Wiesenrispe – Poa pratensis L. (engl.: kentucky blue grass)

Wiesenrispe ist neben Deutschem Weidelgras sowohl für das Grünland als auch für den Rasen unser wichtigstes und ausdauerndes Untergras. Es bildet unterirdische Ausläufer und ist damit ein vorzüglicher Narbenbildner und sehr strapazierfähig.
Wiesenrispe
Wachstumsbedingungen / Eigenschaften
Wiesenrispe ist ein vorzüglicher Narbenbildner, für Mineral- und Moorböden. Es ist winterhart (daher in höheren Lagen auch statt Deutschem Weidelgras der Hauptbestandteil guter Weiden), trittverträglich, lässt sich häufiges Mähen bzw. Verbeißen durch Weidetiere gefallen und wird auch gern gefressen
(Futterwertzahl 8).

Wiesenrispe ist sehr dankbar für reichliche Düngung – Triebdichte und Blattlänge werden dadurch gefördert. Wiesenrispe treibt früh und wächst gut nach, hat aber eine recht langsame Anfangsentwicklung und fasst schwer Fuß neben verdrängenden Arten wie Weidelgras und Knaulgras. Im Feldfutterbau findet es deshalb keine Verwendung, und man muß in allen Fällen, wo Wiesenrispe später den Bestand bilden soll, ihre Entwicklung durch vorsichtige, richtige Auswahl der anderen Gemischkomponenten begünstigen.

Wiesenrispe gedeiht schlecht auf kalten, strengen Böden, bei stauender Nässe und auf sauren Sandböden ohne Lehm- oder Humusgehalt.

Die Züchtung hat

  1. für Grünland - höher wachsende Sorten, die viel Futtermasse produzieren. Sie ist stets Bestandteil in Weidemischungen.
  2. für Rasen - niedrige Sorten mit dichter stehenden Trieben und breiteren Blättern (strapazierfähige Typen) herausgebracht. Für Rasenanlagen, besonders Sportrasen und Spielrasen mit hoher Belastung ist Wiesenrispe besonders gut geeignet. Schmalblättrige Typen mit hoher Strapazierfähigkeit und Narbendichte sind als Zuchtsorten verfügbar. Je nach dem Zweck der Ansaat sollten nur die Spezialsorten verwendet werden.
Bei Ansaaten werden oft u. a. Wiesenrispe und Rotschwingel nebeneinander verwendet. Rotschwingel ist anspruchsloser und unempfindlicher, aber Wiesenrispe verdient den Vorzug, wenn seine Ansprüche erfüllt werden können. Saat wird heute vornehmlich in feldmäßigem Anbau gewonnen; früher kam sie von Naturweiden aus Nordamerika; daher der Name "Kentucky blue grass".
Wuchs und Entwicklung
Ausdauerndes Gras mit langen und kräftigen unterirdischen Ausläufern. Bildet dichte Narben durch ständig neue Triebe aus den Ausläufern.
Verbreitung
Stark verbreitet auf Grünland und sonstigen begrünten Standorten. Unempfindlich gegen Trockenheit, winterhart auch bei längerer Schneelage, daher auch in Gebirgslagen weit verbreitet.Günstig sind lockere Mineralböden und Moorböden. Gut durchlüftete Lehmböden sind ebenfalls gut geeignet, wenn die Ausläuferbildung nicht behindert wird.

Wiesenrispe findet in folgenden Bayerischen Qualitätssaatgutmischungen Verwendung:

Grünlandmischungen
Kurzbezeichnung Einsatzschwerpunkt
BQSM - D 2 für Wiesenansaaten auf mittlere und schwere Böden (auch Moor) sowie in niederschlagsreichen Gebieten
BQSM - D 2a vergleichbar mit D 2, jedoch ergänzt mit Wiesenfuchsschwanz für Standorte, an denen dieser zu den Bestandesbildnern zählt.
BQSM - D 1 für Wiesenansaaten auf trockene, flachgründige Böden und Mittelgebirgslagen (ohne Weidelgraseignung)
BQSM - W 2 Weidemischung für wenig intensive Nutzung (2-3), auch Mittelgebirgslagen
BQSM - W 1a Wiesen- und Weidemischung für intensive Nutzung auf mittleren und frischen Standorten mit (!) Weidelgraseignung
BQSM - W 1b Wiesen- und Weidemischung für intensive Nutzung auf mittleren und frischen Standorten ohne (!) Weidelgraseignung
BQSM - W 1c Wiesen- und Weidemischung für intensive Nutzung auf mittleren und frischen Standorten - ohne Knaulgras
BQSM - W 1R Spezialmischungen zur Neuansaat für intensive Nutzung (4 mal und mehr) mit hohen Anteilen von Wiesenrispe auf mittleren und frischen Standorten mit unsicherer Weidelgraseignung