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Landesanstalt für LandwirtschaftErnährung und MarktQualitätssicherung → Qualitätssicherung Landwirtschaft
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2. Marktforum zur Qualitätssicherung am 16.11.2006 in Landshut


Die Referenten beantworten Fragen zu ihren Vorträgen

Am 16. November 2006 fand das 2. Marktforum zum Thema "Qualitätssicherung in der Land- und Ernährungswirtschaft - Von der Theorie zur Praxis" des Institutes für Ernährungswirtschaft und Markt (IEM) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) statt.

Neben Staatsminister Josef Miller referierten namhafte Fachleute des Handels, der Verarbeitung und der landwirtschaftlichen Erzeugung über bisher gemachte Erfahrungen und künftige Erwartungen der Praxis.
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der Kontroll- und Zertifizierungseinrichtungen, des Berufsstandes sowie der staatlichen Beratung wurden aktuelle Fragen und Tendenzen im Bereich der freiwilligen Qualitätssicherung diskutiert.

Präsident Jakob Opperer begrüßte die zahlreichen Gäste aller an der Qualitätssicherung beteiligten Institutionen und Organisationen, Entscheidungsträger aus Erzeugung, Verarbeitung und Handel, Verbände sowie Forschungs- und Kontrollinstitutionen.


Programm zum 2. Marktforum  PDF-Dokument


Qualitäts- und Herkunftssicherung - Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft in Bayern

Staatsminister Josef Miller

Staatsminister Josef Miller
Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten

Staatsminister Miller zog eine Bilanz aus dem 1. Marktforum 2004: die damals formulierten Ziele konnten bereits in die Praxis umgesetzt werden.
Im Qualitätssicherungssystem mit regionalem Herkunftsnachweis „Geprüfte Qualität–Bayern“ sind mittlerweile über 25.000 landwirtschaftliche Betriebe im Produktbereich „Rinder und Rindfleisch“ erstzertifiziert worden. „Geprüfte Qualität–Bayern für Rinder und Rindfleisch“ konnte sich als Basis-Qualitätssicherungssystem am Markt etablieren.
Die zentrale Forderung, den Dokumentations- und Eigenkontrollaufwand für die beteiligten Landwirte auf ein Mindestmaß zu reduzieren, war 2004 noch eine theoretische Forderung. Mit dem Gesamtbetrieblichen Qualitätssicherungs-System Bayern konnte dieses Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden. Seit Februar 2006 ist „GQS-Bayern“ im Internet abrufbar. Ein weiteres hilfreiches Instrument ist in Bayern der am Institut für Ernährungswirtschaft und Markt angesiedelte „Runde Tisch GQS-Bayern“. In dieser Arbeitsgruppe arbeiten viele Institutionen, die auf Erzeugerebene mit der Qualitätssicherung betraut sind, aktiv mit.
Ziel der Bayerischen Staatsregierung ist es, die Marktstellung des Agrarstandortes Bayern weiter zu stärken und auszubauen. Hinsichtlich einer Weiterentwicklung von Qualitätssicherungssystemen wurden vier zusätzliche Impulse ergänzend zur Diskussion gestellt:
- Kompatibilität der Systeme
- Einheitliche Dokumentation
- Kombikontrollen und
- Informationsfluss innerhalb der Kette
Die Qualitäts- und Herkunftssicherung wird auch in Zukunft - noch mehr als heute - eine entscheidende Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft in Bayern sein.

Einführungsreferat von Staatsminister Josef Miller  PDF-Dokument - (74 KB - 16 Seiten)


Qualitätssicherung: Erfahrungen und künftige Erwartungen der Praxis - Vertreter des LEH

Paul Daum
Leiter der Bereiche Qualitätsmanagement, Verbraucherschutz und ökologischer Landbau, Kaiser’s Tengelmann AG

Die Fa. Tengelmann setzt mit ihren 720 Filialen den Schwerpunkt auf Qualität, nicht auf Discount. Herr Daum betonte, dass die zurückliegenden Lebensmittelskandale v.a. im Zwischenhandel, weniger im LEH oder auf Stufe der Landwirtschaft stattfanden. Dies ist auch auf die bisherigen Maßnahmen zur Qualitätssicherung zurückzuführen.
"Die Lebensmittel sind heute so sicher wie noch nie, das muss aber dem Verbraucher auch vermittelt werden". Kontrollen bauen laut Daum Verbrauchervertrauen auf. Auch landwirtschaftliche Betriebe sollten daher mindestens 1 x jährlich kontrolliert werden. Für alle Tätigkeitsbereiche sollte auf Erzeugerstufe Sachkenntnis nachgewiesen werden. Kontrollen werden als Chance gesehen, daraus zu lernen. Nach Meinung von Hr. Daum ist es notwendig, die Qualitätssicherungssysteme ständig anzupassen. Kaiser’s Tengelmann selbst kann ein umfassendes Qualitätsmanagement (DIN ISO 9001) vorweisen, das sämtliche Bereiche von der Lagerung, Wareneingangskontrolle, Mindesthaltbarkeit der Produkte über Qualitätsstandards (auch eigens hergestellter Produkte) und Logistikkontrollen bis hin zur Weiterbildung und Schulung der Mitarbeiter abdeckt. Alle wichtigen Qualitätssicherungssysteme (EUREPGAP,QS, IFS, BRC, HACCP, Bio-VO, KAT, ab 2008 ISO 22000 etc.) werden angewandt.

Fachbeitrag von Herrn Paul Daum  PDF-Dokument - (69 KB - 9 Seiten)


Erfahrungen und künftige Erwartungen der Praxis - Vertreter der Verarbeiter

Josef Trilling
Leiter Zentrales Qualitätsmanagement, B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH,
Rheda-Wiedenbrück

Herr Trilling stellte die Anforderungen an die Landwirtschaft aus Sicht der Fleischindustrie dar, die selbst unter großem Wettbewerbsdruck steht.
„Verbraucher kaufen nach Preis“ und „Kunden wollen gleichzeitig höchste Lebensmittelsicherheit“.
Ziel eines übergreifenden Qualitätssicherungskonzeptes ist die Sicherung der Produkt- und Vermarktungssicherheit durch nachvollziehbare Systeme (QS, IFS, BRC, ... ), die eine hohe Transparenz und Rückverfolgbarkeit garantieren. Dies fordert dokumentierte Produktionsvorgaben. Über Transponder am Schlachthaken und Erzeugernummer kann bei Tönnies die volle Rückverfolgbarkeit gewährleistet werden. Dem Lieferanten werden über Internet automatisiert Kennzahlen (Schlachtbefunddaten und Mastleistung, Ergebnisse aus dem Salmonellenmonitoring ) zur Verfügung gestellt, damit er Verbesserungen vornehmen kann. Etwa 40% aller Erzeuger nutzen dieses kostenlose Angebot.
Verlässliche Partnerschaften in der Landwirtschaft, höchste Qualitätsstandards und optimal genutzte modernste Technologie sind die Grundvoraussetzungen für Lebensmittelsicherheit und -qualität. Der Landwirt soll sich als Lebensmittel-Unternehmer verstehen. Stufenübergreifende Qualitätsrichtlinien und -kennzahlen und die damit verbundene Rückverfolgbarkeit bilden nach Aussage des Referenten die Grundlage für die Qualitätssteuerung. Als Mindeststandard auf Erzeugerstufe wird QS gefordert.

Fachbeitrag von Herrn Josef Trilling  PDF-Dokument - (1,13 MB - 15 Seiten)


Erfahrungen und künftige Erwartungen der Praxis - Vertreter der Verarbeiter/Zulieferer

Wilhelm Krams
Geschäftsführer der Wilhelm Weuthen GmbH & Co. KG

Mit beeindruckenden Zahlen hinterlegte Herr Krams die Beteiligung der deutschen Kartoffel produktion am europäischen/internationalen Markt und zeigte die internationalen Handelsströme im Europäischen Binnenmarkt (GB, NL, B) auf.
Als Gründe für die Einführung von Qualitätssicherungssystemen nannte er neben dem zunehmenden Interesse der Verbraucher an Fragen der Lebensmittelsicherheit, Umweltschutz und Rückverfolgbarkeit die Marktsicherung (Aufbau von Rückverfolgbarkeitsketten) und den Aufbau neuer Märkte. Die Anforderungen des Marktes nach Qualitätssicherungssystemen stellte der Referent ebenso dar wie die Entwicklung und den aktuellen Stand der bereits durchgeführten Zertifizierungen : Ca. 100% der Kartoffellieferanten sind nach EUREPGAP und teils auch Q+S bzw. QS-GAP zertifiziert (Frühkartoffeln).
Herr Krams verdeutlichte die Probleme sowohl in der Akzeptanz bei den Kartoffelerzeugern als auch durch wechselnde Produktionsmengen in hochspezialisierten Verarbeitungsunternehmen.

Fachbeitrag von Herrn Wilhelm Krams  PDF-Dokument - (388 KB - 8 Seiten)


Erfahrungen und künftige Erwartungen der Praxis - Vertreter der Erzeuger

Walter Heidl
Präsident des Bezirksverbandes Niederbayern, Bayerischer Bauernverband

Herr Heidl schilderte anschaulich die derzeitige Situation aus Sicht der landwirtschaftlichen Erzeuger. „Qualitätssicherungs-Bemühungen" der Landwirte bzw. des Berufsstandes gab es auf freiwilliger Basis bereits lange vor der Einführung der jetztigen Qualitätssicherungssysteme. Allerdings entsteht der Eindruck, dass sich die Thematik - unter dem Vorwand der Lebensmittelsicherheit – verselbständigt. Sinnvolle Ansätze werden ad absurdum geführt, solange Nahrungsmittel ohne Etikettierung und Sicherheitsstandards importiert werden können. Er verwies darauf, dass die landwirtschaftlichen Betriebe sehr heterogen sind. Was für den einen Betrieb selbstverständlich ist, macht dem anderen Schwierigkeiten. An einigen praktischen Beispielen demonstrierte Heidl die Widersprüchlichkeit mancher "sehr theoretischer" Anforderungen. Qualitätssicherung sollte nicht nur auf Kontrolle ausgerichtet sein, sondern verstärkt beratende Ansätze verfolgen, um höhere Akzeptanz zu erreichen. Eine aufgeblähte „Dokumentationsbürokratie“ mit dem Ziel einer Strukturpolitik lehnte er ab.

Fachbeitrag von Herrn Walter Heidl  PDF-Dokument - (550 KB - 8 Seiten)


Bisherige Ergebnisse und Tendenzen im Bereich der freiwilligen Qualitätssicherung

Dr. Jochen Zoller
Leiter des internationalen Lebensmittelbereichs, Intertek plc.

Als Marktführer in den Bereichen Produktanalytik, Zertifizierung, Kontrollen (Inspektion), Sicherheitsüberprüfungen und –beratung ist Intertek plc. mit 322 Laboratorien in 110 Ländern vertreten. Pro Jahr werden weltweit über 2 Millionen Überwachungen, Auditierungen, Zertifizierungen und Prüfungen durchgeführt.
Nach Aussage von Dr. Zoller wird die zukünftige Entwicklung durch die Zunahme der Globalisierung geprägt. Waren aus allen Ländern stehen jederzeit zur Verfügung, Großbetriebe nehmen zu, Kleinbetriebe können dem stetig wachsenden Konkurrenzkampf nicht mehr standhalten. Umwelt- und Sozialstandards (wie Kinderarbeit) werden stärker Berücksichtigung finden. Andererseits stellt sich die Frage, wie bei Zunahme der Quantität eine gleichzeitige Abnahme der Qualität verhindert wird (billige Handelsmarken). Lebensmittelsicherheit bedeutet zudem nicht Lebensmittelqualität.
Verbesserungen in den letzten Jahren ergaben sich aber durch die Zunahme der Zertifizierungen und ein Umdenken in den Unternehmen (dadurch Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen). Spezielle Produktstandards für die Lebensmittelindustrie werden entwickelt, die bestehenden Zertfizierungssysteme implementiert und weiterentwickelt. Dadurch findet eine kontinuierliche Verbesserung für die Produktsicherheit und Rückverfolgbarkeit statt.
Auf der Basis eines (firmen-)eigenen Qualitätsstandards soll sichergestellt werden, dass die Anforderungen innerhalb der Produktion eingehalten werden. Den Firmen sollen alle notwendigen Instrumente aus einer Hand geliefert werden, was die Kosten senkt. Allerdings sieht Herr Dr. Zoller nur geringe Möglichkeiten einer Harmonisierung oder Reduzierung der Qualitätsssicherungssysteme, da verschiedenste Interessen dahinter stehen.

Fachbeitrag von Herrn Dr. Jochen Zoller  PDF-Dokument - (456 KB - 17 Seiten)


GQS-Bayern - ein Angebot für die landwirtschaftliche Praxis

Josef Schnell
Bereichsleiter Qualitätssicherung/-management am Institut für Ernährungswirtschaft und Markt, LfL

Das Gesamtbetriebliche Qualitätssicherungs-System für landwirtschaftliche Betriebe in Bayern wurde von Herrn Schnell als ein Instrument zur Erleichterung der betrieblichen Eigenkontrolle und Dokumentation definiert. Es stellt daher kein eigenes Qualitätssicherungssystem dar, sondern fasst vielmehr die vorhandenen Anforderungen aus CC, Fachrecht und privatwirtschaftlichen Qualitätssicherungssystemen systematisch zusammen. Mit GQS-Bayern wird eine betriebsindividuelle Auswahl von Checklisten und Ablageregistern ermöglicht. Neben den Funktionalitäten wurde auf den aktuellen Stand von GQS-Bayern eingegangen und ein Ausblick auf zukünftige Aufgaben und Herausforderungen gegeben.


Fachbeitrag von Herrn Josef Schnell  PDF-Dokument - (798 KB - 16 Seiten)

Zusammenfassung und Schlusswort

Georg Stark
Leiter des Institutes für Ernährungswirtschaft und Markt, LfL

Zusammenfassend stellt Herr Stark heraus, dass die Qualitätssicherung die Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft darstellt. Bayerns Exporterfolge z.B. mit der Osterweiterung sind nur durch die hohen Qualitäts-Standards möglich gewesen. Geprüfte Qualität-Bayern (GQ) stellt die Basis dar. GQS-Bayern, Kombikontrollen und Kontrolle der Kontrolle sind weitere Elemente. Die Aufträge für die Zukunft sind:
1. Kompatibilität, Harmonisierung der Systeme
2. Einheitliche Dokumentation: mit GQS als Eigenkontrolle (Eine Checkliste für alles!)
3. Kombikontrollen
4. Kommunikation innerhalb der Kette und Systeme

Dem Anspruch der Themenformulierung „Von der Theorie zur Praxis“ folgend, bedeutet dies, dass sich alle in der Transparenz der Systeme, in der Kommunikation und Abstimmung der Beteiligten noch sehr viel mehr als bisher engagieren müssten. Qualitätssicherung darf nicht Selbstzweck sein. Vereinfachungen, Mut zur Lücke und Schwerpunkte einerseits sowie gegenseitige Anerkennung andererseits sind notwendig und erforderlich, um die Akzeptanz in der Praxis zu verstärken.
Nach dem Zusammenführen der Systeme in GQS müssen auch die Beteiligten noch mehr als bisher zusammengeführt werden. Der „Runde Tisch“ kann dazu nur der erste Schritt gewesen sein auf dem Weg zu einer Art „Arbeitsgemeinschaft“ oder „Holding“. Die LfL will dazu weiterhin als neutraler Moderator zur Verfügung stehen.


Abschließender Fachbeitrag von Herrn Georg Stark  PDF-Dokument - (181 KB - 3 Seiten)


1. Marktforum zur Qualitätssicherung am 25.11.2004 - "Von der Vielfalt zum System"



November 2006
Sylvia Haaser-Schmid
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährung und Markt
Tel.: 089/17800-333 • Fax: 089/17800-332