Hafer – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Haferähren

Jedes Jahr werden von Praxisschlägen, die jährlich neu und zufällig ausgewählt werden, im Rahmen der "Besonderen Ernteermittlung" die Erträge ermittelt. Demnach konnten heuer in Bayern im Schnitt 45 dt/ha Hafer geerntet werden. Das fünfjährige Mittel von 48 dt/ha wurde zwar insgesamt verfehlt, Praxiserträge von über 70 dt/ha wurden aber auch heuer wieder gedroschen. Unter günstigen Bedingungen lassen sich somit Erträge erzielen, die deutlich über den Durchschnittswerten liegen.

Auf rund 25 000 ha stand heuer in Bayern erstmals wieder etwas mehr Hafer als im Vorjahr. Die Fläche ging in den letzten Jahren bayernweit stetig zurück. Von den rund 150 000 ha, die noch vor 40 Jahren mit Hafer bestellt wurden, ist heute nur mehr ein kleiner Teil übrig. Aufgrund der gesunkenen Anbaubedeutung sind die Züchtungsaktivitäten wesentlich geringer als bei Weizen und Gerste. Derzeit engagieren sich in Deutschland nur noch die Saatzucht Bauer und die Nordsaat Saatzucht stärker in der Haferzüchtung.
Im ökologischen Landbau spielt Hafer eine deutlich größere Rolle als im konventionellen. Fast ein Viertel der Haferfläche wurde 2016 in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Bei Roggen waren es 9 Prozent und bei Weizen und Gerste lediglich 2 Prozent.

Verwertung und Ansprüche an Mindestqualität

Bayern ist, gefolgt von Baden-Württemberg, der größte Hafererzeuger in Deutschland. Im Freistaat wird Hafer hauptsächlich zur Verfütterung angebaut. Soll er für die menschliche Ernährung dienen, muss er zuvor entspelzt (geschält) werden. Da es in Bayern nur wenige Haferverarbeiter gibt, spielt die Erzeugung von Schälhafer hier nur eine untergeordnete Rolle. Für diese Verwertungsrichtung eignen sich Sorten mit heller Kornfarbe, geringem Spelzenanteil, leichter Entspelzbarkeit, hohem Hektolitergewicht (HLG) sowie guter Sortierung. Empfehlenswert ist, sich vor dem Anbau über die Qualitätsanforderungen zu informieren. Auch sollte die Sorte und der Pflanzenschutz mit dem zukünftigen Abnehmer abgestimmt werden.
Die geforderten Qualitäten lassen sich am ehesten auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung, nicht zu heißen Temperaturen während der Kornfüllung und bei trockenen Abreifebedingungen (gute Kornausbildung, geringe mikrobielle Belastung, helle Kornfarbe) erzeugen. Das Vermeiden von Lager, eine termingerechte Ernte und das rasche Erreichen einer Kornfeuchte von maximal 14 Prozent tragen ebenfalls zum Erfolg bei. Aufgrund der Witterung ist es in Bayern allerdings schwierig, die Mindestqualitäten, insbesondere das HLG (meist mind. 54 kg) sowie einen niedrigen Spelzengehalt (häufig unter 26 Prozent) zu erzielen.
Bei Futterhafer liegen die vom Handel festgelegten Mindestwerte beim HLG in der Regel zwischen 50 und 54 kg. Wird der geforderte Wert nicht erreicht, kann durch Reinigen und Absieben der kleineren Körner das HLG verbessert werden. Grundsätzlich sollte die Messung an gereinigten und trockenen Partien (feuchtes Korn quillt auf und HLG vermindert sich) durchgeführt werden. In den Sortenversuchen wies die Sorte Max die höchsten Werte auf. Sein HLG lag im Mittel um rund 3 kg über der schwächsten Sorte.

Sortenwahl

Unabhängig von der Verwertungsrichtung sollte bei der Wahl der Sorte Wert gelegt werden auf hohe und stabile Erträge, auf eine geringe Lagerneigung, auf Strohstabilität sowie auf eine gleichzeitige Abreife von Korn und Stroh. Vor allem bei feuchter Witterung neigt das Stroh einiger Sorten zu verspäteter Abreife. Dies kann zu Ernteverzögerungen sowie zu Druschproblemen durch zu feuchtes Stroh führen. Krankheiten sind meist nicht bekämpfungswürdig. Resistenzen spielen deshalb eine eher untergeordnete Rolle.
In Bayern dominieren traditionell Gelbhafer. Obwohl von der Spelzenfarbe nicht auf die Qualität geschlossen werden kann, bevorzugen vor allem Pferdehalter häufig Gelb-, zum Teil auch Schwarzhafer. Da Schwarzhafer ertragsschwächer ist, rentiert sich der Anbau nur bei Preisaufschlägen.
In Deutschland wird fast ausschließlich Sommerhafer angebaut. Winterhafer hat wegen seiner längeren Vegetationszeit zwar ein höheres Ertragspotenzial, aufgrund seiner nicht immer ausreichenden Winterhärte ist der Anbau jedoch riskant.

Landessortenversuch - Ergebnisse

In diesem Jahr standen elf Spelzhafersorten, davon neun Gelb- und zwei Weißhafer, auf vier Standorten in Bayern im LSV zur Prüfung, wobei der Standort Hausen nicht wertbar war. Von Armani und Bison wurde heuer versehentlich falsches Saatgut geliefert. Deshalb liegen von beiden Sorten keine Ergebnisse vor.
Da der Einsatz von Fungiziden bei dem relativ blattgesunden Hafer oft nicht rentabel ist, wird in den LSV darauf verzichtet. Wachstumsregler bringen dagegen auf lagergefährdeten Standorten häufig wirtschaftliche Mehrerträge, weshalb sie im Versuch nach Bedarf eingesetzt werden. Übermäßiger Wachstumsreglereinsatz sollte allerdings vermieden werden, da dies auch zu Ertragsdepressionen führen kann. Bei sehr standfesten Sorten wie Troll kann auf sie meist verzichtet werden.

Aktuelle Ergebnisse

Die Anbaugebiete "Verwitterungsstandorte Südost", "Fränkische Platten, Jura" und "Tertiärhügelland, bayerisches Gäu" wurden heuer erstmalig zu dem 'Anbaugebiet Süddeutschland' zusammengefasst. Dies war notwendig, da in Bayern die Anzahl der Versuchsorte von sieben auf vier reduziert werden musste, wovon nur drei auswertbar waren.