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Weltweite Getreidemärkte von starken Preisschwankungen gekennzeichnet
Im Blickpunkt des weltweiten Interesses stehen dabei die drei wichtigsten Getreidearten für die Ernährung, also Weizen, Mais und Reis.
Bei Weizen hat sich die Lage nach den kräftigen Preissteigerungen von 2007/08 mit den günstigen Prognosen für die kommende weltweite Ernte entspannt. So geht die erste Vorschätzung des Internationalen Getreiderats für 2008/09 von 645 Mio. t Weizen aus statt 604 Mio. t für 2007/08. Der Verbrauch wird auf 630 Mio. t veranschlagt. Damit wachsen die Endbestände voraussichtlich nach langer Zeit wieder etwas an.
Auch für die EU hat nach Schätzung des EU-Dachverbandes des Getreide- und Futtermittelhandels (COCERAL) mit einer Mengenerhöhung bei Weizen um 15 % positive Ertragsaussichten. Mitte April sanken die Notierungen an der Terminbörse Matif in Paris für Mai wegen des niedrigen Anschlussbedarfs der Mühlen innerhalb des alten Wirtschaftsjahres um 34 Euro/t auf unter 200 Euro/t. Außerhalb der EU dämpft die anhaltende Stärke des Euro die Nachfrage nach europäischem Weizen.
Die Kurse für November und damit für die neue Weizenernte verminderten sich wegen der günstigen Ernteprognosen auf 190 Euro/t.
Bei Mais rechnet der Getreiderat dagegen mit einem verringerten Angebot und einem erhöhten Verbrauch. Die Endbestände dürften danach weiter abnehmen. Die Preise für amerikanische Ware erreichten im März mit umgerechnet 235 Euro/t einen neuen Höchststand.
Besonders unsicher ist die Situation bei Reis. Zwar decken sich das weltweite Angebot und die Nachfrage bei 424 Mio. t. Doch trägt der Bestandsabbau der vergangenen Jahre zu panikartigen Reaktionen der Verbraucher bei. Hinzu kommt, dass wichtige Anbieter ihren Reisexport einschränkt haben (Vietnam, China, Indien, Ägypten). Damit sollen die landeseigenen Vorräte geschont und die Inflation der Lebensmittelpreise vermindert werden. Die Unsicherheit über die Reisversorgung hat zu starken Preissteigerungen geführt. Vor einem Jahr lag der Preis für Reis der Güteklasse B in Thailand noch bei umgerechnet rund 200 Euro/t. Jetzt - Ende April - beträgt er 600 Euro/t. Damit hat sich der Preis innerhalb eines Jahres verdreifacht. Mit den hohen Preissteigerungen erhöht sich der Druck auf Thailand, den größten Reisexporteur, ebenfalls die Ausfuhr zu begrenzen.
Die Preisentwicklung bei Getreide, speziell bei Reis, haben zu weltweiten sozialen Unruhen der armen Bevölkerung geführt, die zum Teil - wie auf Haiti -, mit zwei Dollar am Tag auskommen muss.
Der wichtigste Grund für die ansteigenden Getreidepreise ist der über Jahre anhaltende Abbau der Lagerbestände. Die wachsende Weltbevölkerung und die Ernteausfälle in wichtigen Erzeugerländern haben zudem zu der angespannten Versorgungssituation beigetragen.
Außerdem ist in China und Indien eine kaufkräftigere Mittelschicht entstanden, die vermehrt Fleisch konsumiert und damit indirekt mehr Getreide benötigt. Bei Reis lösen die Exportbeschränkungen Unruhen und Angstkäufe aus. Die Spekulation an den Börsen in normalem Umfang wirkt nicht preistreibend, weil Spekulanten für das Funktionieren der Börse erforderlich sind. Allerdings hat die verstärkte Nachfrage nach Terminkontrakten in den USA in jüngster Zeit dazu geführt, dass die Nachfrage nach Kontrakten viel höher ist als nach Getreide. Kassa- und Terminnotierungen gleichen sich am Ende der Laufzeit oft nicht mehr an und erschweren den physischen Marktausgleich. Die Banken in den USA finanzieren solche Kontrakte wegen des höheren Risikos deshalb kaum noch.
Auch der Mehrbedarf in den USA an Mais für die Ethanolherstellung verschärft die Versorgungslage bei Getreide noch. Es werden in den Vereinigten Staaten bereits 20 % der Getreideproduktion dazu verwandt. Im Gegensatz dazu spielt der Getreideverbrauch für die Ethanolherstellung in der EU mit zwei Prozent der Getreideerzeugung nur eine geringe Rolle. Mit der Aufhebung der Flächenstilllegung wird dieses Minderangebot der EU ohnehin mehr als ausgeglichen.
Mai 2008
Prof. Dr. S. Graser, Josef Huber
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährung und Markt
Tel.: 089/17800-333 • Fax: 089/17800-332
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