Windenergie in Bayern

Drei moderne Windenergieanlagen
Die Windenergie soll einen wesentlichen Teil zum Gelingen der Energiewende in Bayern beitragen. Durch die stetige technische Weiterentwicklung von Windenergieanlagen über die letzten Jahre, werden auch in Bayern immer mehr Gebiete für profitable Stromerzeugung mit Windkraftanlagen interessant. Sie könnte in Bayern deutlich zulegen, wenn es gelingt, die Bevölkerung mit ins Boot zu holen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht bliebe die Wertschöpfung dann in der Region - das wäre gut für die Bürger und die Gemeinden. Aber was sagt die Betriebswirtschaft und gibt es ein Berechnungstool zu einer ersten Standorteinschätzung?

Der Stand der Windenergie in Bayern

Die Windkraft hat in Bayern bisher nur eine relativ geringe Bedeutung. Windhöffige Standorte sind im Vergleich zu norddeutschen Bundesländern eher selten. Allerdings stehen heute Anlagen mit 130 bis 150 m Nabenhöhe zur Verfügung, die auch in tendenziell windschwächeren Regionen eine ausreichende Windernte erwarten lassen. Windstarke Standorte befinden sich vor allem im Fichtelgebirge, im Frankenwald, im Bayerischen Wald sowie im Staubereich der Alpen. Die Windkraft wäre also in der Lage auch in Bayern einen erheblichen Beitrag zur Stromerzeugung zu leisten.
Bis Ende des Jahres 2012 waren in Bayern 559 Windenergieanlagen (WEA) mit einer installierten Gesamtleistung von 869 MW in Betrieb. Das ergibt eine durchschnittliche Leistung von 1,58 MW pro Anlage. Beim Zubau lag Bayern 2012 auf dem 6. Platz im bundesweiten Vergleich. Die 81 WEA, die 2012 in Bayern neu errichtet wurden, haben mit durchschnittlich 2,47 MW eine deutlich höhere Leistung als die Bestandsanlagen.
Die Ausbauziele im Energiekonzept belaufen sich auf mindestens 1.000 Neuanlagen in den nächsten 10 Jahren. Deshalb soll ein Umfeld geschaffen werden, dass die Investition in Windenergie fördert und erleichtert. WEA können privilegiert im Außenbereich errichtet werden, wenn keine öffentlichen Belange entgegenstehen und die Erschließung ausreichend gesichert ist. Diese Privilegierung kann allerdings durch Flächennutzungspläne oder auch über die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten in Rahmen der Regionalplanung beschränkt werden, wobei eine Planung mit dem Ziel, den Bau von Windenergieanlagen zu verhindern, unzulässig ist.

Wie teuer darf eine Windenergieanlage sein?

Bei spezifischen Anschaffungskosten in Höhe von 1.250 €/kW bis 1.500 €/kW muss die durchschnittliche Windgeschwindigkeit

  • für eine Kapitalrendite von 6 Prozent mindestens 5,5 m/s betragen und
  • für eine Kapitalrendite von 10 Prozent etwas über 6 m/s betragen.
Wären die spezifischen Anschaffungskosten um rund 350 €/kW niedriger, wäre eine Kapitalrendite von 10 Prozent schon bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 5,5 m/s möglich.
Ab einer Windgeschwindigkeit von ca. 8 m/s (eine für bayerische Verhältnisse eher unrealistische Annahme), müssen bei gleichem Renditeanspruch die Anlagen billiger werden. Dies liegt darin begründet, dass auf Grund des hohen Stromertrags der Zeitraum, in dem die erhöhte Anfangsvergütung gezahlt wird, relativ kurz ist.

In Bayern werden Standorte mit ausreichender Windhöffigkeit eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von ca. 5,5 bis 6,5 m/s haben. Unter diesen Bedingungen dürfen Windenergieanlagen kosten:

  • Bei einer Kapitalrendite von 6 Prozent ca. 1.250 €/kW bis 1.875 €/kW für eine 2,3 MW Anlage bzw. ca. 1.425 €/kW bis 2.080 €/kW für eine 3,0 MW Anlage
  • Bei einer Kapitalrendite von 10 Prozent ca. 935 €/kW bis 1.400 €/kW für eine 2,3 MW Anlage bzw. ca. 1.065 €/kW bis 1.570 €/kW für eine 3,0 MW Anlage

Detaillierte Ergebnisse, Berechnungsgrundlagen und Literaturhinweise

Der LfL-Windrechner zur Unterstützung bei Investitionsentscheidungen
Gemeinden, Bürger oder Investoren, die an der Errichtung einer Windenergieanlage interessiert sind, können sich an die Energieberater in den Fachzentren der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wenden, um Unterstützung bei der Realisierung von Windprojekten zu erhalten. Unter anderem steht hier der LfL-Windrechner als Tool zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit eines Projekts zur Verfügung. Unter Berücksichtigung der örtlichen Windverhältnisse, der Nennleistung und der Leistungskennlinie des gewählten Anlagentyps, der Investitionskosten sowie der prognostizierten Betriebs- und Finanzierungskosten kann eine detaillierte 20-jährige wirtschaftliche Betrachtung eines Projekts erstellt werden.
Der LfL-Windrechner ermöglicht eine erste betriebswirtschaftliche Standorteinschätzung. Darüber hinaus erlaubt er bei der detaillierten Projektplanung einen ökonomischen Vergleich verschiedener Projektierungsalternativen.