Bayerische Buchführungsstatistik
Buchführungsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2016/2017

Das Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wertet jedes Jahr rund 3.000 Buchführungsabschlüsse aus landwirtschaftlichen Betrieben in Bayern aus und erstellt daraus die bayerische Buchführungsstatistik.


Haupterwerbsbetriebe erweitern ihre Kapazitäten

In der diesjährigen Buchführungsauswertung wurde der Trend zu einer strukturellen Veränderung der Haupterwerbsbetriebe klarer als in den Vorjahren erkennbar. In den Haupterwerbsbetrieben kam es zu deutlichen Kapazitätserweiterungen bei den betrieblichen Produktionsfaktoren.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Spezialisierungsgrad in den bayerischen Haupterwerbsbetrieben weiter zugenommen hat. In besonderem Maße trifft dies für Milchkuhhalter und Betriebe mit Schweinehaltung zu. Zugleich vergrößerte eine Vielzahl von Landwirten ihre betrieblichen Produktionskapazitäten (LF, Viehbestände usw.), um daraus entstehende, mögliche Rationalisierungseffekte in ihren Betrieben besser nutzen zu können. Die Buchführungsauswertung zeigt auch, dass eine zunehmende Anzahl an Landwirten ihre betrieblichen Möglichkeiten zur Kosteneinsparung z. B. in der laufenden Produktion konsequent umsetzt.
Größere Produktpreisschwankungen führen im Zusammenhang mit der stärkeren Spezialisierung in den Betrieben zu immer größeren Umsatz- bzw. Gewinnschwankungen. Diese veranlassen viele Landwirte in ihren Betrieben Kapazitätserweiterungen vorzunehmen. Die Betriebsleiter gehen davon aus, dass sie Niedrigpreisphasen bei wichtigen betrieblichen Erzeugnissen so besser überstehen können. Diese betrieblichen Anpassungen erfordern auch den Einsatz von Kapital, das in den letzten Jahren in kleineren Betrieben oft nicht ausreichend angespart werden konnte. Dadurch wird vor allem in kleineren Betrieben die Umsetzung notwendiger Kapazitätserweiterungen erschwert. In den kommenden Jahren wird der strukturelle Anpassungsprozess der bayerischen Haupterwerbsbetriebe weiter verstärkt.

Entwicklung der durchschnittlichen Gewinne in den bayerischen Haupterwerbsbetrieben

Entwicklung der durchschnittlichen Gewinne bayerischer Haupterwerbsbetriebe von 2010/2011 bis 2016/2017Zoombild vorhanden

Abb 1: Entwicklung der durchschnittlichen Gewinne bayerischer Haupterwerbsbetriebe

Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 weisen die hochgerechneten Buchführungsergebnisse der bayerischen Haupterwerbsbetriebe einen durchschnittlichen Gewinn von 51.925 € je Unternehmen aus. Im Mittel der Haupterwerbsbetriebe fiel der Gewinn um 14.009 € (+37 %) höher als im Vorjahr aus. Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 waren im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe die erzielten Gewinne zufriedenstellend. Die Höhe der Gewinne, die die Landwirte in den einzelnen Betriebsformen erwirtschafteten, unterscheiden sich erheblich (32.044 € bis 94.376 € je Unternehmen).

Das wirtschaftliche Ergebnis war geprägt von durchschnittlichen, aber im Vergleich zum Vorjahr durchwegs höheren Ernteerträgen. Die Verkaufspreise für wichtige pflanzliche Erzeugnisse (Getreide, Zuckerrüben) lagen größtenteils unter denen des Vorjahres bzw. auf dem Vorjahresniveau (Raps, Kartoffeln). In der tierischen Erzeugung erzielten die Landwirte beim Milch- und Rinderverkauf um 8 % bzw. 12 % höhere Umsatzerlöse. Die Umsatzerlöse der Schweinezucht- und Schweinemastbetriebe nahmen im Mittel um 35 % bzw. 30 % gegenüber dem Vorjahr zu. Im laufenden Wirtschaftsjahr gehen die Umsätze bzw. Gewinne der Veredlungsbetriebe deutlich zurück.

Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 nahm das Eigenkapital (laut Bilanz) der Haupterwerbsbetriebe im Mittel um 12.998 € je Unternehmen zu. Die mittlere Eigenkapitalveränderung übertraf den 5-Jahresdurchschnitt der Vorjahre deutlich. Viele Landwirte entschieden sich für die Durchführung von Investitionen in ihren Betrieben; im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe erreichten die Bruttoinvestitionen einen Höchstwert. Infolge der höheren Umsatzerlöse verbesserte sich die Finanzlage im Mittel der Betriebe sichtlich.

Wirtschaftsergebnisse der Haupterwerbsbetriebe nach Betriebsformen

Ackerbaubetriebe

Nach zwei Wirtschaftsjahren mit rückläufigen Gewinnen erzielten die Ackerbaubetriebe im Mittel akzeptable Gewinne, obwohl in diesen Betrieben die landwirtschaftlich genutzte Fläche um 5 ha auf durchschnittlich 84 ha LF zurückging. Die höheren Umsätze resultierten hauptsächlich aus den höheren Erträgen im Erntejahr 2016.

Weinbaubetriebe

Für die Gruppe der Weinbaubetriebe zeichnet sich eine weitgehend stabile Weiterentwicklung ab. Die Erzeugnisse der Weinbaubetriebe haben beim Endkunden eine hohe Präferenz. Dies zeigten die relativ gleichbleibenden Umsatzerlöse (hoher Anteil an Direktabsatz). Die Weinbaubetriebe erweiterten im Wirtschaftsjahr 2016/2017 ihre Nutzflächen um durchschnittlich 12 %. Außerdem stiegen in dieser Betriebsgruppe die Nettoinvestitionen stark an.

Futterbaubetriebe

Nach zwei ungünstigen Wirtschaftsjahren konnten die Futterbaubetriebe mit durchschnittlich 45.728 € je Unternehmen wieder akzeptable Gewinne erreichen (+9.650 € bzw. +27 %). Für das laufende Wirtschaftsjahr wird aufgrund der Preisentwicklung bei Milch und Rindern eine insgesamt positive Weiterentwicklung erwartet. Die Wirtschaftsergebnisse der Futterbaubetriebe sind besonders prägend für die wirtschaftliche Lage der Haupterwerbsbetriebe in Bayern insgesamt.

Veredlungsbetriebe

Entwicklung des durchschnittlichen Gewinns bayerischer Haupterwerbsbetriebe bei ausgewählten Betriebsformen von 2010/2011 bis 2016/2017Zoombild vorhanden

Abb 2: Entwicklung des durchschnittlichen Gewinns bayerischer Haupterwerbsbetriebe bei ausgewählten Betriebsformen

In den Veredlungsbetrieben kam es in den letzten Wirtschaftsjahren zu einer deutlichen Ausweitung der Schweinebestände. Aufgrund der günstigen Schweinepreise waren im Wirtschaftsjahr 2016/2017 ausgeprägte Umsatz- bzw. Gewinnsteigerungen möglich.

Allerdings zeigt die neuere Entwicklung der Schweinepreise, dass eine nachhaltige Gewinnverbesserung in dieser Betriebsgruppe derzeit nicht zu erwarten ist. Diese wäre jedoch in kleineren Betrieben eine wichtige Voraussetzung für eine betriebliche Konsolidierung bzw. Stabilisierung. Der Druck zur Durchführung von betrieblichen Anpassungen wird deshalb vor allem in kleineren Veredlungsbetrieben weiter bestehen bleiben.

Verbundbetriebe

Die Verbundbetriebe konnten im Wirtschaftsjahr 2016/2017 den durchschnittlichen Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 24 % steigern. In diesen Betrieben waren spürbare Umsatzsteigerungen in der Pflanzen- und Tierproduktion möglich. Die Verbundbetriebe werden ihre wirtschaftliche Entwicklung weitgehend stabil fortsetzen können.
Die Buchführungsergebnisse im Detail
Umfangreiche Auswertungen zu den Betriebsergebnissen der bayerischen Testbetriebe finden Sie in der LfL-Information "Buchführungsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2016/2017". Die Broschüre gibt einen Überblick über die Struktur und Entwicklung der aktuellen Wirtschaftsergebnisse in bayerischen Haupterwerbsbetrieben und Klein- bzw. Nebenerwerbsbetrieben. Die Ergebnisse der Gruppenauswertungen sind differenziert nach Betriebstypen und Agrargebieten. Zusätzlich enthalten ist eine umfangreiche Sammlung von Kennwerten aus der Buchführung des Wirtschaftsjahres 2016/2017.
Die bewährte Datensammlung (201 Seiten) richtet sich in erster Linie an Politik, Beratung, Verwaltung, Wissenschaft, Medien, Verbände und die fachlich interessierte Öffentlichkeit.

Die Publikation liegt nur in gedruckter Form vor und kann per E-Mail angefordert werden (Bezugspreis: 5 € zuzüglich Porto). Die Buchführungsergebnisse früherer Wirtschaftsjahre (ab 2002/2003) sind ebenfalls noch erhältlich (Bezugspreis: jeweils 5 € zuzüglich Porto).
Eine ausführliche Bewertung der bayerischen Buchführungsergebnisse 2016/2017 wurde im Magazin "Schule und Beratung" (SuB), der offiziellen Informationsschrift des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, veröffentlicht.

Buchführungsergebnisse bayerischer Haupterwerbsbetriebe (SuB Ausgabe 5-6/2018, Seiten 57-65, externe PDF-Datei) Externer Link

Ansprechpartner
Dr. Eva-Maria Schmidtlein und Lukas Wolf
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Straße 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-159 bzw. -459
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

Buchführungsergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe – Internetbetriebsvergleich

Im Internet-Buchführungsvergleich können Sie aus mehreren Betriebsgruppen eine Betriebsgruppe auswählen. Deren Buchführungsdaten werden zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen verrechnet und als Gruppenmittelwerte ausgegeben.
Für die gewählte Betriebsgruppe erhalten Sie jeweils zwei standardisierte Listen mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zur Auswahl. Die ausgegebenen Kennzahlen dienen als Vergleichsmaßstab für die Kennzahlen des eigenen Betriebes oder als allgemeine Information über die wirtschaftliche Situation der Betriebe mit unterschiedlichen Betriebsformen.

Buchführungsergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe - Internetbetriebsvergleich