Maiswurzelbohrer - ein gefährlicher Schädling im Maisanbau

Weiblicher Maiswurzelbohrer auf einem Maisblatt

Weiblicher Maiswurzelbohrer

Der Mais ist eine Kultur, die von Schädlingen in unseren Anbaugebieten bisher weit weniger gefährdet war als andere. Dies hat sich mit dem erstmaligen Auftreten des Westlichen Maiswurzelbohrers (Diabrotica virgifera virgifera) in Bayern und Baden-Württemberg im Jahre 2007 schlagartig geändert. Seither sorgt der weltweit bedeutendste Maisschädling regelmäßig für Schlagzeilen. Um ihn effektiv bekämpfen zu können, muss man seine Lebensgewohnheiten kennen. Dies gilt insbesondere für die Ernährungsweise der Käfer und seiner Larven, die ihn einigen Regionen zum Umdenken im Maisanbau zwingen werden.

Verbreitung in Nordamerika

Verbreitungsgebiete des westlichen Maiswurzelbohrers in Nordamerika 2012 (Quelle: Purdue University, C.R. Edwards)Zoombild vorhanden

Verbreitungsgebiete des westlichen Maiswurzelbohrers in Nordamerika 2012 (Quelle: Purdue University, C.R. Edwards)

Beim Westlichen Maiswurzelbohrer handelt es sich um einen 5 bis 7 mm langen, gelb bis rostbraun gefärbten Käfer mit dunklen Streifen auf den Flügeldecken. Er ist in Nordamerika weit verbreitet und verursacht dort für die Landwirtschaft jedes Jahr Kosten von mehr als einer Milliarde US-Dollar aufgrund von Ernteausfällen und Aufwendungen für Pflanzenschutzmittel.

Verbreitung in Europa

Verbreitungsgebiete des westlichen Maiswurzelbohrers in Europa 2012  (Quelle: Purdue University, C.R. Edwards)Zoombild vorhanden

Verbreitungsgebiete des westlichen Maiswurzelbohrers in Europa 2012 (Quelle: Purdue University, C.R. Edwards)

Im Jahr 1992 wurde der Schädling erstmals in Europa, in der Nähe des Belgrader Flughafens, beobachtet. Man nimmt an, dass er über den Flugverkehr aus den USA eingeschleppt wurde. Nicht zuletzt wegen der politischen Instabilität zu dieser Zeit in dieser Region wurde er zunächst wenig beachtet. Dies ist vermutlich ein wesentlicher Grund für den rapiden Anstieg der Population in Ex-Jugoslawien und das schnelle Einwandern und Ausbreiten in Südost- und Osteuropa. Bereits im Jahre 1995 traten die ersten Käfer in Ungarn auf. Es folgten 1996 Rumänien und 1998 Bulgarien sowie mit Italien zur damaligen Zeit der erste EU-Staat. Im Jahre 2000 kamen die Slowakei und 2001 die Ukraine hinzu. 2002 waren mit Österreich und Tschechien zwei unmittelbar an Bayern angrenzende Länder betroffen. Polen folgte 2005 und im letzten Jahr hat der Käfer nun auch Deutschland erreicht. Andere Einwanderungswellen erreichten 2001 die Süd-Schweiz und 2002 Frankreich (Flughafen Paris) sowie 2003 die Nord-Schweiz, wiederum Frankreich (Elsass), Großbritannien (Flughafen London), die Niederlande (Flughafen Amsterdam) und Belgien (Flughafen Brüssel). Immer dort, wo die Käfer im Umfeld von internationalen Flughäfen gefunden wurden, ist eine erneute direkte Einschleppung über den Luftverkehr aus den USA naheliegend und in mehreren Fällen durch entsprechende genetische Untersuchungen auch belegt. Da bei den Neueinschleppungen sofort mit entsprechenden Bekämpfungsmaßnahmen reagiert wurde, konnte der Schädling wieder ausgerottet oder zumindest stark zurückgedrängt werden.

Biologische Fakten

Der Westliche Maiswurzelbohrer entwickelt pro Jahr nur eine Generation. Bis zu 500 Eier werden von den Weibchen Ende Juli bis September im Boden abgelegt und überwintern dort. Die Larven erscheinen im Folgejahr ab Anfang Juni und beginnen sofort mit dem Fraß an den Maiswurzeln. Während das erste Larvenstadium noch außen an den Feinwurzeln frisst, bohren sich das zweite und dritte Stadium auch in die Wurzel ein. Die Wasser- und Nährstoffaufnahme sowie die Standfestigkeit der Maispflanze wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Auch kommt es nicht selten zu sekundären Pilz-Infektionen im Wurzelbereich (Wurzelfäule). Darüber hinaus versucht die Pflanze, den stetigen Verlust an Wurzelmasse durch Neubildung zu kompensieren. Dies kostet die Pflanze viel Energie, was wiederum zu Lasten des Aufbaus und der Ausbildung der oberirdischen, ertragsbildenden Pflanzenteile geht. Ist es in dieser Zeit feucht, bleibt der Ertragsausfall aufgrund von Larvenfraß meist unter 30 Prozent. In Jahren mit Frühsommertrockenheit sind unter Starkbefallsbedingungen bis zu 90 Prozent Ertragsverlust durchaus möglich.
Nach einer Verpuppungsphase von etwa einer Woche erscheinen ab Mitte Juli die ersten Käfer in den Maisfeldern. Die Tiere ernähren sich zunächst vor allem von Narbenfäden. Wenn dieser Fraß starke Ausmaße annimmt, ist die Befruchtung beeinträchtigt und es werden keine oder nur wenige Körner im Kolben gebildet. Aber auch der sogenannte Fensterfraß (vergleichbar dem Getreidehähnchen) ist typisch für den Käfer des Maiswurzelbohrers. Später decken die Tiere ihren Nahrungsbedarf an milchreifen Körnern oder an anderen blühenden Pflanzen, insbesondere an Unkräutern. Gegen Ende September wird die Eiablage eingestellt und mit Einsetzen der ersten Fröste sterben die Käfer ab. Weil sowohl die Larven als auch die Käfer schädigen, ist die Maispflanze den Angriffen des Westlichen Maiswurzelbohrers vom Auflauf bis zur Ernte, also über die gesamte Vegetationsperiode ausgesetzt. Zum einen erklärt dies das hohe Schadpotential, das von diesem Insekt ausgeht. Zum anderen wird aber auch ersichtlich, dass unter hohem Schädlingsdruck, wie er etwa fünf Jahre nach Erstauftreten zu erwarten ist, mit chemischen Maßnahmen alleine der Schädling kaum zu kontrollieren ist. Darüber hinaus muss der Insektizideinsatz in Maismonokulturen alle Jahre erfolgen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Maiswurzelbohrer in den USA bisher sehr schnell Resistenzen gegen die eingesetzten insektiziden Wirkstoffe entwickeln konnte. Es gibt keinen Grund, warum dies in Europa nicht ebenso schnell geschehen könnte.
Die einfachste und effizienteste Bekämpfungsmethode, um den Schaden durch den Maiswurzelbohrer gering zu halten, ist der Fruchtwechsel. Grund: Die Eiablage der Weibchen erfolgt im wesentlichen in Maisfeldern und die zu über 99 Prozent im Folgejahr schlüpfenden Larven sind für ihre weitere Entwicklung bis hin zum Käfer auf Maiswurzeln angewiesen. Weil der Rest der Eier eine zweijährige Winterruhe durchläuft ist der zweijährige Verzicht auf den Anbau von Mais anzustreben.
Diabrotica-Käferfunde 2007 und Maisanteil an der Ackerfläche in Bayern 2002Zoombild vorhanden

Diabrotica-Käferfunde 2007 und Maisanteil an der Ackerfläche in Bayern 2002

Keine Schäden durch Wurzelbohrer bei Anbau auf derselben Fläche alle zwei bis drei Jahre
Nach den Erfahrungen in anderen Ländern lässt sich sagen: Landwirte, die auf derselben Fläche nur alle zwei bis drei Jahre Mais anbauen, haben durch den Wurzelbohrer keine nennenswerten Schäden zu befürchten und es sind auch bei etabliertem Befall keine anderen Abwehrmaßnahmen erforderlich. Übertragen auf die bayerische Maisanbausituation bedeutet dies, dass von den 420.000 ha Maisanbaufläche etwa 30.000 ha als stark gefährdet anzusehen sind. Betroffen ist fast ausschließlich das südbayerische Gebiet. Unter diesem Aspekt lassen die aktuellen Fangzahlen in Bayern mit 236 Käfer im Donautal bei Passau sowie mit zwei Käfern im Inntal ebenfalls in der Nähe von Passau nichts Gutes erwarten. In beiden Gebieten wird häufig Mais nach Mais angebaut. Werden unter diesen Bedingungen nicht von Beginn an wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergriffen, ist nach den Erfahrungen aus Südosteuropa bereits nach vier bis fünf Jahren (in Körnermais sogar früher) mit durchschnittlich 10 bis 30 Prozent Ernteausfällen zu rechnen. Ausgehend von diesen Befallsorten kann sich der Schädling nach Berechnungen des Julius-Kühn-Institutes ohne Eingrenzungsmaßnahmen darüber hinaus innerhalb von zehn Jahren über ganz Süddeutschland verbreiten. Andererseits ist aber auch unbestritten, dass eine Etablierung des Westlichen Maiswurzelbohrers in Bayern und Deutschland auf Dauer nicht zu verhindern ist. Dies liegt zum einen daran, dass die für das Überleben und die Vermehrung notwendigen klimatischen Voraussetzungen bei uns sehr günstig sind und zum anderen die aktuelle Ausbreitungszone in Österreich nur rund 85 km vom Raum Passau entfernt ist. Auch das nächstgelegene Tschechische Gebiet mit Käfer-Funden liegt nur rund 90 km von der bayerischen Grenze entfernt. Diese Strecke kann der Schädling nach Beobachtungen auf dem Balkan in ein bis drei Jahren zurücklegen.

Fazit

Die von der EU vorgeschriebenen und von den Bundesländern umzusetzenden Fruchtfolgebeschränkungen und Bekämpfungsauflagen bedeuten für die betroffenen Maisanbauer häufig wirtschaftliche Einbußen. Ihre Höhe ist stark von regionalen und einzelbetrieblichen Voraussetzungen abhängig und lässt sich nicht pauschal nennen. Landwirte, die Mais auf der selben Fläche nur alle zwei bis drei Jahre anbauen, werden von der Einschleppung des Westlichen Maiswurzelbohrers nach Deutschland kaum wirtschaftliche Schäden erleiden und sind somit nur bedingt betroffen.

Entwicklungszyklus westlicher Maiswurzelbohrer

Entwicklungszyklus westlicher Maiswurzelbohrer

Entwicklungsstadien und Befallssymptome des westlichen Maiswurzelbohrers

Bild 1: Käfer beim Fensterfraß

Bild 1: Käfer beim Fensterfraß

Bild 2: Ein Weibchen legt ca. 400 Eier

Bild 2: Ein Weibchen legt ca. 400 Eier

Bild 3: Käfer des Westlichen Maiswurzelbohrers

Bild 3: Käfer des Westlichen Maiswurzelbohrers

Bild 4: Käfer fressen an den Maiskörnern

Bild 4: Käfer fressen an den Maiskörnern

Bild 5: Fraß an Narbenfäden durch den Käfer

Bild 5: Fraß an Narbenfäden durch den Käfer

Bild 6: Maiskolben ohne Körner

Bild 6: Maiskolben ohne Körner

Bild 7: Umgebrochene Maispflanzen infolge von Larvenfraß

Bild 7: Umgebrochene Maispflanzen infolge von Larvenfraß

Bild 8: Das typische „Gänsehals“-Symptom bei Befall

Bild 8: Das typische „Gänsehals“-Symptom bei Befall

Bild 9: Larve des Maiswurzelbohrers

Bild 9: Larve des Maiswurzelbohrers

Bild 10: Maispflanze  versucht durch starke Wurzelneubildung den Fraßschaden der Larven zu kompensieren

Bild 10: Maispflanze versucht durch starke Wurzelneubildung den Fraßschaden der Larven zu kompensieren

Bild 11: Starke Fraßschäden an Maiswurzel

Bild 11: Starke Fraßschäden an Maiswurzel