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Finanzmanagement im Haushalt
Für das Wirtschaften im Haushalt müssen ausreichende Finanzmittel bereit gestellt werden, damit der Haushalt überhaupt "flüssig" ist, jederzeit seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann und die Haushaltspersonen angemessen versorgt werden können. Um aber einen ausgewogenen Geldfluss zustande zu bringen, ist ein Überblick über die Einnahmen/Ausgaben-Relation nötig. Zur Orientierung dient ein Vergleich mit ähnlichen Haushalten. Wie viel Geld die deutschen Haushalte im Durchschnitt ausgeben, wird regelmäßig im Rahmen der amtlichen Statistik über die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) ermittelt. Es werden dabei die Haushalte aller sozialen Gruppierungen – jedoch nicht speziell die Haushalte von Landwirten - erfasst.
Die Konsumausgaben der Haushalte in Deutschland aus der EVS des Jahres 2008 sind in Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 1: Konsumausgaben privater Haushalte 2008 (pro Haushalt und Monat) in Bayern
|
2008 Euro |
2008 % |
| Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren |
323 |
13,7 |
| Bekleidung, Schuhe |
113 |
4,8 |
| Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung |
753 |
32,2 |
| Innenausstattung, Haushaltsgeräte, Haushaltsgegenstände |
116 |
5,0 |
| Gesundheitspflege |
102 |
4,4 |
| Verkehr |
354 |
15,1 |
| Nachrichtenübermittlung |
67 |
2,9 |
| Freizeit, Unterhaltung und Kultur |
260 |
11,1 |
| Bildungswesen |
24 |
1,0 |
| Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen |
123 |
5,3 |
| Andere Waren und Dienstleistungen |
105 |
4,5 |
| Gesamt |
2.341 |
100 |
Den größten Anteil an den Konsumausgaben nahm die Position Wohnen (Miete), Energie und Instandhaltung ein. Es folgte der Ausgabenposten Verkehr und dann die Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Die Ausgaben für Freizeit, Unterhaltung und Kultur schließen sich an.
Repräsentative Stichproben wie die EVS sind wegen des umfangreichen Datenmaterials sehr zeitaufwändig, so dass die Daten erst zeitversetzt zur Verfügung stehen.
"Kleine" Stichproben von Haushaltsaufzeichnungen wie beispielsweise im "Finanztimer" werden vom Institut für Agrarökonomie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft relativ zeitnah ausgewertet und können als Orientierungswerte verwendet werden. Aus den Aufzeichnungen von 154 beteiligten Haushalten in den Jahren 2008/2009 ergeben sich die in Tabelle 2 aufgeführten festen und veränderlichen Ausgaben.
Tabelle 2: Ausgaben der Haushalte (Finanztimer, 154 Haushalte, 3,8 Personen/Haushalt, 2008/2009)*)
|
feste Ausgaben €/Haushalt und Jahr |
veränderliche Ausgaben €/Haushalt und Jahr |
| Ernährung |
|
4.836 |
| Haushalt, Maschinen, Löhne, Vergabe |
|
1.956 |
| Wohnen |
4.452 |
1.308 |
| Kleidung, Schuhe |
|
1.596 |
| Freizeit, Bildung, Geschenke |
840 |
2.544 |
| Gesundheit |
|
552 |
| Verkehr, Kommunikation |
1.428 |
2.280 |
| Pflichtversicherungen |
2.244 |
|
| Freiwillige Versicherungen |
1.656 |
|
| Sonstige Ausgaben |
1.845 |
972 |
| Außerordentliche Ausgaben |
|
4.008 |
| Gesamt |
12.465 |
20.052 |
| Gesamt ohne Außerordentliche Ausgaben |
|
16.044 |
*) Hochgerechnet auf alle Haushalte, auch wenn sie in einem Ausgabeposten keine Aufwendungen hatten.
Feste Ausgaben
Bei den festen Ausgaben handelt es sich um bereits festgelegte Beträge, die periodisch – monatlich, viertel-, halb- oder jährlich – zu entrichten sind. Mit durchschnittlich 12.465 € pro Haushalt und Jahr nehmen sie einen Anteil von rund 44 % der Gesamtausgaben (ohne außerordentliche Ausgaben) ein, wobei sich die Versicherungen direkt an die Ausgaben für das Wohnen anschließen.
Veränderliche Ausgaben
Bei durchschnittlich 16.044 € pro Haushalt und Jahr (außerordentliche Aufwendungen von 4.008 € nicht mitgezählt) entfällt der größte Teil der veränderlichen Ausgaben auf die Ernährung (30 Prozent), es schließen sich die Ausgaben für Freizeit, Bildung, Geschenke und weiter die Ausgaben für Verkehr und Kommunikation an. Ge- und Verbrauchsgüter für den Haushalt, Maschinen und Löhne nehmen dagegen einen geringeren Anteil an den Ausgaben ein.
Einkommen
Den Ausgaben stehen die in Tabelle 3 aufgeführten Einkommen der Haushalte gegenüber.
Tabelle 3: Einkommen der Haushalte (Finanztimer, 42 Haushalte mit Angaben, 2008/2009)
|
€/Haushalt u. Jahr |
€/Monat |
in % |
| "Arbeitseinkommen" |
24.840 |
2.070 |
73 |
| Einkommen aus Übertragungen |
4.896 |
408 |
14 |
| Einkommen aus Vermögen |
2.016 |
168 |
6 |
| Sonstige Einkommen |
2.400 |
200 |
7 |
| Gesamt |
34.152 |
2.846 |
100 |
Die Basis für das Durchschnittseinkommen aller Haushalte mit knapp 25.000 € pro Jahr bildet das sogenannte "Arbeitseinkommen", d.h. vorrangig der Nettolohn oder der Gewinn eines Unternehmens sind die Grundlage dafür. Dazu addieren sich Einkommensbeiträge aus Übertragungen (z.B. Kindergeld) oder Vermögen, wobei die Beträge von Haushalt zu Haushalt sehr unterschiedlich sind. Letztlich stehen den gesamten Ausgaben (feste, veränderliche Ausgabenposten einschließlich Sonstiger Aufwendungen) von 28.500 € pro Haushalt und Jahr Einkommen von 34.150 € pro Haushalt und Jahr zur Verfügung. Die Differenz bildet den Betrag, der für Finanzierungen und die Vermögensbildung verfügbar ist. Die Wertminderung und Rücklagenbildung für Ersatzbeschaffungen in Form von Abschreibungen im Haushalt ist noch nicht berücksichtigt.
Budgetplanung
Für die Budgetplanung ist die Gestaltung des Freiraums zum Sparen oder für besondere Anschaffungen wesentlich. Handlungsspielräume ergeben sich in erster Linie bei den veränderlichen Ausgaben und erst in zweiter Linie bei den festen Ausgaben. Allerdings dient bei den veränderlichen Ausgabenposten ein relativ hoher Anteil an Geldmitteln zur Deckung des Mindestbedarfs. Erst darauf aufbauend können weitere, frei verfügbare Geldmittel zur Gestaltung eines gewählten Lebensstils herangezogen werden. Die festen Ausgabenposten sind meist so weit festgelegt, dass nur enge Gestaltungspielräume verbleiben.
Unterstützung durch die staatliche Beratung
Ein individuelles Finanzmanagement ist in jedem Haushalt unerlässlich. Instrumente oder Werkzeuge dafür stehen in Form des Finanztimers oder den Haushaltsbuchführungsunterlagen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zur Verfügung.
Wer sich an den Auswertungen der Aufzeichnungen beteiligen möchte - die natürlich streng anonym erfolgen - wendet sich an das Institut für Agrarökonomie an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.
Weiterführende Informationen
- Finanztimer
- Der Finanztimer ist ein Instrument zum Aufzeichnen von Einnahmen und Ausgaben, der allen Haushalten kostenlos zur Verfügung steht. Zudem können sich Haushalte mit ihren Aufzeichnungen an einer Auswertung der Daten - unter strenger Beachtung der Datenschutzbestimmungen und natürlich ganz freiwillig - beteiligen. Der Finanztimer kann als PDF- bzw. Exceldatei heruntergeladen, aber auch als Broschüre bestellt werden.
- Anleitung zur Haushaltsbuchführung
Februar 2011
Dr. Paula Weinberger-Miller
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ländliche Strukturentwicklung, Betriebswirtschaft und Agrarinformatik
Tel.: 089/17800-111 • Fax: 089/17800-113
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