Empfehlungen zur Gestaltung von Komfortliegeflächen bei strohloser Haltung von Schweinen

Drei Sauen in Liegekoje
Nachfolgend werden einige Beispiele genannt, wie durch eine gezielte Bodengestaltung der Liegekomfort erhöht werden kann. Die Beispiele berücksichtigen dabei sowohl den Komfort "beim Liegen" als auch den Vorgang des Abliegens und Aufstehens.

Was trägt zum Liegekomfort bei?

Zum Liegekomfort tragen mehrere Eigenschaften der Liegefläche bei:

  • Die Härte bzw. Weichheit der Fläche, ihre Elastizität und Plastizität. In Wahlversuchen bevorzugten Sauen weiche vor harten Liegeflächen. Harte und unebene Liegeflächen können bei sehr mageren Sauen zu Aufliegewunden führen.
  • Eine angemessene Wärmeableitung. Schweine liegen etwa 80 % des Tages und haben während dieser Zeit großflächigen Kontakt mit dem Boden. Eine zu hohe Wärmeableitung ist vor allem für junge Tiere problematisch, während ältere Tiere eher unter einer zu geringen Wärmeableitung leiden, zumal bei hohen Umgebungstemperaturen etwa im Sommer. Die Wärmeableitung über den Boden ist für Schweine, die kaum schwitzen können, eine bedeutende Möglichkeit zur Kühlung.
  • Saubere und trockene Liegeflächen werden in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ausdrücklich gefordert, u. a. da sie hygienischer sind.
  • Scharfe Kanten und Grate, die an den Rändern von Schlitzen bei perforierten Böden und an den Übergängen benachbarter Bodenelemente auftreten können, stellen ein Verletzungsrisiko besonders für Klauen, Gelenke und, bei Sauen, für das Gesäuge dar. Böden mit weniger Schlitzen sind in dieser Hinsicht vorteilhaft.
  • Schweine meiden rutschige Böden. Diese sind vor allem beim Abliegen und Aufstehen problematisch und verletzungsträchtig. Deswegen trägt auch eine gute Trittsicherheit zum Komfort und zur Akzeptanz von Liegeflächen bei. Mit Kot und Harn verschmutzte Flächen sind zugleich auch immer rutschiger.
  • Zugleich dürfen Liegeflächen nicht zu rau sein, da dies zu Abschürfungen führen kann.
Leider steht für die Schweinehaltung kein Bodentyp zur Verfügung, der alle positiven Komforteigenschaften vereint. Deswegen werden nachfolgend unterschiedliche Lösungen als mögliche Komfortliegeflächen beschrieben.

Ferkelerzeugung

Gruppenhaltung tragender Sauen

Strukturierte Großbuchten mit Liegekojen (z. B. in Verbindung mit Abrufstationen oder Dreiflächenbuchten)

  • die gesamte gesetzlich vorgeschriebene Fläche soll als Komfortliegefläche gestaltet werden (1,3 m² je tragender Sau bzw. 0,95 m² je tragender Jungsau)
  • Beschaffenheit der Komfortliegefläche: max. 3 % Perforation zur Ableitung von Flüssigkeit oder weiche Liegefläche (z. B. Gummimatte mit max. 10 % Perforation)

Buchten mit Selbstfang-Fressliegeständen

  • Im Fressliegestand soll eine Fläche, die wenigstens 80 cm lang ist und sich über die gesamt Standbreite erstreckt, besonders komfortabel gestaltet ist.
  • Beschaffenheit der Komfortliegefläche: max. 3 % Perforation oder weiche Liegefläche (z. B. Gummimatte mit max. 10 % Perforation)

Buchten mit Fressplatzteilern

  • Der gesamte gesetzlich vorgeschriebene Liegebereich soll als Komfortliegefläche gestaltet sein (1,3 m² je tragender Sau bzw. 0,95 m² je tragender Jungsau)
  • Beschaffenheit der Komfortliegefläche:
    • Durchschnittlich max. 7 % Perforation. Zugleich dürfen aber zwei Drittel der Liegefläche nur max. 3 % Perforation aufweisen oder
    • weiche Liegefläche (z. B. Gummimatte mit max. 10 % Perforation)

Deckbereich

Einzelhaltung

  • Es gelten analoge Anforderungen wie an den Fressliegestand.

Gruppenhaltung

  • Es gelten die gleichen Anforderungen wie bei der Haltung tragender Sauen.

Abferkelbucht

  • Eine Teilfläche zwischen dem geschlossenen Ferkelschutzkorb, die wenigstens 80 cm lang ist, soll besonders komfortabel gestaltet ist.
  • Beschaffenheit der Komfortliegefläche: trittsichere Böden mit max. 7 % Perforation zur Ableitung von Flüssigkeit oder weiche Liegeflächen (z. B. Gummimatte mit max. 10 % Perforation)

Ferkelaufzucht

  • Größe der Komfortliegefläche: mindestens 0,08 m² je Ferkel

Einphasige Aufzucht ca. 8-30 kg

  • Im Liegebereich soll eine Kleinklimazone vorhanden sein (z. B. beheizter Boden oder Decke mit Strahler).

Zweiphasige Aufzucht mit Umstallen oder Absortieren

  • 1. Phase ab ca. 8 kg: Im Liegebereich soll eine Kleinklimazone vorhanden sein (z. B. beheizter Boden oder Decke mit Strahler).
  • 2. Phase ab ca. 15 kg: Im Liegebereich sollen Böden mit max. 10 % Perforation oder weiche Liegeflächen (z. B. mit Gummimatten mit max. 10 % Perforation) eingesetzt werden.

Zuchteber

  • Komfortliegefläche mind. 2 m² / Eber
  • Beschaffenheit der Komfortliegefläche: Böden mit weniger als 3 % Perforation oder weiche Böden (z. B. Gummimatte mit max. 10 % Perforation)

Schweinemast

  • Größe der Komfortliegefläche: mindestens die Hälfte der gemäß TierSchNutztV geforderten uneingeschränkt nutzbaren Bodenfläche
Gewichtsbereich [kg] Platzbedarf gem. TierSchNutztV [m²] Empfehlung Komfortliegefläche [m²]
30 - 50 0,5 0,25
50 - 110 0,75 0,375
> 110 1,0 0,5
  • Beschaffenheit der Komfortliegefläche: Böden mit weniger als 3 % Perforation oder weiche Böden (z. B. Gummimatte mit max. 10 % Perforation)