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Landesanstalt für LandwirtschaftErnährung und Markt → Ökolog. Landbau
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3. Marktforum Ökoboom am 8.11.2007 in Freising-Weihenstephan


Staatsminister Josef Miller, Präsident Jakob Opperer, Präsident Hermann Heiler vor gefülltem Hörsaal

Am 8. November 2007 fand das 3. Marktforum des Institutes für Ernährungswirtschaft und Markt (IEM) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) statt - gemeinsam mit dem 6. Ernährungswirtschaftlichen Symposium der FH-Weihenstephan. Diese Veranstaltung stand unter dem Motto "Ökoboom - Chancen für die bayerische Land- und Ernährungswirtschaft".

In der gemeinsamen Tagung der LfL und FH-Weihenstephan wurden konkrete Ansätze vorgestellt und diskutiert, wie die Chancen im Öko-Marktsegment von der Erzeugerstufe über die Verarbeitung bis hin zum Handel genutzt werden können.
Neben Staatsminister Josef Miller referierten namhafte Fachleute des Handels, der Verarbeitung und der Beratung und Bildung über zukünftige Entwicklungen im Ökolandbau.

FH-Präsident Hermann Heiler begrüßte die zahlreichen Gäste und Entscheidungsträger in der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft.


Programm zum 3. Marktforum  PDF-Dokument


Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft in Bayern

Staatsminister Josef Miller

Staatsminister Josef Miller
Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten

In der bayerischen Agrarpolitik nehmen der ökologische Landbau und die Förderung der Vermarktung von Ökoprodukten seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert ein. Sowohl in der ökologisch bewirtschafteten Fläche von rund 150.000 ha und in der Anzahl mit über 5.000 landwirtschaftlichen Ökobetrieben als auch in den Steigerungsraten liegt Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern vorne. Auch im Verarbeitungsbereich belegt Bayern mit mehr als 1.600 Unternehmen bundesweit mit Abstand Platz eins. Um die Spitzenstellung halten bzw. ausbauen zu können, setzt die bayerische Agrarpolitik auf zwei Säulen, nämlich die Unterstützung der Erzeugung und gleichzeitig der Vermarktung.
Auch der Fachhochschule Weihenstephan kommt eine wichtige Rolle im Ökomarkt zu. Durch die qualifizierte Ausbildung zu Diplom-Ingenieuren im Studiengang Landwirtschaft bzw. zu Diplom-Wirtschaftsingenieuren im Studiengang Agrarmarketing und Management stehen kompetente Absolventen für alle Bereiche von der Erzeugung bis zur Vermarktung von Ökoprodukten zur Verfügung.

Einführungsvortrag von Staatsminister Josef Miller  PDF-Dokument


Bio-Verbraucher - welches Potenzial ist erschließbar?

Prof. Dr. Ulrich Hamm
Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing,
Ökologische Agrarwissenschaften, Uni Kassel

Der Markt für Öko-Lebensmittel ist schon seit geraumer Zeit weltweit ein großer Wachstumsmarkt. Die Umsätze mit Öko-Lebensmitteln haben sich in vielen Industrieländern seit Anfang 2000 mehr als verdoppelt. Von einem kurzfristigen „Bio-Boom“ zu sprechen ist keineswegs angebracht, meint Prof. Dr. Hamm.
Der Referent beantwortet Fragen wie "Warum kaufen Verbraucher Öko-Lebensmittel?" und zeigt die Entwicklung sowohl der Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln als auch des Angebots an Öko-Lebensmitteln auf.
Man muss abwarten, welche Strategie sich mittelfristig für die deutsche Landwirtschaft als erfolgreicher erweist: das Setzen auf einen Wachstumsmarkt im Lebensmittelbereich oder das Vertrauen auf dauerhaft hohe staatliche Subventionen für die Energiegewinnung aus der Massenerzeugung nachwachsender Rohstoffe.
Die Erzeugung von Öko-Lebensmitteln bietet für die überschaubare Zukunft erhebliche Wachstumspotentiale, weil sie auf eine hohe Kaufkraft im größten europäischen Markt trifft.

Bei hohen Umweltauflagen für die Produktion und hohen Kosten für die Produktionsfaktoren Boden und Arbeit konnten sich alle bedeutsamen Wirtschaftsbereiche in Deutschland nur mit hochwertigen Gütern - nicht mit Massenprodukten - am internationalen Markt behaupten. Warum soll das in der Landwirtschaft anders sein?

Fachvortrag Prof. Dr. Ulrich Hamm (Folien)  PDF-Dokument - (23 Seiten, 264 KB)


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Stellenwert des Ökolandbaus in Bayern

Johannes Enzler
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährungswirtschaft und Markt

Bayern hat nicht nur die meisten Ökobetriebe in Deutschland sondern liegt auch bei der ökologisch bewirtschafteten Fläche im bundesweiten Vergleich vorne.
Die Struktur der Bayerischen Betriebe ist geprägt von einem hohen Anteil an Kleinbetrieben, v.a. bei Kuhhaltern und Ferkelerzeugern.

Die Verarbeitungs- und Handelsbetriebe haben ihre Anzahl von 1996 bis 2006 fast vervierfacht.
Aufgrund dieser Entwicklung beziehen viele Öko-Verarbeiter ihre Rohstoffe von außerhalb Bayerns. Besonders knapp ist momentan die Erzeugung im Bereich tierischer Ökoprodukte im Vergleich zur Nachfrage.
Bayern hat bei Bio-Produkten mit 19,8 % im Vergleich zu anderen Bundesländern den größten Umsatzanteil aufzuweisen, insbesondere bei Käse, Eier, Brot, Kartoffeln, Frischobst und Frischgemüse.
Künftige Herausforderungen für den heimischen Öko-Markt sind Billig-Bio Importe aus den osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten und Drittländern sowie die Garantie der Gentechnikfreiheit ökologischer Erzeugnisse. Hilfreich für die bayerische ökologische Land- und Ernährungswirtschaft kann laut Enzler die Betonung auf Produktqualität und Regionalität sein, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Fachvortrag Johannes Enzler (Folien)  PDF-Dokument - (19 Seiten, 420 KB)


Umstellung auf Ökolandbau aus ökonomischer Sicht

Johann Schneck
Fachschule für Agrarwirtschaft, Landshut

Im dem Vortrag werden die ökonomischen Aspekte, die für und gegen eine Umstellung sprechen, anhand von zwei Modellbetrieben aufgeführt.
Der Gesamtdeckungsbeitrag „Ziel Öko“ muss größer sein als der konventionelle. Dabei sind Änderungen der Festkosten durch notwendige Investitionen und mögliche Mehrarbeit zu berücksichtigen.
Anhand von Excelkalkulationen stellt Herr Schneck dar, dass ein Milchviehbetrieb hervorragende Voraussetzungen für die Umstellung haben kann, falls auf dem Betrieb die Arbeitskapazität für diesen Zugewinn verfügbar ist. In der Umstellungszeit mit konventionellem Preisniveau und gleichzeitigen Ausgaben für Umbau, bzw. Laufhofbaumaßnahmen hat der Betriebsleiter aber eine Durststrecke zu überwinden.
In Anbinde-Ställen ohne Weidemöglichkeit oder sehr hohen Milchleistungen, die in der Ökovariante nur mit erheblichem Aufwand zu erzielen sind, oder auch bei geringerer Flächenausstattung sehen die Berechnungen nicht so günstig aus.
Die Umstellung auf ökologischen Landbau ist in vielen Fällen eine Überlegung wert.
Zur Abschätzung der ökonomischen Auswirkungen ist aber eine einzelbetriebliche Berechnung notwendig.

Fachvortrag von Johann Schneck  PDF-Dokument - (4 Seiten, 64 KB)


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Wohin entwickelt sich der Markt für Öko-Lebensmittel in Bayern?

Drei Statements aus Industrie und Handel

Teil 1:
Herwart Groll
Qualitätsmanagement bei tegut

Referent Herwart Groll bezeichnet „Boom“ als zweischneidig: Ein schöner Impuls, falls er dazu beiträgt, dass "Bio" bekannter wird und die Verbraucher sich mit Themen wie Qualität, Nachhaltigkeit, Situation in der Landwirtschaft ... auseinandersetzen. "Durch den wirtschaftlich motivierten Einstieg großer Akteure angefacht, würde er andererseits in einem wirtschaftlichen Strohfeuer verrauchen".

Laut Groll hat „Bio“ sehr viel mehr bewirkt als die Zahlen wiederspiegeln: Reduzierung der mineralischen Düngung und des chemischen Pflanzenschutzes sowie verantwortlicher Umgang mit Wasserreserven.
Landwirtschaft kontra "unternehmerische Produktion von Rohstoffen" vertieft die Kluft zwischen „Agrar-Unternehmern“ und „Verbrauchern“, das Verständnis schwindet mit der Kenntnis. Aktionen wie Hofläden, Hoffeste und dergl. sind im Bereich des Ökologischen Landbaus häufiger zu finden und helfen, den Beitrag der Landwirtschaft für die Kulturlandschaft sowie deren Wohn- und Erholungswert nicht noch weiter aus den Augen zu verlieren: "Bio als besserer Ausgangspunkt für gute Lebensmittel".
Es genügt nicht, auf dem Acker gute Ausgangsstoffe zu kultivieren sondern ihre Qualität bei der Verarbeitung möglichst zu steigern. „Bio ist nicht auf die landwirtschaftliche Stufe beschränkt".

Fachvortrag Herwart Groll (Folien)  PDF-Dokument - (11 Seiten, 788 KB)


Teil 2:
Hans Rampelt
C+C Pfeiffer GmbH, Österreich

Österreich ist das Bio-Land No. 1 in Europa, 13 % der landwirtschaftlichen Fläche und 11% aller Betriebe sind "Bio". Das österreichische Familienunternehmen aus Traun befasst sich neben dem Einzelhandel vorwiegend mit der Gastronomie und Hotellerie, der Systemgastronomie, der Betriebsverpflegung und dem Catering. Als Partner von Bio-Austria, einem Netzwerk von 14.000 Biobauern ist das Unternehmen darum bemüht, seine Kunden bei der Umstellung und Einführung von Bio-Produkten in ihren Unternehmen zu unterstützen. Besonders gefragt sind dabei Obst und Gemüse, Rindfleisch und Molkerei-Produkte.

Derzeit konsumieren ca. 5 % der österreichischen Bevölkerung ausschließlich Bio-Produkte und jeder 10. Österreicher tauscht zumindest einige konventionelle Lebensmittel gegen solche aus biologischem Anbau aus. Umfragen ergaben eine Steigerung der Kauffrequenz von Bioprodukten von 25% (2005) auf 33% (2007)im Bereich "häufig" und von 9% auf 16 % im Bereich "immer". Ausschlaggebender Grund für den Kauf von Bioprodukten ist dabei vorrangig die "Gesunde Ernährung".
Die zukünftige Entwicklung des Angebots an Bio-Produkten wurde 2005 auf 56% mehr, 2007 bereits auf 77 % mehr geschätzt.

Fachvortrag Hans Rampelt (Folien)  PDF-Dokument - (22 Seiten, 1,77 MB)



Teil 3:
Peter Geldner
Vorstand der Meyermühle Landshut

Der Vorstand der Meyermühle in Landshut, einem mittelständischen Mühlenbetrieb, der sich seit 25 Jahren mit der Verarbeitung von Bio-Getreide befasst, ist der Überzeugung, dass das Interesse der Verbraucher an "Bio" weiter wachsen wird. Dazu muss es gelingen, die Wertigkeit der Bio-Landwirtschaft und der den Bio-Vorschriften entsprechend erzeugten Produkte bekannter zu machen.
Regionalität gewinnt immer mehr an Bedeutung in der Abgrenzung gegenüber dem "gesichtslosen EU-Bio".
Hochwasserschutz, besserer Wasserhaushalt in Trockenperioden und ein besseres Handling der CO2 -Problematik durch eine umweltschonende Landwirtschaft sind laut Geldner Beispiele für die "indirekte Wirkung" gesunder Lebensmittelerzeugung.
"Wir benötigen mehr umstellungswillige Landwirte und dazu eine bessere staatliche Förderung der Biolandwirtschaft, sonst geht der Bio-Boom an unseren Feldern vorbei."

Statement Peter Geldner  PDF-Dokument - (3 Seiten, 60 KB)


Zusammenfassung der Ergebnisse

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Leiter des Institutes für Ernährungswirtschaft und Markt

Die positive Marktentwicklung bei Öko findet hauptsächlich im Discounter statt. Auch wenn der Öko-Boom mittlerweile beim Verbraucher angekommen ist, spielt der Preis trotzdem eine große Rolle.
Bayern ist bei der Entwicklung zwar gut aufgestellt, nach StM Miller sind jedoch weitere Maßnahmenbündel notwendig.
Prof. Hamm hat deutlich gemacht, dass vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung der Märkte und der Liberalisierung des Handels Regionen mit einer Landwirtschaftsstruktur wie Bayern besondere Chancen bei Öko hätten. Regionalität spielt bei der Öko-Vermarktung eine große Rolle.
Man muss sie nur nutzen.
Wenn Bayern vom Öko-Boom profitieren und das vorhandene Potential nutzen will, sind nicht nur wirtschaftliche Anreize, Preiszuschläge und Fördermittel für die Produzenten notwendig. Vielmehr müssen sich alle Beteiligten von der Erzeugung bis zur Vermarktung und Verarbeitung noch stärker zusammenschließen und bündeln, um die Nachfrage zu bedienen.
Besonders in der Milchviehhaltung sind die Chancen derzeit sehr günstig.
Die Vernetzung von angewandter Wissenschaft, Forschung, Lehre und Beratung und Vollzug hat gezeigt, dass alle Bereiche voneinander profitieren können.



November 2007
Sylvia Haaser-Schmid
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährung und Markt
Tel.: 089/17800-333 • Fax: 089/17800-332