Forschungsprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Sicherstellung des Kirschanbaus in Bayern

Das Projekt gliedert sich in zwei Teile: Kirschessigfliege Drosophila suzukii, ein gefährlicher Schädling aus Asien: Monitoring und Untersuchungen zur Bekämpfung sowie Verbesserung des Pflanzenschutzes im ökologischen Süßkirschenanbau zur Qualitäts- und Ertragssicherung.

Projektteil A
Kirschessigfliege: Monitoring und Untersuchungen zur Bekämpfung

Überblick

Fliege sitzt auf einer KirscheZoombild vorhanden

Abb. 1: Kirschessigfliege bei der Eiablage

Die aus dem asiatischen Raum eingewanderte Kirschessigfliege Drosophila suzukii stellt eine starke Bedrohung für den gesamten heimischen Obstbau dar. Sie befällt neben Süß- und Sauerkirschen alle weichfleischigen Obstarten und wird als äußerst gefährlicher Schädling eingestuft.
Aufgrund ihrer kurzen Entwicklungszeit und mehrerer Generationen in Folge kann sie sich in der Obstanlage explosionsartig vermehren und einen nahezu vollständigen Ertragsausfall verursachen. Das zeigte sich bereits ab dem Jahr 2009 in Obstanlagen in Spanien, Südfrankreich und Italien. Im Jahr 2014 verursachte die Kirschessigfliege unerwartet hohe Schäden in bayerischen Obstkulturen. Besonders betroffen waren Süß- und Sauerkirschen, Zwetschgen, remontierende Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren sowie Holunder.
Massenvermehrung und Biologie
verfaulte KirschenZoombild vorhanden

Abb. 2: geschädigte Sauerkirschen

Bedingungen für eine Massenvermehrung
Das Schadauftreten bzw. die Massenvermehrung des Schädlings ist sehr von den klimatischen Bedingungen abhängig. Milde, feuchte Verhältnisse fördern die Vermehrung in hohem Maße. Das gilt insbesondere für die Überwinterung der kälteempfindlichen Fliegen, aber auch für die Entwicklungsdauer einer Generation. Frost und trockene Hitzeperioden sind für die Kirschessigfliege tödlich. Eine weitere Bedingung für eine Massenvermehrung sind ein ausreichendes Nahrungsangebot und geeignete Früchte für die Eiablage.
Aufgrund der Fangergebnisse ist davon auszugehen, dass sich die Population in den Obstanlagen, auf der Grundlage weniger Kirschessigfliegen, die den Winter an geschützten Stellen überlebt haben, mit Beginn der Fruchtreife erneut aufbaut. Dies ist insbesondere in Obstanlagen zu beobachten, die nicht oder wenig mit Insektiziden behandelt werden. Ab Juli kann es dann unter günstigen klimatischen Bedingungen zu einem Massenbefall in den Kulturen Süßkirschen, Sauerkirschen, späte Erdbeeren und insbesondere in den Beerenkulturen und bei Holunder kommen.
Biologie
Die Kirschessigfliege Drosophila suzukii gehört zur Familie der Drosophilidae. Sie ist ebenso wie die weltweit verbreitete Art Drosophila melanogaster eine ursprünglich tropische und subtropische Art und in Südostasien beheimatet.
  • Das etwa 2,6 -2,8 mm große Männchen ist leicht an den schwarzen Flecken am hinteren äußeren Rand der Flügel zu erkennen (Abb.: 3).
  • Auffällig an den Weibchen Abb.: 4 (3,2 - 3,4 mm) ist der große Eilegeapparat mit gut ausgebildeten Zähnen (Abb.: 5). Mit diesem kräftigen Legeapparat ist die Kirschessigfliege in der Lage auch in gesunde Früchte ihre bis zu 400 Eier abzulegen.
  • Aus den Eiern schlüpfen nach kurzer Zeit die Larven (Abb.: 6), die sich vom Fruchtfleisch ernähren, bei starkem Befall kann das einen raschen Zusammenbruch der Frucht zur Folge haben (Abb.: 7).
  • Aus der Frucht ragen die Puparien heraus, aus denen die Fliegen schlüpfen (Abb.: 8). Die kurze Entwicklungszeit einer Generation von nur 8 - 14 Tagen ermöglicht bis zu 13 Generationen im Jahr. Die adulten Fliegen überwintern an geschützten Orten.
Fliege

Abb. 3: Männchen

Fliege

Abb. 4: Weibchen

Fliege

Abb. 5: Eilageapparat

Larve

Abb. 6: Larve

Larve

Abb. 7: von den Larven ausgefressene Kirsche

Larve

Abb. 8: Puparien

Ziele Projektteil A

1. Überwachung Verbreitung Kirschessigfliege in den Obstbaugebieten in Bayern und insbesondere im Kirschanbaugebiet in Oberfranken und im Beerenobst sowie Erfassung der Schäden
Eimer mit FliegenZoombild vorhanden

Abb. 9: Kirschessigfliegenfalle

Lösungsansätze:
Das Auftreten der Kirschessigfliege wird in verschiedenen Kulturen und unterschiedlichen Anbaugebieten unter Mitwirkung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und weiterer Versuchsansteller über Fallenfänge erfasst. Die Feststellung der Befallssituation bildet die Grundlage für die Erarbeitung und Planung einer Bekämpfungsstrategie.

Durchführung:
Das Monitoring erfolgt mit Lockstofffallen über einen mehrjährigen Zeitraum. Die Fallen (Abb. 9) werden zu Beginn der Fruchtentwicklung, beginnend mit der Kultur Erdbeeren unter Folie, aufgestellt, im wöchentlichen Rhythmus geleert und die Anzahl der gefangenen Männchen bestimmt. Die Fangergebnisse werden der Obstbauberatung zur Verfügung gestellt.
2. Erforschung von wirksamen Maßnahmen zum direkten Schutz der Früchte von Kirschen und Beerenobst vor der Kirschessigfliege
Lösungsansätze:
Für die Bekämpfung der Kirschessigfliege in Kirschen und im Beerenobst sind wirksame Insektizide erforderlich, die sowohl die Fliege als auch das Ei und die Larve in der Frucht erfassen. Für den Kirschanbau wäre es wünschenswert, wenn mit der Bekämpfung der Kirschfruchtfliege auch die Kirschessigfliege erfasst werden könnte. Der Vorteil liegt in der Reduktion von Pflanzenschutzmittelrückständen, so wie sie der Lebensmitteleinzelhandel von den Erzeugern fordert.

Durchführung:
Im Rahmen dieses Projektes werden in Laborversuchen verschiedene Wirkstoffe gegenüber der Kirschessigfliege getestet. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse werden Freilandversuche in Kirschanlagen und im Beerenobst durchgeführt, um zu überprüfen, ob sich die Wirksamkeit auch in der Praxis bestätigt.

Projektteil B
Verbesserung des Pflanzenschutzes im ökologischen Süßkirschenanbau zur Qualitäts- und Ertragssicherung

Überblick

Trotz hoher Nachfrage nach ökologisch erzeugten Süßkirschen spielt der ökologische Anbau von Süßkirschen in Bayern und insbesondere im oberfränkischen Kirschanbaugebiet mit 60 Prozent der bayerischen Gesamtproduktion nur eine untergeordnete Rolle. Der Anteil nach der EG-Öko-Basisverordnung produzierenden Kirschanbauer liegt weit unter einem Prozent der ca. 2000 Kirschanbauer in diesem Anbaugebiet. Dabei bietet die ökologische Süßkirschenproduktion aufgrund der hohen Ertragserlöse eine gute Chance für die Obstbaubetriebe. Der Markterlös für ein Kilogramm ökologisch erzeugter Süßkirschen lag nach Auskunft des Lebensmitteleinzelhandels für den Erzeuger im Jahr 2015 zwischen 5,50 Euro und 6,00 Euro.

Ziel Projektteil B

Weitestgehende und umfassende Lösung der Pflanzenschutzprobleme, um den ökologischen Kirschanbau auf eine wirtschaftlich sichere Ertragsbasis zu stellen
Lösungsansätze:
Zur Regulierung der Kirschfruchtfliege und von Pilzkrankheiten gibt es zwei Schwerpunkte.
Optimierung in der Anwendung der im Anhang II der EG-Öko-Basisverordnung (EG) Nr. 834/2007 gelisteten Wirkstoffe und Erprobung neuer Ansätze, soweit sie den Anspruch des ökologischen Anbaus entsprechen.

Durchführung:
In einer Kirschenversuchsanlage und in Praxisbetrieben werden verschiedene Pflanzenschutzstrategien und Pflanzenschutzmittel gegen die Kirschfruchtfliege und verschiedene pilzliche Erkrankungen geprüft.
Netze um KirschbäumeZoombild vorhanden

Abb. 10: Umnetzte Kirschanlage

Zur gemeinsamen Abwehr von Kirschessigfliege und Kirschfruchtfliege wird als mechanisch-technische Maßnahme die Wirkung der Abnetzung einer Kirschanlage erprobt. Dieses Verfahren soll auch für den konventionellen Anbau geprüft werden.
Durchführung:
Eine Alternative zum Einsatz von Spritzmitteln im ökologischen (und konventionellen) Kirschenanbau stellt die Anwendung eines technischen Schutzsystems dar (Abb. 10). Dazu wird eine 5 m hohe, feinmaschige Netzwand um eine Kirschenanlage im Obstinformationszentrum Fränkische Schweiz errichtet. Das Auftreten der Kirschessigfliege außerhalb und innerhalb der Umnetzung und das Befallsausmaß der Früchte werden erfasst.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. Wolfgang Kreckl
Projektbearbeitung: Karlheinz Geipel
Laufzeit: 01.05.2013 bis 31.12.2017
Forschungsvorhaben: A/13/13 und A/16/09