Rückblick: Info-Tag "Haltung von säugenden Sauen in Bewegungsbuchten", 24. Juni 2015 in Grub

Eine Sau mit Ferkeln in einer Bewegungsbucht
Das Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) veranstaltete am 24. Juni 2015 in Grub einen Informationstag zum Thema Bewegungsbuchten in der Ferkelerzeugung. Seit Beginn dieses Jahres werden in Bayern Bewegungsbuchten zur Haltung säugender Sauen im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung mit einem um 20 % höheren Zuschuss gesondert gefördert. Diese Buchten müssen über eine Mindestgrundfläche von 6 m² verfügen. Weitere Anforderungen sind, dass der Ferkelschutzkorb nach dem Abferkeln dauerhaft geöffnet werden kann und so ein Bewegungsbereich entsteht, in dem sich die Sau ungehindert umdrehen kann. Informationen zu verschiedenen Buchtentypen, sowie zu deren Funktionsweise, Handhabung und zur Aufstallungstechnik wurden von Referenten aus aktuellen Forschungsprojekten und aus der Praxis vorgestellt. Im Anschluss konnten am Markt erhältliche Buchtentypen von 8 Herstellern im Forum besichtigt werden. Hier gab es die Gelegenheit sich umfassend zu informieren und weiter mit Anbietern und Fachleuten zu diskutieren

Zusammenfassungen der Vorträge

Evaluierung von neuen Abferkelbuchten mit Bewegungsmöglichkeit für die Sau - Details zu den neuen Abferkelbuchten
Gemäß der Novelle der 1. Tierhaltungsverordnung vom 9. März 2012 ist in Österreich die Durchführung eines Projekts „hinsichtlich der Evaluierung der Haltungssysteme im Bereich der Abferkelbuchten“ vorgeschrieben. Diese geänderten Vorschriften ziehen zahlreiche Fragestellungen hinsichtlich der baulichen Gegebenheiten von Abferkelbuchten, der Tiergerechtheit, der Wirtschaftlichkeit und der Produktionssicherheit nach sich, die im Zuge des vom Bundesministerium für Gesundheit und Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft initiierten Projekts bearbeitet und analysiert werden sollen. Die Projektpartner (BMG, BMLFUW, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Landwirtschaftskammern, Vetmeduni Wien, BOKU Wien, AGES Graz, BLT Wieselburg) haben sich auf eine Untergliederung des Gesamtprojekts in folgende drei Teile festgelegt:
  • Projekt der HBLFA Raumberg-Gumpenstein unter der Leitung von DI Birgit Heidinger
  • Projekt der Landwirtschaftskammer Österreich (Praxisteil) unter der Leitung von DI
    Johann Stinglmayr
  • Projekt der Vetmeduni Wien unter der Leitung von Ass.-Prof. Dr.med.vet. Johannes
    Baumgartner
Als Versuchsstandorte des Gumpenstein-Projekts stehen die LFS Hatzendorf (Stmk) und das Schweinezentrum Gießhübl GmbH (NÖ) zur Verfügung. Die Untersuchungen im Vetmeduni-Projekt werden im neu errichteten Schweinebetrieb Medau (NÖ) vorgenommen. Für die Erhebungen im Rahmen des LK-Projekts wurden in den Bundesländern Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark jeweils zwei Praxisbetriebe ausgewählt, die einen Um-, Zu- oder Neubau im Abferkelbereich geplant hatten. Die Einbeziehung dieser Betriebe ist von besonderer Bedeutung, um auch unter praktischen Bedingungen Erfahrungen und Erkenntnisse zu den neu entwickelten Abferkelsystemen sammeln zu können.
Im Anschluss an umfangreiche Planungstätigkeiten konnten von der AG Stallbau des LK-Projekts im Frühjahr 2013 sieben Abferkelbuchttypen vorgestellt werden. Diese wurden in einer Voruntersuchung von Juni bis Oktober 2013 in den Versuchsstandorten Hatzendorf und Gießhübl hinsichtlich folgender Beurteilungskriterien überprüft:
  • Technische Handhabung, Bedienungsfreundlichkeit und Praktikabilität
  • Arbeiten in der Bucht (Geburtshilfe, Ferkelfangen, Stand-Öffnen und –Schließen)
  • Übersichtlichkeit (Trog, Ferkelnest, Geburtsüberwachung)
  • Sauberkeit, Reinigung und Desinfektion
  • Materialeigenschaften und Verarbeitungsqualität
  • Tierbeobachtung (Verhalten, Bewegung, Beschäftigung)
Im Anschluss an diese Erhebungen wurden drei Buchtentypen („Flügel-Bucht“, „Trapez-Bucht“ und „Knick-Bucht“) für die umfassende Evaluierung im Hauptversuch ausgewählt.
Während der zweijährigen Hauptversuchsphase werden die unterschiedlichen Buchtenvarianten einer eingehenden Prüfung unterzogen: Diese beinhaltet sowohl Aspekte des Tierwohlergehens (Verhalten, Tiergesundheit, Ferkelverluste) als auch die Bereiche Ökonomie (Biologische Leistungen, Wirtschaftlichkeit) und Arbeitswirtschaft (Arbeitszeitbedarf, Handhabung, Bedienungsfreundlichkeit). Ein zentrales Thema stellt die Ermittlung der Dauer der kritischen Lebensphase von Saugferkeln dar, innerhalb derer die Sauen zum Schutz der Ferkel fixiert werden können. Hervorzuheben ist die einzigartige und ausgezeichnete Kooperation mit Praxis und Stallbaubranche, wodurch Erfahrungswerte direkt in Adaptions- und Optimierungsmaßnahmen an den Buchten umgesetzt und künftig konkrete Empfehlungen für Bau und Betrieb der Bewegungsbuchten abgegeben werden können!
Für das Fortbestehen einer wirtschaftlichen Ferkelproduktion in Österreich ist es von besonderem Stellenwert, frühzeitig praxistaugliche Systemalternativen – in welchen sich die Sauen innerhalb definierter Zeiträume frei bewegen können – sowie geeignete Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um die Umstrukturierungen in der Branche bis spätestens 1. Jänner 2033 zu einem Abschluss bringen zu können.
Referentin: Dipl.-Ing. Birgit Heidinger
HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Institut für Artgemäße Tierhaltung & Tiergesundheit
Vorstellung der Bewegungsbuchten des LfL-Projekts in Schwarzenau
Die in der konventionellen Ferkelerzeugung praktizierte Haltung säugender Sauen in Ferkelschutzkörben mit durchgehender Fixierung steht wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit der Muttersauen seit langem in Kritik. Eine Alternative zu dieser Haltungsform bieten sogenannte Bewegungsbuchten.
Seit Beginn dieses Jahres werden in Bayern Bewegungsbuchten zur Haltung säugender Sauen im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung mit einem um 20 % höheren Zuschuss gesondert gefördert. Diese Buchten müssen über eine Mindestgrundfläche von 6 m² verfügen. Weitere Anforderungen sind, dass der Ferkelschutzkorb nach dem Abferkeln dauerhaft geöffnet werden kann und so ein Bewegungsbereich entsteht, in dem sich die Sau ungehindert umdrehen kann.
Im Lehr- Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau, wurden insgesamt 12 strohlose Bewegungsbuchten (je zwei Buchten von sechs unterschiedlichen Systemen) in den bestehenden Abferkelbereich eingebaut. Einige dieser Buchten sind vollständige Neuentwicklungen.
Diese, für das Projekt ausgewählten Buchten, verfügen alle über eine Fixiermöglichkeit der Muttersau in Form eines Ferkelschutzkorbs. Die einzelnen Typen unterscheiden sich v.a. in der Ausrichtung des Ferkelschutzkorbs (diagonale oder gerade Anordnung, Sauentrog zur Wand oder zum Betreuungsgang orientiert bzw. eine Parallelstellung zum Gang) sowie in den Außenabmessungen der Buchten. Der Bewegungsbereich der Sau entsteht einheitlich durch das Öffnen des Ferkelschutzkorbs. Bei einem System wird ein Seitenteil des Ferkel-schutzkorbs hierfür parallel verschoben. In allen Buchten sind die Ferkelnester zum Betreuungsgang hin angeordnet und können von hieraus über eine niedrige (50cm hohe) Trennwand erreicht werden, ohne dass der Bewegungsbereich der Sau betreten werden muss. Die Fußböden bestehen aus herstellergleichen Kunststoffrosten, Gusseisenrosten und perforierten Betonelementen.
Seit Oktober 2014 werden die Lfl-Projektbuchten nach Kriterien wie praktischer Handhabung, Funktionalität, Gestaltung, Dimensionierung, Produktionsleistung und Tierverhalten untersucht.
Während einer ersten Versuchsreihe werden die Sauen bis eine Woche nach dem Hauptabferkeltag in Fixierung gehalten. Für die verbleibenden drei Wochen Säugezeit werden die Ferkelschutzkörbe geöffnet und somit die Bewegungsbereiche für die Sauen geschaffen. Lediglich zu anstehenden Tierbehandlungen werden die Sauen kurzzeitig aus Sicherheitsgründen fixiert.
Zur Bewertung der Handhabung und Bedienfreundlichkeit der ausgewählten Bewegungsbuchten werden regelmäßig Interviews mit den betreuenden Mitarbeitern geführt und dokumentiert. Als Produktionsleistungsdaten werden geborene und abgesetzte Ferkel, Ferkelverluste, Lebendmassezuwachs der Ferkel sowie Verletzungen von Sauen und Ferkeln kontinuierlich erhoben.
Im Vortrag werden die LfL-Buchten vorgestellt und es wird über erste Erfahrungen im praktischen Einsatz sowie zu Konstruktion und Stabilität der Aufstallungstechnik berichtet.
Referent: Frank Schneider
LfL, Institut für Landtechnik und Tierhaltung, Grub
Praktische Erfahrungen mit Bewegungsbuchten im Abferkelbereich
Im Herbst 2009 wurden in der Tierhaltungsschule in Triesdorf die ersten Bewegungsbuchten in den bestehenden Abferkelbereich eingebaut.
Bei diesem ersten Buchtentyp handelt es sich um eine diagonale Aufstallung, bedingt durch die Ausrichtung des Ferkelschutzkorbs, in dem die Sauen temporär fixiert gehalten werden können. Diese Bucht verfügt über eine Breite von 2,4 m entlang am Betreuungsgang gemessen. Die Tiefe der Bucht, vom Gang aus bis zur Abteilwand beträgt 2,1 m. Hieraus ergibt sich eine Buchtenfläche von ca. 5,04 m². Sauentrog und Vorderbock des Ferkelschutzkorbs sind in einer Ecke der Bucht an der Abteilwand gegenüber des Betreuungsgans montiert, so dass die Sau im Stand fixiert, mit dem Geburtsbereich zum Gang steht. Das Ferkelnest mit ca. 0,64 m² Grundfläche liegt ebenfalls am Gang. Wird der Ferkelschutzkorb geöffnet, entsteht ein ca. 3,8 m² großer Bewegungsbereich für die Muttersau.
Bei dem zweiten Buchtentyp, der dann im Oktober 2013 erstmalig eingebaut wurde, handelt es sich um eine gerade Aufstallung der Sau parallel zum Betreuungsgang. Diese Bucht verfügt über eine Länge von 3,05 m, entlang des Betreuungsgangs. Die Tiefe der Bucht, vom Gang aus bis zur gegenüberliegenden Abteilwand misst 2,0 m. Die Buchtenfläche beträgt somit ca. 6,10 m². Auch bei dieser Bucht liegt das Ferkelnest mit einer Grundfläche von ca. 0,8 m² am Gang und verfügt zusätzlich über eine Abdeckung. Der Ferkelschutzkorb befindet sich in Längsrichtung hinter dem Ferkelnest. Wird er bei dieser Bucht geöffnet, so entsteht ein ca. 4,5 m² großer Bewegungsbereich für die Sau.
Einheitlich bei beiden Buchtentypen ist, dass die Ferkelnester direkt vom Betreuungsgang über niedrige Buchtentrennwände erreicht werden können, ohne dass der Bewegungsbereich der Muttersau betreten werden muss. Bei beiden Typen werden die Sauen nicht über die Ferkelnester, also durch hohe Buchtentüren eingestallt. Weiterhin sind in allen Bewegungsbuchten Ferkelschutzkörbe eingebaut, die es ermöglichen die Sauen zu Beginn der Säugezeit und zu anstehenden Tierbehandlungen temporär in Fixierung zu halten. Die Bewegungsbereiche der Sauen entstehen weitestgehend einheitlich durch das Auseinanderklappen der Seitenteile der Ferkelschutzkörbe an den Lagerungen der Vorderböcke. In beiden Buchtenvarianten sind konventionelle Fußböden eingebaut. Sie bestehen aus Gussrosten im Standbereich der Sauen (Ferkelschutzkorbbereiche) und handelsüblichen Ferkelkunststoffrosten bzw. im 2 Abteil verstärkte Kunststoffroste. Die Ferkelnester sind einheitlich warmwasserbeheizt.
Mittlerweile werden insgesamt 10 Bewegungsbuchten im praktischen Einsatz genutzt, sie sind auf zwei Abteile zu 6 und 4 Buchten aufgeteilt.
Im Vortrag werden die zwei Bewegungsbuchtentypen der Tierhaltungsschule Triesdorf vorgestellt. Über einschlägige Erfahrungen und Ergebnisse des bisherigen Praxiseinsatzes wird mit Vor- und Nachteilen berichtet.
Referent: Roberto Kurth
Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf

Bilder vom Info-Tag

Referenten am Info-Tag "Haltung von säugenden Sauen in Bewegungsbuchten"

Referenten

Vortragssaal Forum Grub

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Ausstellungshalle

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Ausstellung

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