Streuobst-Fachtagung "Streuobst in Zukunft - Chancen und Herausforderungen", 28. April 2017 in Sailauf

Streuobst-Erholungslandschaft
Streuobstbestände sind aufgrund ihrer vielfältigen und hohen Bedeutung unverzichtbare Bestandteile unserer Kulturlandschaft.
Allerdings fehlt vielen Streuobstbeständen für ihr Fortbestehen eine wirtschaftliche Perspektive. Streuobstbestände sind gefährdet.
Dabei gibt es mit der gestiegenen Nachfrage der Verbraucher nach regionalen Lebensmitteln wieder Möglichkeiten, Streuobst und Streuobstprodukte mit ihrem unvergleichlichen Charakter gewinnbringend zu vermarkten.
Bei einem naturverträglichen, aber auch wirtschaftlich ausgerichteten Streuobstbau in Zukunft kommt man um eine zeitgemäße, arbeitssparende Bewirtschaftung nicht herum.
Die Vorträge der Streuobst-Fachtagung greifen diese Aspekte auf und zeigen Chancen in der Streuobstvermarktung, aktuelle Bewirtschaftungstechniken und neue Erkenntnisse in der Streuobstpflege.
Die Tagung mit 100 Teilnehmern wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Sailauf und dem Schlaraffenburger Streuobstprojekt durchgeführt.

Inhalte der Tagung

Begrüßung

Bürgermeister Michael Dümig, Sailauf
Streuobst gehört – aus der früheren Not der Bevölkerung geboren – seit langer Zeit zum landwirtschaftlichen und kulturellen Leben der Gemeinde Sailauf. Bereits seit den 1990er Jahren gibt es in der Gemeinde mit der Umsetzung des Landschaftsplans zahlreiche Maßnahmen zur Erhaltung des Streuobstes in der Gemeinde, z.B. mit umfangreichen Nachpflanzungen, der Streuobstpflege und einer eigenen Verwertung als Sailaufer Apfelsaft.

Einführung zur Situation und Entwicklung in Bayern

Stefan Kilian, LfL Freising
Streuobstbestände sind attraktiv und beliebt. Trotz ihrer Beliebtheit: in Bayern gehen die Streuobstbestände weiterhin um geschätzt 100.000 Obstbäume pro Jahr zurück. Es gilt, das momentane Interesse am Streuobst für die Vermarktung und den Streuobstanbau zu nutzen.

Einführung pdf 523 KB

Streuobst zwischen Realität und Vision - Streuobstaktionsplan Landkreis Aschaffenburg

Alexander Vorbeck, Landschaftspflegeverband Aschaffenburg, Fraxinus GbR
Der Streuobstaktionsplan enthält eine Streuobsterfassung, durch die der Landschaftspflegeverband für verschiedene Projektgemeinden im Landkreis Aschaffenburg zeigen konnte, dass selbst bei einer Verdoppelung der Nachpflanzungen in 20 Jahren nur noch ca. 75 % des heutigen Bestandes vorhanden sein wird.
Die auf diesen Datengrundlagen aufbauenden gezielten Nachpflanzungen, Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen stellt Alexander Vorbeck anhand verschiedener Beispielflächen vor. Zusätzlich werden die Streuobstbesitzer bei der Bewirtschaftung und weiteren Nutzung unterstützt.

Streuobstaktionsplan pdf 3,2 MB

Neue Chancen durch Vermarktung von Streuobst als Tafelobst

Marion Buley, Agraringenieurin
Verbraucher haben wieder Interesse, die Sortenvielfalt im Streuobst auch als Tafeläpfel zu genießen. Auch Streuobstanbauer interessieren sich für diese Vermarktungsnische als gewinnbringende Vermarktungsmöglichkeit. Marion Buley bearbeitet ein Projekt zur Vermarktung von Streuobst im Großhandel und zeigt die Möglichkeiten und Voraussetzungen bei der Vermarktung von Streuobst als Tafelobst.

Vermarktung von Streuobst als Tafelobst pdf 3,0 MB

Cluster-Projekt "Sortenreine Edelbrände aus seltenen Streuobstsorten" – Chancen und Herausforderungen

Martin Degenbeck, LWG Veitshöchheim
Mit dem Wegfall des Branntweinmonopols Ende 2017 fällt für die Brenner die staatliche Abnahme von erzeugtem Alkohol zu garantierten Preisen weg. Ein Problem auch für die Erzeuger von Obstbränden. Die Erzeugung hochwertiger Brände und deren direkte Vermarktung ist ein Weg, den Wegfall des Branntweinmonopols zu kompensieren. Dabei ist die Einrichtung der Brennerei-Fachberatung an der LWG in Veitshöchheim, das Projekt und das Marketing für die sortenreinen Edelbrände aus seltenen, in Mainfranken kartierten Streuobstsorten beispielgebend.

Sortenreine Edelbrände aus seltenen Streuobstsorten pdf 4,1 MB

Äbbelwoitrinker sind Naturschützer – Erhalt von Streuobst als geselliges Erlebnis

Christof Lorenz, Äbbelwoi-Stammtisch Schöllkrippen
Wie man von einer anderen Seite an die Wiederbelebung der Apfelwein- und Streuobstkultur herangehen kann, zeigt Christof Lorenz vom Äbbelwoistammtisch Schöllkrippen: sie machen Streuobst zu einem gemeinsamen geselligen Erlebnis. Aus Spaß und Freude am Tun hat die Gruppe schon viele kreative Ideen rund ums Streuobst umgesetzt.

Streuobst als geselliges Erlebnis pdf 12,6 MB

Cidre, Secco und Co. – Chancen und Herausforderungen durch Diversifizierung

Norbert Metz, Landschaftspflegeverband Mittelfranken
Allein über die Verwertung als Apfelsaft ist eine Streuobstwiese nicht wirtschaftlich zu betreiben. Eine höhere Wertschöpfung, aber auch breiterer Kundenkreis lässt sich durch ein vielfältiges Produktangebot erreichen. Norbert Metz hat in Mittelfranken verschiedener Verwertungsprojekte mit aufgebaut, berichtet von seinen Erfahrungen mit der Vermarktung von Secco, Cidre und weiteren Zusatzprodukten, stellt Marktentwicklungen und Produktbeispiele vor.

Chancen durch Diversifizierung pdf 4,1 MB

Vorträge zu Mechanisierungsmöglichkeiten bei Pflege und Ernte sowie bei der Unterwuchspflege beleuchten die Seite der Streuobstbewirtschaftung:

Moderne Zeiten im Streuobstbau – Rationalisierung in der Streuobstpraxis

Michael Specht, Schlaraffenburger Streuobstagentur
Im Schlaraffenburger Streuobstprojekt werden ca. 1.700 Streuobstbäume gepflegt. Das verlangt neben einer gezielten Pflegeplanung auch nach einer effektiven Umsetzung. Michael Specht zeigt die Vorgehensweise und die eingesetzte Technik bei der Pflege und der Sanierung der Streuobstbestände.

Rationalisierung in der Streuobstpraxis bei Schlaraffenburger pdf 3,8 MB

„Saubere Baamländle“ – Unterwuchspflege Streuobst zwischen Effektivität und Artenvielfalt

Hubert Marquart, Umweltamt Landratsamt Würzburg
Im Landkreis Würzburg sind zahlreiche artenreiche Streuobstbestände aus der Nutzung gefallen. Ihre Pflege und gegebenenfalls vorherige Reaktivierung ist aufgrund ihres Artenreichtums und der hohen naturschutzfachlichen Bedeutung dringend, aber zum Teil mit hohen Kosten verbunden. Hubert Marquart gibt einen Überblick über die durchgeführten Maßnahmen und Empfehlungen für die Praxis mit den Zielen, die Streuobstbestände zu erhalten, die Artenvielfalt zu fördern, dabei aber die Kosten im Rahmen zu halten.

Exkursion: Der Streuobstaktionsplan Sailauf in der Praxis

Alexius Wack, Alexander Vorbeck, Landschaftspflegeverband

Abgeschlossen wurde die Tagung mit einer Exkursion zu einer 2 Hektar großen Streuobstfläche, die im Rahmen des Streuobstaktionsplanes Sailauf vom Landschaftspflegeverband freigestellt und saniert wurde. Hier informierte LPV Geschäftsführer Alex Wack die Teilnehmer über die Vorgehensweise und die eingesetzte Technik. Der Landschaftspflegeverband stellt in Kooperation mit lokalen Akteuren die Folgenutzung sicher, indem die meisten kleineren Flächen in private Hände übergeben werden können. Größere Flächen werden im Rahmen des Schlaraffenburger Projektes weitergepflegt.
Die Bayerische Fachtagung ist Bestandteil der Streuobsttage, die am Vortag ebenfalls in Sailauf offiziell eröffnet wurden. Auch in den anderen beteiligten Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz finden Streuobsttagungen statt. Die Vorträge aller Tagungen sind demnächst im Internet abrufbar unter:

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