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Landesanstalt für LandwirtschaftErnährung und MarktQualitätssicherung → Qualitätssicherung Landwirtschaft
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Gelungenes 1. Marktforum zur Qualitätssicherung am 25.11.2004 in Landshut

Mit seinem ersten Marktforum setzte das Institut für Ernährungswirtschaft und Markt (IEM) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft einen wichtigen Meilenstein in der Diskussion um die vielfältigen Qualitätssicherungssysteme in der Land- und Ernährungswirtschaft.
Namhafte Fachleute aus Politik, Forschung und Handel referierten zum Thema „Qualitätssicherung in der Land- und Ernährungswirtschaft“ und versuchten, den ca. 150 Teilnehmern die aktuelle Situation der Qualitätssicherung darzustellen und notwendige Ansätze zur baldigen Harmonisierung anzuregen.
Mit dem Motto „Von der Vielfalt zum System“ sollte betont werden, dass Qualitätssicherung nicht nur ein Marketinginstrument ist, sondern einen bedeutenden Beitrag zur Sicherheit der Lebensmittel leistet.


Prof. Dr. Dr. h. c. Hans Schön

Der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Schön, begrüßte die teilnehmenden Gäste aus Erzeugung, Verarbeitung und Handel, Verbänden sowie Forschungs- und Kontrollinstitutionen, deren Koordinierung eine maßgebliche Aufgabe des am IEM neu geschaffenen Arbeitsbereichs "Qualitätssicherung und -management in der Land- und Ernährungswirtschaft" ist.
Mit dieser Tagung, so Prof. Schön, werde ein Beitrag für eine konstruktive Diskussion innerhalb von Produktion, Verarbeitung und Handel geleistet.



Staatsminister Josef Miller

Staatsminister Josef Miller machte in seinem Einführungsreferat deutlich, dass es derzeit eine Vielzahl von Programmen mit unterschiedlichen Standards, Dokumentationspflichten und Kontrollen gibt, die sich zum Teil überschneiden. Ziel müsse es sein, die Programme aufeinander abzustimmen und in ein modulares Konzept zur Qualitäts- und Herkunftssicherung einzubinden.
Miller stellte darüberhinaus das von ihm geplante Rahmenkonzept zur Qualitäts- und Herkunftssicherung in den wesentlichen Eckpunkten vor und führte an, wie diese praxisbezogen umgesetzt werden können. Als künftiges Basis-Referenzsystem sieht Miller dabei das Qualitäts- und Herkunftssicherungsprogramm „Geprüfte Qualität - Bayern“ an. An diesem nehmen bereits 13.000 bayerische Bauerhöfe im tierischen Bereich teil und es ist dem bundesweiten Programm „Qualität und Sicherheit“ kompatibel. Gemeinsames Ziel muss es nach den Worten des Ministers sein, die landwirtschaftliche Qualitätssicherung in Bayern auf eine breite Basis zu stellen. Damit kann ein wesentlicher Beitrag zum Verbraucherschutz und zur Stärkung des Verbrauchervertrauens in bayerische Lebensmittel geleistet werden. Auch die Landwirte profitieren davon in mehrfacher Hinsicht: Vermeidung von Doppelarbeit und Mehrfachkontrollen, Senkung von Kosten sowie - noch stärker als bisher - Profilierung als attraktiver Partner der Ernährungswirtschaft.

"Rahmenkonzept zur Qualitäts- und Herkunftssicherung - Impulse für eine effiziente Absatzförderung bayerischer Agrarprodukte" , Staatsminister Josef Miller  PDF-Dokument


Prof. Dr. Achim Spiller, Institut für Agrarökonomie der Uni Göttingen, gab einen Überblick über die unterschiedlichen Zertifizierungssysteme, die in den letzten Jahren in der Land- und Ernährungswirtschaft entwickelt wurden. Prof. Spiller betonte, dass der Harmonisierung von Standards eine hohe Bedeutung zukommt, um die Transaktionskosten sowohl der Lieferanten als auch der Käufer zu reduzieren. Während die ökonomische Begründung für die Implementierung von Zertifizierungssystemen plausibel ist, stehen Adressaten in der betrieblichen Praxis den Konzepten zum Teil skeptischer gegenüber, wie anhand durchgeführter Studien in den Bereichen der Fleisch- und Milchwirtschaft belegt wurde. Hieraus werde deutlich, „dass Landwirte bisher von der Sinnhaftigkeit einer Zertifizierung nicht überzeugt sind“, so Prof. Spiller .

"Entwicklungslinien der Zertifizierung: Akzeptanz, Trends und Harmonisierung", Prof. Dr. Achim Spiller  PDF-Dokument


Dr. Sylvia Pfaff vom EuroHandelsinstitut (EHI), Köln, stellte zunächst die Ursachen für den Umsatzrückgang im Einzelhandel dar. Als Reaktion darauf schlug sie Maßnahmen zur Kosteneinsparung durch eine stärkere Nutzung von Synergien in wettbewerbsneutralen Bereichen vor. Gleichzeitig muss sich der Handel aber gegenüber dem Verbraucher abgrenzen, da er sonst austauschbar wird. Dies versucht der Handel verstärkt über seine Eigenmarken zu erreichen, die als geeignetes Instrument zur Kundenbindung angesehen werden. Dazu müssen die einzelnen Standards auf der Basis des IFS aneinander angepasst und harmonisiert werden.

"Was der Handel wirklich will", Dr. Sylvia Pfaff  PDF-Dokument



Praktische Qualitätssicherung stellten Vertreter der Firma Netto (Martin Genz, Michael Schels & Sohn GmbH & Co. OHG) und der McDonald’s-Gruppe (Dr. Angelika Wendt, McDonald's Deutschland Inc.) vor. Sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel, sowie der Schutz der Gesundheit der Kunden haben dabei für die Unternehmen höchste Priorität. Beide Referenten stellten eine enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Lieferanten und Kontrollen auf allen Prozessstufen heraus.

"Qualitätssicherung im Lebensmitteleinzelhandel am Beispiel der Fa. Netto", Martin Genz  PDF-Dokument


" Das Qualitätssicherungskonzept von McDonald's: Ziele, Methoden, Tendenzen", Dr. Angelika Wendt  PDF-Dokument



Marion Kratzmair, Institut für Ernährungswirtschaft und Markt (IEM) an der LfL, verglich in einer kritischen Bestandsaufnahme marktrelevante Systeme in der Landwirtschaft mit denen der Ernährungswirtschaft. Hieraus wurde deutlich, dass es der Ernährungswirtschaft bereits gelungen ist, in weiten Teilen einen einheitlichen Qualitätsstandard zu etablieren, während die Qualitätssicherung in der Landwirtschaft durch zahlreiche „Inselsysteme“ geprägt ist, die nur bedingt kompatibel sind. Als Konsequenz werden zu Recht die Mehrfachaufzeichnungen, Mehrfachkontrollen und Mehrfachkosten von den Landwirten kritisiert. Unter den jetzigen Rahmenbedingungen ergibt sich die ungünstige Situation, dass aufgrund ihrer Produktionsvielfalt gerade von den kleineren Betrieben die meisten Qualitätssicherungssysteme verlangt werden. Notwendige Entwicklungsstrategien sind die Einbeziehung aller Stufen der Ernährungswirtschaft in die Qualitätssicherung.

"Qualitätssicherungssysteme in der Land- und Ernährungswirtschaft - Kritische Bestandsaufnahme und konstruktive Entwicklungsvorschläge", Marion Kratzmair  PDF-Dokument


Der zunehmende Druck auf eine länderübergreifende Qualitätssicherung hat im internationalen Handel mit Vieh und Fleisch dazu geführt, endlich eine verstärkte Harmonisierung zwischen den einzelnen länderspezifischen Systemen herbeizuführen. Anhand der Erfahrungen der European Meat Alliance und EurepGAP konnten Engpässe und Möglichkeiten der internationalen Harmonisierung von Qualitätssicherungssystemen erklärt werden. Im Besonderen betonte Hans Schouwenburg, Productie en Verwerking PVE, Niederlande, dabei die Rolle der Einzelhändler und die Möglichkeiten und Chancen von harmonisierten Systemen im weltweiten Wettbewerb.

" Durch Zusammenschlüsse zur Harmonisierung" - Erfahrungen der Meat Alliance", Hans Schouwenburg  PDF-Dokument



Auf die Märkte für Obst und Gemüse ging Dr. Peter Sutor vom Institut für Ernährungswirtschaft und Markt (IEM) an der LfL in seinen Ausführungen ein. Wesentliches Kennzeichen ist hier ein hoher Globalisierungsgrad. Der Selbstversorgungsgrad beträgt rund 40%. Aufgrund der Liberalisierung des Binnenmarktes der EU und der nicht wettbewerbsverzerrenden Normen und Gesetze, die in Deutschland im Handelsklassenrecht subsummiert sind, ist der Markt für Obst und Gemüse weitgehend offen. Hieraus ergeben sich besonders günstige Bedingungen für die Einführung von international angewendeten Qualitätssicherungs- und -managementsystemen. Vorreiter war hier das Obst- und Gemüseimportland Großbritannien mit dem Standard BRC, gefolgt von dem Standard EUREPGAP und in jüngster Zeit IFS. Durch Qualitätssicherung und Managementsysteme wird dem Lebensmittelhandel die Möglichkeit eingeräumt, die Ware international einzukaufen und die Austauschfähigkeit zu erhalten.

"Qualitätssicherung bei Obst und Gemüse - international ein Vorreiter?", Dr. Peter Sutor  PDF-Dokument


Über Probleme, Ziele und Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der ungarischen Land- und Ernährungswirtschaft berichtete Dr. Jozsef Popp, Direktor am Forschungsinstitut für Agrarökonomie, Budapest. Das Lebensmittelrecht in Ungarn wird durch das Lebensmittelgesetz (2003) geregelt und umfasst allgemeine Bestimmungen für Hygiene und Überwachung, Lebensmittelkennzeichnung und Registrierung von Tieren, Kontrollsysteme im Binnenmarkt, Kontrollen an den Außengrenzen und Gesundheitsschutzanforderungen an Betriebe in Bezug auf tierische Erzeugnisse. Sechs der neuen EU-Mitgliedstaaten (Tschechische Republik, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen und Slowakei) haben Übergangsfristen beantragt, um bestimmte Lebensmittelverarbeitungsbetriebe nach dem Beitritt umstellen zu können. Die Übergangsregelungen gelten in Ungarn bis Dezember 2006. Die Rückverfolgbarkeit von Lebens- und Futtermitteln wird in Ungarn am 15 Januar 2005 eingeführt.


"Probleme, Ziele und Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der ungarischen Land- und Ernährungswirtschaft", Dr. Jozsef Popp  PDF-Dokument

Der Leiter des Instituts für Ernährungswirtschaft und Markt an der LfL, Christian Stockinger, stellte zusammenfassend fest, dass nicht im Bereich der praktikablen Systeme, sondern vielmehr hinsichtlich der Zusammenführung und Integration Defizite bestehen. Er ermutigte die Teilnehmer, genau hier tätig zu werden und sich aktiv einzubringen. Auch dankte er den Organisatoren der Veranstaltung sowie den Referenten, allen voran Landwirtschaftsminister Miller, der mit seinem Beitrag gezeigt hat, dass diesem Thema im bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten eine hohe Priorität eingeräumt wird.




Dezember 2004
Sylvia Haaser-Schmid
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährung und Markt
Tel.: 089/17800-333 • Fax: 089/17800-332