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Landessortenversuch Sommerweizen

Ähren Sommerweizen

In Bayern wurden heuer 7 dt/ha mehr geerntet als im Vorjahr. Mit rund 60 dt/ha lagen die Hektarerträge von Sommerweizen jedoch nur auf durchschnittlichem Niveau. Ein Vergleich der Landessortenversuche von Winter- und Sommerweizen sowie die Auswertung von Praxisschlägen ergaben, dass die Erträge von Winterweizen im langjährigen Mittel etwa 20 % über denen von Sommerweizen liegen.

Der Anteil des Sommerweizens an der Getreidefläche beträgt zumeist weniger als 1 %. Lediglich in Jahren mit ungünstiger Witterung zur Wintergetreidesaat oder nach stärkeren Auswinterungsschäden steigt die Anbaufläche stark an. Dies führt dann zwangsläufig zu Engpässen beim Saatgut. Vom Kauf unbekannter ausländischer Sommerweizensorten ist jedoch auch bei Saatgutknappheit abzuraten, da der Anbau von nicht angepassten Sorten sowie die Aussaat von südeuropäischem Winterweizen als Sommerweizen, nicht selten schon zu Missernten geführt hat.

Wechselweizen, d.h. Sommerweizen, die bei Herbstaussaat eine gewisse Winterhärte besitzen, werden oftmals für Spätsaaten ab November propagiert. Um die Anbauwürdigkeit von Sommerweizen im Herbstanbau zu überprüfen, wurde von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit Getreidezüchtern ein über drei Jahre laufender mehrortiger Spätsaatversuch durchgeführt. Es zeigte sich, dass bei Aussaaten Ende Oktober/Anfang November spätsaatverträgliche Winterweizen wie Akratos und Cubus im A-Bereich und Enorm im E-Bereich den Wechselweizen gleicher Qualitätseinstufung (Marin (A), Melissos (A); Epos (E), Taifun (E)) ertraglich leicht überlegen waren.
Von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft wurden die Erträge von Winter- und Wechselweizen, gesät im Spätherbst, verglichen (ein Standort, 5 Versuchsjahre). Dort kam man zu dem Ergebnis, dass Wechselweizen bei Aussaaten ab Ende November ähnliche Erträge erzielen wie gleichzeitig gesäte Winterweizen.
Bei der Wahl zwischen Winter- und Wechselweizen muss neben dem Ertrag auch berücksichtigt werden, dass Wechselweizen, vor allem wenn sie vor dem Winter auflaufen, stärker auswinterungsgefährdet sind. Spätsaatverträgliche Winterweizen sind deshalb bei Aussaaten bis Ende November ertragssicherer. Ab Mitte Dezember waren in den ostdeutschen Versuchen die besten Wechselweizen den Winterweizen ertraglich überlegen.
In Jahren, in denen an die Winterfestigkeit keine großen Ansprüche gestellt wurden, brachten die Novembersaaten von Sommerweizen in Thüringen einen Mehrertrag von rund 20 % gegenüber Aussaaten im Frühjahr. Der Rohproteingehalt ist dagegen in der Regel bei den Frühjahrssaaten besser.

Gelbpigmenthaltige Weizen wie KWS Aurum oder Safrania weisen einen höheren Carotinoidgehalt auf als andere Weizensorten. Dieser Farbstoff, der auch in vielen Obst- und Gemüsesorten (z.B. Karotten, rote Paprika, Spinat) enthalten ist, führt zu einer Gelbfärbung des Mehles. Deshalb werden diese Sorten auch Gelbmehlweizen genannt. Gelbmehlweizen sind separat zu lagern und zu verarbeiten, weil Vermischungen zu einer Verfärbung der „normalen“ Weißmehle führen können. Gelbmehlweizen sollten deshalb nur im Vertragsanbau produziert werden.

Fast alle in Deutschland zugelassenen Sommerweizen gehören zur Qualitätsgruppe E oder A. Da der Ertragsunterschied zwischen den beiden Qualitätsgruppen gering ist, sind aufgrund der Qualitätszuschläge die Deckungsbeiträge bei Eliteweizen meist höher. Deshalb werden für den Anbau meist E-Sorten empfohlen.

Da niemand weiß, wie sich der Winter noch entwickelt, lohnt ein Blick auf die aktuellen Sommerweizensorten.

Kornerträge 2011  PDF-Dokument

Sortenbeschreibung 2011  PDF-Dokument

Sortenempfehlung Sommerweizen 2012  PDF-Dokument

Faktorieller Sortenversuch Sommerweizen 2011



Dezember 2011
Ulrike Nickl
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102