Sommerweizen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommerweizen

Sommerweizen stand heuer, wie auch in den meisten Jahren zuvor, bayernweit auf weniger als 1 Prozent der Getreidefläche. 2017 betrug der Frühjahrsanbau in Bayern rund 5.000 ha. Sind die Saatbedingungen im Herbst jedoch ungünstig oder fällt ein Teil der Winterungen durch Auswinterung aus, wie z.B. 2012 in Nordbayern, ist er als Notnagel gefragt. Dann sind Engpässe beim Saatgut vorprogrammiert. Vom Kauf unbekannter ausländischer Herkünfte ist jedoch auch bei Saatgutknappheit abzuraten, da der Anbau von nicht angepassten Sorten sowie die Frühjahrsaussaat von Winterweizen in der Vergangenheit immer wieder zu Missernten führten.

Der Ertrag eines im Frühjahr gesäten Sommerweizens hängt maßgeblich von einer frühen Saat und einer langen Kornfüllungsphase ab. In der Regel sind die Erträge deutlich geringer als bei einem im Herbst gedrillten Weizen. Hauptgründe für das schwächere Abschneiden der Frühjahrssaat sind die kürzere Vegetationszeit und das geringere Kompensationsvermögen. Arbeitstechnische und ackerbauliche Vorteile der Sommerform - wie das Entzerren von Arbeitsspitzen, das Zurückdrängen von Unkräutern/-gräsern, die vor allem in Winterungen vorkommen - sowie die große Saatzeitflexibilität bei winterharten Sommerweizen spielen bei der Anbauentscheidung derzeit eine eher untergeordnete Rolle. Das im Vergleich zu Winterweizen niedrigere Ertragspotenzial ist ausschlaggebend für die geringe Bedeutung der Sommerform.

Sommerweizen - Wechselweizen

Sommerweizen wird bevorzugt nach spät räumenden Vorfrüchten wie Zuckerrübe oder Körnermais angebaut. Soll er noch im Spätherbst gesät werden, kommen Wechselweizen zum Einsatz. Dies sind Sommerweizen, die bei später Herbstaussaat eine gewisse Winterhärte besitzen, aber keinen oder nur einen geringen Kältereiz zum Schossen benötigen. Diese Wechselweizen stehen in Konkurrenz zu spätsaatverträglichen Winterweizen.
Langjährige Ergebnisse aus Dornburg (Thüringen) zeigen, dass bei Herbstsaaten ab Mitte November Wechselweizen den gleichzeitig gesäten Winterweizen ertraglich ebenbürtig sind oder diese sogar übertreffen, je später die Aussaat erfolgt.
Bei Saaten bis etwa Mitte November ist der Anbau von spätsaatverträglichen Winterweizen jedoch risikoärmer, da Wechselweizen bei Auflauf vor Winter stärker auswinterungsgefährdet sind. Vorteile weisen Wechselweizen in der Regel bei Saaten ab Ende November auf.
Teilweise sind nach spät räumenden Vorfrüchten die Aussaatbedingungen im Spätherbst schlecht. Die Entscheidung für einen Wechselweizen kann hier wegen seiner großen Saatzeitflexibilität von Vorteil sein, da auf bessere Saatbedingungen - notfalls bis in das Frühjahr hinein - gewartet werden kann.

Landessortenversuche

Aufgrund der geringen Bedeutung des Sommerweizens gibt es in Bayern nur in Frankendorf (Erding) und Hagelstadt (Regensburg) einen LSV. Heuer wurden zwölf Sorten in zwei Intensitätsstufen geprüft. Die intensive Stufe 2 wird nach Bedarf mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die extensive Stufe 1 erhält dagegen keine Fungizide und keinen bzw. wenig Wachstumsregler. Der Ertragsvorteil der Intensivvarianten beträgt im fünfjährigen Mittel 14 dt/ha (19 Prozent), wobei die Mehrerträge je nach Krankheits- und Lagerdruck, zwischen 8 und 24 dt/ha schwanken. Die Mehrkosten betragen im Mittel rund 140 €/ha.
Wie bei Winterroggen und Hafer werden auch bei Sommerweizen heuer erstmalig die Ertragsergebnisse in einem ‚Anbaugebiet Süddeutschland‘ ausgewiesen.
Bei der mehrjährigen Ertragsverrechnung wurden 40 Versuchsergebnisse aus den letzten fünf Jahren berücksichtigt. Sie stammen aus Bayern sowie von angrenzenden Standorten aus Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Sachsen. Die am intensivsten geprüfte Sorte KWS Scirocco ist in allen Versuchen vertreten. Bei Sorten, die weniger als fünf Jahre im LSV stehen, müssen die fehlenden Ergebnisse mit einem Rechenmodell hochgerechnet werden. Der Vorteil an diesem Vorgehen ist, dass so alle Sorten, unabhängig von ihrer Prüfdauer, direkt miteinander verglichen werden können. Da die Prüfgenauigkeit bei den jüngsten Sorten merklich geringer ist, werden ihre Ertragsergebnisse unter der Rubrik „vorläufige Bewertung“ in der Tabelle ausgewiesen.
Die meisten Sorten, die heuer im LSV standen, wurden im Rahmen der Sortenzulassung sowohl bei Frühjahrs- als auch bei später Herbstaussaat (Ende Oktober / November) getestet. Ein Ziel der Herbstsaat ist die Winterhärte der Sommerweizen zu ermitteln. In den letzten Jahren traten jedoch nur vereinzelt Auswinterungsschäden auf. Deshalb sind Aussagen über die Winterhärte nur begrenzt möglich. Da der LSV ausschließlich im Frühjahr gesät wird, kann dieser auch nicht zur Beurteilung der Auswinterungsneigung herangezogen werden. Vom Bundessortenamt werden Jack (E), Lennox (E), Matthus (A) und Thasos (E) als überdurchschnittlich winterhart beschrieben.

Aktuelle Ergebnisse