Neozoen-Verordnung

Streifenbarschhybride (Morone saxatilis x Morone chrysops)

Streifenbarschhybride (Morone saxatilis x Morone chrysops)

Neben Umweltveränderungen gilt die zunehmende Verbreitung nicht heimischer Arten (Neozoen) als einer der Hauptgründe für die Verdrängung heimischer Arten und somit für den Verlust von Biodiversität. Nicht heimische Arten können zudem zu einer Veränderung der heimischen aquatischen Lebensräume führen, wodurch Benachteiligungen für heimische Arten entstehen können. Auch die Verbreitung von Krankheitserregern und Parasiten, die erhöhte Konkurrenz um Nahrung und Laichgründe und der erhöhte Fraßdruck durch nicht heimische Arten, stellen mögliche Probleme dar. Solche Beeinträchtigungen der aquatischen Flora und Fauna, verursacht durch das Auftreten und die Etablierung nicht heimischer Arten, können gravierende wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Aus diesen Gründen muss die Verbringung nicht heimischer Arten kontrolliert erfolgen, fachlich beurteilt und überwacht werden.
Die EU-Neozoen-Verordnung soll möglichen Beeinträchtigungen durch eingeführte, nicht heimische und umgesiedelte gebietsfremde Arten entgegenwirken und legt Rahmenvorschriften für die Aquakulturbewirtschaftung nicht heimischer und gebietsfremder Arten fest. Hauptziel ist es, mögliche Auswirkungen nicht heimischer und gebietsfremder Arten auf bayerische Gewässer abzuschätzen und möglichst gering zu halten. Dies führt letztendlich auch zu einer nachhaltigen Entwicklung der Aquakultur.

Geltungsbereich

Die Verordnung gilt für alle Aquakulturbetreiber, die beabsichtigen aquatische Organismen, welche nicht in Anhang IV der Verordnung (EG) 708/2007 aufgeführt sind, einzuführen und zu produzieren.

Die Verordnung gilt nicht für

  • die Haltung von Zierwassertieren in Tierhandlungen, Gartenzentren, umschlossenen Gartenteichen, Aquarien oder Anlagen mit Abwasserbehandlungssystemen
  • die Produktion von Arten innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets in Bayern
  • die in Anhang IV der Verordnung genannten Arten

Antrag auf Genehmigung

In Bayern ist der Antrag beim Institut für Fischerei (IFI) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zu stellen. Bei der Antragsstellung müssen zusammen mit dem Antrag Unterlagen entsprechend dem Anhang I der Verordnung (EG) 708/2007 (z. B. Angaben zum Lebenszyklus, Wechselwirkung mit heimischen Arten, Bewirtschaftungsplan) eingereicht werden. Das Antragsverfahren richtet sich nach dem Ergebnis einer Risikoprüfung der
  • routinemäßigen Verbringung: Es besteht nur ein geringes Risiko der Einschleppung von zufällig mit verbrachten Arten und aufgrund der Artmerkmale und/oder des Aquakulturverfahrens kommt es zu keinen negativen ökologischen Auswirkungen.

oder

  • nicht routinemäßigen Verbringung: Jede Verbringung, die die Kriterien für die routinemäßige Verbringung nicht erfüllt.
Das Umsetzen fremder Arten aus einer geschlossenen Aquakulturanlage (Wasserrückführung, Sieb, Filter, Perkolation (Abwasserbehandlung), Entweichhindernisse) in eine offene Aquakulturanlage ist ebenfalls antragspflichtig.
Eine Antragspflicht besteht nicht, wenn Sie bereits vor Inkrafttreten der Neozoen-Verordnung Aquakultur mit nicht heimischen oder gebietsfremden Arten praktiziert haben. Wenn aber eine Umsiedelung der betreffenden Arten geplant ist, ist hierfür wiederum eine Genehmigung erforderlich.

Weitere Bestimmungen

Nicht heimische und gebietsfremde Arten, werden nach ihrem Einsetzen in offene Aquakulturanlagen, über einen Zeitraum von zwei Jahren oder bis zum Ablauf eines vollständigen Generationszyklus vom Institut für Fischerei überwacht.

Begriffsbestimmungen

Nicht heimische Art

Wasserorganismen, die außerhalb ihres bekannten natürlichen Lebensbereichs und ihres potenziellen natürlichen Verbreitungsgebietes vorkommen sowie polyploide Organismen und fruchtbare künstlich hybridisierte Arten

Gebietsfremde Art

Wasserorganismen, die aus biogeographischen Gründen in einem Gebiet innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes nicht vorkommen.