Führung und Verbesserung von Grünlandbeständen
Neuansaat
von Dr. Stephan Hartmann, Dorothea Hofmann - Januar 2013

Hier finden Sie die Beschreibung zur Durchführung einer Neuansaat, sowie nützliche Hinweise.

Wann ist eine Neuansaat sinnvoll?

Der Grund für eine Neuanlage von Dauergrünland ist entweder die Umwandlung einer bisher anders genutzten Fläche oder die Verbesserung einer vorhandenen Narbe durch die vollständige Beseitigung des Altbestandes und die Anlage eines neuen Bestandes.
Die Neusaat auf Grünlandflächen sollte nur angewendet werden, wenn ein Grünlandbestand anders nicht mehr zu retten ist.
Dies ist gegeben, wenn minderwertige, wenig ertragsreiche und kampfkräftige Gräser im Pflanzenbestand einen Anteil von über 50 % einnehmen oder die Verunkrautung so hoch ist, dass sie mit mechanischen oder chemischen Bekämpfungsmaßnahmen kombiniert mit Nachsaat nicht mehr in den Griff zu kriegen ist.
Neuansaaten verursachen meistens hohe Kosten und sind mit einem gewissen Risiko verbunden.
Sollen entartete Grünlandbestände erneuert werden, so hat dies in drei Schritten zu erfolgen.
  • Abtöten der Altnarbe
  • Durchführung der Neuansaat
  • Nachbehandlung
Vor ihrem Einsatz ist sicher abzuklären, inwieweit diese Maßnahme im Rahmen von Fördermaßnahmen nicht eingeschränkt oder ausgeschlossen wird!
Grünlanderneuerung soll nachhaltig, ausdauernd und standortangepasst sein.

1. Schritt: Abtöten der Altnarbe

Zum Abtöten der Altnarbe sind Glyphosat-Mittel (z. B. Roundup) mit 4 l/ha zugelassen. Glyphosat-Präparate gehören zu den systemisch wirkenden Unkrautbekämpfungsmitteln. Der Transport des Wirkstoffes erfolgt über den Saftstrom der Pflanze. Zum Zeitpunkt der Roundup-Spritzung muss also grüne Pflanzenmasse vorhanden sein. Die Roundup-Ausbringung erfolgt bei 10 - 15 cm Wuchshöhe des Bestandes.
Auch wenn Glyphosate zu den Totalherbiziden zählen, sind sie gegen die verschiedenen minderwertigen Gräser- und Kräuterarten nicht im gleichen Umfang wirksam. Bei Mischverunkrautung sind daher evtl. andere Mittel bzw. Mittelkombinationen geeigneter.
Die Abtötung erfolgt in trockenen Gebieten im Spätherbst, in niederschlagsreichen Gebieten im Spätsommer ansonsten von Frühjahr bis Spätsommer.
Bei stark zertretenen Narben kann der Herbizideinsatz entfallen und durch 1- bis 2-maliges Fräsen ersetzt werden.
Gleiches gilt für Betriebe des ökologischen Landbaues.
Mit der amtlichen Beratung sind die rechtlichen Möglichkeiten abzuklären, die im Rahmen vertraglicher Verpflichtungen (z.B. KULAP) bestehen.

2. Schritt: Durchführung der Neuansaat

Als Feinsämereien brauchen Grünlandsämereien für sicheren Aufgang ein gut abgesetztes und nur oberflächlich gelockertes, feinkrümeliges Saatbett. Vor der Saat sollte deswegen ein Walzengang mit einer Profilwalze erfolgen.
Grassamen sind Lichtkeimer, sie dürfen daher nur maximal 0,5 bis 1,5 cm tief in den Boden abgelegt werden.
Ungünstig für den Aufgang ist ein zu tief gelockertes und nicht genügend abgesetztes oder nicht rückverfestigtes Saatbett.
Ein Walzen nach der Saat ist notwendig!
Eine Neuansaat erfolgt entweder mit oder ohne eine vorangehende Narbenzerstörung.

Neuansaat ohne Narbenzerstörung

Für dieses Verfahren stehen Spezialgeräte zur Verfügung, die das Fräsen und die Neuansaat in einem Arbeitsgang erledigen. Die Ansaat unmittelbar in die abgetötete Grasnarbe sollte der Normalfall sein. Hier bleiben Bodenstruktur und Trittfestigkeit erhalten. Das ist bei Narbenerneuerung in hängigem Gelände besonders wichtig. Auch das Neuauflaufen von Unkraut (vor allem Ampfer) bleibt dann meist in Grenzen.

Neuansaat mit Narbenzerstörung

Die Ansaat nach 1- oder 2-maligem Fräsen mit einer üblichen Ackerfräse oder einer speziellen Säfräse ist zu empfehlen, wenn zertretene Grünlandflächen erneuert werden müssen. Nach dem Absetzen des gelockerten Bodens (durch einmal Walzen) wird mit einer Drillmaschine mit möglichst engem Reihenabstand gesät. Es ist unbedingt darauf zu achten, das das Saatgut nicht zu tief abgelegt wird. Die Saattiefe darf 1 - 1,5 cm nicht überschreiten.

3. Schritt: Nachbehandlung

Das Gelingen oder Misslingen einer Narbenerneuerung hängt in vielen Fällen von der Nachbehandlung und der Pflege ab.
Gemessen an den Gesamtkosten einer Narbenerneuerung ist die Nachbehandlung als dritter Schritt der Gesamtmaßnahme der billigste Teil. In der Praxis wird jedoch häufig auf ihn verzichtet. Die Folge ist, dass bereits bei der Ansaat wieder der Grund einer erneuten Verunkrautung gelegt wird.
Die Nachbehandlung gegen auflaufende Unkräuter muss daher immer Bestandteil einer Grünlanderneuerung sein.

Eine weitere wichtige Pflegemaßnahme ist der Schröpfschnitt:

  • Er hat bei 10 - 15 cm Wuchshöhe der Neuansaat zu erfolgen.
  • Er dient nicht nur der Unkrautbekämpfung, sondern auch dem schnellen Narbenschluß durch Anregung der Bestockung.
Neuansaaten sollen im Ansaatjahr keine Gülle erhalten. Dies bedeutet für viehstark wirtschaftende Betriebe, daß Neuansaaten jeweils höchstens auf 20 % der Betriebsfläche vorgenommen werden sollen. Ist eine größere Fläche zu verbessern, so muß die Maßnahme auf mehrere Jahre verteilt werden.
Der Zeitpunkt, von dem an wieder beweidet werden kann, richtet sich nach dem Ansaatverfahren. Beim Schlitzfräsverfahren (Vredo) ist bereits nach dem Schröpfschnitt eine Beweidung möglich. Nach ganzflächiger Bodenbearbeitung soll damit bis zum Spätsommer bzw. Herbst gewartet werden.

Welche Technik kommt bei der Neusaat zum Einsatz?

Es kann dieselbe Technik wie bei der Nachsaat zum Einsatz kommen. Dann herrschen analoge Bedingungen, lediglich die Kampfkraft der Altnarbe wird - durch deren Abtötung - auf Null gesetzt.
Es kommen aber auch Kombinationen (z.B.: Lely-Säfräse) aus flächiger mechanischer Narbenzerkleinerung (Fräsen) und klassischer Saattechnik zum Einsatz.

Mit welchen Methoden können neue Anlagen angelegt werden?

Es gibt zwei grundsätzlich Methoden, eine Neuansaat anzulegen:
  • Blanksaat oder
  • Ansaat unter Deckfrucht.

Blanksaat

Bei der Blanksaat erfolgt die Ansaat der Grünlandsaat auf eine pflanzenfreie Bodenoberfläche.
Das hat den Vorteil, dass der Bestand besser kontrollierbar ist und er über die Düngung, die Nutzung und die Pflege direkt beeinflusst werden kann.
Klimatischen Bedingungen wie Trockenheit, Starkregen oder Frost haben allerdings auch direkte Wirkung auf die Neuansaat.
Zeitlich hat eine Blanksaat im Frühjahr den Vorteil, dass die Gefahr durch Sommertrockenheit hier gering ist. Nachteilig ist der geringere Ertrag im Ansaatjahr und bei Frühjahrstrockenheit kann es zu Problemen kommen.
Blanksaat im Spätsommer ist nur geeignet, wenn keine Gefahr für eine Spätsommertrockenheit besteht.
Letzter Sätermin ist Anfang September in günstigen Lagen, in ungünstigen Lagen bereits Mitte August. Die Ansaat sollte nicht zu hoch in den Winter gehen. Ein Reinigungsschnitt im Herbst ist dann notwendig.

Ansaat unter Deckfrucht

Bei der Ansaat unter einer Deckfrucht wird das Grünlandsaatgut in einen Ackerpflanzenbestand eingesät. Dies geschieht in Form einer Untersaat in einen bereits vorhandene Deckfruchtbestand oder bei der Bestellung der Deckfrucht als Einsaat.
Deckfrüchte dienen in erster Linie dem Schutz der jungen Ansaat und der Verminderung der Verunkrautung. Sie stehen allerdings unvermeidbar in Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe zur Grünlandansaat. Daher ist eine Ansaat unter Deckfrucht nur sinnvoll, wenn der junge Grünlandbestand wirklich geschützt werden muss. Ansonsten ist eine Blanksaat immer vorzuziehen.
Die Entwicklung der Deckfrucht bestimmt den Saattermin für die Grünlandansaat. Die Steuerungsmöglichkeiten für die Ansaat sind durch die Deckfrucht eingeschränkt.
Geeignete Deckfrüchte sind früh räumende Futterbestände, Sommergetreide oder Hafer, bedingt geeignet sind Wintergerste und Winterroggen.
Eine Ansaat unter Deckfrucht kann nicht als Direktsaat oder mit speziellen Grünlandsaatgeräten durchgeführt werden.

Grundsätzliches zu Ansaatmischungen

Ansaatmischungen, die bei der Grünlandneusaat zum Einsatz kommen, müssen an den Nutzungszweck, die Nutzungsintensität sowie die Boden- und Klimaverhältnisse angepasst sein.
Auch das unterschiedliche Konkurrenzvermögen und die Kampfkraft der einzelnen Arten spielen bei der Entwicklung von Pflanzenbeständen eine entscheidende Rolle.
Der Wettbewerb um Nährstoffe, Wasser, Licht und Standraum findet nicht nur zwischen den Individuen verschiedener Arten (interspezifisch), sondern auch innerartlich (intraspezifisch) statt, so dass auch hier - und nicht nur bei den bekannten agronomischen Merkmalen (wie Ausdauer, Ertrag, Resistenz) - die Sortenwahl eine wichtige Rolle spielt.
Kampfkraft und Konkurrenzfähigkeit ausgewählter Futterpflanzen
Etablierung
nach der Saat
Weide Wiese mit 4
und mehr Schnitten
Wiese mit 3
und weniger Schnitten
Deutsches Weidelgras
(Lolium perenne)
sehr konkurrenzstark wird durch Weide gefördert;
je intensiver umso stärker
wird durch intensive Nutzung
(Düngeniveau und Schnittfrequenz) gefördert;
je intensiver umso stärker
wird durch fehlenden Bestockungsreiz und des durch die Obergräserveringerte Lichtangebot weniger Narbendicht und verliert an Kampfkraft
Wiesenrispe
(Poa pratensis)
sehr konkurrenzschwach wird durch Weide gefördert;
je intensiver umso stärker
wird durch intensive Nutzung (Düngeniveau und Schnittfrequenz) gefördert;
je intensiver umso stärker
wird durch fehlenden Bestockungsreiz und des durch die Obergräser verringerte Lichtangebot weniger Narbendicht und verliert an Kampfkraft
Weißklee
(Trifolium repens)
konkurrenzschwächer als Wiesenschwingel wird durch Weide gefördert;
je intensiver umso stärker abhängig von der Stickstoffversorgung
wird durch hohe Schnittfrequenz bei phosphatbetonter Düngung gefördert durch das von den Obergräsern veringerte Lichtangebot geht er im Bestand zurück und wird bei 1 und 2 Schnittwiesen durch Rotklee ersetzt
Wiesenfuchs-
schwanz
(Alopecurus pratensis)
konkurrenzschwächer als Wiesenschwingel wird durch intensive Weide verdrängt sehr nutzungselastisch,
wenn der Standort für diese Art passt
sehr nutzungselastisch,
wenn der Standort für diese Art passt
Knaulgras
(Dactylis glomerata)
konkurrenzstark ähnlich Wiesenschwingel flüchtet aus intensiver Weide kann hohe Intensitäten dauerhaft mitgehen;
kann in Folge verspäteter 1. Schnitte und/oder Witterungsextremen
(Trockenheit; harte Winter) rasche deutliche Bestandesanteile erobern
kann sich in Horsten halten;
Anteile je nach Klimabedingungen
Wiesenlieschgras
(Phleum pratense)
konkurrenzschwächer als Wiesenschwingel erträgt Weide von den Obergräsern noch am besten kann hohe Intensitäten dauerhaft mitgehen; erträgt Überflutung im Vergleich mit den hier genannten Arten am besten kann sich als Obergras hier gut halten;
Anteile je nach Klimabedingungen
Wiesenschwingel
(Festuca pratensis)
konkurrenzschwächer als Deutsches Weidelgras
wird bei intensiver Nutzung schnell verdrängt
wird im Pflanzenverband der Grünlandnarbe besonders bei tiefem Schnitt schnell von rasch nachtreibenden und narbenbildenden Arten zurückgedrängt bei nicht zu tiefem Schnitt oft bestandesbildend
Rotschwingel
(Festuca rubra)
konkurrenzschwächer als Wiesenschwingel kann in Nährstoff- und Wasser knappen Situationen in Weiden erfolgreich sein; wird bei guter Nährstoff und Wasserversorgung von wüchsigeren Untergräsern zurückgedrängt ist in trockenen Lagen das einzige Untergras, das unter diesen Bedingungen sinnvoll nutzbar ist kann sich in lückigen extensivem trockenem Grünland halten
Glatthafer
(Arrhenatherum elatius)
konkurrenzstark ähnlich Wiesenschwingel flüchtet aus intensiver Weide
wird im Pflanzenverband der Grünlandnarbe besonders bei tiefem Schnitt schnell von rasch nachtreibenden und narbenbildenden Arten zurückgedrängt kann sich als Obergras hier gut halten;
Anteile je nach Klimabedingungen
Goldhafer
(Trisetum flavescens)

konkurrenzschwächer als Wiesenschwingel
flüchtet aus intensiver Weide;
kann an warmen früher intensiv genutzten und immer noch gut versorgten Standorten bei mittlerer bis extensiver
Nutzung in kurzer Zeit deutliche Bestandesanteile gewinnen
wird im Pflanzenverband der Grünlandnarbe besonders bei tiefem Schnitt schnell von rasch nachtreibenden und narbenbildenden Arten zurückgedrängt
kann sich als Obergras hier gut halten;
Anteile je nach Klimabedingungen
Kritische Saatstärke
Bei einer Neuansaat ist für die Ausbildung des Anfangsbestandes neben der Kampfkraft die Saatstärke der einzelnen Arten entscheidend. Jede Art hat eine so genannte "kritische Saatstärke", ab der sie ihre maximale Konkurrenzkraft erreicht. Beim Überschreiten dieser Schwelle nimmt die relative Konkurrenzfähigkeit nur noch unwesentlich zu, beim Unterschreiten aber nimmt sie deutlich ab.
Kritische Saatstärken ausgewählter Futtergräser:
Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) etwa 4 kg/ha
Wiesenschwingel (Festuca pratensis) etwa 15 kg/ha
Weißklee (Trifolium repens) etwa 5 kg/ha
Knaulgras (Dactylis glomerata) über 4 kg/ha
Wiesenlieschgras (Phleum pratense) über 4 kg/ha
Die kritische Saatstärke spielt bei der Zusammenstellung von Mischungen eine wichtige Rolle, da sie die Anfangsentwicklung der Ansaat beeinflusst.
Eine Förderung konkurrenzschwacher Arten kann nur über eine Verringerung der Saatstärke von konkurrenzstarken Arten erreicht werden und nicht über eine Erhöhung bei den konkurrenzschwachen Arten.
Ziel der Ansaatmischung
Das Ziel der Ansaatmischung ist die Risikominderung bei der Neuansaat.
Die Mischungszusammenstellung erfolgt meistens mit einem Hauptbestandsbildner als tragende Art (in der Regel Deutsches Weidelgras oder Wiesenschwingel) und einem oder mehreren begleitenden Mischungspartnern.
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Bayerische Qualitätssaatgutmischungen
Spezielle standortbezogene und qualitätsgeprüfte Ansaatmischungen findet man in den "Bayerischen Qualitätssatgutmischungen".

Diese unter bayerischen Verhältnissen getesteten Saatgutmischungen sind abgestimmt auf Standorte, Klima, Ausdauer, Winterfestigkeit und Gesundheit. Qualität und Sicherheit sind gewährleistet. Damit sie optinal genutzt werden können, müssen sie standortbezogen ausgewählt werden.

Bayerische Qualitätssaatgutmischungen

Wann und mit welcher Saatstärke soll gesät werden?

Saattermin
Die Wahl des richtigen Saattermins sollte sich an den Standortverhältnissen sowie an der Anlagemethode orientieren.
In günstigen, graswüchsigen Lagen ist eine Neuansaat während der ganzen Vegetationszeit von Mai bis Anfang September möglich.
In sommertrockenen Lagen und Höhengebieten gelingt am sichersten eine Ansaat im Frühjahr. Der Einsatz des Totalherbizids erfolgt dann im vorhergehenden Herbst.
Die meisten Vorteile bietet in der Regel eine Ansaat Ende Juli / Anfang August. Die Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sind optimal und im Folgejahr kann mit einer vollen Ertragsleistung gerechnet werden.
Saatstärke
Empfohlen wird für Neuansaaten in der Regel eine Saatstärke zwischen 25 und 35 kg/ha.
Diese Mengen sind im Normalfall ausreichend und sollten eingehalten werden.
Bei Erhöhung der Saatgutmenge unterdrücken die raschwüchsigeren und auflaufstarken Arten die etwas langsameren und es kommt zu einer Veränderung der laut Mischrezeptur zu erwartenden Zusammensetzung des Pflanzenbestandes.
Nur bei schlechten Saatbedingungen, wie zum Beispiel bei Trockenheit, kann eine Erhöhung der Saatmenge vorgenommen werden.