Sommergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommergerstenähren im Feldbestand

Sommergerste erfreute sich heuer wieder steigender Beliebtheit in Bayern. Nachdem die Fläche im Vorjahr mit rund 90 000 ha einen historischen Tiefststand erreichte, stieg der Anbau in diesem Jahr auf knapp 99 000 ha an. Trotz dieser Ausweitung hat die Bedeutung des Sommergerstenanbaus innerhalb der letzten Jahrzehnte stark abgenommen. Noch vor zwanzig Jahren stand etwa doppelt so viel Sommergerste auf den Feldern.
Deutschlandweit bewegte sich die Anbaufläche heuer mit 340 000 ha auf ähnlich niedrigem Niveau wie 2016.

Die Praxiserträge, die von 115 zufällig in Bayern ausgewählten und jährlich wechselnden Schlägen ermittelt werden, lagen heuer im Schnitt bei 54 dt/ha und damit im Bereich des Fünfjahresmittels, aber etwas höher als 2016. Von diesen Probefeldern werden auch die Proteingehalte bestimmt. Mit durchschnittlich 11,4 % waren die Werte hoch. Um rund 0,8 % wurde das Vorjahresergebnis wie auch das mehrjährige Mittel übertroffen. Ohne Preisabzüge wird in der Regel Ware mit einem Proteingehalt bis maximal 11,5 % vom Handel akzeptiert. Heuer konnte rund 1/3 der Partien, und damit deutlich mehr als in den letzten Jahren, diese Anforderungen nicht erfüllen. Von Mälzern und Brauern ist ein Gehalt zwischen 9,5 bis 11,5 % erwünscht. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurde die Untergrenze bei der diesjährigen Ernte nur selten unterschritten. Sehr gut war 2017 die Sortierung. Mit einem Vollgerstenanteil (> 2,5 mm) von 95 % wurde der mehrjährige Schnitt (88 %) klar übertroffen.

Sorten - Anbauanteil

In Bayern dominierte in den letzten Jahren die Sorte Grace, wobei sie 2017 mit einem Flächenanteil von 26 % erneut etwas an Bedeutung verlor. Solist konnte ihren Anbauanteil dagegen auf 20 % steigern. Marthe (16 %) gefolgt von RGT Planet (13 %), Catamaran (12 %) und Avalon (9 %) folgten auf den weiteren Plätzen. Ältere Sorten wie Steffi (2 %) halten sich seit langem in der Praxis. Sie werden in der Regel im Vertragsanbau erzeugt und aufgrund ihrer niedrigeren Erträge besser bezahlt.
Zwischen Nord- und Südbayern unterschied sich das Sortenspektrum heuer deutlich. Während in Franken Solist gefolgt von RGT Planet die größte Bedeutung hatte, waren in Südbayern und der Oberpfalz Grace und Marthe vorherrschend. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Abnehmer in Süden zum Teil andere Sorten bevorzugen als im Norden.

Landessortenversuche

Rentabilität des Mitteleinsatzes

Die Landessortenversuche (LSV) standen heuer an sieben Orten in Bayern. Alle Sorten wurden in einer extensiven Stufe (ohne Fungizide, ohne/wenig Wachstumsregler) und einer intensiven Stufe, die Fungizide und Wachstumsregler nach Bedarf erhielt, geprüft. In den optimal geführten Varianten konnten im fünfjährigen Mittel 7 dt/ha mehr geerntet werden. Während im Vorjahr die Intensitätssteigerung aufgrund des starken Krankheitsdrucks an allen Versuchsorten lohnend war und hohe Mehrerträge von im Schnitt 15 dt/ha brachte, rentierte sich der Mehraufwand heuer selten. Ertragssteigerungen von lediglich 2 dt/ha wurden im Mittel gemessen. Die vielerorts von Mitte Mai bis Ende Juni herrschende Trockenheit hatte für einen geringen Befall mit Pilzkrankheiten gesorgt.
Die Intensitätssteigerung geht in der Regel auch mit einer Verbesserung der Qualität einher. Im Mittel der Jahre 2013 bis 2017 konnte hierdurch der Vollgerstenanteil von 86 auf 92 %, das Hektolitergewicht um 1,4 kg und das Tausendkorngewicht (TKG) um 3 g gesteigert werden.

Sortenempfehlung

In die Empfehlung kommt eine Sorte erst nach intensiver mehrjähriger Prüfung im LSV. Diese objektiven und neutralen Versuche stellen sicher, dass letztlich die beste Qualität beim Endverbraucher ankommt. Neben dem Ertrag und den Anbaueigenschaften wird bei der Sortenauswahl auch Wert auf eine gute Malz- und Brauqualität der Sorte gelegt. Die Bewertung der Qualität wird dabei von der Sortenkommission des Vereins zur Förderung des Bayerischen Qualitätsgerstenbaues vorgenommen. Die Beurteilung der agronomischen Eigenschaften, der Krankheitsresistenzen und der Ertragsfähigkeit erfolgt dagegen durch Fachleute der Landwirtschaftsämter in Zusammenarbeit mit der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Durch die regionalen Empfehlungen können die Anliegen der ansässigen Mälzereien und Brauereien mit berücksichtigt werden.

Aktuelle Ergebnisse