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Workshop an der LfL: Erfolgsorientierte Honorierung im Grünland
15. November 2011 in Freising
Extensives Grünland gilt als Schlüsselhabitat für die Erhaltung von Biodiversität in Mitteleuropa. In den vergangenen Jahrzehnten gab es im Wirtschaftsgrünland größere Veränderungen in der Bewirtschaftungsweise, die die Artenvielfalt vermindert haben. Jetzt steht die Landwirtschaft in der Verantwortung, einen Beitrag zur Trendumkehr zu leisten. Ein wichtiges Instrument dazu sind die Agrar-Umweltmaßnahmen (AUM), die von der EU schon seit über 20 Jahren ko-finanziert werden. Bei diesen Maßnahmen gibt es wiederum mehrere Strategien, wie Leistungen seitens der Landwirte umgesetzt und honoriert werden können.
Die traditionelle Methode sieht vor, den Landwirt für einen entgangenen Nutzen zu entschädigen, der ihm z. B. aufgrund eines verringerten Einsatzes von Betriebsmitteln (Düngung, Pflanzenschutzmittel) oder später Mahd entstanden ist. Bei der alternativen Methode wird dagegen die Erhaltung der Biodiversität (z. B. von Gefäßpflanzen-Arten) direkt entlohnt, wobei die Art und Weise, wie der Landwirt das Ziel erreicht, ihm selbst überlassen bleiben. Letztere Variante wird seit ca. 10 Jahren in Baden-Württemberg und in der Schweiz angewandt, danach folgten andere deutsche Bundesländer mit vergleichbaren Ansätzen. Auch der EU-Rechnungshof empfiehlt, diese Art von AUM stärker zu nutzen (http://eca.europa.eu/portal/pls/portal/docs/1/8772748.PDF).
Am 15. November 2011 wurde in Freising bei München ein Workshop zum Thema ‚Erfolgsorientierte Honorierung im Grünland – Erfahrungen aus der Praxis‘ durchgeführt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Institut für Agrarökologie, Bodenschutz und Ökologischen Landbau der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Die mit 70 Teilnehmern sehr gut besuchte Veranstaltung hatte als Ziel, Erfahrungen aus der Praxis verschiedener Bundesländer auszutauschen und Möglichkeiten der Einführung einer erfolgsorientierten AUM in Bayern zu diskutieren.
In zwei einführenden Übersichts-Referaten berichteten Dr. Thomas Schmidt (von-Thünen-Institut, Braunschweig) und Dr. Rainer Oppermann (Institut für Agrarökologie und Biodiversität, Mannheim) über grundlegende Rahmenbedingungen der erfolgsorientierten Honorierung, über Vergleiche mit anderen Auszahlungsmodalitäten und die aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
Anschließend stellten Dr. Hans Hochberg (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft), Annette Most (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und Horst Glemser (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg) die Ein- und Durchführung dieser Agrarumwelt-Maßnahme in ihren jeweiligen Bundesländern ausführlich vor. Die Förderung beträgt zwischen 60 und 275 € pro Hektar, wobei allerdings die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind. Zum einen hat die Kombinierbarkeit mit anderen AUM einen wesentlichen Einfluss auf die Förderhöhe, zum anderen sind die zusätzlich verlangten Leistungen unterschiedlich: Sie reichen von der Führung einer Schlagkartei bis hin zur flächenindividuellen Begutachtung und Planung mithilfe von Sachbearbeitern der Genehmigungs-Behörde.
In zwei Diskussionsblöcken konnten die Workshop-Teilnehmer ihre Erfahrungen, Meinungen und Befürchtungen einbringen und besprechen. Insbesondere die Festlegung und Berechnung der Prämienhöhe wurde stark diskutiert. Zudem wurde deutlich, dass es kein Patentrezept für die Konzeption einer solchen Maßnahme und die Lösung von praktischen Problemen z.B. in Bezug auf die Kontrolle geben kann, weil die Ausgangssituationen in den Bundesländern doch sehr unterschiedlich sind.
Die LfL hat bereits einige wichtige (Daten-) Grundlagen für die Einführung einer erfolgsorientierten Honorierung in Bayern geschaffen, vor allem mit den Ergebnissen aus dem Grünlandmonitoring (http://www.lfl.bayern.de/publikationen/daten/schriftenreihe/p_41955.pdf) und einer daraus abgeleiteten Zielartenliste für artenreiches Grünland.
Im Jahr 2014 beginnt die nächste EU-Programmperiode für Agrarumwelt-Maßnahmen. Ob dann erstmals ein erfolgsorientiertes Konzept im bayerischen Kulturlandschaftsprogramm vertreten sein wird, bleibt noch abzuwarten.
Demonstration der Vorgehensweise bei der erfolgsorientierten Honorierung im Gelände vor Vetretern des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am 26.5.2011 im Freisinger Moos (Foto: Dr.H.Volz)
Februar 2012
Dr. Gisbert Kuhn
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Agrarökologie, Ökologischen Landbau und Bodenschutz
Tel.: 08161/71-3640 • Fax: 08161/71-5848
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