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Ethanolboom in den USA unterbrochen
Ethanolerzeugung
Im August 2005 hat Präsident Bush das Gesetz für Erneuerbare Energien (Energy
Policy Act) unterzeichnet. Danach soll die erzeugte Menge an Ethanol von 2005 bis 2012 von 16,2 Mrd. Liter auf umgerechnet 28,4 Mrd. Liter steigen. Die Raffinerien wurden verpflichtet, dem Benzin einen zunehmenden Anteil an Ethanol beizumengen. Begünstigt wird die Verwendung von Ethanol im Kraftstoff durch eine Subvention in Höhe von 51 US-Cent pro Gallone (umgerechnet 9,3 Eurocent pro Liter).
Die Zahl der Ethanolanlagen in den USA ist durch den Biokraftstoffboom von 54 auf jetzt 119 angestiegen. 86 weitere Destillen werden gerade gebaut. 2007 werden in den Vereinigten Staaten bereits 31 Mrd. l Ethanol erzeugt. Im Jahr zuvor waren es erst 20 Mrd. l gewesen - eine Seigerung in einem Jahr um 55 %! Bis Ende 2008 soll sie auf etwa 45 Mrd. l/Jahr steigen.
Maisanbau für Ethanol
Die Anbaufläche für Mais ist in diesem Jahr laut amerikanischem Landwirtschaftsministerium um 19 % auf umgerechnet 37,6 Mio. ha ausgeweitet worden. Die Erntemenge wird auf knapp 332 Mio. t geschätzt und davon werden 26 % für die Ethanolherstellung verwandt. Der gesamte Verbrauch soll sich in den USA 2007/08 auf etwa 268 Mio. t belaufen. Damit bliebe noch Spielraum für Exporte und einen Bestandsaufbau.
Quelle: CBOT (Chicago Board of Trade)
Verbrauch des Ethanols
Der Produktionsanstieg von 55 % allein 2007 zeigt, dass die Verarbeitungskapazitäten sehr schnell ausgeweitet wurden. Die hohe Nachfrage nach Mais wirkt sich erheblich auf dessen Preis aus. Im September 2006 waren die Future-Preise für Mais und Ethanol mit 2,30 $ etwa gleich hoch (ausgedrückt pro Bushel bzw. Gallone; siehe Schaubild). Gleich danach verteuerte sich Mais stark und liegt jetzt (September 2007) bei etwa 3,70 $/Bushel bzw. bei 146 $/t. Dies ist eine Steigerung um 61 %. Dagegen sank der Ethanolpreis von 2,30 $/Gallone auf jetzt etwa 1,50 $/Gallone – ein Minus von 35 %.
Klar geregelt wurde nur die Produktion, nicht aber die Distribution von Ethanol. Für die Verteilung wurden zu wenig finanzielle Mittel bereitgestellt. Viele Erdölverarbeiter verfügen über keinen Gleisanschluss und keine Tankanlagen zur Anlieferung von Ethanol.
Hinzu kommt, das sich die ganze Infrastruktur der Ethanolverwendung räumlich nicht deckungsgleich mit der Erzeugung entwickelte. Letztere wurde produktionsnah im Mittleren Westen, also im Landesinneren, angesiedelt. Der Schwerpunkt der Herstellung liegt in den Bundesstaaten Iowa und Nebraska. Dagegen herrscht Nachfrage nach Energie vor allem entlang der Küsten. Damit werden umfassende Transportleistungen erforderlich. Am preisgünstigsten wäre der Transport über bestehende Rohrleitungen. Dies scheitert jedoch daran, dass Ethanol wegen seines Sauerstoffatoms sehr korrosiv ist. Deshalb muss auf teurere Transportmittel, wie die Bahn, zurückgegriffen werden.
Vergrößert wurde das Problem des Überangebots noch dadurch, dass die Ethanolindustrie die Herstellung weit über den vom Kongress vorgegebenen Rahmen hinaus gesteigert hat. Von dem Gesetz vorgesehen sind für 2007 17,8 Mrd. Liter. Erzeugt werden jedoch 31 Mrd. l - fast das Dreiviertelte mehr!
Da auch noch die Baukosten für Fabriken gestiegen sind, wurden momentan die meisten Bauvorhaben zurückgestellt. Erholen werden sich die Ethanolpreise erst dann wieder, wenn die Überschüsse beseitigt sind und die Infrastruktur der Verarbeitung ausgebaut ist.
November 2007
Prof. Dr. Siegfried Graser, Josef Huber
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährung und Markt
Tel.: 089/17800-333 • Fax: 089/17800-332
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