfläche von Bayern, 7,06 Mio. Hektar, könnte man unser Bundesland auf den ersten flüchtigen Blick für einen Agrarforststaat halten, da Landwirtschafts- und Waldflächen mit ca. 85 % den Hauptanteil an der Gesamtfläche umfassen (Anhang/Tab. 1 „Nutzungsarten der Bodenflächen in Bayern 2003“). Dass die volkswirtschaftlichen Verhältnisse (z.B. Anteil Erwerbstätige, Beitrag zur Bruttowertschöpfung) teilweise ganz anders liegen, belegen die Zahlen des Bayerischen Agrarberichts (BAYSTMLF, 2004), auf die am Schluss des Beitrags kurz eingegangen werden soll. Jedoch bleibt in Bezug auf das gewählte Thema festzuhalten, dass ungefähr 16 % der Gesamtfläche Bayerns aus Dauergrünland besteht. Somit ist klar, dass Grünland ein bedeutender Teil unserer Kulturlandschaft ist. Ein Großteil der Faszination ist dabei in der großen Vielfalt und Schönheit zu sehen, in der sich das Grünland präsentiert, gerade im Alpenvorland, im Mittelgebirgsraum oder entlang von Flusstälern.
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Veränderungen der Grünlandnutzung in Bayern
Rund 35 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Bayerns sind Dauergrünland, die Anteile schwanken jedoch regional sehr stark, von 4 % bis knapp 100 % in bestimmten Regionen Oberbayerns und Schwabens (Anhang/Tab. 2 „Schwerpunkte des Dauergrünlandes in Bayern“). Diese beiden Regierungsbezirke umfassen 55 % der gesamten Grünlandfläche Bayerns, den geringsten Flächenanteil hat Unterfranken. Stellen wir der Entwicklung der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Bayern die Entwicklung in der Grünlandfläche gegenüber (Anhang/Tab. 3 „Vergleich der Entwicklung der landwirtschaftlich genutzten Flächen (LF) mit Acker- und Grünlandnutzung“), so zeigt sich – bei relativ stabilem Anteil der Ackerfläche - ein kontinuierlicher Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Dies bedeutet, die Abnahme erfolgte im rechnerischen Saldo fast ausschließlich zu Lasten des Dauergrünlandes. Dessen Anteil sank von 42 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu Beginn der 1970er Jahre auf heute ca. 35 %, was einer Abnahme von rund 420.000 ha bzw. einem gemittelten jährlichen Rückgang von ca. 12.500 ha entspricht. In der gleichen Periode dehnte sich der Silomaisanbau um über ca. 170.000 ha aus. Wenn wir in Bayern über Grünlandnutzung sprechen, reden wir, im Gegensatz zu Norddeutschland, über Wiesennutzung (Schnittnutzung). Schätzungen zufolge werden gegenwärtig rund 75 % der Fläche ausschließlich als Wiesen genutzt (Anhang/Tab. 4 und Foliensatz/Folie 8 „Entwicklung der Nutzung des Dauergrünlandes in Bayern“). Rechnet man die Fläche der Mähweiden dazu, also Grünland, welches geschnitten und beweidet wird, liegt der Anteil des vorwiegend geschnittenen Grünlandes in Bayern bei ca. 90 %. Die reine Weidenutzung spielt in unserem Bundesland mit schätzungsweise 10 % Flächenanteil eine völlig untergeordnete Rolle – auf die Frage, ob dies auch in Zukunft so bleibt, wird später noch eingegangen. Die Hauptnutzer unseres Grünlandes sind die Rinder und hier insbesondere die Milchkühe (Anhang/Tab. 5 „Tierische Verwerter des Grünlandes in Bayern“). Schon alleine aus diesen Zahlen ist zu entnehmen, dass die Entwicklung und die Zukunft der Grünlandnutzung maßgeblich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Rinderhaltung zu sehen ist. Verändern sich Nutzungsart, Nutzungsrichtung und Nutzungsintensität, so hat dies Auswirkungen auf den „Charakter“ des Grünlandes als Vegetationssystem. Da Grünland im landläufigen Sinn in unseren Breitengraden - mit Ausnahme der Hochgebirgsregionen - keine natürliche Vegetationsform ist, sondern sein Erhalt an eine fortlaufende, differenzierte Bewirtschaftung (Schnitt, Weide) gebunden ist, würde es bei brachfallender Nutzung über kurz oder lang der Sukzession unterliegen. Die Mutterkuhhaltung hat insgesamt nur eine sehr untergeordnete – wenngleich gerade im Falle mit gekoppelter Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof etc. als Marktnische sehr wertvolle – Bedeutung. Es ist derzeit kaum zu erwarten, dass sich dieser Trend ändern wird. Die übrigen tierischen Verwerter des Grünlandes (Schafe, Ziegen, Pferde, Wild) liegen weit hinter den Rindern, speziell den Milchkühen. Ihre künftige Entwicklung trägt jedoch auch zum Erhalt des Dauergrünlandes mit bei. Gerade extensive tierische Nutzungsformen sind in Hinblicke auf den Erhalt kleiner Biotope (Streuobstwiesen, Trockenrasen, Wacholderheiden) sehr hoch zu bewerten. Sie sollten daher vorwiegend in benachteiligten oder besonders sensiblen Regionen verwirklicht und gefördert werden. Festzuhalten bleibt aber, dass bis dato die tragende Säule der Grünlandnutzung in Bayern in einem flächendeckenden Netz von Milchviehbetrieben zu sehen ist. Redet man über Grünland, so versteht jeder etwas anderes darunter – darüber muss man sich bei der Diskussion um diese Landnutzungsform immer im Klaren sein! Insgesamt finden sich nach OBERNDORFER (1983) auf Grünland, in Abhängigkeit von den Standortverhältnissen, etwa 70 Pflanzengesellschaften mit 300 Untereinheiten (zitiert nach KAPFER, 1993). Abb. 2 gibt einen vereinfachenden Überblick über wichtige Vegetationsgesellschaften des Dauergrünlandes nach RIEDER (2000) (Foliensatz/Folie 11 „Vegetationskundliche Darstellung wichtiger Pflanzengesellschaften des Dauergrünlandes“): Im feuchten Bereich finden sich Grünlandgesellschaften, die früher als Streuwiesen dienten und heute unter Naturschutz stehen (13d-Flächen). Die teilweise sehr artenreichen Gesellschaften unter trockenen Standortverhältnissen - Trockenrasen und Halbtrockenrasen - stehen ebenfalls unter Naturschutz (13d-Flächen). Gerade hier kommt der Schafhaltung für den Erhalt dieser Biotope besondere Bedeutung zu, was man z. B. an den Wachholderheiden des Altmühltales sehr schön sehen kann. Das Wirtschaftsgrünland nimmt einen engeren Bereich dazwischen ein mit Pflanzengesellschaften, die als „Intensivgrünland für die leistungsorientierte Milchviehhaltung“ wiederum ein ganz enges Spektrum der gesamten Grünlandgesellschaften darstellen. Allgemein gilt: Je intensiver die Nutzungsintensität auf Grünland ist, desto weniger Arten gibt es dort (Anhang/Tab. 6 „Einflüsse der Nutzungsintensität auf floristische Vielfalt, Ertrag und Futterqualität bei Wiesen“). Schätzt man nach Rückfrage mit der staatlichen Beratung (Ämter für Landwirtschaft und Forsten) in der Praxis die Nutzungsintensität des Grünlandes in Bayern, erkennt man, dass extensives, d.h. wenig genutztes Grünland in Bayern in der Minderzahl ist (Anhang/Tab. 7 „Abschätzung der Nutzungsintensität des Grünlandes in Bayern“). Der überwiegende Anteil wird mittel- bis hochintensiv genutzt, wobei ca. 1/3 der Fläche in Bayern mit regelmäßig vier und mehr Nutzungen (Schnitten) beerntet wird. Die Tabelle zeigt auch die Bandbreite im Ertragspotenzial von Dauergrünland in Abhängigkeit von der Nutzungsintensität.
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Bedeutung des Grünlandes
Grünland hat eine Schlüsselrolle in Bayern und erfüllt viele Funktionen. (Anhang/Tab. 8 „Übersicht zur Multifunktionalität des Grünlandes und seiner Bewirtschaftung“ und Foliensatz/Folien 14-18). Auf der einen Seite steht der Ressourcenschutz. Hierunter fallen Artenvielfalt und Biotopschutz (Pflanzen-, Tierwelt, Schutzgebiete), die meist mit der extensiver Nutzung in Zusammenhang gebracht werden. Grünland ist wichtig für den Bodenschutz (Verhinderung von Erosion, Minderung des Moorschwundes) und hat eine tragende Rolle im Gewässerschutz inne. Die meisten Wasserschutzgebiete liegen unter Grünland weil dort i.d.R. weniger Stickstoff und Phosphor ausgetragen wird als unter Ackernutzung. Schließlich dient Grünland neben Auwäldern zur Wasserrückhaltung. Auf der anderen Seite spielt Grünland natürlich in Bayern die Schlüsselrolle als Futtergrundlage für den Wiederkäuer, sprich für das Einkommen in der Landwirtschaft. Hierunter fallen Flächen für die leistungsbetonte Milchviehhaltung, aber auch für extensive und alternative Nutzungsformen. Den dritten großen und sehr wichtigen Bereich könnte man mit den Begriffen Kulturlandschaft, Ästhetik, Attraktivität und Tourismus beschreiben. Grünland ist gerade im Voralpen-, Alpen- und Mittelgebirgsraum landschaftsprägend, ebenso in Fluss- und Bachtälern. Was uns Menschen erfreut, ist eine offene, strukturierte Landschaft, möglichst mit Schlaggrößen von unter 10 ha. Das gewährleistet die Grünlandnutzung. Darüber hinaus ist Grünland Lebensraum und Einkommensmöglichkeit in benachteiligten Regionen, in denen keine Ackernutzung möglich ist. Gerade unter ungünstigen Produktionsbedingungen, wie steile Hänge oder Buckelwiesen im Almbereich, finden wir schützenswerte Grünlandschaften. Viele dieser Flächen würden ohne die Wanderschäferei, ohne den Wiederkäuer, verbuschen und verwalden. Letztendlich „mögen“ wir als Urlauber und Landschaftsliebhaber (sofern nicht direkt mit den Anforderungen der modernen Landwirtschaft vertraut) nicht den hocheffizienten Milchviehstall, in dem die Kühe kaum herauskommen, sondern wir verbinden üblicherweise Kühe auf der Weide mit dem Begriff Schönheit und Landschaftsästhetik. Nicht zuletzt fällt uns hierbei auch der Begriff Heimat bzw. Urlaubsregion („Heidi-Milch-Image“) ein, was gerade in Bayern, Österreich, Südtirol und der Schweiz über den Tourismus einiges Geld für die gesamte Volkswirtschaft bringt. In diesem Zusammenhang sei auch hier der Verweis auf die häufig anzutreffende romantisierende Darstellung „ländlicher Idylle“ vieler „Heimatfilme“ erlaubt. Und genau dies ist ein Aspekt, wo nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft gefragt ist, wenn es um die Möglichkeiten des Erhaltes des Dauergrünlandes in seiner ganzen (auch volkswirtschaftlichen) Bandbreite geht – gerade dann, wenn die bloße landwirtschaftliche Ökonomik z.B. in benachteiligten Regionen nicht mehr gegeben ist. Oder mit ein paar Schlagworten ausgedrückt: Ungünstiger Standort, aber schützenswerte Landschaft (Grünland) – wir alle partizipieren davon - was ist zu tun?
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Entwicklung der Milcherzeugung – Einflüsse auf die Grünlandwirtschaft
Kommen wir zurück von diesem Bild zu dem bis heute (und wohl auch in Zukunft) für das Betriebseinkommen wichtigem ökonomischen Zuchtziel, der Milchleistung. Die Milchleistung der Kühe steigt – bei vergleichsweise konstanter Milcherzeugung - stetig an, sowohl in Bezug auf die Durchschnittswerte in Bayern, als auch auf die Milchleistungsprüfungsbetriebe, bei denen der Anstieg bei etwa 100 kg/Jahr liegt (Anhang/Tab. 9 „Milcherzeugung in Bayern“ und Foliensatz/Folie 20 „Entwicklung der Milchleistung pro Kuh in Bayern). Mit diesem Anstieg sind immer höhere Anforderungen an die Fütterung verbunden. Auf der anderen Seite sind während eines zehnjährigen Zeitraumes (1992/93 bis 2003) in Bayern die Milchkuhhalter um 43 % (43.000 Betriebe) und die Milchkühe selbst um 19 % (313.000 Tiere) zurückgegangen. Dieser Rückgang fand in den einzelnen Regionen unterschiedlich statt, abgeschwächt in Oberbayern und Schwaben, aber ganz stark in Unterfranken (Anhang/Tab. 10 „Regionale Veränderungen der Milchviehhaltung in Bayern im Vergleich der Jahre 2003 gegenüber 1992/1993“). Der im Foliensatz/Folie 24 [„Grünlandnutzung und Milchviehhaltung in Bayern“] dargestellte Vergleich stellt diese drastischen strukturellen Änderungen (hier in Bezug auf Beginn der 90er Jahre) optisch gegenüber. Dass die Zahl der Milchkuhhalter wesentlich stärker zurückgegangen ist als die der Milchkühe bedeutet, dass letztendlich in einem Stall mehr Kühe stehen. Die Milcherzeugung in Bayern in den letzten zehn Jahren zeigt, dass eine annähernd gleiche Milchmenge von deutlich weniger Kühen und deutlich weniger Betrieben erzeugt wird. Standen 1990 in einem bayerischen Milchviehdurchschnittsstall nur in einem Viertel der Fälle mehr als 30 Kühe, so trifft dies heute für mehr als die Hälfte der Fälle zu (Tab. 9). Für die Rahmenbedingungen in der Grünlandbewirtschaftung lässt sich zusammenfassend festhalten: Die Milchviehhaltung auf der Basis der Grünlandbewirtschaftung ist eine tragende Säule der bayerischen Landwirtschaft. Sie unterliegt allerdings (regional unterschiedlich) einem starken Strukturwandel. Bei kontinuierlich steigender Milchleistung der Kühe wird eine annähernd gleiche Milchproduktion in Bayern von immer weniger Kühen und landwirtschaftlichen Betrieben erzeugt und immer weniger Grünland wird für die Milchviehhaltung benötigt. Wenn wir diesen Prozess der Steigerung der Milchleistung linear fortschreiben, ist nach gegenwärtigen Studien ist davon auszugehen, dass durch die weiter abnehmenden Rinderzahlen und damit durch den sinkenden Futterbedarf innerhalb der nächsten zehn Jahre in Bayern schätzungsweise cirka 200.000 ha Grünland nicht mehr für die Milchviehhaltung benötigt werden (LFL, 2005, A), wobei diese Zahl je nach Szenario weit streut. Die entscheidende Frage ist, ob und wie wir dieses Grünland alternativ nutzen können bzw. ob und inwieweit es uns gelingt, diesen bedeutenden Teil unserer Kulturlandschaft flächendeckend in den Regionen zu erhalten. Ebenfalls ist festzuhalten, dass bei zunehmender Milchleistung die Ansprüche an die Qualität des Grundfutters ansteigen. Warum soll die Kuh möglichst viel Milch geben? Zum einen ist eine höhere Milchleistung in der Regel mit einem höheren Einkommen verbunden, es ist gegenwärtig auch effektiver, mit weniger hochleistenden Tieren dieselbe Milchmenge zu erzeugen als durch viele niedrigleistende. Ein Stallplatz kostet heute ca. zwischen 5000 und 7000 € und auch Tiere mit wenig Leistung brauchen zur Aufrechterhaltung ihrer sonstigen, nicht leistungsgebundenen Lebensfunktionen Futter! Diesbezüglich sollte - gerade wenn es um ökologische Aspekte geht – nicht unerwähnt bleiben, dass bei der Erzeugung einer gegebenen Milchmenge bei einem hohem Leistungsniveau der Kühe insgesamt weniger Stickstoff und Methan in die Atmosphäre abgegeben werden als bei niedrigem Leistungsniveau (RIEDER, 1996/2000). Was folgt daraus für die Grünlandwirtschaft? Hohe Milchleistung setzt eine entsprechende Gesamtfutteraufnahmen der Tiere voraus. Begrenzend aber ist das Aufnahmevermögen des Pansens, und auch Kraftfutter (Getreide, Soja) kann aus Gründen der Tiergesundheit und auch der Nährstoffbilanzierung nicht uneingeschränkt eingesetzt werden. Erforderlich im Intensivgrünland zur Ernährung der Hochleistungskuh ist daher bestes Futter mit hoher Energiedichte, wodurch ein effizienter Kraftfuttereinsatz möglich ist. Dies bedeutet für das vom Grünland gewonnene Futter: Optimaler Schnittzeitpunkt, optimale Nutzungsfrequenz und, als nachhaltige Futtergrundlage, optimale Grünlandbestände. Beste Futterqualitäten und die damit i. d. R. verbundene intensive Grünlandwirtschaft verlangen vom Landwirt in pflanzenbaulicher Hinsicht viel Fingerspitzengefühl und Kenntnis der jeweiligen Standortbedingungen.
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Welches Grünland ist anzustreben?
Wunderbar wäre es, wenn wir beides, „Top-Futterqualität“ und Artenvielfalt auf einer Fläche verbinden könnten. Wiesen – gerade mäßig gedüngte Bestände mit zwei- bis drei Nutzungen im Jahr – im blühenden Zustand sind ästhetisch sehr ansprechend, aber die 6000- bis 10000-Liter-Kuh ernährt sich davon nur mehr zu einem sehr geringen Anteil (Heu als Strukturanteil in der Futterration). Blühende Gräser sehen sehr schön aus, jedoch die heutigen Anforderungen in Bezug auf die anzustrebende Futterqualität (siehe Anhang/Tab. 6) in der (notwendigerweise) leistungsorientierten Milchviehhaltung sind anders. Bei dem Ziel „hochverdauliches Futter mit viel Energie“ liegt der Zeitpunkt für eine optimale Qualitätsgewinnung deutlich vor dem Blühen des Bestandes. Wird dieser Zeitpunkt versäumt, beginnt eine ganze Kaskade von Nachteilen: Die Verdaulichkeit und die Energiekonzentrationen sinken, ebenso die Futteraufnahme und die Verdichtungsfähigkeit (Zunahme der Rohfasergehalte). Es kommt insgesamt zu einem empfindlichen Rückgang der Energieaufnahme, die letztendlich durch (zugekauftes) Kraftfutter (Nährstoffimport) ausgeglichen werden muss. Daher braucht es in gerade Gunstlagen des Grünlandes, wie wir sie vielfach in Bayern haben, Schnittsysteme im Bereich von 4-5 Schnitten pro Jahr mit optimalen Nutzungszeitpunkten. Die Abbildung 30 im Foliensatz („Einfluss von Schnitthäufigkeit und Düngung auf Ertrag und Energiegehalt einer weidelgrasreichen Wiese“) zeigt den Einfluss der Schnitthäufigkeit und Düngung (Gülle) auf den Ertrag und den Energiegehalt einer weidelgrasreichen Wiese. Im Hochleistungsbereich werden Energiedichten von deutlich über 6,0 MJ NEL/kg TM angestrebt, beim ersten Schnitt werden für die landwirtschaftliche Ernährung 6,3 MJ NEL und mehr angestrebt. Ein 3-Schnittsystem mit verspätetem erstem Schnittzeitpunkt ist gemäß diesen Ergebnissen nicht geeignet. Aber es wird ebenfalls deutlich, dass eine dem Schnitt entsprechende Schnittintensität eine entsprechende Düngung verlangt. Die Erträge für die 3-Schnittvariante bei 3-maliger Düngung liegen im Bereich von denen von 4-Schnittvarianten bei 4-maliger Düngung. Anders ausgedrückt: Ohne Anpassung der Düngungsintensität geht mit der Steigerung der Schnitthäufigkeit ein Ertragsabfall einher.
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Vollweidesysteme als Alternative zur Schnittnutzung
Zwischen der Grünlandbewirtschaftung früherer Zeiten und der heutigen liegen Welten. Letztendlich geht es heute darum, bestes Futter für die Kühe zu erzeugen. Die moderne Technik und damit erzeugtes Grünlandgrundfutter ist natürlich nicht billig, wenn man Vollkostenansätze wählt. Die Frage ist daher, ob die intensive Vollweidehaltung nicht ein geeignetes System als Alternative zur intensiven Schnittnutzung wäre. Aus Irland, Neuseeland, der Schweiz und neuerdings auch Österreich gibt es dazu Untersuchungen. Die Merkmale der so genannten Kurzrasenweide sind in Tab. 11 („Aspekte zu Vollweidesystemen in der Milchviehhaltung als Alternative zur Schnittnutzung bzw. zur Ganzjahresstallfütterung“) zusammengefasst: Die Vorteile dieses Systems sind eine wesentlich geringere Arbeitsbelastung, billigeres Grundfutter, da weniger Konservierung anfällt, und eine Einsparung von Kosten im Bereich von Maschinen, Treibstoff und Lagerraum. Dazu kommt, dass sich mit der Kurzrasenweise das Image einer „naturnahen Milchproduktion“ verbindet – Kühe auf der Weide sehen einfach gut aus. Betrachtet man aber heutige Flächengrößen, Standort- bzw. Betriebsgegebenheiten in Bayern und berücksichtigt man, dass derzeit ca. 70-90 % des Grünlandes der Schnittnutzung unterliegen, so wird deutlich, dass Vollweidesysteme für die Zukunft wohl nur eine kleine Alternative darstellen. Sie bedeuten ein relativ neues System, das innovative Betriebsleiter verlangt. Vor allem die Anforderungen an das Weidemanagement sind sehr hoch bzw. lassen sich nur bei besonderen Standort- und Betriebsvoraussetzungen verwirklichen. Es werden arrondierte Flächen benötigt sowie dichte, grasbetonte, untergrasreiche Bestände (Weidelgraswiesen). Die Bestandesführung einschließlich der Düngung muss sehr exakt sein und es werden sehr hohe Anforderungen an das Fruchtbarkeitsmanagement gestellt. Zu berücksichtigen sind weiterhin ggf. Schwankungen sowohl der Milchanlieferung über das Jahr als auch bei den Milchinhaltsstoffen. Weidesysteme haben höhere Verluste an Trockenmasse durch Trittschäden und die Frage der Nährstoffeinträge fällt i. d. R. zugunsten des geschnittenen Grünlandes aus. Nicht eindeutig geklärt scheint bislang überdies auch die Frage, ob und inwieweit sich dieses System generell betriebswirtschaftlich als vorteilhaft erweist. Ich denke, hier sollte auf jeden Fall zur Bewertung ein regionaler Bezug gewählt werden, wobei trotz der unzweifelhaft notwendigen fachübergreifenden Forschungsarbeit auf diesem Teilgebiet der Grünlandnutzung sicher nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich die bei uns etablierten und vorherrschenden Bewirtschaftungsverhältnisse (Schnittnutzung, Silagewirtschaft, überwiegende Stallfütterung) wesentlich ändern werden. Gleichwohl ist das System der „Kurzrasenweide“ bzw. „intensivern Standweide“ ein interessanter – wenngleich auch im Grundsatz nicht völlig neuer – Ansatz zu alternativen Nutzungsmöglichkeiten im „Milchviehgrünland“!
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Artenreichtum im Intensivgrünland
Wie sieht der Artenreichtum im Intensivgrünland mit vier und mehr Schnitten aus – vor allem in Hinblick auf Literaturangaben, welche darauf verweisen, dass Grünland im engeren Sinn insgesamt von etwa 400 Pflanzenarten - davon ca. 100 in ihrem Bestand gefährdeten - besiedelt wird (KORNECK UND SUKOPP, 1988) und andere Autoren (BRIEMLE, 1996; RIEDER, 1998) für das Grünland der Bundesrepublik Deutschland noch eine wesentlich höhere Artenvielfalt (ca. 800-1000) erwähnen? Auf grundsätzliche Zusammenhänge wurde bereits an vorigen Stellen und in Tab. 6 eingegangen. In jüngeren Untersuchungen im Raum Oberbayern fanden DIEPOLDER ET AL. (2004) auf 30 aufgenommenen Parzellen (5x5 m) in Wiesen, welche viermal und öfter im Jahr genutzt wurden, insgesamt nur 56 Arten (Abb. 34 im Foliensatz „Häufigkeit des Vorkommens von Pflanzenarten im Intensivgrünland“). Erhöhte man die Anforderungen und setzte eine „Wiederfindungsrate“ einer Art von mindestens 10 % der untersuchten Flächen (Stetigkeit) voraus, reduzierte sich die Artenvielfalt auf 36. Bei höheren Anforderungen an die Stetigkeit bleiben ca. 10-15 Arten übrig, davon ca. 5-7 Grasarten. Entscheidend war, dass auf diesen Monitoringflächen von 56 Grünlandpflanzen nur etwa 30 % größere Bedeutung in Bezug auf ihre Stetigkeit und ihren Masseanteil in den Aufwüchsen hatten – und somit für die landwirtschaftliche Praxis als Mindestmaß erforderlicher Artenkenntnis angesehen werden können (DIEPOLDER ET AL., 2004). Nicht dabei waren übrigens Namensgeber ganzer Pflanzengesellschaften wie der Glatthafer und der Wiesenschwingel. Tabelle 12 im Anhang (Gefundene Pflanzenarten im Dauergrünland mit vier und mehr Nutzungen – Ergebnisse eines Monitorings auf 30 Flächen in Oberbayern) zeigt die durchschnittliche Häufigkeit von Gräsern in Abhängigkeit vom durchschnittlichen Grünmasseanteil im Aufwuchs. Nur relativ wenige Arten spielen dabei eine Rolle, die Spitzenreiter sind das Deutsche Weidelgras und die Gemeine Rispe, die wir aus verschiedensten Gründen nicht so gern in höheren Anteilen im Grünland haben möchten, Knaulgras und Wiesenrispe, Wiesenfuchsschwanz und Bastardweidelgras (siehe Anhang/Tab 12, dicke Umrandung und Foliensatz/Folie 35).
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Grundfutter und Kraftfutter
Gruppiert man die Grundfutterleistung in kg Milch/Kuh (d. h. die von der Kuh erzeugte Milchleistung, bei dem die „Milch aus Kraftfutter“ rechnerisch abgezogen wurde) in unterschiedliche Bereiche, so zeigt sich auch bei unterschiedlicher Grundfutterleistung eine annähernd gleiche Milchleistung pro Kuh (Anhang/Tab. 13 „Bedeutung hoher Grundfutterleistung“). Der monetäre Gewinn pro Kuh fällt aber umso höher aus, je höher die von der Kuh mit dem Grundfutter erzeugte Milchleistung ist, wobei natürlich hinzugefügt werden muss, dass diese Gewinnsteigerung nicht nur mit der Grundfutterleistung zusammenhängt. Bei einer ähnlichen Gesamtfutteraufnahme ist aber das Verhältnis zwischen der linken und der rechten Gruppe in Tab. 13 ein ganz anderes, was das Verhältnis Grundfutter zu Kraftfutter betrifft. Gerade im Grünlandbetrieb sind daher hohe Leistungen aus dem Grundfutter ökonomisch (Siehe auch Foliensatz/Folien 36 und 37). Die Nährstoffbilanz eines Grünlandbetriebes auf Hoftorbasis (siehe Foliensatz/Folie 38) verbucht auf der einen Seite eine Nährstoffzufuhr über Futtermittel, Viehzukauf, Mineral- und organischem Dünger sowie durch symbiontische Stickstoffbindung über Leguminosen. Auf der anderen Seite verlassen Nährstoffe den landwirtschaftlichen Betrieb in Form von Milch (erzeugt aus Grund- und Kraftfutter), Fleisch, pflanzlichen Produkten, organischem Dünger und Verlusten (durch Auswaschung bzw. gasförmig im Stall, bei der Lagerung und bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern). Für die beiden aus Tab. 13 herausgegriffenen Gruppen „Grundfutterleistung 2500-3000 bzw. >3500 kg Milch/Kuh“ ergeben sich aus dieser Sicht sehr unterschiedliche Nährstoffsaldi (Anhang/Tab. 14 „Grundfutterleistung und Nährstoffsaldo“, unten). Die Gefahr ist groß, dass es bei niedriger Grundfutterleistung zu positiven Nährstoffbilanzen und damit zu Nährstoffüberhängen durch den Kraftfutterimport kommt. Daraus folgt, dass im Milchviehbetrieb hohe Leistungen aus dem Grundfutter nicht nur ökonomisch (s.o.), sondern auch tierphysiologisch und hinsichtlich der Nährstoffbilanz sinnvoll sind.
Zusammenfassend lässt sich an Anforderungen an die Grünlandbewirtschaftung für die Milchviehhaltung festhalten: 1. Hohe Qualitätsanforderungen an die Silage setzen in Gunstlagen des Grünlands, d.h. bei ausreichenden Niederschlägen, eine intensive Nutzung mit vier- bis fünfmaliger Schnittfrequenz mit optimalen Nutzungszeitpunkt vor allem der ersten beiden Aufwüchse voraus. Angestrebt wird „viel Milch aus dem Grundfutter“. 2. Im Milchviehbetrieb ist eine geringere Nutzungsintensität (gegenwärtig) nur dort gerechtfertigt und zweckmäßig, wo sie standorttypisch ist. Hier macht es keinen Sinn, Grünlandbestände durch eine intensive Nutzung überzustrapazieren. 3. Jungvieh, niedrig leistende oder trockenstehende Kühe haben geringere Anforderungen an die Grundfutterqualität. Das Idealbild wäre demnach eine abgestufte, „duale“ Grünlandnutzung (d.h. intensiv und extensiv nebeneinander). Allerdings muss diesbezüglich vermerkt werden, dass aus praktischer Sicht dies nicht immer einfach für einen Einzelbetrieb zu bewerkstelligen ist (Logistik des überbetrieblichen Maschineneinsatzes und des Konservierungsmanagements). Jedoch sollte hier angesetzt werden, worauf auch der Statusbericht des Bayerischen Staatministeriums (BAYSTMLF, 2003) und die Beratungsarbeit der LfL hinweisen.
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Extensive Nutzungsformen
Viele Grünlandflächen wurden aus produktionstechnisch, fütterungstechnisch, arbeitswirtschaftlich und strukturell nachvollziehbaren Gründen durch Melioration und Nutzungsintensivierung in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dadurch wurde die früher vorhandene Vielfalt von Grünlandtypen und die dort vorkommende Artenvielfalt (Tiere und Pflanzen) wesentlich eingeengt. Besonders betroffen sind Pflanzengesellschaften ertragsschwacher, trockener und feuchter Standorte sowie Flächen mit starkem Relief. Die Folge davon ist eine starke Auseinanderentwicklung zwischen Grünlandtypen, die produktionsorientiert und solche, die aus naturschutzfachlicher Sicht bedeutend sind. Bestimmte Grünland-Biotoptypen sind besonders geschützt, zahlreiche Schutzgebiete und schutzwürdige Landschaften werden durch Grünland geprägt (STMLF, 2003). Ihre Entstehung, ihr derzeitiger Zustand sowie ihr Fortbestand sind an eine auf sie abgestimmte Grünlandnutzung gebunden. Der Landwirtschaft fällt damit eine Schlüsselrolle im Naturschutz zu, die schon alleine aus finanzieller Sicht großflächig nicht anderweitig ersetzt werden kann. Grünlandbewirtschaftung mit extensiven oder alternativen Nutzungsformen ist daher sinnvoll und notwendig bei ungünstigen Betriebsstrukturen (Größe, Boden, Klima, Steillagen) oder wenn sich die Milchviehhaltung z.B. in Berggebieten oder in Seitentälern zurückzieht. Häufig finden wir in diesem Bereich ökologisch wertvolle und/oder landschaftlich reizvolle Flächen, oft gekoppelt mit dem Tourismus, z.B. im Almenbereich. Eine theoretische Möglichkeit für eine extensive Nutzungsform wäre die Milchviehhaltung auf Basis von Grünland mit wenig Kraftfuttereinsatz und geringerer Leistung. Hierbei müsste aber das fehlende Einkommen ausgeglichen werden – aber wer bringt langfristig gesehen die dafür erforderlichen Finanzmittel auf? Auch die Haltung von Mutterkühen, Kalbinnen, Robustpferden, Schafen, Ziegen oder Wild wären denkbar, aber bisher spielen diese Möglichkeiten eine völlig untergeordnete Rolle, gleiches gilt im Extensivbereich - speziell bei Grünlandaufwüchsen mit minderer Qualität - für Biogas und thermische Nutzung. Hier ist die Zukunft der agrarpolitischen Rahmenbedingungen und Fördersysteme von enormer Bedeutung für die Frage, ob derartige Nutzungen großflächig praktizierbar sind.
Entscheidend für den Grad der Extensivierung ist aber immer: - Ist die Verwertbarkeit gegeben? Das muss nicht immer das Tier sein, es kann auch eine Biogasanlage oder die thermische Nutzung sein. - Landschaftspflege, die nicht von Landwirten durchgeführt wird, ist teurer. Die Frage ist aber, ob es uns z.B. mit Mahd- oder Mulchsystemen gelingt, die Landschaft grün zu halten bei ansprechender Optik und unter Wahrung naturschutzfachlicher Belange. - Haben im Bereich der Ökonomie die Fördermöglichkeiten eine Zukunft? - Ganz wichtig wird es m. E. sein, den Begriff Grünland neu zu bewerten, d. h. andere Berufsgruppen und den Tourismus mit einzubeziehen.
Oft wird die Forderung gestellt, Milchvieh großflächig durch extensive Weideökosysteme zu ersetzen. Dieser sich auf den ersten Blick anbietende Weg zum Erhalt großer Grünlandflächen in Regionen, wo sich die Milchviehhaltung zurückzieht, stößt jedoch meist aus wirtschaftlichen und aus Gründen der Flächenzersplitterung an Grenzen. Wenn regional die strukturellen Voraussetzungen und die Vermarktungsstrategie gegeben sind, geht es zu einem gewissen Teil, und auch diese Alternative muss man ergreifen. Aber solche Systeme können m. E. nach nicht als die allgemein gültige und flächendeckende Lösung für die Grünlandwirtschaft bei sinkenden Tierzahlen gelten, sind aber gleichwohl ein „Steinchen im Mosaik“. Extensive und traditionelle Formen der Grünlandbewirtschaftung haben vorwiegend in benachteiligten oder besonders sensiblen Regionen – speziell in Berggebieten – eine wichtige regionale und vielfältige Funktion. Allein über den höheren Preis der landwirtschaftlichen Produkte und ohne Förderung sind weite Teile der extensiven Grünlandwirtschaftung jedoch nicht haltbar. So gibt es z.B. im Almbereich ein Bündel von Maßnahmen der finanziellen Förderungen, wie die Ausgleichszulage für Almen/Alpen und Flächen, die höher als 1000 m liegen. Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm KULAP fördert mit Maßnahmen unterschiedliche Extensivierungsformen wie extensive Dauergrünlandnutzung, Extensivierung von Wiesen mit Schnittzeitauflagen oder extensive Weidenutzung durch Schafe und Ziegen. Das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm VNP fördert u.a. biotopspezifische Maßnahmen für Wiesen (z.B. Schnittzeitpunkt) und extensive Weidenutzung oder leistet einen Erschwernisausgleich für die Pflege von Feuchtwiesen. Der Fortbestand staatlicher Förderung wird sicher auch in Zukunft über den Erhalt des Grünlandes in seiner Vielfalt mit entscheiden!
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Aktuelle Forschung und Ausblick
Kurzfristig hängt die Futterqualität im Grünland von den Parametern Pflanzenbestand (Region), optimaler Schnittzeitpunkt, Nutzungsintensität und Düngung und optimale Erntebedingungen und Technik ab. Langfristig aber kommt es auf Folgendes an: Wie können wir hochwertige und stabile Pflanzenbestände erhalten durch pflanzenbauliche Maßnahmen im Sinne einer standortangepassten, pfleglichen Grünlandbewirtschaftung? Diese beiden Betrachtungsweisen sind in Anhang/Tab. 15 („Einflussfaktoren auf die erzielbare Futterqualität im Dauergrünland ab?“) gegenübergestellt. Prinzipiell hängt die Bestandeszusammensetzung, d.h. der „Wiesentyp“ selbst von zwei Faktoren ab: Von Standortfaktoren wie Klima, Boden oder Gelände und von Bewirtschaftungsfaktoren wie Nutzung, Düngung und Pflege (Foliensatz/Abb. 46 „Einflüsse auf die Bestandeszusammensetzung im Grünland“). Ist nun die Bewirtschaftung nicht auf die Standortgegebenheiten angepasst, sind über kurz oder lang Probleme in der Bestrandeszusammensetzung vorgezeichnet – was uns die Praxis immer wieder bestätigt. Auch deswegen ist angewandte produktionstechnische Grünlandforschung wichtig. Da diese einen langfristigen Ansatz verlangt, ist das staatliche Versuchswesen dabei eine Basis für gesicherte Beratungsaussagen im Sinne einer nachhaltigen umweltverträglichen und standortgerechten Grünlandbewirtschaftung, die Ökonomie und Ökologie gleichermaßen berücksichtigt. Als einige wenige Beispiele der Arbeiten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft seinen folgende Themen genannt: Wie reagieren Grünlandsysteme kurz und langfristig auf Düngungsmaßnahmen, wie viel Dünger ist erforderlich, wie ändern sich Erträge und Futterqualität, welche Änderungen treten in den Pflanzenbeständen auf? Was passiert, wenn Grünland extensiviert wird? Letztendlich münden die Untersuchungen auch in spezifische Nutzungs- und Düngungsempfehlungen von Dauergrünland (Anhang/Tab. 16 „Faustzahlen zum Düngebedarf von Dauergrünland bei Schnittnutzung intensivierungsfähiger Grünlandbestände), wie sie im Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland (LFL, 2003) beschrieben wird. Es geht daraus klar hervor deutlich, dass es keine „Einheitsgrünlandbewirtschaftung“ oder „Einheitsgrünlanddüngung“ gibt. Im Zentrum der Grünlandforschung steht immer der Pflanzenbestand selbst, so beschäftigt sich die LfL auch mit der Frage, wie stabil bestimmte Grünlandnutzungssysteme sind. Der Bestandsanteil von Deutschem Weidelgras in Gunstlagen auf einem bestimmten Standort wird z.B. bei radikaler Extensivierung instabil – zum Nachteil der Futterqualität. Ferner gibt eine Fülle von Gefährdungspotenzialen, durch die Pflanzenbestände „aus dem Ruder“ laufen können, z.B. nicht an den Standort angepasste Nutzungsintensitäten, mangelnde Narbenpflege, oberflächennahe Bodenverdichtungen, Narbenschäden oder hohe Anteile an bestimmten Pflanzenarten (z.B. Gemeine Rispe, Stumpfblättriger Ampfer, etc.). Ein Schwerpunkt künftiger Forschung wird der Boden unter der Grasnarbe sein: Wie wirkt sich die Befahrung auf die Bodenstruktur und das Bodenleben aus? Letztendlich kommt es bei einer angepassten, standortgerechten Grünlandbewirtschaftung auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen an, die auf den Erhalt einer dichten und leistungsfähigen Grasnarbe abzielen und dabei auch gerade im Intensivbereich züchterische Möglichkeiten, Sorten- und Saatgutmischungsfragen für die Grünlandpflege und Grünlandverbesserung enthalten. Betonen möchte ich aber auch, dass sich die Grünlandforschung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft nicht nur auf das Intensivgrünland beschränkt, sondern weit darüber hinaus Aspekte des Arten-, Boden-, Gewässer-, Luft- und Naturschutzes, des Ökologischen Landbaus, der Entwicklung der Kulturlandschaft aufgreift und in interdisziplinärer Zusammenarbeit an mehreren Instituten der LfL bearbeitet. Erwähnt sei diesbezüglich auch, dass der Arbeitsschwerpunkt „Grünlandbewirtschaftung“ an der LfL die Ergebnisse der Arbeitsgruppen verschiedener Institute zusammenführt und sich den Fragen der gegenwärtigen und zukünftigen Ausrichtung einer nachhaltigen Grünlandbewirtschaftung stellt. In Zeiten digitaler Medien sei auf das Internetportal der LfL (www.LfL.bayern.de) hingewiesen. Am Ende meiner Ausführungen möchte ich noch ein paar Zahlen gegenüberstellen, die das am Beginn des Beitrages angedeutete (humorvoll gemeinte) Bild eines „Agrarforststaates“ ins rechte Licht rücken sollen: Land- und Forstwirtschaft halten mit etwa 85 % den Hauptteil an der Fläche Bayerns. Allerdings stellen beide heute nur etwa 3,4 % der Erwerbstätigen aller Wirtschaftsbereiche, 1960 waren es noch 21,4 % und 1980 10,1 %. Stark gestiegen ist die Produktivität in der Landwirtschaft: Im Jahre 1960 versorgte ein bayerischer Bauer (Betrieb) 28 Personen mit Nahrungsmittel, im Jahr 1980 waren es bereits 51 Personen. Heute ist die Zahl auf 120 Personen gestiegen. Der ökonomische Anteil der Land- und Forstwirtschaft incl. Fischerei allerdings, d.h. der Beitrag zur Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche in Bayern betrug 2003 mit 3,97 Mrd. € nur noch 1,2 %. Auch das müssen wir uns klarmachen, wenn wir über die Zukunft von Grünland als multifunktionellen Teil reden, der über die Futtergrundlage hinausgeht: Der Landwirtschaft kommt in der Grünlandbewirtschaftung eine Schlüsselrolle zu, eine differenzierte Bewirtschaftung ist notwendig. Milchviehhaltung ist eine tragende Säule, aber wir müssen uns auch Gedanken darüber machen, ob es volkswirtschaftlich tragbare, ökonomisch und betriebswirtschaftlich umsetzbare Strategien für neue Formen der Grünlandbewirtschaftung gibt.
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Literatur:
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2003): Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland; 7. überarbeitete Auflage, Hrsg. LfL als Internetversion (www.LfL.bayern.de/IAB/), 81 Seiten. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2005 a): LfL-intern – Mitteilungen für Mitarbeiter und Freunde, 4/2005, Seite 17. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2005 b): Internetbeiträge verschiedener Institute (IAB, IPZ, IPS, ILT, ITE, ITH, ILB) der LfL unter www.LfL.bayern.de/. Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten (2003): Grünlandwirtschaft in Bayern – Status- und Entwicklungsbericht, 8 Seiten; im Internet unter www.LfL.bayern.de/internet/stmlf/LfL/IAB/gruenland/. Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten (2004): Bayerischer Agrarbericht 2004, 260 Seiten. Briemle, G. (1996): Farbatlas Kräuter und Gräser in Feld und Wald; Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, 288 Seiten. Diepolder, M., Jakob, B., Schwertfirm, R. (2004): Monitoring im Intensiv-Grünland, Teil 1: Pflanzenbestände; Schule und Beratung, 9/04, Seite III-22 bis III-26; Bayerisches Staatministerium für Landwirtschaft und Forsten. Kapfer, A. (1993): Biotopschutz am Beispiel der Wiesen und Weiden; in: Grünland in roten Zahlen? Tagungsdokumentation des 2. baden-württembergischen Biotopschutzkongresses vom 8./9. März 1993 in Karlsruhe. – Beiträge der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg, Band 14, Seite 15-16. Korneck, D., Sukopp, H. (1988): Rote Liste der in der Bundesrepublik Deutschland ausgestorbenen, verschollenen und gefährdeten Farn- und Blütenpflanzne und ihre Auswertung für den Arten- und Biotopschutz. – Schriftenreihe Vegetationskunde, Band 19, Bonn, 210 Seiten. Oberndorfer, E. (1983): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil III; Fischer Verlag, Stuttgart, 455 Seiten. Rieder, J.B. (1996/2000): Skript „Referendarschulung zum Thema „Dauergrünland“, persönlich für den Dienstgebrauch auf Anfrage erhältlich über Diepolder, LfL. Rieder, J.B. (1997): Extensive Bewirtschaftung von Dauergrünland. In: AID, Heft 1297/1997, Hrsg. Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (aid) e.V., Bonn, 47 Seiten. Rieder, J.B. (1998): Dauergrünland. In: Die Landwirtschaft: Lehrbuch für Landwirtschaftschulen – Band 1 Pflanzliche Erzeugung, 11. Auflage, Kapitel 17, Seite 502 bis 570, BLV Verlagsgesellschaft München, Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup. Rieder, J.B. (2000): Umfang und Bedeutung der Wiesennutzung in Deutschland. In: Lehrbuch des Pflanzenbaues – Band 2: Kulturpflanzen, Seite 725 bis 755; Hrsg: Norbert Lütke Entrup und Jobst Oehmichen; Verlag Th. Mann, Gelsenkirchen. Statistisches Bundesamt (2004): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei – Bodennutzung und Viehbestand der Betriebe – Agrarstrukturerhebung 2003; Fachserie 3 / Reihe 1.1.1, Wiesbaden 2004.
Anhang Tabellen
Tabellen 1-16
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Anhang Abbildungen
Abbildungen 1-58
- PDF (1,4 MB)
Hinweis
Der Beitrag ist erschienen im Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München. Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Band 31. Bayerische Akademie der Wissenschaften (Herausgeber): Gräser und Grasland:Biologie – Nutzung – Entwicklung. Rundgespräch am 10. Oktober 2005. ISBN 3-89937-070-8
Juli 2006
Dr. Michael Diepolder
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Agrarökologie, Ökologischen Landbau und Bodenschutz
Tel.: 08161/71-3640 • Fax: 08161/71-5848
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