Winterweizen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Winterweizen-Feldbestand während der Blüte

Auch beim Weizen zeigten sich heuer - wie bei den anderen Getreidearten - deutliche Ertragsunterschiede. Auf besseren Böden reichte das pflanzenverfügbare Wasser aus, um Höchsterträge von über 110 dt/ha zu produzieren. Weniger tiefgründige Böden enttäuschten aber häufig mit sehr schwachen Erträgen deutlich unter 60 dt/ha. Der mittlere bayerische Winterweizenertrag lag mit 72 dt/ha nur knapp unter dem zehnjährigen Mittel von 74 dt/ha.

Bei dem ausbleibenden Regen auch zur Ernte waren Auswuchs und niedrige Fallzahlen kein Problem. Gegenüber dem zehnjährigen Mittel zeigten die eingegangenen Proben einen leicht erhöhten durchschnittlichen Proteingehalt. Neben den etwas geringeren Erträgen, war es die gute Erschließung des Bodens durch die Wurzeln, die zu einer guten Stickstoffaufnahme geführt hat - zumindest solange Bodenwasser verfügbar war. In Gegensatz zum Norden Deutschlands war es in Bayern immer warm, hatte aber im Mai und Juni selten über 30 °C. Die ersten Weizenbestände in Regionen mit Trockenschäden gingen dann in der ersten Juliwoche bereits vom Feld. Trotz mancher Niederschläge zur Blüte des Weizens konnte nur selten ein stärkerer Befall mit Ährenfusarium beobachtet werden. Insgesamt stellt sich die Situation bezüglich des Mykotoxins Deoxynivalenol (DON) entspannt dar. Braunrost trat in Franken in stärkerem Maße auf. Fungizidmaßnahmen nach dem Erscheinen des Fahnenblatts genügten aber häufig zur Bekämpfung. Der Weizen ging nur vereinzelt nach starken Gewittern ins Lager.

Landessortenversuche

Die bayerischen Landessortenversuche wurden an 13 Standorten mit 27 Sorten im Hauptsortiment gesät und geerntet. Der Versuch in Bieswang wurde nicht in die Auswertung einbezogen, da die Hälfte des Bestandes durch Nachschosser gebildet wurde. Die Erträge variierten innerhalb einer großen Spannweite zwischen 51 dt/ha in Greimersdorf und 113 dt/ha in Günzburg in der intensiven Stufe.
Standfestigkeit und Krankheitsanfälligkeit
Die intensive Stufe 2 wird entsprechend der ortsüblichen Produktionstechnik mit Wachstumsregler- und Fungizideinsatz durchgeführt. In der extensiven Stufe 1 wird nur an einem Teil der Versuchsstandorte einmalig Wachstumsregler in verringerter Aufwandsmenge eingesetzt, um Totallager zu vermeiden und die Auswertbarkeit des Versuches sicherzustellen. Ansonsten wird auf weitere Wachstumsregler und Fungizide verzichtet.
Im Durchschnitt aller Versuche wurde ein Ertragsniveau von 85 dt/ha erzielt. Bei anhaltend trockener Witterung blieb der Weizen in den Versuchen sehr lange gesund. Später setzte sich vor allem in Franken starker Braunrostbefall durch. Dieser führte in Arnstein (Unterfranken) zu Ertragsschäden von über 30 dt/ha in der extensiven Stufe ohne den Schutz durch Fungizide. Obwohl der Braunrost meist erst später auftritt, kann er doch bei günstigen Bedingungen und sehr anfälligen Sorten die Blätter sehr schnell zerstören. Innerhalb des Sortiments gibt es eine breite Variation in der Anfälligkeit. Schon eine mittlere Resistenzausprägung verlangsamt die Dynamik der Befallsentwicklung deutlich. Blattseptoria war heuer nur in sehr geringem Maße vorhanden und Ährenfusarium trat nur in Günzburg in der extensiven Stufe auf.
Säulendiagramm Braunrostanfälligkeit der WW SortenZoombild vorhanden

Braunrostanfälligkeit der Winterweizensorten

Neue virulente Braunrostrassen
Die Zusammensetzung der Braurostpopulation hat sich offensichtlich verändert. Einige Sorten zeigten sich für die Braunrostrassen, die heuer in Bayern vorherrschten, deutlich anfälliger. In der Grafik ist der Mittelwert der Bonituren von neun Standorten für die einzelnen Sorten dargestellt, die im Landessortenversuch geprüft wurden. Julius wurde bisher mit einer geringen bis mittleren Anfälligkeit beschrieben. Die aktuellen Bonituren lassen jetzt auf eine hohe Anfälligkeit schließen. Auch LG Initial und Expo konnten den neuen Rassen weniger entgegensetzen. Kerubino hielt seine nur mittlere Anfälligkeit. Beryll, RGT Sacramento und Asory blieben nahezu befallsfrei. Für die epidemieartige Ausbreitung benötigt der Braunrost höhere Temperaturen als der Gelbrost. Sorten mit einer hohen Anfälligkeit für Braunrost müssen ab dem Erscheinen des Fahnenblatts besonders intensiv beobachtet werden.

Grafik in Detailansicht pdf 126 KB

Wirtschaftlichkeit der Pflanzenschutzmaßnahmen
An Standorten mit geringem Krankheits- und Lagerdruck waren die zusätzlichen Pflanzenschutzmaßnahmen in den Intensivvarianten des Sortenversuchs kaum wirtschaftlich. Bei starkem Braunrostbefall waren Fungizide zur Sicherung des Ertrages bei anfälligen Sorten unumgänglich. Die Mehrkosten der intensiven Stufe lagen zwischen 70 und 200 €/ha. Aber im Schnitt aller Sorten, der anfälligen und der resistenten, konnte nur ein Mehrertrag von 9 dt/ha und damit ein Mehrerlös durch die intensiveren Pflanzenschutzmaßnahmen von unter 40 €/ha erzielt werden. Dabei werden die Ausbringungskosten pro Anwendung mit weniger als 5 €/ha sehr knapp kalkuliert.
Resistente Sorten zeigen auch in der mehrjährigen Berechnung eine gute Wirtschaftlichkeit der extensiven Stufe. Was bedeutet dies für die Praxis? Gute Resistenzen und eine gute Standfestigkeit eröffnen einen großen Spielraum für die Bestandesführung. Erste Krankheitssymptome führen nicht so schnell zur Ausbreitung der Krankheit. Das Befallsgeschehen und die Witterungsprognose müssen dann weiter verfolgt werden. Oft genügt eine Behandlung auf das Fahnenblatt. Teure Pflanzenschutzmaßnahmen können eingespart werden, die Anzahl der Überfahrten kann vermindert werden und auch der Druck zur zeitgerechten Erledigung sinkt.
Sortenwahl
Die Vegetationsperioden verlaufen meist sehr unterschiedlich. So war heuer wieder ein Jahr, das sich extrem von den Vorjahren unterschied. Die mehrjährige Prüfung und Verrechnung der Sortenleistung liefern den besten Schätzwert für das nächste im Witterungsverlauf noch völlig unbekannte Jahr. Die staatlichen Landessortenversuche, insbesondere die regionalen Sortenempfehlungen, bieten eine Hilfestellung bei der Sortenwahl. Grundsätzlich sind Ertragsleistung und -stabilität wichtige Entscheidungskriterien. Unabhängig von der Produktionsrichtung sollte Wert gelegt werden auf Standfestigkeit, Resistenz gegenüber Rostkrankheiten, Blattseptoria und Ährenfusarium sowie auf ein Mindestmaß an Winterhärte.