Forschungs- und Innovationsprojekt
Schweinemast im Offenfrontstall

Offenfrontstall mit Schweinen
In einem Praxisbetrieb des ökologischen Landbaus wurden die Auswirkungen der Gestaltung der Stallhülle mit und ohne Wärmedämmung auf Stallklima und Mastleistung untersucht. Daten zum Anfall von Mist und Jauche sowie zum Einstreubedarf wurden erhoben.

Zielsetzung

1-2 % der in Bayern gehaltenen Mastschweine stehen in Betrieben des ökologischen Landbaus, zumeist in Altgebäuden, welche den Haltungsanforderungen der EU-Ökoverordnung nicht voll entsprechen. Häufig fehlt der geforderte Außenauslauf. Bei den wenigen bereits realisierten Neu- oder Umbauten ist eine Tendenz zum Außenklimastall zu beobachten.

Diese Entwicklung ist begründet in

  • der Annahme, dass der im ökologischen Landbau geforderte Stroheinsatz im Liegebereich der Tiere die geringeren Stalltemperaturen ausgleicht
  • der Überlegung, dass die in wärmegedämmten und beheizten Gebäuden übliche Zwangslüftung in ihrer Funktion durch die unvermeidlichen Durchgänge vom Stall in den Auslauf beeinträchtigt wird
  • der Absicht, durch eine einfachere Bauhülle die wegen der erhöhten Flächenanforderungen höheren Stallbaukosten (teilweise) zu kompensieren.
Häufiger als bei konventionellen Außenklimaställen wird der Typ des Offenfrontstalles gewählt, da hier durch das Anlegen nur einer Mistachse arbeitswirtschaftliche Vorteile entstehen. Die klimatischen Anforderungen der Tiere an ihren Liegebereich sollen durch das Angebot von Kleinklimabereichen, den sog. „Liegekisten“ erfüllt werden.
Die Eignung von Offenfrontställen für hohe Produktionsleistungen ist bisher noch nicht bewiesen. Aus Sicht der Tiergerechtheit und der Produktionsleistung liegt genau in den Details der baulichen Gestaltung der Liegekisten der entscheidende Ansatzpunkt für das Gelingen oder Misslingen des Bauvorhabens, wobei ein Bezug zur Stallhülle gegeben ist.

Vorliegendes Projekt zielt auf die Beurteilung zweier realisierter Baulösungen – eines Offenfrontstalles in Leichtbauweise ohne Wärmedämmung der Stallhülle und einer Umbaulösung in einer ehemaligen Garage in Ziegelbauweise – im Hinblick auf die Kriterien Mast- und Schlachtleistung, Tiergesundheit und Verluste unter Verwendung der Parameter
  • Lufttemperatur im Tierbereich und
  • Akzeptanz des Liegebereichs / Buchtensauberkeit.

Schlussfolgerungen

Ziel der vorliegenden Untersuchung auf einem Praxisbetrieb war es, die Eignung von Offenfrontstallungen für die ökologische Schweinemast zu prüfen. Gleichzeitig sollten zwei unterschiedliche Bauweisen – ungedämmter Leichtbau und massives Altgebäude – verglichen werden. Die Untersuchungen zu Stallklima und Produktionsleistung erstreckten sich von November 2003 bis September 2004.

Folgende Aussagen sind möglich:

  • Am Untersuchungsbetrieb konnten in den Offenfronstallungen durchschnittliche bis überdurchschnittliche Mastleistungen erzielt werden.
  • Die Schweine nahmen die Buchtenbereiche Liegekiste, Aktivitätsbereich und Mistbereich zu jeder Jahreszeit ausreichend sicher an. Ein „Umkippen“ des Tierverhaltens mit Verschmutzung der Liegekisten wurde weder im Sommer noch im Winter beobachtet.
  • Das Stallklima im Aktivitätsbereich folgt unmittelbar der Witterung. Das massive Altgebäude übt jedoch einen abmildernden Effekt aus, so dass die tiefsten Lufttemperaturen im Aktivitätsbereich des Altgebäudes im Winter etwas höher und die nachmittäglichen Höchsttemperaturen im Sommer deutlich niedriger lagen als im ungedämmten Stall.
  • Für Betriebe, die über geeignete massive Altgebäude verfügen, kann deren Umbau zu einem Schweinemaststall sinnvoller sein als ein Neubau in Leichtbauweise ohne Wärmedämmung. Wichtig ist jedoch, dass im umgebauten Altgebäude großflächige Öffnungen zur Wärmeabfuhr und Durchlüftung im Sommer vorhanden sind oder geschaffen werden können.
  • Aus stallklimatischer Sicht entscheidet das Kleinklima in den Liegekisten über den möglichen Masterfolg. Ausreichende Temperaturen in der Liegekiste werden erzielt, wenn durch einen angemessenen Tierbesatz in der Liegekiste (0,4-0,5 m² Kistenfläche/Endmastschwein) genug Wärmeabgabe erfolgt und eine ausreichende Wärmedämmung der Liegekiste baulich sichergestellt ist.
  • Ansatzpunkte für eine Wärmedämmung der Liegekisten sind der Bodenaufbau (mit / ohne Wärmedämmung), die Einstreumenge, die Gestaltung der betonierten Außenwand (mit / ohne Wärmedämmung), die Gestaltung der Kistenabdeckung (z. B. flächenhafte Sandwichelemente mit mindestens 4 cm PU-Schaum-Dämmung, Vermeidung von Fugen / Schlitzen als Wärmeverluststellen) und des Kistenvorhangs (möglichst bodenlang, ohne Schlitze zwischen den Lamellen).
  • Am Untersuchungsbetrieb waren die Liegekisten zum Teil überbelegt. Trotzdem konnten nicht immer ausreichende Lufttemperaturen in den Liegekisten erzielt werden. Dies legt nahe, dass im Hinblick auf die Gestaltung der Liegekisten noch Verbesserungen möglich und nötig sind.

Untersuchung im Detail

Offenfrontstall 1 - Neubau in Leichtbauweise ohne Wärmedämmung

Der 2002 errichtete Offenfronstall in Leichtbauweise ohne Wärmedämmung weist 5 Buchten auf, von denen Bucht 1-3 und Bucht 4-5 gleich groß sind. Durch das Stallsystem des Offenfrontstalles entfällt eine Unterteilung in Stallfläche und Auslauffläche.
Bei einer einheitlichen Buchtenlänge von 12 m und einer Breite von 2,70 bieten Bucht 1-3 gemäß EG-Öko-Verordnung Platz für 14 Endmastschweine ab 85 kg Lebendmasse, die Buchten 4 und 5 für 16 Endmastschweine.

Die Liegekiste ist an der Rückwand angeordnet und durchgängig 3,50 m tief sowie 1,10 m hoch. An die Liegekiste schließen sich der Aktivitätsbereich (5,80 m tief) und der Mistgang (2,70 m tief) an.
Der Boden, bestehend aus einer ca. 8 cm dicken Betonschicht, weist im Bereich der Liegekiste ein Gefälle hin zum Mistgang von 2 % auf, im Aktivitätsbereich von 6 % und im Mistgang von 5 % nach außen. Der Aktivitätsbereich ist mit einer Stufe um 15 cm gegen den Mistgang angehoben.

Die Überdachung des Stalles reicht geringfügig bis in den Mistgang hinein. Das Dach aus ungedämmtem Trapezblech hat an der Rückwand eine Traufhöhe von 3,20 m über der Bodenplatte (2,6 m über der Bodenoberfläche in der Liegekiste) und steigt nach vorne zum Mistgang mit einer Neigung von 10 ° an. Die dreiseitige, 25 cm starke Außenwand des Stallgebäudes ist bis zu einer Höhe von 1,7 m (über der Bodenplatte) betoniert, auf die Betonmauer setzt eine 1,5 m hohe Spaceboardwand (10 cm Brett, 2,5 cm Schlitz) auf. Die Buchtentrennwände bestehen im Liege- und Aktivitätsbereich aus Holz (Lärche), im Mistgang aus schwenkbaren Metallgittertoren. Die Abdeckung der Liegekisten besteht aus 4 cm starken Styrodureinzelelementen, die auf ein an einem Rahmen befestigtes Windschutznetz aufgelegt sind.

Die Liegekistenabdeckung wird täglich zur Tierkontrolle mit Hilfe einer Seilzuganlage geöffnet. Zum Aktivitätsbereich ist der Liegebereich mit einem PVC-Vorhang aus 25-30 cm breiten Streifen abgetrennt. Die Vorhänge sind an einem feststehenden Rahmen befestigt und werden nicht mit der Abdeckung angehoben.
Unmittelbar im Anschluss an die Liegekiste sind je Bucht 2 Trockenfuttervorratsautomaten (je 1m Breite – 3 Endmast-Fressplätze) platziert, je einer an jeder Buchtentrennwand. Die Befüllung der Vorratsautomaten erfolgt automatisch. Je Bucht sind zwei Schalentränken an der stirnseitigen Buchtenbegrenzung im Mistbereich angebracht (25 cm Höhe). Die Tränkeschalen wurden in die Buchtentrennwand hineingesetzt, um die mobile Entmistung nicht zu behindern. Die Wasserzuleitung erfolgt in einer wärmegedämmten Ringleitung an der Außenseite der Buchtentrennwand. Eine Heizmöglichkeit für das Tränkewasser ist installiert.
Entmistet wird mit einem Schlepper nach Bedarf, etwa alle 2-3 Tage. Etwaiges nasses, verschmutztes Stroh aus dem Aktivitätsbereich wird von Hand in den Mistgang abgeschoben. Die Zufahrt zum Mistgang erfolgt über Bucht 5. Eine Harnrinne außerhalb der Buchtenumzäunung leitet anfallende Jauche in die im Hofraum gelegene Grube ab. Die Strohlagerung erfolgt in Großballen auf einer über dem Aktivitätsbereich gelegenen Tribüne. Der Offenfrontstall öffnet sich nach Norden zu einem Vorplatz. Dieser ist durch ein Windnetz nach Osten (Bild links) und durch vorhandene, aneinander grenzende Gebäude nach Norden und Westen gegen Wind geschützt. Während der Projektlaufzeit waren die Buchten im Mittel mit so vielen Tieren belegt, dass je Endmastschwein etwa 1,3 m² Bodenfläche zur Verfügung standen.

Offenfrontstall 2 – Umgebaute Garage in Ziegelbauweise

Beim Umbau der ehemaligen Garage wurden drei Buchten geschaffen, wobei die Buchten bis über die gemauerte Hülle hinausreichen und so eine nicht überdachte Auslauffläche entstanden ist. Die Buchten sind insgesamt 14,70 m tief und weisen bei einer Breite von 4,10 m bzw. 4,20 m gemäß EG-Öko-Verordnung Platz für 26 Endmastschweine ab 85 kg Lebendmasse (Bucht 1 bzw. Bucht 2) und bei einer Breite von 4,00 m Platz für 25 Endmastschweine auf (Bucht 3). Bucht 2 war während der gesamten Untersuchungsdauer nicht belegt.
Die Liegekisten befinden sich an der Buchtenrückwand und sind 4,50 m tief. Die Abdeckung besteht ausschließlich aus einem Windschutznetz ohne jede Wärmedämmung und kann nicht zur Tierkontrolle aufgeklappt werden. Zum Aktivitätsbereich hin ist ein feststehender Vorhang aus 25-30 cm breiten PVC-Streifen vorhanden. Die Liegekisten haben eine Innenhöhe von 1,10 m. Der ungedämmte Betonboden (etwa 8 cm Dicke) weist im Bereich der Liegekisten 2 % Gefälle, im 4,50 m tiefen Aktivitätsbereich von 5 % und im 5,70 m tiefen Mistbereich von 3 % auf.
Der Aktivitätsbereich ist gegen den Mistbereich durch eine Stufe um 25 cm angehoben. Damit verbleibt von der lichten Raumhöhe, die an der Vorderseite des Gebäudes 3,40 m beträgt, an der Rückwand eine Höhe von 2,84 m. Vom Mistbereich befinden sich 3,70 m im und 2,00 m außerhalb des Gebäudes. Entmistet wird nach Bedarf, etwa alle 2-3 Tage der gesamte tiefer liegende Mistgang. Eine Harnrinne außerhalb der Buchtenumzäunung leitet anfallende Jauche in die im Hofraum gelegene Grube ab. Das ehemalige Garagengebäude besteht aus 36 cm starkem Ziegelmauerwerk. Eine etwa 30 cm dicke Filigrandecke grenzt den Stallraum gegen den Dachbereich ab. Eine deckenlastige Strohlagerung sorgt für zusätzliche Wärmedämmung.
Zum Hof hin wurden die Garagentore entfernt und von Hand in der Höhe verstellbare Windschutznetze angebracht. Das Gebäude öffnet sich nach Norden hin zum Hofbereich. Dieser ist nach Westen durch Maschinengaragen geschützt. Je Bucht befinden sich 4 Trockenfutterautomaten (je 1 m Breite – 3 Endmastfressplätze) in der Liegekiste. Die jeweils 3 Schalentränken befinden sich im Gebäude im Mistbereich. Sie sind an der Buchtentrennwand in 25 cm Höhe über einer etwa 25 cm hohen Antrittsstufe installiert. Die Belegung erfolgte auch hier mit etwa 1,3 m² Bodenfläche je Endmasttier.

Lufttemperatur im Aktivitätsbereich und in den Liegekisten

Lufttemperatur im Aktivitätsbereich der beiden Stallungen
Die Lufttemperatur im Aktivitätsbereich von Außenklimastallungen ist für das Wohlbefinden der Schweine aus folgenden Gründen wichtig:

  • Der Aktivitätsbereich ist, wenn auch mit jahreszeitlichen Schwankungen hinsichtlich der Aufenthaltshäufigkeit, einer von zwei möglichen Aufenthaltsbereichen der Schweine.
  • Die Temperaturen im Aktivitätsbereich können das Futteraufnahme- und das Ausscheidungsverhalten beeinträchtigen.
  • Das Niveau der Temperaturen im Aktivitätsbereich bildet die Basis für die Temperaturen in den Liegekisten.
Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit wurden in Bucht 1 in der Garage und in Bucht 2 im Neubau im Aktivitätsbereich und in allen Buchten in den Liegekisten erfasst. Die Messung erfolgte kontinuierlich mittels Datalogger. Die Messgeräte im Aktivitätsbereich waren im Umfeld der Futterautomaten an der Buchtentrennwand angebracht, in den Liegekisten ebenfalls an der Buchtentrennwand etwa 1 m in die Liegekiste hinein versetzt. Alle Messgeräte befanden sich auf 70 cm Höhe über dem Boden. Lediglich in Bucht 3 der Garage mussten die Messfühler unmittelbar am Rand der Liegekiste in 100 cm Höhe befestigt werden.

Der Vergleich der beiden Stallungen hinsichtlich der Lufttemperatur ergibt, dass in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar kaum Unterschiede in den Mittelwerten auftreten. In der Übergangszeit von März bis einschließlich Mai und im September, die durch größere Tag-Nacht-Schwankungen gekennzeichnet ist, sind ebenfalls kaum Unterschiede bei den Mittelwerten zu erkennen. Jedoch sind die Temperaturschwankungen (Spannen zwischen höchsten und niedrigsten Tagestemperaturen) beim Neubau in Leichtbauweise deutlich größer als im massiven Garagengebäude. In den Sommermonaten Juni bis August hebt sich der Neubau auch bei den Mittelwerten um 1,1 bis 3,4 Kelvin nach oben vom Umbau ab. Bei erneut größerer Schwankungsbreite übersteigen vor allem die Maximalwerte im Neubau die in der massiven Garage gemessenen Maxima um bis zu 6,6 Kelvin. Im Sommer werden also im Offenstall in Leichtbauweise zum Teil deutlich höhere Temperaturen erreicht als im Massivgebäude.

Liniendiagramm Tagesverlauf

Das Bild oben zeigt die Entwicklung der Lufttemperatur im Tagesverlauf im Neubau und im Garagengebäude als Mittelwerte der einzelnen Messtage exemplarisch für die Monate Januar, April und August 2004. Der Neubau in Leichtbauweise weist insgesamt höhere Temperaturschwankungen im Tagesverlauf auf und erreicht in der Übergangszeit und im Sommer höhere Tageswerte. Vor allem in der Übergangszeit (April 2004) wird deutlich, dass die Temperaturentwicklung in der ehemaligen Garage im Vergleich zum Neubau zeitlich verzögert verläuft. Die morgendliche Erwärmung beginnt später, ebenso wird das niedrigere Temperaturtagesmaximum später am Nachmittag erreicht. Dieser Effekt ist auf das höhere Wärmespeichervermögen des massiven Ziegelmauerwerks der Garage zurück zu führen.

Eine genauere Betrachtung der Temperaturunterschiede bietet die prozentuale Verteilung der Temperaturmesswerte in 1-Kelvin-Schritten für die Monate Dezember 2003 bis September 2004. Im Bereich der tiefen Temperaturen unterscheiden sich die beiden Stallgebäude hinsichtlich der Temperaturverteilung nicht wesentlich. Während in der umgebauten Garage im Dezember 5,9 %, im Januar 2,7 %, im Februar 5,2 % und im März 2,8 % der Messwerte kleiner als –5 °C sind, betragen diese Anteile im Neubau 7,9 %, 4,6 %, 4,7 % und 3,7 %. Da 1 % der Messwerte einer Zeitspanne von 14,4 Minuten entspricht, handelt es sich um unbedeutende Differenzen von maximal 29 Minuten. Anders stellt sich die Situation in den Sommermonaten dar. Hier wird der Messwert von 25 °C (als obere Grenze des „Wohlfühlbereichs“) im Neubau im April in 1,2 %, im Mai in 1,9 %, im Juni in 12,3 %, im Juli in 19,2 %, im August in 21,1 % und im September in 4,4 % der Fälle überschritten, im massiven Garagengebäude dagegen nur im Juni in 5,0 %, im Juli in 1,1 %, im August in 3,8 % und im September in 1,6 % der Fälle. Diese Unterschiede entsprechen im Extremfall (Juli) einer Zeitspanne von 260 Minuten (4 Stunden 20 Minuten).

Die höhere Hitzebelastung der Tiere im neu gebauten Offenfrontstall in Leichtbauweise wird anschaulich im folgenden Bild, welches die Lufttemperatur im Aktivitätsbereich für eine Phase andauernd hoher Temperaturen darstellt. Bei anhaltend hohen Temperaturen, die tagsüber die 25 °C-Grenze übersteigen, ist eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Tiere und ihrer Mastleistung aufgrund einer verringerten Futteraufnahme nicht auszuschließen.

Liniendiagramm Wochenverlauf

Lufttemperatur in den Liegekisten
Für Gesundheit und Wachstum der Schweine in Außenklimaställen ist ein ausreichendes Wärmeangebot im geschützten Kleinklimabereich, der Liegekiste, erforderlich. Als unterer Grenzwert können Lufttemperaturen von 20 °C gesehen werden. Besonders kritisch sind die Phasen des Einstallens neuer Tiere, die alters- und stressbedingt einen kurzzeitig erhöhten Wärmebedarf haben, sowie die Phase des Ausstallens der Tiere am Mastende. Durch das kontinuierliche Abverkaufen der schlachtreifen Schweine reduziert sich der Tierbesatz und damit die Wärmeproduktion in der Liegekiste.

Obwohl die Liegekisten im Untersuchungszeitraum mitunter deutlich dichter belegt waren als empfohlen und damit mehr Wärmeproduktion/Fläche stattfand, wurden die angestrebten 20 °C im Liegebereich nicht zuverlässig erreicht in Phasen der Neueinstallung, des Ausstallens und bei Außentemperaturen von weniger als -5 °C / -10 °C. Dies deutet auf eine unzureichende Wärmedämmung der Liegekisten (z. B. unerwünschte Wärmeverluste über Ritzen in Kistendeckel und Vorhang, Wärmeableitung durch nicht gedämmte Begrenzungswände) hin.
Im Sommer führten die geringeren Lufttemperaturen im Aktivitätsbereich des massiven Garagengebäudes zu niedrigeren Temperaturen in den dort gelegenen Liegekisten.

Mast- und Schlachtleistung, Tiergesundheit

Insgesamt wurden 631 Ferkel einer Hybrid-Herkunft in 7 Einstallwellen erfasst. Die Tiere stammten aus einem einzigen Betrieb. Die Lieferung erfolgte annähernd monatlich. Da jedoch immer wieder kurzfristige Änderungen im Liefertermin auftraten, konnten nicht alle Wellen, wie geplant, unverzüglich nach dem Einstallen und dann im 4-Wochen-Rhythmus gewogen werden.Die Ferkel wurden bei ihrer ersten Wiegung mit elektronischen Ohrmarken ausgerüstet und bei allen Wiegungen einzeln mit einer Genauigkeit von 100 g gewogen. Die Daten der Schlachtleistung wurden für jedes Einzeltier direkt am Schlachthof erfasst. Insgesamt liegen von 551 Tieren Schlachtdaten vor. Zur Beurteilung der Tiergesundheit wurden die Schlachtkörperbefunde am Schlachthof herangezogen.
Da die Wiegungen bei den einzelnen Einstallwellen in unterschiedlichen Mastwochen erfolgten, sind Vergleiche zwischen den Gruppen nicht möglich. Ebenso ist es nicht möglich, die Daten der Mast- und Schlachtleistung mit den Stallklimadaten in Verbindung zu bringen und Rückschlüsse auf die Tiergerechtheit des Stallklimas zu ziehen. Der Grund hierfür liegt in der nicht ausgewogenen Aufteilung der eingestallten Tiere auf die beiden Stallungen und auf die einzelnen Buchten. Einzelnen Wellen wurden ausschließlich in einem Stalltyp untergebracht, dabei wurden die Tiere einer Welle nach Gewicht sortiert in die einzelnen Buchten eingestallt.
Für die Einstallwellen 3-6 erfolgte die erste Wiegung noch in der 1. Mastwoche bzw. in der 2. Mastwoche, sodass das Einstallgewicht einigermaßen zuverlässig aus dem Gewicht der 1. Wiegung abgeleitet werden kann. Das Mastendgewicht wurde aus dem tatsächlich erfassten Zweihälftengewicht und einer unterstellten Ausschlachtung von 80,5 % errechnet. Die täglichen Zunahmen ergeben sich aus dem Gewichtszuwachs und der Mastdauer. Tägliche Zunahmen von 673 g im Mittel von 343 Tieren aus diesen vier Einstallwellen weisen auf ein für Ökobetriebe durchschnittliches bis gutes Leistungsniveau hin. Alle im LKV Bayern organisierten Schweinemäster haben im Durchschnitt der Jahre 2000-2004 695 g tägliche Zunahmen erreicht, wobei die Ergebnisse der Ökomäster im Mittel um 23 g/Tag niedriger, also etwa bei 672 g/Tag lagen. Der Muskelfleischanteil von 55,3 % bis 56,7 % liegt erwartungsgemäß unter den für konventionelle bayerische Betriebe üblichen Werten, dementsprechend ebenso der Anteil von nur 49,2 % bis 77,9 % Handelsklasse E-Schweinen.
Zur Beurteilung der Tiergesundheit am Untersuchungsbetrieb wurden zwei Kriterien herangezogen – die Anzahl an verendeten Tieren während der Mast und die Häufigkeit von bei der Schlachtung festgestellten Schlachtkörperbefunden. Tierverluste von 1,7 % im Mittel von 7 Einstallwellen (631 Tiere) sind erfreulich niedrig. Insgesamt wurden bei 75 der insgesamt 551 bei der Schlachtung erfassten Schweine ein oder mehrere Schlachtkörperbefunde notiert. Dabei dominierten mit insgesamt 63 betroffenen Tieren (84 %) klar die beanstandeten Lebern. Leberschäden werden durch Spulwurmbefall verursacht. Nach den schlechten Ergebnissen der Wellen 4 und 5 führten Behandlungsmaßnahmen zu einem in Folge geringeren Infektionsdruck und Krankheitsgeschehen.

Buchtensauberkeit

Bei der monatlichen Beurteilung der Buchtensauberkeit wurden vernässte Stellen in den Buchten in einer Stallskizze festgehalten. Die Buchtenbereiche Liegekiste, Aktivitätsbereich und Mistgang wurden jeweils in 4 Quadranten unterteilt. Die Beurteilung erfolgte subjektiv als Angabe „x % der Fläche vernässt“. Aufgrund der gewählten Methode wurden dabei nicht nur die durch die Tiere verursachten Verschmutzungen / Vernässungen mit Kot und Harn erfasst, sondern auch Witterungseinflüsse (Niederschlagswasser, Verdunstung von Nässe aufgrund hoher Lufttemperaturen). Bei der Auswertung der Daten konnten dann alle vier Quadranten der Liegekiste zu einem Wert zusammengefasst werden, ebenso für die Bereiche Aktivität und Mistgang die jeweils vorderen und hinteren beiden Quadranten. Bei 21 Beurteilungstagen von Juni 2003 bis Mai 2005 und 7 Buchten ergaben sich 114 Buchtentage, da Einzelbuchten gelegentlich nicht belegt waren.
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Bewertung der einzelnen Bereiche zusammengefasst über alle Buchten und beide Stallungen. Die Liegekiste wurde im Grunde immer sauber gehalten. Mit einer Häufigkeit von 85,9 % „0%-Verschmutzung“ wurde auch der unmittelbar an die Liegekiste angrenzende hintere Bereich des Aktivitätsbereichs, in dem sich die Futterautomaten befinden, von den Schweinen kaum verschmutzt. Aus den Daten ist deutlich zu erkennen, dass die Verschmutzung der Buchtenbereiche von der Liegekiste weg hin zur äußeren Buchtenbegrenzung am Mistgang zunimmt. Die hohen Verschmutzungswerte im Bereich des Mistganges sind unproblematisch und in einer Bucht mit geschlossenem Boden und nicht täglicher Entmistung unvermeidlich. Im vorderen Aktivitätsbereich wurde immerhin noch zur Hälfte „0% Verschmutzung“ notiert. Bei „25% Verschmutzung“ und „50% Verschmutzung“ waren fast ausschließlich die Bereiche nahe der seitlichen Buchtentrennwand betroffen.
Verschmutzung der Buchten getrennt nach Bereichen (21 Beurteilungstage, 7 Buchten, 114 Buchtentage)
Liegekiste Aktivitäts-
bereich
- hinten
Aktivitäts-
bereich
- vorne
Mistgang
- hinten
Mistgang
- vorne
0 % Verschmutzung 98,2 % 85,9 % 50,9 % 32,5 % 13,2 %
25 % Verschmutzung 0 % 3,5 % 12,3 % 3,5 % 2,6 %
50 % Verschmutzung 0,9 % 9,6 % 17,5 % 16,7 % 13,2 %
75 % Verschmutzung 0 % 0 % 0 % 0 % 2,6 %
100 % Verschmutzung 0,9 % 1,8 % 19,3 % 47,4 % 68,4 %
Eine unerwünschte Verschmutzung im Aktivitätsbereich trat deutlich häufiger in der Garage auf als im Neubau. Die Begründung hierfür könnte in der Anordnung der Tränken und / oder in der Buchtengröße liegen. Die Buchten in der umgebauten Garage sind länger und vor allem breiter als im Neubau, insgesamt fast doppelt so groß. Dadurch ist auch die Tierzahl je Bucht fast doppelt so hoch. Verlustwasser, das im Umfeld von Tränken auf den Buchtenboden gelangt stellt über die damit einhergehende Vernässung einen Anreiz für die Schweine dar, an diesen Nassstellen Kot und Harn abzusetzen. Während im Neubau die Tränken ausschließlich an der im Mistgang gelegenen äußeren Buchtentrennwand angebracht sind, befinden sich die Tränken in der Garage an den seitlichen Trennwänden innerhalb des Gebäudes, zwar noch im Bereich des Mistganges, aber deutlich näher am Aktivitätsbereich. Eine mögliche Wirkung des Stallklimas wäre im Hinblick auf die Beobachtung – stärkere Verschmutzung des Aktivitätsbereichs in der ehemaligen Garage – nicht zu erklären, da das Stallklima in der ehemaligen Garage im Vergleich zum Neubau ausgeglichener war und vor allem im Sommer die Maximaltemperaturen erheblich niedrigerer lagen.
Beim Vergleich der Verschmutzung nach Jahreszeit zeigt sich deutlich, dass der Aktivitätsbereich im Sommer sauberer war als im Winter (89,1 % ‚0 %-Verschmutzung’ im Sommer, 52,6 % ‚0 %-Verschmutzung’ im Winter). Auch für den Mistbereich ist diese Reihung noch zu erkennen (43,8 % ‚100 %-Verschmutzung’ im Sommer, 69,2 % ‚100 %-Verschmutzung’ im Winter).
Als Erklärung für dieses zunächst überraschende Ergebnis kommen zwei Faktoren in Frage. Bei der Erfassung der Buchtenverschmutzung konnte Niederschlagswasser nicht von Harn- oder Kotnässe unterschieden werden. Aufgrund der niedrigeren Lufttemperaturen verdunstet im Winter Niederschlagswasser (in Form von Regen oder Schnee) weniger schnell als im Sommer, zudem war der Sommer 2003 besonders heiß und trocken. Die stärkere Verschmutzung des Aktivitätsbereichs im Winter könnte auch durch ein verändertes Ausscheidungsverhalten der Schweine verursacht sein. Bei Kälte, vor allem, wenn auch die Temperaturen im Liegebereich für die Tiere zu gering sind, verlassen sie den wärmeren Liegebereich zum Harnen und Misten nicht mehr zuverlässig. Obwohl die Liegekisten am Untersuchungsbetrieb nicht verschmutzt wurden, könnte die stärkere Vernässung im Aktivitätsbereich bedeuten, dass die Schweine wegen der Kälte zum Misten nicht mehr den weit entfernten Mistgang aufgesucht haben, sondern nur noch eine kurze Strecke bis in den an die Liegekiste angrenzenden Aktivitätsbereich gegangen sind. Die beobachteten teilweise niedrigen Lufttemperaturen in den Liegekisten würden diese Annahme stützen.

Strohbedarf, Anfall von Mist und Jauche

Der Verbrauch an Strohquaderballen wurde vom Betriebsleiter festgehalten, die Einsatzmenge aus Ballenverbrauch und einem mittleren Ballengewicht errechnet. Der durchschnittliche Tierbestand wurde anhand von Tierzählungen bei jedem Betriebsbesuch geschätzt. Der Jaucheanfall wurde durch Pegelstandsmessungen in der Jauchegrube erfasst, der Mistanfall anhand der abgefahrenen vollen Ladewagenfüllungen geschätzt. Bei der Umrechnung der Mengen auf den Tierplatz wurden 1,3 m² Bodenfläche je Endmastplatz angesetzt.
Für die Auswertung von Einstreumenge, Mist- und Jaucheanfall wurde das gesamte Jahr 2004 herangezogen. Für diesen Zeitraum ergab sich ein Jahresanfall von 76,9 m³ Jauche, was umgerechnet einer Menge von 0,34 m³ Jauche/Endmastplatz/Jahr bzw. 0,9 l/Endmastplatz/Tag entspricht.
Beim vom Betriebsleiter erfassten, abgefahrenen Anfall an Stallmist handelte es sich zunächst um Frischmist in loser Schüttung, dessen Volumen in der Lagerstätte bereits nach wenigen Stunden auf etwa 50 % zurückging. Dieses reduzierte „Lagervolumen“ ist für die Dimensionierung von Mistlagerstätten entscheidend. Mit 1,25 m³ Lagermist/m² Stallfläche in der ehemaligen Garage bzw. 1,35 m³ Lagermist/m² Stallfläche im Neubau unterscheiden sich die beiden Stallungen nur unwesentlich. Je Endmastplatz (1,3 m²) und Jahr ergeben sich 1,65 m³ bzw. 1,75 m³, was bei 7,5 dt/m³ Stallmist einer Menge von 12,4 dt/Endmastplatz bzw. 13,2 dt/Endmastplatz oder 1,1 dt/Endmast/Monat bzw. 3,4 bzw. 3,6 kg/Endmastplatz/Tag entspricht.
Im Schnitt des Jahres 2004 wurden im Neubau 540 g und in der Garage 670 g Einstreu/Endmastplatz/Tag eingesetzt. Die Einstreumengen in den Winter- und Sommermonaten unterschieden sich nicht.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. C. Jais
Projektdurchführung: P. Niemi-Reichel
Laufzeit: 2003 - 2005
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: A/02/31