Aufhebung der Stallpflicht: Wiedereinstieg in die Vermarktung von Freilandeiern in Bayern

Legehennen in Freilandhaltung
Aufgrund des Geflügelpestgeschehens wurde die Stallpflicht für Geflügel durch die jeweils zuständige Kreisverwaltungsbehörde im November 2016 in Bayern per Allgemeinverfügung angeordnet. Die Anordnung stellte eine veterinärrechtliche Beschränkung zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier dar. Die durchgeführten Schutzmaßnahmen haben sich bewährt. Die Untersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) von Wildvögeln weisen auf ein rückläufiges Influenza-Geschehen in der Wildvogelpopulation hin. In den letzten Wochen wurden bei Hausgeflügel ebenfalls keine weiteren Fälle nachgewiesen. Deshalb wurden die Regierungen vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gebeten, die Kreisverwaltungsbehörden entsprechend zu informieren und anzuweisen, die verfügten Aufstallungsverpflichtungen sowie das Verbot von Märkten, Ausstellungen und Veranstaltungen ähnlicher Art unverzüglich aufzuheben.

Vermarktung von Freilandeiern in Bayern nach Beendigung der Stallpflicht

Die Aufhebung der Stallpflicht durch die zuständige Kreisverwaltungsbehörde ist Voraussetzung, dass Legehennebetriebe wieder Freilandeier vermarkten können. Bereits in Freiland registrierte Betriebe müssen der LfL den Wechsel der tatsächlichen Haltungsart von Boden in Freiland schriftlich mindestens einen Tag vorher mitteilen. Bei Betrieben, die einen Stall neu registrieren lassen wollen, müssen zuvor die gesetzlichen Anforderungen an das Haltungssystem Freilandhaltung durch die LfL geprüft werden.

Die gesetzlichen Anforderungen an das Haltungssystem Freilandhaltung sind vielseitig

Die Legehennen erhalten bei der Freilandhaltung zusätzlich zum Stall mit Futter, Wasser und den Legenestern Auslauf im Freien. Für den Auslauf sowie den Zugang zum Auslauf gelten umfangreiche Regelungen, die alle ein Ziel haben: Die Hennen sollen sich sicher im Freien bewegen können und ihrem arttypischen Verhalten wie Futtersuche, Staubbaden etc. nachgehen können. Unterstände und natürliche Sträucher und Büsche sind für den Schutz vor Raubvögeln wichtig und die Hühner fühlen sich dadurch sicher. Und nicht zuletzt sollen alle Tiere den Auslauf nutzen, mit vielen Auslassöffnungen und kurzen Wegen.

Die Regelungen im Einzelnen: Auslassöffnungen, Deckung und Unterstände

Mehrere Auslauföffnungen müssen unmittelbaren Zugang zur Freilandfläche gewähren. Diese müssen mindestens 35 cm hoch, 40 cm breit und über die gesamte Länge des Gebäudes verteilt sein. Je Gruppe von 1000 Hennen muss in jedem Fall eine Öffnung von insgesamt 2 m zur Verfügung stehen. Ist eine Auslauffläche vorhanden, die mehr als 150 m von der Auslauföffnung des Stalles entfernt ist, müssen auf der gesamten Auslauffläche gleichmäßig verteilt mindestens 4 Unterstände pro Hektar vorhanden sein. Nach Tierschutznutztierhaltungsverordnung sind die Auslaufflächen so zu gestalten, dass sie möglichst gleichmäßig durch die Legehennen genutzt werden können. Die Gesamtunterstandfläche je Hektar beträgt mindestens 30 m². Die Höhe jedes Unterstandes beträgt mindestens 50 cm und die Größe mindestens 5 m². Bäume, Sträucher, Hecken und andere natürliche Unterstände sind genauso geeignet wie künstliche Unterstände. Sträucher und Hecken müssen so gepflegt werden, dass die Hennen unter die gesamte Strauchfläche schlüpfen können.

Die Auslauffläche

Die Auslauffläche wird nur bis zu einer maximale Entfernung von 350 m von der Auslauföffnung angerechnet. Die Besatzdichte beträgt jederzeit höchstens 2500 Hennen je Hektar Auslauffläche bzw. jeder Henne müssen mindestens 4 m² zur Verfügung stehen. Die Auslauffläche muss zum größten Teil begrünt sein und darf nicht zu anderen Zwecken – außer als Obstgarten, Wald oder Weide – genutzt werden, sofern Letzteres von der zuständigen Behörde genehmigt ist. Erfolgt ein Umtrieb und stehen bei gleichmäßigem Zugang zur Gesamtfläche während der Lebensdauer des Bestandes mindestens 10 m² je Henne zur Verfügung, so müssen in jedem benutzten Gehege jederzeit mindestens 2,5 m² je Henne verfügbar sein. Die Haltungssysteme müssen so konzipiert sein, dass die Hennen auf den Freilandflächen nicht entweichen können. Den Legehennen ist tagsüber – spätestens ab 10:00 Uhr – uneingeschränkter Zugang zu einem Auslauf im Freien zu gewähren.
Wenn der Zugang zum Auslauf eingeschränkt werden soll, ist dafür derzeit eine Mitteilung über den Wechsel der tatsächlichen Haltungsart auf Bodenhaltung bei der LfL erforderlich. Der Wechsel des Haltungssystems ist der LfL mindestens 1 Tag vor der Umstellung schriftlich per Post, per Fax oder elektronisch per E-Mail anzuzeigen. Ein Wechsel der tatsächlichen Haltungsart auf Bodenhaltung ist z.B. bei Aufstallungsempfehlungen des Hoftierarztes wegen einer Medikation, beim Mausern eines Legehennenbestandes, bei Pflegearbeiten auf/an der Auslauffläche, bei schlechter Beschaffenheit der Auslauffläche und entsprechend schlechter Witterungsbedingungen vorzunehmen. Sind die Bedingungen der Freilandhaltung wieder gegeben und haben die Hennen wieder Zugang zum Freiland, kann auf Anzeige hin ein Wechsel der tatsächlichen Haltungsart erfolgen, damit wieder Eier aus Freilandhaltung vermarktet werden können. Der Wechsel der tatsächlichen Haltungsart ist kostenfrei.

Ansprechpartner
Alexander Götze
Tel.: 089 17800-236
E-Mail: eier@lfl.bayern.de