Ein Neuzuwanderer steht vor Gartentür - Oder ist er schon da?

Wanze

Erwachsene Marmorierte Baumwanze Halymorpha halys, Foto: Dr. Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

Auftreten der Marmorierten Baumwanze (Halymorpha halys) in Bayern

Die Marmorierte Baumwanze breitet sich aus Südostasien kommend kontinuierlich über Europa aus. Sie hat einen sehr großen Wirtspflanzenkreis. In Bayern sind bisher nur wenige Fundstellen bekannt.

Heimat

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt in Ostchina, Japan und Korea. Von dort aus ist sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach den USA und Kanada eingeschleppt worden. In Europa wurde sie bereits 2004 nachgewiesen.

Vorkommen

Die Marmorierte Baumwanze breitet sich in Deutschland immer stärker aus. Erstmals wurde sie im Jahr 2012 in Konstanz am Bodensee gefunden. Zwischenzeitlich hat sie sich über weite Teile Südwestdeutschlands ausgedehnt und tritt dort häufig in dichten Siedlungsgebieten auf. Aber auch aus Berlin wurden Funde gemeldet. Es gibt keine klare Ausbreitungsfront, sondern eher punktförmige Befallsherde, die sich örtlich ausweiten. In Bayern sind bisher nur bestätigte Einzelfunde vom Bodensee und aus München bekannt.

Aussehen und Unterscheidung zu anderen Wanzen

zwei Käfer nebeneinanderZoombild vorhanden

Marmorierte links - Graue Gartenwanze rechts, Foto: Dr. Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

Die Marmorierte Baumwanze gehört zur Gruppe der Baumwanzen, die auch als Stinkwanzen bekannt sind. Auf den ersten Blick ähneln sie „breitschultrigen“ Käfern, haben aber einen für Wanzen typischen Saugrüssel. Sie können leicht mit der heimischen Grauen Gartenwanze (Rhapigaster nebulosa) verwechselt werden. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede, die die Bestimmung vereinfachen. So hat die Marmorierte Baumwanze auf dem Schildchen zwischen den Flügeln (das auch Scutellum genannt wird) bis zu fünf helle Flecken, die bei der Grauen Gartenwanze fehlen. Das transparente Flügelende ist bei der Marmorierten Baumwanze dunkel gestreift, bei der Grauen Gartenwanze dagegen gepunktet. Die Bauchunterseite ist deutlich heller als bei der Grauen Gartenwanze, bei der sie schwarz gepunktet ist.

Lebensweise

Eier auf einem BlattZoombild vorhanden

Eigelege mit unterschiedlichen Nymphenstadien, Foto: Dr. Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

Bei Temperaturen unter 9°C und abnehmender Tageslänge wandert die Marmorierte Baumwanze in ihre Winterquartiere. Sie überwintert als vollentwickeltes Insekt in Ritzen und Spalten in Häusern oder Schuppen und unter der Baumrinde.
Bei Temperaturen über 10°C verlässt sie im Frühjahr ihre Überwinterungsplätze und beginnt mit der Nahrungsaufnahme. Ab Mitte Mai paaren sich die Wanzen, und die Weibchen legen ihre kleinen Eigelege (20-30 Stück) auf der Blattunterseite ab. Daraus schlüpfen die ersten Larven. Sie durchlaufen bis zum erwachsenen Tier 5 Entwicklungsstadien.
GrafikZoombild vorhanden

Entwicklungszyklus im Jahresverlauf, Foto: Dr. Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

Ab Mitte bis Ende Juli können dann die erwachsenen Tiere auf ihren Wirtspflanzen gefunden werden und beginnen dort mit ihrer Saugtätigkeit. In Deutschland gibt es eine Generation pro Jahr. In sehr warmen Regionen kann sich auch eine zweite Generation entwickeln. (In ihrer natürlichen Heimat können bis zu sechs Generationen beobachtet werden). Im Herbst, wenn die Tage wieder kürzer werden, suchen sich die Tiere dann wieder einen geeigneten, geschützten Überwinterungsplatz. Dabei können sie in Wohngebieten in Massen an Hauswänden auftreten und damit zu Lästlingen werden.

Wirtspflanzen und Schaden

einige Äpfel an einem BaumZoombild vorhanden

Begehrte Wirtspflanze: Äpfel, Foto: Dr. Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

Die Marmorierte Baumwanze hat mit über 300 Wirtspflanzen, von denen auch sehr viele bei uns heimisch sind, einen sehr großen Wirtspflanzenkreis. Dazu gehören u.a.
im Obstbau: Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Himbeeren
im Gemüsebau: Tomaten und Paprika
im Zierpflanzenbau: Sommerflieder, Rosen, Geißblatt, Wilder Wein und verschiedene Gehölze wie z.B. Ahorn, Platane oder Weide
Saugschäden an den Früchten (z.B. bei Äpfeln oder Birnen) sind oft an dunkel eingefallenen braunen Stellen zu erkennen. Bei reifenden Früchten können sich nekrotische Flecken im Fruchtfleisch bilden, da durch die Saugtätigkeit Gewebezellen zerstört werden. Bei Tomaten und Paprika finden sich an den Einstichstellen Aufhellungen in der Schale, die oft schwammig ausgebildet sind und später nekrotische Flecken bilden.

Natürliche Feinde

In ihrer asiatischen Heimat kommen verschiedene natürliche Feinde vor, wie z.B. Schlupfwespenarten, die die Eier parasitieren und den Bestand der Marmorierten Baumwanze damit erfolgreich reduzieren. In Europa sind bis jetzt nur wenige natürliche Feinde bekannt, die einen Befall aber nicht in ausreichendem Umfang eindämmen.

Wir brauchen Ihre Hilfe

Lupe mit Marmorierter Baumwanze
Um einen Überblick über einen eventuellen Befall in Bayern zu erhalten, brauchen wir Ihre Mithilfe. Wenn Sie in Ihrem Garten Marmorierte Baumwanzen finden, senden Sie uns davon ein Bild (wenn möglich die Wanze von oben und unten) oder noch besser schicken Sie uns ein Exemplar mit Angabe der Fundstelle. Die Wanzen bitte in ein bruchsicheres Behältnis (z.B. eine kleine Plastikdose) einpacken. Keine Angst, sie stechen und beißen nicht, können aber bei einer gefühlten Bedrohung einen üblen Geruch ausströmen, daher auch der Name Stinkwanze.

Kontakt
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenschutz IPS 3d
Kreuzbreite 4
85354 Freising
E-Mail: ips@lfl.bayern.de

Mit Ihrer Hilfe leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Erfassung der Verbreitungsgebiete der Marmorierten Baumwanze in Bayern.