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Resistente Rapsglanzkäfer und Stängelschädlinge im Raps sicher bekämpfen

Großer Rapsstängelrüssler, Gefleckter Kohltriebrüssler und Rapsglanzkäfer sind in Bayern die relevanten Frühjahrsschädlinge im Raps. Die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus hängt ganz entscheidend von der erfolgreichen Bekämpfung dieser Schadinsekten ab.

Doch der Glanzkäfer ist mit den bisherigen Standardinsektiziden aus der Gruppe der Pyrethroide kaum noch in den Griff zu bekommen. Seit 2007 gibt es neue Wirkstoffe. Die Wirksamkeit aller Präparate und damit auch den Bekämpfungserfolg langfristig zu sichern muss bei der Insektizidstrategie oberstes Ziel sein.
Hintergrund

Stetige Zunahme Rapsglanzkäfer-Population

2006 kam es zu einem massenhafte Auftreten von Rapsglanzkäfern in Verbindung mit unzureichender Wirksamkeit der gegen diesen Schädling zugelassenen Insektizide aus der Gruppe der Pyrethroide. In einigen Gebieten kam es zu nicht unerheblichen Ertragsausfällen und in Einzelfällen sogar zum Totalverlust der Ernte. Die Rapsglanzkäfer-Population hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Bundesweit geht man davon aus, dass auf 200.000 ha Ertragsverluste aufgrund mangelnder Wirksamkeit der pyrethroidhaltigen Insektizide von 20 bis 100 % auftraten.

Biologie und Befall

Der Rapsglanzkäfer überwintert als Käfer in der obersten mit Streu durchsetzten Bodenschicht von Waldrändern und Hecken. Im zeitigen Frühjahr (etwa zur gleichen Zeit wie die Stängelschädlinge) verlassen die Tiere ihre Winterquartiere und fliegen bei schönem, sonnigem Wetter in die Rapsbestände ein. Typisches Merkmal der 1,5 – 2,5 mm kleinen, schwarzen Käfer sind die metallisch (grünlich bis bläulich) glänzenden Flügeldecken. Sie ernähren sich überwiegend vom eiweißreichen Pollen. Da zum Zeitpunkt des Zufluges die Rapsblüten noch geschlossen sind, werden die Knospen angefressen, um an den Blütenstaub zu gelangen. Die geschädigten Knospen zeigen Fraßlöcher unterschiedlicher Größe und fallen später ab. Übrig bleiben leere Blütenstiele und eventuell auch missgebildete Schoten. Ab Blühbeginn sucht der Käfer normalerweise den bequemen Weg zu seiner Nahrung und die Schadwirkung nimmt ab. Bei massivem Käferauftreten sind jedoch diese „Futterplätze“ zu wenige und es kommt – wie die Erfahrungen aus dem Jahr 2006 zeigen – auch in blühenden Beständen zu starken Schäden an den noch nicht aufgeblühten Knospen.
Eiablage - Larve - Jungkäfer
Nach dem Reifungsfraß nagen die Weibchen ein kleines Loch in den Knospenboden und legen anschließend ihre Eier am Staubgefäß und Stempel ab. Die nach wenigen Tagen schlüpfenden Larven ernähren sich ebenfalls von Pollen, richten dabei jedoch kaum Schaden an der Rapspflanze an. Nach drei bis vier Wochen lassen sich die Larven zur Verpuppung auf den Boden fallen. Die Jungkäfer erscheinen ab Juni und vollführen an verschiedenen Blütenpflanzen einen Reifungsfraß bevor sie ab Ende August den Flug in die Winterquartiere an Waldrändern antreten.
geschädigte Knospen vom  Winterraps

geschädigte Knospen

Rapsglanzkäfer an der Hautinfloreszenz

Rapsglanzkäfer Hautinfloreszenz

Rapsglanzkäfer beißt Rapsknospe auf

Rapsglanzkäfer beißt Knospe auf

Fraßschädigung durch den Rapsglanzkäfer

Fraßschädigung

Insektizide

Jahrelang waren Insektizide aus der Gruppe der Pyrethroide Klasse II (Bulldock, Decis flüssig, Fastac SC Super Contact, Fury 10 EW, Karate Zeon, Sumicidin Alpha EC, Trafo WG u.a.) die Standardmittel bei der Bekämpfung von Rapsschädlingen. Seit 2003 häufen sich die Meldungen aus der Praxis über unzureichende Wirkungsgrade dieser Insektizide gegen Rapsglanzkäfer. Im Jahre 2004 konnten erste Resistenzfälle in der Oberpfalz auch im Labor bestätigt werden. Ein vom amtlichen bayerischen Pflanzenschutzdienst im letzten Jahr durchgeführtes Monitoring hat ergeben, dass inzwischen in allen unseren Anbaulagen eine Resistenz oder zumindest eine Minderwirkung gegen diese Wirkstoffgruppe besteht.
Ursache Resistenz
Ursache für die Resistenz des Rapsglanzkäfers gegen Pyrethroide ist deren häufiger Einsatz in den zurückliegenden Jahren. Kommt immer nur der gleiche Wirkungsmechanismus zum Tragen, überleben jeweils solche Individuen, die eine geringere Anfälligkeit haben. Mit steigendem Anteil der unempfindlichen Tiere sinkt die Wirkung des Mittels. Im Raps lag in der Vergangenheit ein besonders intensiver Selektionsdruck vor, da es keine zugelassenen Insektizide außer solchen mit pyrethroiden Wirkstoffen gab. Zusätzlich sind Rapsglanzkäfer in großer Zahl schon sehr früh in den Schlägen zu finden. Mit der Folge, dass Behandlungen, die sich gegen Stängelschädlinge richten, auch auf Rapsglanzkäfer wirken und umgekehrt. Dass es auch bei den Stängelschädlingen erste Hinweise auf Pyrethroidresistenz gibt, ist deshalb nicht überraschend und muss in die Überlegungen für eine Anti-Resistenz-Strategie mit einbezogen werden. Inzwischen weiß man, dass die Resistenz beim Rapsglanzkäfer auf einer schnellen Entgiftung des Wirkstoffs im Körper des Käfers beruht. Dieser Entgiftungsmechanismus funktioniert nicht bei allen Wirkstoffen gleich gut. Leicht abgebaut und damit von Resistenz am stärksten betroffen sind Pyrethroide der sogenannten Klasse II. Dazu gehören alle bisher zur Bekämpfung von Rapsschädlingen zugelassenen Mittel (Bulldock, Decis, Fastac, Fury 10 EW, Karate Zeon, Sumicidin Alpha EC, Trafo WG).
Präparate Trebon 30 EC und Mavrik
Eine bessere Wirksamkeit lassen die Präparate Trebon 30 EC und Mavrik erwarten. Diese Pyrethroide der Klasse I können von den Käfern aufgrund eines etwas veränderten Aufbaus des Wirkmoleküls nicht so leicht entgiftet werden. Jede Anwendung von diesen Präparaten fördert jedoch den Resistenzdruck und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Präparate der Klasse I ihre Wirkung verlieren. Versuche zeigen, dass beide Präparate in Gebieten, in denen schon in 2004 und 2005 Resistenzen auftraten (nördliche Oberpfalz) auch nicht mehr die volle Wirkung bringen. Diese Insektizide sind in dieser Saison zugelassen.
Gefleckter Kohltriebrüssler und Großer Rapsstängelrüssler

Gefleckter Kohltriebrüssler, Großer Rapsstängelrüssler

Großer Rapsstängelrüssler

Großer Rapsstängelrüssler

Larven des Großer Rapsstängelrüsslers

Larven Großer Rapsstängelrüssler

Anwendung
Mit Biscaya, Danjiri und Mospilan SG sind drei Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide zur Bekämpfung des Rapsglanzkäfers und anderer Frühjahrsschädlinge im Raps zugelassen. Das von der Zulassungsbehörde in Deutschland, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als bienenungefährlich eingestufte Insektizid Biscaya (B 4) mit dem Wirkstoff „Thiacloprid“ kann insgesamt zweimal angewendet werden. Die ebenfalls vom BVL als bienenungefährlich eingestuften Insektizide Mospilan SG und Danjiri mit dem Wirkstoff „Acetamiprid“ können einmal angewendet werden.
Erfahrungen
Diese Präparate konnten in den letzten Jahren bereits eingesetzt werden. Dabei zeigte sich, dass die Fraßwirkung bei diesen Produkten neben einer Kontaktwirkung eine große Rolle spielt. Käfer müssen erst an einer Knospe fressen, damit die volle Wirkung eintritt. Somit ergibt sich eine zeitliche Verzögerung, die noch dadurch verstärkt wird, dass nach einem Fraßstopp (Anti-Feeding-Effekt) die Tiere noch einige Zeit auf der Pflanze sitzen, bevor sie absterben und zu Boden fallen. Wer die Zusammenhänge nicht kennt, glaubt schnell, das Mittel habe nicht gewirkt. Mit dem Einstellen der Fraßtätigkeit entsteht jedoch kein weiterer Schaden mehr. Biscaya und Mospilan SG zeigten in unseren Versuchen Wirkungsgrade zwischen 60 bis 80 %. In den allermeisten Fällen wird man damit gut zurechtkommen. Bei massenhaftem und permanentem Zuflug von Rapsglanzkäfern, wie es in manchen zurückliegenden Jahren in Deutschland nicht selten der Fall war, stoßen dieses Insektizid jedoch auch an seine Grenzen.
Weitere zugelassene Insektizide
Seit diesem Jahr ist aus der Gruppe der Oxadiazane das Insektizid Avaunt genehmigt und seit dem Frühjahr 2012 aus der Gruppe der Pyridin-Azomethine das Insektizid Plenum 50 WG. Großer Nachteil bei diesen Insektiziden ist die Bienengefährlichkeit (B 1). Sie können nur vor der Rapsblüte eingesetzt werden und auch nur dann, wenn keine blühenden Unkräuter vorhanden sind. Für die Wirksamkeit ist bei allen Präparaten die Lufttemperatur mitentscheidend. Bei Pyrethroiden sollte die Tagesdurchschnittstemperatur bei 5 bis 15 ° C liegen. Neonicotinoide und Oxadiazine hingegen benötigen mindestens 12 ° C. Da bei der Stängelschädlingsbekämpfung dieser Wert in den meisten Fällen nicht erreicht wird, eignen sich Biscaya und Avaunt zum alleinigen Einsatz zu diesem Termin nicht. Die Wirkungsdauer der Insektizide beträgt 7 bis 10 Tage, hängt jedoch stark vom Pflanzenwachstum ab. Da bei allen Präparaten der Neuzuwachs nicht geschützt ist, kann bei permanentem Zuflug des kleinen schwarzen Käfers auch deutlich früher eine Folgespritzung nötig sein.

Diese Strategie sichert langfristig Erfolg

Es darf nicht aus den Augen verloren werden, dass die Stängelschädlinge (Großer Rapsstängelrüssler, Gefleckter Kohltriebrüssler) besonders zu beachten sind und in vielen Regionen weiterhin in der Wichtigkeit ganz oben stehen. Die Flugaktivitäten beider Schädlinge lässt sich im Frühjahr mit rechtzeitig und sachgerecht aufgestellten Gelbschalen sicher erfassen. Werden die in der Übersicht 3 und 4 aufgeführten Bekämpfungsrichtwerte erreicht, ist eine Insektizidbehandlung aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und notwendig. Zu diesem Zeitpunkt ist in aller Regel auch schon ein Großteil der Rapsglanzkäfer-Population im Rapsschlag. Da die Rapspflanzen noch in der Blattentwicklung sind und noch keine Knospen gebildet haben, werden die kleinen schwarzen Käfer kaum wahrgenommen. Der wirtschaftlich denkende Praktiker wird deshalb darauf achten, ein Insektizid auszuwählen, das sowohl Stängelschädlinge als auch Rapsglanzkäfer ausreichend erfasst. Unter Berücksichtigung der Resistenzsituation kommen in diesem Frühjahr nur Trebon 30 EC für diesen Einsatztermin in Frage. Diese Mittelempfehlung gilt für alle Regionen und Rapsschläge, auch für solche, wo bisher keine Bekämpfungsprobleme beim Rapsglanzkäfer beobachtet wurden. In Gebieten, wo in den letzten Jahren der metallisch glänzende Käfer nur schwer in den Griff zu bekommen war beziehungsweise zu Ertragsverlusten führte, ist die Zumischung der vollen Aufwandmenge von Avaunt oder Plenum 50 WG überlegenswert. Wenn der kleine schwarze Käfer in ausreichendem Maße mit erfasst wird, sind weitere Insektizidbehandlungen nur bei sehr verzetteltem Zuflug oder bei Massenauftreten notwendig, das zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit.
Sind gesonderte Behandlungen wegen Schwellenüberschreitung (Übersicht 3 und 4) des Rapsglanzkäfers notwendig, dürfen nur Mittel ohne Selektionsdruck auf Pyrethroidresistenz zum Einsatz kommen. Dies ist zur Zeit mit Biscaya (max. bis BBCH 59 mit 2 Anwendungen), Mospilan SG und Danjiri (je max. 1 Anwendung), Plenum 50 WG (max. 1 Anwendung) oder Avaunt (max. 1 Anwendung) leicht möglich. Ziel der aufgezeigten und in der Übersicht 5 nochmals dargestellten Strategie ist es, bereits bestehende Resistenzen gegen Pyrethroide nicht weiter zu verstärken, den Insektizideinsatz auf das absolut notwendige Maß zu begrenzen sowie die Wirksamkeit aller Mittel und damit auch den Bekämpfungserfolg langfristig zu sichern. Die Erfahrungen im letzten Jahr haben den Landwirten vor Augen geführt, dass die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus ganz wesentlich von der sicheren Bekämpfbarkeit von Rapsschädlingen abhängt. Die fachliche Qualifikation und das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Rapsanbauers wird in erheblichem Maße mitentscheiden, wie lange die vorhandenen Wirkstoffe genutzt und damit die Schädlingsprobleme zufriedenstellend gelöst werden können.

Was noch beachtet werden muss

Jede unnötige Anwendung von Insektiziden vermeiden. Deshalb Behandlungen nur nach Überschreiten der Schwellenwerte durchführen. Keine Zumischung von Additiven (sogenannten Formulierhilfsstoffen). Diese Mittel können die Wirksamkeit der Insektizide zum Teil erheblich reduzieren. Grundsätzlich dürfen keine Mischungen ausgebracht werden, die im Hinblick auf den Bienenschutz nicht überprüft wurden (Übersicht 6). Der Ausbringungstermin muss exakt stimmen (auf regionale Empfehlung der amtlichen Beratung achten) und die Wasseraufwandmenge darf nicht unter 300 l/ha liegen. Nur mit empfohlener Aufwandmenge und geeigneter Ausbringungstechnik arbeiten sowie auf die Windgeschwindigkeit achten. Keine Behandlung bei Temperaturen über 25 ° Celsius. In diesem Fall möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden ausweichen. Dem Praktiker muss bewusst sein, wird diese Strategie nicht eingehalten, ist damit zu rechnen, dass auch neue Wirkstoffe schneller verbraucht werden als sie „nachkommen“. Auch wenn in dem einen oder anderen Fall die Bekämpfungsmaßnahme teurer ist als in den Vorjahren, so ist dies eine lohnende Investition, um auch zukünftig noch schlagkräftige Präparate zur Verfügung zu haben.

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