Milchreporte Bayern

Braunvieh-Kühe im Stall beim Fressen

Das Institut für Agrarökonomie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt den jährlich erscheinenden "Milchreport Bayern". Er soll für Landwirte und Berater als Informationsquelle dienen und Hilfestellung bei betrieblichen Entscheidungen geben.

Systematische Grundlage der Auswertungen ist die nach DLG-Empfehlungen standardisierte Betriebszweigabrechnung (BZA) Milch. Datengrundlage sind Buchführungsabschlüsse von Betrieben, das Herkunfts- und Informationssystem Tier (HIT) und Ergebnissen des LKV Bayern. Als Software wird seit 2011 das Programm "BZA Office" eingesetzt.

Milchreport Bayern 2016

Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung (BZA) Milchproduktion 2015/16
Das extreme Milchpreistief in der konventionellen Milcherzeugung setzte die Milchviehbetriebe im Wirtschaftsjahr 2015/16 wirtschaftlich enorm unter Druck. Milchpreise von teilweise unter 25 ct/kg brachten vor allem die Betriebe, die erst vor Kurzem investiert hatten, in Finanznöte. Entsprechend stellt die Auswertung des Milchreports 2016 einen langjährigen Tiefpunkt dar.

2015/16 ein wirtschaftlich katastrophales Jahr

Durchschnittliche Milchpreise von weniger als 33 ct (brutto) im betrachteten Zeitraum waren die Hauptursache für ein Defizit in der Vollkostenrechnung von 8,6 ct/kg. Die zugrundeliegenden Faktorentlohnungen von 17,50 €/AKh für die Arbeit und 4 % für das eingesetzte Kapital wurden nur zur Hälfte erfüllt – die theoretische Entlohnung der Familienarbeitskräfte fiel unter 9 €/AKh. Dabei zeigte sich Bayern in dieser Phase noch überdurchschnittlich stabil im Vergleich zu vielen anderen Regionen Deutschlands und Europas. Der überdurchschnittliche Milchpreis, der hohe Anteil von Zweinutzungsrassen und die überdurchschnittliche Bedeutung anderer Einkommensquellen stabilisierten die Betriebe.

Ergebnisse in Stichpunkten für 2015/16

  • Bei einem Auszahlungspreis von 32,7 ct/kg Milch (brutto, tats. Inhaltsstoffe; Vorjahr 38,9 ct/kg) konnte bei weitem kein Unternehmergewinn erzielt werden. Das Kalk. BZE betrug - 8,6 ct/kg (Vorjahr - 6,0 ct/kg).
  • Der Gewinnbeitrag im Betriebszweig Milch (vor kalkulatorischen Faktorkosten, vor entkoppelten Prämien) betrug 6,8 ct/kg bzw. 584 €/Kuh (Vorjahr 9,5 ct/kg bzw. 788 €/Kuh).
  • Ausgehend von der Faktorkostendeckung von nur 50 % (Vorjahr 70 %) belief sich die mittlere Arbeitsentlohnung in den überwiegend als Familienbetrieb organisierten Unternehmen auf 8,82 €/Fam.-AKh bei einer gleichzeitigen Kapitalverzinsung von 2,0 %.
  • Die verschlechterte Rentabilität schlug sich auch in der Liquidität der Milchviehhalter nieder. Der Cash Flow I des Betriebszweigs sank von 17,0 (Vorjahr) auf 13,3 ct/kg. Dabei sind etwaige Tilgungslasten und private Zahlungsströme noch nicht berücksichtigt.
Diese Zahlen gelten wie auch in den Vorjahren für überdurchschnittlich große und gut wirtschaftende Milcherzeuger, die in der BZA-Auswertung 2015/16 91 Kühe hielten und sich deutlich vom bayerischen Durchschnittsbetrieb mit 37 Kühen abheben (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1: Vergleich der BZA-Milchviehbetriebe mit dem bayerischen Durchschnitt
Ø Bayern gesamt 1) Ø LKV-Betriebe 2) Ø BZA-Betriebe 3)
Herdengröße Kühe/Betrieb 37 44 91
Milchleistung (erzeugte Milch) kg nat./Kuh 4) 6.890 7.736 8.402
Erzeugte Milch je Betrieb Tsd. kg nat. 5) 257 340 765
1) Datengrundlage: Statistisches Bundesamt (Novemberzählung), LfL-IEM; teils Werte vorläufig
2) Betriebe unter Milchleistungsprüfung des LKV Bayern: Daten aus LKV-Jahresbericht 2015 und Zusammenfassung MLP 2016
3) BZA-Betriebe mit Betriebsschwerpunkt Milcherzeugung
4) Milch mit tatsächlichen Inhaltsstoffen
5) abgeleitet aus Gruppenmitteln

Unterschiede des ökonomischen Erfolgs bleiben extrem hoch

Eine Konstante in den alljährlichen Auswertungen des Milchreports Bayern ist die extreme ökonomische Varianz der Ergebnisse. Lässt man die kalkulatorischen Faktorkosten für Arbeit, Boden und Kapital außen vor, geht es um Gewinnunterschiede in Höhe von rund 1.000 €/Kuh.
Der vollkostendeckende Milchpreis bewegt sich zwischen den Erfolgsvierteln in einer weiten Spanne von 34 bis 53 ct/kg (brutto) – bei einem gegenüber dem Vorjahr unveränderten Mittelwert von 42 ct/kg. Daraus lässt sich ableiten, wie unterschiedlich die Milchpreiskrise von den Betrieben verkraftet werden konnte. Die Kostendiskussion und Kostenoptimierung unabhängig von den Sprüngen des Milchpreises wird daher in den unternehmerischen Entscheidungen dauerhaft eine zentrale Rolle einnehmen.
Völlig anders als der konventionelle Milchmarkt stellte sich der Ökomilchmarkt dar. Stabile bis leicht steigende Milcherzeugerpreise führten zu einem Preisabstand bis deutlich über 20 ct/kg (brutto) zu konventioneller Ware. Entsprechend groß war das Interesse an diesem Marktsegment, auch wenn es trotz spürbarer Zunahme nur rund 5 % der gesamten Erzeugungsmenge ausmacht.

Positiver Ausblick für 2016/17

Im Verlauf des Jahres 2016 trat erfreulicherweise eine deutliche Erholung des konventionellen Milchmarktes ein, die sich in 2017 fortsetzte. Das Wirtschaftsjahr 2016/17 wird folglich deutlich besser abschneiden, im mehrjährigen Vergleich aber bestenfalls durchschnittliche Erfolgskennzahlen mit sich bringen.
Die ausführlichen Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung Milchproduktion 2015/16 sind in einer LfL-Information zusammengefasst. Dieses Werk kann als PDF-Datei abgerufen oder in gedruckter Form bestellt werden.

Ansprechpartner
Dr. Gerhard Dorfner, Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-111
E-Mail: agraroekonomie@lfl.bayern.de