Auswertung der Buchführungsergebnisse 2016/2017
Die Liquiditätslage landwirtschaftlicher Betriebe in Bayern

Das Wirtschaftsjahr 2016/2017 brachte für die meisten Haupterwerbsbetriebe in Bayern auskömmliche Gewinne. Im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe fielen diese um 37 Prozent höher aus als im Vorjahr. Das gute Wirtschaftsergebnis resultierte hauptsächlich aus höheren Ernteerträgen und der günstigen Preisentwicklung bei Milch und Schweinen. Außerdem kam es in einer Reihe von Betrieben zu Umsatzsteigerungen infolge von deutlichen Kapazitätserweiterungen durch die Aufstockung der Nutzflächen und Viehbestände.
Seit längerem wird am Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft die Veränderung der Liquiditätslage in den landwirtschaftlichen Betrieben untersucht. Die Grundlage für die aktuelle Analyse waren Betriebe mit Buchführungsabschlüssen der vergangenen drei Wirtschaftsjahre. Aus den Daten der Jahresabschlüsse 2014/2015 bis 2016/2017 wurden betriebswirtschaftliche Kennwerte ermittelt und anschließend zu Dreijahres-Durchschnittswerten verrechnet. Die Betriebe wurden in vier Gruppen unterteilt. Dabei galten Kriterien, die zur Beschreibung unterschiedlicher Liquiditätslagen in landwirtschaftlichen Betrieben geeignet sind.
Eine erfolgreiche und auf Dauer ausgerichtete Betriebsführung ist nur möglich, wenn der Betrieb zahlungsfähig bleibt und im Zeitablauf die erforderlichen Investitionen durchführt. Dafür ist im Betrieb eine ausreichende Menge an Finanzmitteln ständig bereitzuhalten. Die Liquiditätslage eines Unternehmens hängt entscheidend von der Höhe der betrieblichen Erträge und Aufwendungen sowie von den Entnahmen und Einlagen ab.

Leichte Zunahme bei Betrieben mit hoher Gefährdung, aber auch bei den Betrieben ohne Gefährdung

Bei den Betrieben mit hoher oder ohne Gefährdung ist eine leichte Zunahme zu verzeichnen, während die Zahl der Betriebe mit geringer und mittlerer Gefährdung leicht zurückging.Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Entwicklung der Liquiditätslage in bayerischen Betrieben

Die Anzahl der ausgewerteten Betriebe variiert von Jahr zu Jahr. Abbildung 1 veranschaulicht über einen Zeitraum von 20 Jahren die prozentuale Verteilung der ausgewerteten Betriebe auf die vier Liquiditätsstufen. Die aktuelle Analyse zeigt, dass im vergangenen Jahr der Anteil der Betriebe ohne Gefährdung (Liquiditätsstufe 1) um 1 % zunahm. Der Anteil der Betriebsgruppen mit geringer Gefährdung (Liquiditätsstufe 2) und mittlerer Gefährdung (Liquiditätsstufe 3) nahmen je um 1 % ab, während sich der Anteil der Betriebe mit hoher Gefährdung (Liquiditätsstufe 4) um 2 %-Punkte auf 23 % erhöhte.

Liquiditätsstufe 1 - Keine Gefährdung der Liquidität in 18 Prozent der Betriebe

Die Betriebe aus dieser Gruppe bewirtschafteten im Mittel 61 Hektar LF. Wie der Vergleich der Hektarwerte zeigt, wirtschafteten sie auf durchschnittlichen Standorten. Ihre Getreide- und Zuckerrübenerträge lagen geringfügig über dem mittleren Ertragsniveau aller Betriebe. Tendenziell waren in dieser Betriebsgruppe weniger Milchviehhalter als in den übrigen Gruppen vertreten. Die jährliche Milchleistung je Kuh lag im Mittel bei 7.173 kg und damit auf dem Durchschnittsniveau aller untersuchten Betriebe. Dagegen erreichten die Schweinezuchtbetriebe aus dieser Gruppe mit 23,9 Ferkeln pro Sau und Jahr eine überdurchschnittliche Leistung.
Die Betriebe der Liquiditätsstufe 1 erwirtschafteten im Mittel einen bereinigten Gewinn von 67.408 Euro. Ihre Gewinnrate lag wie im Vorjahr bei knapp 27 Prozent. Sie war damit um rund 9 Prozentpunkte über dem Gesamtdurchschnitt. Der Aufwand für Arbeitshilfsmittel lag im Mittel um 3.317 Euro unter dem Durchschnitt aller Betriebe, die Festkostenbelastung fiel um durchschnittlich 731 Euro niedriger aus.
Die kurzfristige Kapitaldienstgrenze mit durchschnittlich 65.583 Euro reichte aus, um den Kapitaldienst zu leisten und alle anfallenden Abschreibungen abzudecken. Zusätzlich konnten durchschnittlich 27.491 Euro (langfristige Kapitaldienstreserve) für Nettoinvestitionen, Risikovorsorge und private Altersvorsorge zurückgelegt werden. Die landwirtschaftlichen Unternehmen aus der Gruppe mit Liquiditätsstufe 1 erreichten die gute Liquiditätslage nicht nur durch die erfolgreiche Führung ihres landwirtschaftlichen Betriebes, sondern auch mit Hilfe ihrer außerlandwirtschaftlichen Einkünfte.

Liquiditätsstufe 2 - Leichte Gefährdung der Liquidität in 33 Prozent der Betriebe

Die Produktion der Betriebe aus dieser Gruppe war schwerpunktmäßig auf die Erzeugung von Milch und Mastschweinen ausgerichtet. Die Betriebe wirtschafteten tendenziell auf eher unterdurchschnittlichen Standorten, erzielten aber leicht überdurchschnittliche Zuckerrübenerträge und tierische Leistungen. Im Mittel erreichten sie Gewinne von 49.945 Euro jährlich.
Die ordentliche Eigenkapitalbildung war mit 11.205 Euro im Gruppenmittel durchaus zufriedenstellend. Jedoch reichte die kurzfristige Kapitaldienstgrenze für eine vollständige Abdeckung der Gebäudeabschreibungen, Nettoinvestitionen, Risikoabsicherung und Altersvorsorge nicht aus.
Als mittelfristige Kapitaldienstreserve standen den Betrieben aus dieser Gruppe durchschnittlich 3.585 Euro zur Verfügung. Ein Betrag in dieser Höhe reicht üblicherweise für die Deckung der Gebäudeabschreibung aus. Die Liquiditätslage der Betriebe aus dieser Gruppe ist als gut zu bewerten, so lange keine Gebäudeinvestitionen erforderlich sind. Für größere Nettoinvestitionen stehen nur noch in begrenztem Umfang Eigenmittel zur Verfügung. Deshalb ist die Finanzierbarkeit bedeutender Investitionen genau zu prüfen, ebenso die Tragbarkeit von zusätzlichen Kapitaldiensten.

Liquiditätsstufe 3 - Mittlere Gefährdung der Liquidität in 26 Prozent der Betriebe

Die Betriebe aus dieser Gruppe wirtschafteten im Mittel auf besseren Standorten und mit einer überdurchschnittlichen Flächenausstattung. In dieser Betriebsgruppe befanden sich meist größere Milchviehhalter und Bullenmäster. Außerdem wurden überdurchschnittlich viele Zuchtsauen und Mastschweine gehalten. Die Ertragslage entsprach weitgehend dem Gesamtdurchschnitt. In der tierischen Erzeugung wurden höhere Leistungen erzielt als im Mittel aller Betriebe. Der Gewinn lag bei durchschnittlich 34.608 Euro, die Gewinnrate bei 13 Prozent.
Die Abschreibungsgrade bei Gebäuden und Maschinen zeigten, dass die Betriebe aus dieser Gruppe im Mittel über neuere Gebäude und Maschinen verfügen. Ihr Fremdkapitalanteil lag um sieben Prozentpunkte über dem Gesamtdurchschnitt. Die Betriebe konnten im Mittel ihre Kapitaldienste erbringen, denn bei der kurzfristigen Kapitaldienstgrenze reichte der Betrag dafür aus. Im Gegensatz dazu waren die erforderlichen Maschineninvestitionen durch die Abschreibungen nur noch teilweise gedeckt.
Die Eigenkapitalbildung war in dieser Betriebsgruppe im Mittel deutlich negativ. Für auslaufende Betriebe kann dies so hingenommen werden, weil sie Ersatzinvestitionen nur noch zum Teil durchführen müssen. Größere Investitionen sind jedoch wegen des hohen zusätzlichen Fremdkapitalbedarfs derzeit kaum finanzierbar.

Liquiditätsstufe 4 - Hohe Gefährdung der Liquidität in 23 Prozent der Betriebe

Diese Betriebe wirtschafteten auf guten Standorten mit durchschnittlich 51 ha LF. Sie hatten im Durchschnitt kleinere Viehbestände und eine überalterte Betriebsausstattung. Der Einsatzumfang familieneigener Arbeitskräfte war geringer als beim Durchschnitt aller untersuchten Betriebe. Auch die Leistungen, insbesondere in der tierischen Erzeugung, fielen im Mittel unterdurchschnittlich aus.
Die Betriebe erzielten einen jährlichen Gewinn von durchschnittlich 20.452 Euro, ihre Eigenkapitalbildung war augenfällig negativ. Ein Zeichen für die hohe Gefährdung dieser Betriebe waren die Kapitaldienstreserven mit Beträgen im deutlich negativen Bereich. Den Kapitaldienst konnten die Landwirtsfamilien aus der laufenden Bewirtschaftung alleine nicht aufbringen. Die erforderlichen Finanzmittel beschafften sie zum Beispiel durch Anlagenverkäufe, Umfinanzierungen und Einlagen aus Privatvermögen oder anderweitigen Einkünften.
Die hohe Gefährdung der Betriebe aus der Gruppe mit Liquiditätsstufe 4 hat verschiedene Ursachen. Aus der niedrigen Gewinnrate geht hervor, dass die Produktionstechnik im Mittel der Betriebe unzureichend war. Die Naturalerträge und Leistungen waren unterdurchschnittlich, ebenso die Ausstattung mit Produktionsfaktoren. Auch die außerlandwirtschaftlichen Einkünfte lagen unter dem Gesamtdurchschnitt.
In dieser Gruppe befand sich eine Reihe von Landwirten, die ihre Betriebe für eine befristete Zeit noch weiterführen und dann aufgeben werden. Gegenwärtig setzen diese Landwirte auf andere, nicht in der landwirtschaftlichen Buchführung erfasste Erwerbsmöglichkeiten. Ein Beleg dafür sind die vergleichsweise hohen Entnahmen für außerlandwirtschaftliche Einkünfte.

Trend zu einer zunehmenden Differenzierung der Betriebe setzt sich weiter fort

Durch die Verrechnung von gleitenden Dreijahresdurchschnitten lassen sich aus der aktuellen Auswertung nur andeutungsweise die im Wirtschaftsjahr 2016/2017 deutlicher sichtbar gewordenen Veränderungen in der Faktorausstattung vieler Betriebe erkennen. Stärker als in den Vorjahren hat eine Reihe von Landwirten ihre Nutzfläche und Viehbestände ausgeweitet. Der Spezialisierungsgrad nahm insbesondere bei den Milchvieh- und Schweinehaltern zu.
Generell führen größere Produktpreisschwankungen im Zusammenhang mit der stärkeren Spezialisierung in den Betrieben zu immer größeren Umsatz- bzw. Gewinnschwankungen. Daraus ergeben sich steigende Anforderungen an die Betriebsleitung, wenn die Zahlungsfähigkeit erhalten und betriebliche Risiken zum Beispiel in der Produktion bewältigt werden sollen.
Den zunehmenden Gewinnschwankungen begegnen die Landwirte oft mit Produktionsausweitungen. Sie gehen davon aus, dass sie auftretende Niedrigpreisphasen bei wichtigen Agrarerzeugnissen so besser überwinden können. Für diese Kapazitätsausweitungen sind in den Betrieben bedeutende Kapitaleinsätze erforderlich. Die Unternehmer müssen diese zumindest teilweise aus Eigenmitteln finanzieren. Gerade in den kleineren Betrieben konnte in den vergangenen Jahren oft nicht ausreichend eigenes Kapital angespart werden. Dadurch wird die Umsetzung von notwendigen Kapazitätserweiterungen in diesen Betrieben deutlich erschwert. Der strukturelle Anpassungsprozess der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern wird sich weiter verstärken.

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