Einsatz von synthetischen Präparaten zur Vermehrung von Fischen

Abstreifen eines Grasfischregeners
Der Einsatz von Hypophysen zur Auslösung der Ovulation bei Fischen ist nach dem Deutschen Arzneimittelrecht in Deutschland derzeit nicht zugelassen. Am Institut für Fischerei wird daher seit einigen Jahren die Wirksamkeit synthetischer Präparate untersucht.
Wichtig bei der Auswahl eines bei Fischen wirksamen Gonadotropin-Releasing-Hormons kommt es die Peptidzusammensetzung an. Natürliche GnRHs bestehen aus 10 Aminosäuren, künstliche dagegen aus 9 Aminosäuren. Diese weisen eine wesentlich höhere Wirksamkeit auf, da sie im Fisch langsamer abgebaut werden und eine längere Bindung an den Gonadotropin produzierenden Zellen der Hypophyse möglich ist. Für Salmoniden wurde im Jahr 2003 ein Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) der Firma Intervet International B.V. mit der Bezeichnung Gonazon zur „Induktion und Synchronisation der Ovulation zur Produktion von Fischeiern im Augenpunktstadium und Fischbrut“ zugelassen. Versuche zur Wirksamkeit bei Karpfen, Schleie und Grasfisch wurden durchgeführt. Seit dem Jahr 2010 wird Gonazon nicht mehr hergestellt und ist daher nicht mehr erhältlich.

Gonazon

Peptidzusammensetzung von Gonazon
pGlu-His-Trp-Ser-Tyr—D-Ala6-Leu-Arg-Pro-NHEt

Da es auch in Zukunft GnRH auf dem Markt geben wird mit identischer Zsammensetzung, wird trotz der ausgelaufenen Zulassung über die gewonnen Erfahrungen berichtet. Derzeit zugelassen ist zur Vermehrung von Fischen das Präparat Ovopel, welches in Ungarn hergestellt wird. Dies kann über einen Tierarzt aus Ungarn bezogen und hier verwendet werden. Das GnRH in Ovopel ist identische zu dem GnRH in Ovopel. Im Ovopel ist nur gleichzeitig der hochwirksame Dopaminantagonist Metoclopramid eingesetzt. Ovopel eignet sich sehr bei der Vermehrung unserer heimischen Warmwasserfische.
Graskarpfen wird hypophysiertZoombild vorhanden

Hypophysierung eines Graskarpfens

Bei der Verwendung von Gonazon wurde zusätzlich zur Verabreichung des gonadotropinen Releasinghormones zur erfolgreicheren Vermehrung ein Dopamin-Antagonisten verabreicht. Die international bei der Fischvermehrung bekannten Dopamin-Antagonisten wie Metoclopramid, Domperidon und Pimozid sind in Deutschland nicht für Lebensmittel liefernde Tierarten zugelassen. Ein zugelassener Dopamin-Antagonist ist der Wirkstoff Azaperon. Dieser ist im Präparat Stressnil, einem Beruhigungsmittel für Schweine enthalten und kann im Rahmen der Umwidmung eingesetzt werden.

Versuche mit verschiedenen Hormonen

Es erfolgten in drei verschiedenen Jahren Anwendungen, in welchen verschiedene Abstufungen an Gonazon (µg/kg Lebengewicht) und Azaperon (mg/kg Lebendgewicht) überprüft wurden. Hierzu wurden insgesamt 92 Karpfenrogener, 48 Schleienrogener, und 57 Grasfischrogener verwendet. Die Injektionen erfolgten stets nur einmalig, d. h. es wurde keine Aufteilung der verabreichten Dosis auf 2 Zeitpunkte vorgenommen.

Gonazon

Gonazon ist bei der Vermehrung von Karpfen, Schleien und Grasfischen verwendbar. Empfohlen wird im allgemeinen die Dosierung 10 µg Gonazon bei zeitgleicher Verabreichung von 10 mg Azaperon (10/10).
Der Erfolg war bei Karpfen unterschiedlich. In manchen Durchgängen kamen über 80% der Rogener zur Ovulation, in anderen wiederum kein einziger Rogener. Bei jeder der genannten Fischarten gibt es jedoch besondere spezifische Anmerkungen:

Karpfen

Bei Karpfen dauert es 16 bis 18 Stunden bis es zur Ovulation kommt. Die Dauer ist somit länger als bei der Hypophysierung, wo die Ovulation gewöhnlich nach 12 bis 13 Stunden erfolgt. Die Ovulationsrate bei der empfohlenen Dosierung von 10 µg Gonazon und 10 mg Azaperon lag nur bei 52 %. Allerdings war der Erfolg sehr unterschiedlich. Im ersten Jahr laichten 78 % der Rogener ab, während es in den folgenden beiden Jahren, vor allem bei den ersten Durchgängen, zu keiner Ovulation kam. In den Jahren 2006 und 2007 kam es bei der genannten Dosierung erst bei späteren Laichterminen zum Erfolg bzw. bei einer Erhöhung der Dosierung von Gonazon (20/10; 40/40).

Schleie

Bei Schleien war allgemein ein guter Erfolg zu verzeichnen. Bei der genannten Dosierung kam es bei 89 % der Rogener zum Erfolg, auch andere Dosierungen schnitten nicht schlecht ab. Charakteristisch war jedoch, dass die Ovulation z. T. sehr spät erfolgte; in einem Zeitraum von 24 bis 68 Stunden nach der Injektion. Dies ist deutlich später als bei der früher üblichen Hypophysierung.

Graskarpfen

Bei Graskarpfen war die Anwendung der Präparate sehr erfolgreich. Bei der genannten Dosierung konnte eine Ovulationsrate von 73 % erreicht werden. Das Bemerkenswerte war die Verlässlichkeit der Ei-Abgabe nur neun bis zehn Stunden nach der Injektion. Die Laichfische wurden hierbei direkt aus dem Laichfischteich entnommen oder haben vor der Injektion höchstens eine Nacht im Bruthaus verbracht. Es erfolgte hier also keine Anwärmung der Fische vor der Injektion. In der Regel wurde jedoch erst Mitte Juni mit der Vermehrung der Graskarpfen begonnen. Bei den Grasfischen kommt es früher zur Ovulation als bei der Anwendung von Hypophysen, bei welcher erst nach 12 Stunden mit der Ovulation gerechnet werden konnte.

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