Fachtagung "Alternative Unkrautmanagementverfahren für Wege und Plätze im kommunalen Bereich"

Straßenrand

Foto: Jakob Maier

Geht es auch ohne Chemie?

Das Institut für Pflanzenschutz der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft hat im Oktober 2017 in Triesdorf die Fachtagung "Alternative Unkrautmanagementverfahren für Wege und Plätze im kommunalen Bereich" veranstaltet.
Die Unkrautbekämpfung auf befestigten Wegen und Plätzen stellt die Kommunen vor eine anspruchsvolle Aufgabe. So muss beispielsweise die Bausubstanz von Wegen und Plätzen erhalten und die Verkehrssicherheit gewährleistet werden. Die Bürgerinnen und Bürger akzeptieren die chemische Unkrautbekämpfung - für die immer eine Ausnahmegenehmigung erforderlich wäre - kaum mehr, erwarten aber dennoch saubere, unkrautfreie Gehwege.
Im Rahmen dieser Tagung wurden deshalb verschiedene alternative Maßnahmen zur Flächenpflege vorgestellt.
Zielgruppe
Die Tagung richtete sich an Verantwortliche für das Vegetationsmanagement in Städten und Gemeinden, an Dienstleister sowie an Vertreter relevanter Verbände und andere Interessierte.

Zusammenfassung der Vorträge

Richtlinie 2009/128/EG über einen Aktionsrahmen zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden („EU-Pestizidrichtlinie“)

Dr. Helmut Tischner, Institut für Pflanzenschutz
Die mit der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln verbundenen Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sollen verringert und die Anwendung des integrierten Pflanzenschutzes sowie alternativer Methoden und Verfahren im nichtchemischen Bereich sollen gefördert werden.

Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (§ 4 Pflanzenschutzgesetz) - Maßnahmen für Nichtkulturland

Dr. Helmut Tischner, Institut für Pflanzenschutz

  • Leitlinie der Pflanzenschutzdienste der Länder
    Einheitliche Kriterien für die Genehmigung von Anträgen auf eine Ausnahmegenehmigung zur Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel (August 2016)
  • Stärkere Berücksichtigung vorbeugender Maßnahmen bei Planung und Bau
  • Schulungskonzepte zur Optimierung der Sachkunde über alternative Möglichkeiten

Pflanzenschutzrechtliche Vorgaben zur Unkrautbekämpfung

Jakob Maier, Institut für Pflanzenschutz
Unkraut auf befestigten Wegen und Plätzen darf nicht mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden! Das Verbot gilt für öffentliche Wege und Plätze, also auch in Parkanlagen, auf Friedhöfen, Golfplätzen usw. ebenso, wie auch für private Wege und Plätze, z. B. Garagenzufahrten und Hofflächen!
Um dem Verbot genügend Nachdruck zu verleihen, hat der Gesetzgeber in § 68 „Bußgeldvorschriften“ des Pflanzenschutzgesetzes bereits drastische Bußgelder festgelegt.

Für die Pflege kommunaler Flächen müssen in den Kommunen individuelle Pflegekonzepte erarbeitet werden! Die Strategie muss lauten:

  1. Vorbeugen – z. B. durch bauliche Maßnahmen.
  2. Toleranz – Unkraut stört nicht immer und überall.
  3. Alternative Unkrautbekämpfungsverfahren anwenden!

Unkrautentwicklung im Siedlungsbereich

Klaus Gehring, Institut für Pflanzenschutz
Im Siedlungsbereich wird die Vegetation der Kulturlandschaft durch eine gezielte Ziervegetation ersetzt. Die Natur hat allerdings das Bestreben, diesen Lebensraum wieder zurückzuerobern.
Als Unkraut gelten Pflanzen, die entweder unerwünscht sind, die Optik stören, Schäden und Kosten verursachen, die Sicherheit beeinträchtigen oder ein Gesundheitsrisiko darstellen.
Art und Intensität einer natürlichen Vegetationsentwicklung hängen ab von der Quantität und Qualität der verfügbaren Wachstumsfaktoren sowie den spezifischen Ansprüchen und der Stresstoleranz der jeweiligen Pflanzenarten.
Städte und Siedlungen bieten sehr unterschiedliche Pflanzen-Lebensräume mit spezifischen Pflanzen-Gesellschaften. Spezielle Pflanzengesellschaften werden hervorgerufen durch die Nutzung der Flächen: z. B. Trittvegetation auf Wegen und Plätzen, „Pflasterfugenflora“, Vegetation auf Fuß- und Fahrradwegen, Mikrohabitate um Baumscheiben, wenig genutzte Bereiche als Entwicklungschance für Spontan-Flora.
Stadt- und Siedlungsgebiete sind in der Regel wesentlich artenreicher als das Umland, haben eine deutlich höheren Anteil an seltenen und gefährdeten Arten, sind allerdings auch Brennpunkte für das Auftreten von Neophyten.

Geräte zur alternativen Bekämpfung von unerwünschten Pflanzen auf Wegen und Plätzen

Werner Heller, Institut für Pflanzenschutz
Es gibt vielerlei Gründe unerwünschte Pflanzen auf Wegen und Plätzen zu entfernen. Im städtischen Bereich ist der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln meistens nicht erlaubt. Deshalb ist hier der Einsatz von alternativen Bekämpfungsmethoden zur Beseitigung von Wildkrautbewuchs von großer Bedeutung.
Neben den rein mechanischen Bekämpfungsverfahren gibt es dafür auch eine Vielzahl an thermischen Verfahren, welche geeignet sind unerwünschten Bewuchs auf Wegen und Plätzen zu entfernen und nachhaltig zu verhindern. Die dafür verfügbaren Geräte und Methoden haben Vor- und Nachteile und sind für unterschiedliche Verwendungszwecke geeignet.
Eine Wildkrautbeseitigung ohne chemische Herbizide ist möglich, erfordert aber häufig ein umfassendes Gesamtkonzept, welches bereits schon bei der Anlage von Wegen und Plätzen berücksichtig werden sollte. Vielfach muss bei der Anwendung alternativer Bekämpfungsverfahren mit einem erhöhten Zeit- und Kostenaufwand gerechnet werden.

Ansprechpartnerin
Andrea Lenz
Tel.: 08161 71-5184
E-Mail: IPS-1a@lfl.bayern.de