Unkrautkontrolle im Anbauverfahren Mais und Grasuntersaat

Grasuntersaat im Mais mit Rotschwingel

Grasuntersaat im Mais mit Rotschwingel

Die Ein- bzw. Untersaat von Gräsern in Mais hat sich bisher vor allem in Norddeutschland etabliert, um die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit von teilweise intensiven Mais-Fruchtfolgen zu verbessern.
Die mit Grasuntersaat angestrebten Nutzeffekte sind eine Verbesserung der Bodenstruktur und Humusbilanz, eine erhöhte Agrobiodiversität durch die ganzflächige und überwinternde Begrünung. Als eine Art Nebeneffekt kann die Befahrbarkeit der Maisflächen zur Ernte verbessert und die Straßenverschmutzung reduziert werden. Die Nährstoff- und insbesondere Stickstoffzurückhaltung der Begrünung über das Winterhalbjahr ist ein aktiver Beitrag für den Gewässer- und Grundwasserschutz. Die Winterbegrünung steht Wildtieren als Futterfläche zur Verfügung. Abgeerntete grüne Maisflächen sind ein neuer Aspekt im Landschaftsbild und fördern gegebenenfalls das Image des Maisanbaus. Die agroökologischen Effekte der Grasuntersaat werden als „Greening-Maßnahmen“ mit dem Faktor 0,3 anerkannt. Hierdurch nimmt aktuell das Interesse an Grasuntersaaten im Maisanbau bundesweit zu.
Für die Etablierung der Grasuntersaaten fallen neben den Saatgutkosten zusätzliche Arbeitsmaßnahmen für die Einsaat an. In der Unkrautkontrolle muss der Herbizideinsatz hinsichtlich Mittelauswahl, der Aufwandmenge und dem Anwendungstermin an die Untersaat angepasst werden. Um eine ausreichende Verträglichkeit für die Gräser zu gewährleisten, ist das einsatzfähige Wirkstoffspektrum begrenzt. Häufig wird ein zusätzlicher Behandlungstermin bzw. eine Herbizidbehandlung im Spritzfolgeverfahren erforderlich. Als Konsequenz der Schonung der Grasuntersaat werden die Möglichkeiten der eigentlichen Ungrasbekämpfung und die Regulierung von Problemunkräutern (z.B. Storchschnabel-Arten) eingeschränkt. Die Unkrautunterdrückung durch Grasuntersaat selbst kann nicht in allen Fällen die systembedingte Minderwirkung der einsatzfähigen Herbizide kompensieren.
Generell hängt der Erfolg von Grasuntersaaten von einer ausreichenden und regelmäßigen Wasserversorgung ab. Trockengebiete mit Jahresniederschlägen von weniger als 600 mm sind für dieses Anbauverfahren nicht geeignet. Unter Trockenperioden ist eine Nährstoff- und Wasserkonkurrenz zwischen Grasuntersaat und der Kultur Mais nicht ausgeschlossen.
Der Aufwand und die Anforderungen an ein standortgerechtes Anbauverfahren mit der Untersaat von Weidelgras- oder Schwingel-Arten ist somit eine nicht unerhebliche Herausforderung an das Produktionsmanagement im Maisanbau. Die möglichen positiven Effekte im Bereich der Agrarökologie und der Nährstoffrückhaltung sind gemeinwohlwirksame Beiträge für den Umwelt- und Gewässerschutz.

Untersaaten mit Weidelgäsern

Deutsches und Welsches Weidelgras verfügen über eine rasche und wüchsige Jugendentwicklung. Um die dagegen zögerliche Entwicklung des Mais nicht zu behindern, ist erst eine späte Einsaat ab ca. 50 bis 70 cm Bestandeshöhe möglich. Hierfür können pneumatische Düngerstreuer oder die Ausbringung mit Gülle im Schleppschlauchverfahren genutzt werden. Um die Untersaat zu schonen, ist ein möglichst großer zeitlicher Abstand zwischen dem Herbizideinsatz und der Einsaat notwendig. Für eine boden- und blattaktive Behandlung ist eine Trennung zwischen dem Einsatz des Bodenherbizids und der Anwendung der blattaktiven Herbizide erforderlich. Pendimethalin weist eine relativ gute Weidelgras-Verträglichkeit auf. Die Anwendung kann mit bis zu 1.600 g/ha im Vorauflauf bis sehr frühen Nachauflauf (BBCH 10-11) erfolgen. Für eine zusätzliche Gräserwirkung, z. B. gegen Rispen-Arten, kann Terbuthylazin mit maximal 300-400 g/ha im frühen Nachauflauf (BBCH 11) verwendet werden. Für eine blattaktive Unkraut- und Ungrasbehandlung können Triketone (Mesotrione, Tembotrione) und Sulfonylharnstoffe (Nicosulfuron) mit 50 bis maximal 66 % der Standardaufwandmenge im frühen Nachauflauf (BBCH 12-13) angewendet werden. Ergänzungen mit rein dikotyl-wirksamen Herbiziden (Bromoxynil, Dicamba, Prosulfuron, Tritosulfuron) sind möglich. Mit einem Abstand von mindesten zwei bis drei Wochen kann die Weidelgras-Untersaat mit 15-20 kg/ha folgen.

Untersaaten mit Schwingel-Arten

Rot- oder Schafschwingel entwickelt sich als Untersaat in Mais relativ zögerlich. Um eine ausreichende Begrünung nach der Ernte bis über das Winterhalbjahr zu erreichen, muss die Einsaat zeitgleich mit der Maissaat erfolgen. Beim Herbizideinsatz ist daher eine direkte Verträglichkeit für den Schwingel notwendig. Die einsatzfähige Wirkstoffpalette im Nachauflaufverfahren (BBCH 12-14) beschränkt sich daher auf Pendimethalin, Mesotrione, Sulcotrione und weitere, rein dikotyl-wirksame Herbizide.

Nachbehandlung der Begrünung

Für die Etablierung der Folgefrucht muss die Winterbegrünung umgebrochen werden. Ein rein mechanischer Umbruch durch eine Bodenbearbeitung, auch durch einen Pflug-Umbruch, ist nicht ausreichend, weil hierdurch eine sichere Beseitigung und damit die Verhinderung der Samenbildung der Gräser nicht möglich ist. Um eine Etablierung, Vermehrung und Ausbreitung der Gräser als zusätzliche Ungräser in der Fruchtfolge sicher zu vermeiden, ist eine Behandlung mit Glyphosat nach dem Vegetationsbeginn im Frühjahr unverzichtbar. Für den Einsatz gegen Weidelgräser ist ein Wirkstoffaufwand von 1.000-1.200 g/ha ausreichend. Schwingel-Arten benötigen den Einsatz von 1.500-1.800 g/ha. Aufgrund dieser Aufwuchsbehandlung ist ein Anbau der Folgekultur auch im Mulch- oder Direktsaatverfahren möglich.
Stand: März 2018

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