Arbeitsgruppe (AG): Soziale Landwirtschaft - Senioren auf dem Bauernhof

Ein älteres Paar streichelt Schafe auf einer Wiese

Foto: Doliwa

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) betreut das "Forum Diversifizierung". Es unterstützt Landwirte dabei, zusätzliche Einkommensstandbeine aufzubauen. Eine Arbeitsgruppe des Forums bearbeitet das Themenfeld "Soziale Landwirtschaft".

Innerhalb der Sozialen Landwirtschaft nehmen die Senioren auf dem Bauernhof-Angebote eine besondere Rolle als Erwerbskombination ein. Deshalb hat sich im Rahmen des Forums Diversifizierung unter dem Dach der Sozialen Landwirtschaft eine eigene AG unter Leitung des Instituts für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur der LfL mit dem Thema beschäftigt und Unterlagen in Form eines zielgruppenorientierten Leitfadens über den Projektzeitraum hinaus erarbeitet.

Ältere Menschen als Zielgruppe

Im Hinblick auf die demografische Entwicklung gelten Angebote für ältere Menschen als Potenzial mit Zukunft. Dies kann auch für landwirtschaftliche Betriebe von Interesse sein.
Derzeit leben in Bayern 2,5 Millionen Personen im Alter von 65 Jahren oder älter. Der Anteil dieser Personengruppe wird bis zum Jahr 2034 um rund 39 Prozent zunehmen. Der größte Anteil dieser Älteren hat keinen Pflegebedarf. Bezogen auf die Zahl der über 64-Jährigen liegt der Anteil der Pflegebedürftigen bei rund 11 Prozent.

Das Altern verläuft individuell sehr unterschiedlich

Die Zielgruppe „Senioren“ lässt sich nicht einheitlich beschreiben bzw. abgrenzen. So gibt es eine Vielzahl von Altersbildern, die nebeneinander stehen und sich auch verändern können. Eine differenzierte Wahrnehmung des Alters ist somit notwendig. Das Altern ist ein Prozess, der individuell sehr unterschiedlich verläuft. Kognitive, motorische oder sensorische Einschränkungen können im Alterungsprozess auftreten, ihn begleiten und zu einem Hilfebedarf führen. Dies gilt es zu beachten, wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb Ältere als Zielgruppe in Betracht zieht. Darüber hinaus ist es notwendig, dass man über die Hilfsangebote im regionalen Umfeld Bescheid weiß und/oder lokale Ansprechpersonen bekannt sind, die sich bei Fragen zum Thema Alter auskennen.
Aus der Perspektive der landwirtschaftlichen Betriebe gilt es deshalb, sich zunächst die Frage zu stellen, welche Wünsche und Bedürfnisse von Seiten des landwirtschaftlichen Betriebes bestehen und wie diese mit Angeboten, die den Wünschen und Bedürfnissen älterer Menschen entsprechen, zusammengebracht werden können. Konkret bedeutet dies, dass die Spannweite von möglichen Angeboten sehr weit gefasst ist. Sie reicht vom Vermieten von Wohnraum bis hin zu unterstützenden Hilfeleistungen oder Pflege.

Geeignete Angebotsformen für den bäuerlichen Familienbetrieb

Die Angebotsvielfalt ist groß. Es wurden acht Angebotsformen mit unterschiedlichstem Ressourcenbedarf ausgewählt und dafür die Einstiegsvoraussetzungen in Form von Steckbriefen erarbeitet:

  • In eigenen abgeschlossenen Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen lebend:
    • Betreutes Wohnen von Senioren auf dem Bauernhof
    • Seniorenhausgemeinschaft
  • In einer gemeinsamen Wohnung lebend:
    • Seniorenwohngemeinschaft
    • Ambulant betreute Wohngemeinschaft
  • Zeitlich begrenzte Aufenthalte auf dem Bauernhof:
    • Urlaub auf dem Bauernhof mit pflege- und/oder betreuungsbedürftigen Angehörigen
    • Niedrigschwellige Angebote für Betreuungsgruppen mit der Landwirtin/dem Landwirt als Anbieterin/Anbieter
    • Niedrigschwellige Angebote für Betreuungsgruppen mit der Landwirtin/dem Landwirt als Vermieterin/Vermieter von Räumlichkeiten
    • Erlebnisorientierte Angebote für Senioren auf dem Bauernhof
Das mögliche Leistungsspektrum bei den Angebotsformen für ältere MenschenZoombild vorhanden

Abbildung 1: Mögliches Leistungsspektrum bei verschiedenen Angebotsformen

Vorrangig wurden Angebotsformen ausgewählt, die überwiegend ohne (alten-)pflegerische Fachqualifikation ausgeübt werden können. Die Wohnformen können auf Zeit, aber auch auf Dauer angelegt sein. Mit Ausnahme der meisten erlebnisorientierten Angebote treten der/die Landwirt/in dabei immer als Vermieter/in auf. Darüber hinaus können vom Nutzer frei wählbare Serviceleistungen wie z. B. Betreuung, hauswirtschaftliche Versorgung, Verpflegung, Hausmeister- und Vermittlungstätigkeiten übernommen werden, wenn die bäuerliche Familie dazu die nötige freie Arbeitskapazität hat. Je nach Vereinbarung ist für fittere ältere Menschen auch eine Mitarbeit im Betrieb möglich.
Abbildung 1 zeigt im Überblick, welche Leistungen von der Landwirtin bzw. vom Landwirt bei der Angebotsform vorzuhalten sind. Bei in Klammer gesetzten Punkten handelt es sich um eine „Kann-Leistung“, nicht um eine „Pflichtleistung“.

Ressourcenbedarf der Wohnformen im Vergleich

Der Bedarf an den Ressourcen – Kapital, freie Arbeitskapazität und vorhandene, nicht mehr benötigte Bausubstanz – ist je nach Angebotsform sehr unterschiedlich.
Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Dauer im VergleichZoombild vorhanden

Abbildung 2: Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Dauer im Vergleich

Wohnformen auf Dauer setzen einen vergleichsweise hohen Bedarf an Bausubstanz und damit verbundem Kapital voraus (Abbildung 2). Aufgrund des hohen Wohnflächenbedarfs trifft dies besonders auf das Angebot „Seniorenhausgemeinschaft“ zu. Aus Sicht der Rentabilität wird es sich bei den Baumaßnahmen meist um den Umbau einer Bestandsimmobilie handeln. Mit Ausnahme des Betreuten Wohnens als Angebot übernimmt die Landwirtin/der Landwirt bei den Wohnformen auf Dauer vorrangig die Vermieterrolle. Sie erfordert eine vergleichsweise geringe freie Arbeitskapazität. Bei genügend freier Arbeitskapazität sowie vorhandenen handwerklichen und hauswirtschaftlichen Kompetenzen können jedoch weitere Dienstleistertätigkeiten übernommen werden.

Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Zeit im VergleichZoombild vorhanden

Abbildung 3: Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Zeit im Vergleich

Bei Wohnformen auf Zeit schwankt je nach Umfang und Art des Angebots der Bedarf an notwendiger Bausubstanz und erforderlichem Kapital ganz erheblich (Abbildung 3). Für niedrigschwellige Angebote für Betreuungsgruppen und erlebnisorientierte Angebote reichen als barrierefreie Mindestausstattung ein Aufenthaltsraum, Sanitäranlagen, eine Küche und ein Zugang zum Garten aus. Der Wohnflächenbedarf ist also vergleichsweise gering.
Die aufzuwendende Arbeitszeit unterscheidet sich ebenso erheblich bei diesen Angebotsformen. Ausschlaggebend ist es zum Beispiel bei den erlebnisorientierten Angeboten, wie häufig und mit welchem Aufwand (Führung contra Erlebnisprogramm, Gruppengröße) sie durchgeführt werden. Entscheidend ist bei den Wohnformen auf Zeit, ob die Landwirtin/der Landwirt ausschließlich als Vermieter/in auftritt oder darüber hinaus Dienstleistungen für die älteren Menschen erbringt.
Das heißt, neben der Angebotsform kann die betriebsindividuelle Gestaltung des jeweiligen Dienstleistungsangebots den Ressourcenbedarf mehr oder weniger stark beeinflussen. Deshalb sollte jede(r) Einsteiger/in in den Betriebszweig „Senioren auf dem Bauernhof“ sein Angebot – sehr gut abgestimmt auf seine Ressourcen – gestalten.

Leitfaden als Orientierungs- und Entscheidungshilfe

Für viele Landwirte/Landwirtinnen mit einer Affinität zu älteren Menschen bestünde die Möglichkeit, sich entsprechend der betrieblichen Gegebenheiten ein Einkommensstandbein zu schaffen. Denn die Nachfrage nach Senioren auf dem Bauernhof-Angeboten steigt aufgrund des soziodemografischen Wandels in unserer Gesellschaft an. Bisher suchen immer noch sehr wenige Landwirtinnen/Landwirte ein Einkommensstandbein in diesem Sektor. Die LfL-Information „Senioren auf dem Bauernhof – Leitfaden zum Aufbau zielgruppenorientierter Angebote im Rahmen der Sozialen Landwirtschaft“ kann als Orientierungshilfe dienen und die Entscheidungsfindung erleichtern, in diese durchaus lukrative Erwerbskombination einzusteigen.

Er beinhaltet zum einen alle zielgruppenrelevanten Inhalte des Leitfadens „Soziale Landwirtschaft - eine Einkommensmöglichkeit mit sozialem Anspruch“. Zum anderen enthält er zielgruppenorientiert vertiefende Informationen und Arbeitsblätter

  • zum Leben und Wohnen älterer Menschen auf dem Bauernhof als Betriebszweig,
  • zu den Anforderungen an ein altersgerechtes Wohnen und Wohnumfeld,
  • zu den Alleinstellungsmerkmalen von Senioren auf dem Bauernhof-Angeboten und
  • zur Datenerhebung betrieblicher Ressourcen und der Wirtschaftlichkeit.

Ansprechpartnerin
Antonie Huber
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-330
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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