XIX. Braugerstentag 2017

Blick in einen Festsaal
Der Vorsitzende des Bayerischen Vereins zur Förderung des Braugerstenanbaues Herr Werner Mayer begrüßte Ehrengäste und Fachleute und gab einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation auf dem Braugerstenmarkt. Dabei hob Herr Mayer besonders hervor, dass die Öffentlichkeit mittlerweile auf Meldungen über Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln sehr sensibel reagiert.
In seinem Vortrag „Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern“ gab Dr. Markus Herz von der LfL einen Überblick über den Verlauf der vergangenen Anbausaison und präsentierte Analysen und Ergebnisse aus Praxisproben und Landessortenversuchen.
In seinem fundierten und einprägsamen Vortrag zum Thema „Die Düngeverordnung und ihre möglichen Auswirkungen auf den Braugerstenanbau" referierte Adolf Hörl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Pfaffenhofen anschaulich zu diesem aktuellen Thema und kam zu dem Schluss, dass die neue Düngeverordnung eher vorteilhaft für den Braugerstenanbau ist.
Kurt Glück von der Horsch Maschinen GmbH konnte in seinem sehr lebendigen Vortrag zum Thema „Bodenbearbeitungs-, Saat- und Erntetechniken heute und morgen“ Trends in der Landtechnik aufzeigen und gab zu bedenken, ob größer, schwerer und teurer immer die richtige Antwort auf die Fragestellungen der Zukunft ist.
Erstmalig waren die Sieger aus den regionalen Braugerstenschauen in Moosburg und Kulmbach zum Braugerstentag eingeladen. Die anwesenden Preisträger wurden vom Vorstand der Braugerstengemeinschaft für Ihre Leistung gewürdigt und erhielten als Anerkennung ein Exemplar des Bildbandes „Hüter des Reinheitsgebotes“.
In seinem abschließenden Grußwort dankte Hermann Greif - Bezirkspräsident des Bezirks Oberfranken des Bayerischen Bauernverbandes - den Organisatoren und Rednern der Veranstaltung. Der Bauernverband setzt auch in schwierigen Zeiten auf die enge Zusammenarbeit aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten. Hermann Greif verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, dass moderne Technologien in Landtechnik, Züchtung und Digitalisierung unter dem Begriff Landwirtschaft 4.0 einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Problemen im Ackerbau und Pflanzenschutz beitragen können.

Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern

Dr. Markus Herz vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der LfL berichtete über die Besonderheiten des Braugerstenjahres 2017 und stellte die Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern vor.

Anbau- und Vermehrungsflächen der Sommergerste

  • 2017 betrug die Anbaufläche in Bayern zirka 98.600 Hektar.
  • Der Ertrag in Bayern belief sich dieses Jahr im Durchschnitt auf 53,3 dt/ha.
  • Bayern erzeugt zirka 2 Prozent der Sommergerste in Europa.
  • Die wichtigsten Sorten in Bayern waren Grace mit 25 Prozent, Solist mit 20 Prozent und Marthe mit 16,5 Prozent der Anbaufläche.
  • Der Eiweißgehalt war mit 11,4 Prozent erhöht und ist die Hauptursache für den geringen Prozentsatz an Qualitätsbraugerste.
  • Der Vollgerstenanteil lag mit 95,4 Prozent deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
  • Der Anteil von Qualitätsbraugerste lag mit ca. 61 Prozent unter dem mehrjährigen Mittel.
  • Die Qualität hängt stark von der Verteilung der Niederschläge während der Ernte ab.

Witterungs- und Krankheitsverlauf des letzten Vegetationsjahres

  • Der Klimawandel macht sich durch das erhöhte Auftreten von Starkniederschlägen und Tagen mit extremer Hitze im Sommer bemerkbar.
  • Das Jahr 2017 war von der Trockenheitsperiode im Sommer geprägt. Die hohen N-Min Werte im Frühjahr hatten einen großen Einfluss auf den Eiweißgehalt der Braugerste.
  • Durch die Verteilung der Niederschläge ergibt sich ein regional deutlich unterschiedliches Bild für Ertrag und Qualität.
  • Die Aussaat der Sommergerste in Bayern konnte 2017 ab der zweiten Märzwoche unter guten Bedingungen innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen werden.
  • Ährenschieben und Abreife fanden 2017 zu den üblichen Zeitpunkten statt.
  • Die Bekämpfungsschwelle für Mehltau wurde in einigen Regionen Bayerns bereits in einem frühen Entwicklungsstadium überschritten.
  • Der allgemeine Krankheitsdruck war aufgrund der warmen und trockenen Witterung geringer als im Vorjahr. Dennoch zeigte sich auch heuer deutlich, dass die Pflanzenschutzmaßnahmen nicht nur auf den Ertrag einen positiven Einfluss haben, sondern auch auf alle Qualitätsmerkmale sowie auf die Aufnahme von Stickstoff in die Pflanzen.

Anbau von Winterbraugerste in Bayern

  • Auch 2017 dominierte in der Sortenverteilung der Wintergerste die Zweizeilige mit 87 Prozent.
  • Etwa 3 Prozent der Anbaufläche wurde mit Winterbraugerste bestellt.
  • Die empfohlenen Winterbraugerstensorten überzeugten durch ihre Qualitätseigenschaften.
  • Die Qualität der sechszeiligen Winterbraugerste kann auch bei längerer Vermälzungsdauer noch nicht mit den guten Ergebnissen der zweizeiligen Wintergerste mithalten. Zuchtstämme und neue Sorten zeigen jedoch das Potenzial zur Verbesserung der Qualität.

Sortenempfehlung des Baugerstenvereins 2017

Sommerbraugerste:
Catamaran (Auslauf)
Solist
Avalon
Winterbraugerste:
KWS Liga
In seinem Folienvortrag - unterstützt durch eine umfangreiche Poster Sammlung - informierte Dr. Herz zudem über den vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geförderten Forschungsverbund „BayKlimafit“, in dem die LfL eine wichtige Rolle bei der Erforschung der Trockentoleranz von Sommergerste übernommen hat.

BayKlimafit Externer Link