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Hinweise zum Anbau von Sojabohnen im ökologischen Anbau in Bayern
Vorbemerkung
Eine generelle Anbauempfehlung in Bayern kann nach bisherigen Ergebnissen der Feldversuche der LfL nicht ausgesprochen werden.
Ein Anbau zur Erzeugung von hochwertigem Eiweißfuttermittel ist nur an günstigen Standorten, vergleichbar mit günstigen Körnermaislagen, überlegenswert.
Ein erfolgreicher Anbau verlangt eine sachgerechte Produktionstechnik, die aber die hohe Gefährdung durch Vogelfraß und Wildverbiss nicht verringern kann.
Das Erntegut muss nach erfolgter Trocknung zur Verfütterung an Schweine und Geflügel aufbereitet werden. Hierbei ist das Öl weitgehendst zu entfernen und der Presskuchen durch Hitzebehandlung zu konditionieren.
Wegen des hohen Eiweißgehaltes ist eine sachgerechte Lagerung notwendig, wobei ein erhöhtes Risiko des Verschimmelns des Gutes bei längerer Lagerdauer besteht.
Bisherige Erkenntnisse aus den Feldversuchen in Bayern
- In den Jahren 2002 bis 2006 wurden in den Feldversuchen der LfL im konventionellen Anbau und den seit 2004 durchgeführten Öko-Versuchen Kornerträge (Versuchsergebnisse) zwischen 19 dt/ha und 45 dt/ha, erreicht.
- Eine von der Art der Bewirtschaftung, ob Öko-Anbau oder konventioneller Anbau, abhängige unterschiedliche Sorteneignung konnte nicht festgestellt werden, sodass nunmehr die Sortenberatung in Bayern auf der Basis aller Versuchsergebnisse erfolgt.
- Späte Erntezeit, nach unseren Versuchsergebnissen, Versuchsorte in den Landkreisen Freising, Fürstenfeldbruck, Schrobenhausen und Landshut, Mitte September bis Anfang Oktober.
- Nicht hinreichend abgereifte Pflanzenbestände können nicht gedroschen werden. Die Feuchtigkeitsgehalte des Erntegutes reichten in unseren Feldversuchen von 18,0 % im günstigsten Fall bis über 40,0 %.
- Bei den späteren Sorten waren die Pflanzen teilweise noch grün, sodass ein üblicher Mähdrusch nicht möglich gewesen wäre.
- Am Saatgutmarkt werden teilweise Sorten angeboten, die für unsere Anbaubedingungen wenig geeignet sind.
- Saatgutimpfung ist sinnvoll. Diese ist unbedingt sachgerecht durchzuführen.
- Während der bisherigen Versuchsdauer bei Aussaaten zwischen letzter Aprildekade und erster Maidekade wurden an den als günstig zu beurteilenden Versuchsorten, keine Frostschäden an den Pflanzen beobachtet.
- Wegen des hohen Wärmeanspruches in der Jugendentwicklung ist diese unter unseren Bedingungen eher verhalten. In dieser Phase ist deshalb die Durchsetzungskraft der Sojapflanzen gegenüber Beikraut nur schwach. Auf Feldern in guter Ackerkultur kann das Beikraut durch wiederholtes Striegeln und Hacken in Schach gehalten werden. Gegen Disteln ist nur der Distelstecher erfolgversprechend.
- Es besteht eine hohe Gefährdung durch Vogelfraß und Wild.
- Eine ausreichende Wasserversorgung besonders in der Blüte, etwa Anfang Juli, drei Wochen lang, ist notwendig. Andernfalls sind nur geringe Erträge zu erwarten.
- Wegen der geringen Höhe des untersten Hülsenansatzes an der Pflanze schafft ein gleichmäßig ebenes Saatbett die Voraussetzung für eine vollständige Beerntung. Andernfalls werden unterste Hülsen vom Mähwerk nicht erfasst.
- Eine Trocknung des Erntgutes ist unbedingt erforderlich.
Vorzüge der Sojabohne
Eiweißreiches Futtermittel bei sachgerechter Aufbereitung und Lagerung, geringer bis mittlerer Vorfruchtwert, bisher wurden keine Schäden am geernteten Korn durch Käferfraß beobachtet.
Produktionstechnik
Standortvoraussetzungen
Günstige Körnermaislagen mit ausgeglichener Wasserversorgung.
Ein Anbau ist wegen der Frostempfindlichkeit der Sojabohne nur in Gebieten mit selten auftretenden Spätfrösten anzuraten, leichte Fröste in der Keimphase werden schadlos überdauert. Gebiete mit längeren Trockenperioden ab Anfang Juli, also zur Zeit der Blüte, sind für den Anbau ebenfalls wenig geeignet.
Fruchtfolge
Die Sojabohne ist hinsichtlich von Krankheiten sehr selbstverträglich. Spezielle Krankheiten und Schädlinge, bis auf Schnecken in der Auflaufphase, sind derzeit nicht bekannt. Möglicherweise ist die Sojabohne Überträger von Sclerotina, einer Krankheit die insbesondere zu Schäden bei Sonnenblume, Raps und Rotklee führen kann.
Vorfruchtwert
Ihr Vorfruchtwert ist mit gering bis mittel einzustufen, als Faustzahl für die N-Nachlieferung können ca. 30 kg N/ha angesetzt werden.
Sortenwahl
Die Sorten von Sojabohne werden bezüglich der Reife mit 00 = früh und 000 = sehr früh eingeteilt. Nur Sorten dieser Reifebereiche sind unter unseren Bedingungen anbauwürdig. Neben der Reife ist für den praktischen Anbau die Höhe des Hülsenansatzes von besonderer Bedeutung.
Zur Sortenwahl sind aktuelle Hinweise abrufbar auf der
Übersichtsseite - Ergebnisse der Sortenversuche im ökologischen Landbau in Bayern
Impfung
Eine Impfung des Saatgutes mit geeigneten Impfmitteln wie z. B. MPPL (Bradyrhizobium japonicum) ist anzuraten. Hierbei ist auf die sachgerechte Lagerung des Impfmittels und die sachgerechte Durchführung der Impfung nach den Angaben des Herstellers zu achten. Die Impfung ist unmittelbar vor der Aussaat durchzuführen.
Feldvorbereitung
Spuren bei Saatbettbereitung sind zu vermeiden. Eine mechanische Unkrautbekämpfung kann vor der Saat mittels Egge, Schleppe oder Striegel durchgeführt werden.
Bei steinigen Böden empfiehlt sich ein Walzen nach der Saat, damit die Steine in den Boden gedrückt werden um so das bodennahe Führen des Mähwerks bei der Ernte nicht zu behindern.
Saatzeitpunkt
Bei Bodentemperaturen ab 10 °C sollte unverzüglich gesät werden.
Ein kurzeitiger leichter Frost während der Keimung wird nach bisherigen Erfahrungen überstanden.
Saatzeiten nach Mitte Mai können sich wegen der begebenen Tageslängen ungünstig auf die vegetative Entwicklung der Pflanzen auswirken.
Reihenabstand
Getreideabstand oder, bei beabsichtigtem Hackgeräteeinsatz, Doppelreihe mit auf das Hackgerät abgestimmter weiter Reihe.
Saattiefe, Saatmenge
Die Saattiefe liegt im Bereich 2 – 4 cm. Es sollten 60 – 70 keimfähige Körner pro m2, entspricht einer Saatmenge von ca. 130,00 kg/ha, ausgesät werden.
Mechanische Unkrautbekämpfung nach der Saat
Ein Blindstriegeln vor dem Auflaufen ist nicht in jedem Jahr möglich, Hacken bei weiter Reihe, ab 5 cm Wuchshöhe kann der Striegel wieder eingesetzt werden.
Beim Hacken sind Hohlschutzscheiben vorteilhaft, üblicherweise sind zwei Hackgänge im Zeitraum von vier bis sechs Wochen nach der Saat durchführbar.
Ernte, Lagerung
Drusch in günstigen Jahren ab Mitte September möglich. Um eine Beschädigung der Körner zu vermeiden, ist die Drehzahl der Trommel anzupassen.
Ein Nachtrocknen des Erntegutes ist regelmäßig notwendig.
Die Lagerung des eiweißreichen Gutes ist sehr sorgfältig durchzuführen. Anderenfalls treten Schimmelpilze auf, die zur Unbrauchbarkeit des Futtermittels führen können.
Verfütterung
Das Erntegut muss vor der Verfütterung aufbereitet werden. Hierbei entstehen nach Erhebungen der LFL, ILB 2a, Kosten für das Toasten im Lohnverfahren von ca. 3,60 € /dt und es ist ein Gewichtsverlust von ca. 10 % zu kalkulieren. Zusätzlich sind bei der Lagerung 1 % Schwundverluste zu berücksichtigen. Transportkosten zur Toasteinrichtung im Lohnverfahren wären zusätzlich anzusetzen.
Futterwert
Zum Futterwert für Schweine liegen Ergebnisse der LfL, ITE 2 vor. Diese sowie Hinweise zur Fütterung sind abrufbar unter:
http://www.lfl.bayern.de/ite/schwein/
Autoren: Rupert Fuchs IAB 3b, Alois Aigner und Georg Salzeder, beide IPZ 3c, Dr. Eva-Maria Schmidtlein ILB 2a
Weitere Auskünfte und Hinweise
Betriebswirtschaft: LfL, ILB 2a, Frau Dr. Eva-Maria Schmidtlein
Fütterung: LfL, ITE 2a, Dr. Hermann Lindermayer, Günther Probstmeier
Pflanzenbau konventionell: LfL, IPZ 3c, Alois Aigner
August 2007
Rupert Fuchs
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Agrarökologie, Ökologischen Landbau und Bodenschutz
Tel.: 08161/71-3640 • Fax: 08161/71-5848
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