Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
weiter zur Themennavigation|
LfL - Pflanzenbau: Logo mit Link zu Startseite| Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft |
Wappen mit Link auf die Startseite des StMELF|
Kopfnavigation: weiter zur Position im Verzeichnisbaum|
Position im Verzeichnisbaum: weiter zum Inhalt|
Landesanstalt für LandwirtschaftPflanzenbau → Grünland, Feldfutter, Grassamen
Inhalt: zurück zum Seitenanfang|

Fachexkursion des DLG-Ausschusses für Gräser, Klee und Zwischenfrüchte nach Dänemark

Mittwoch, 9. Mai 2007

Ankunft in Koppenhagen (Flughafen)

Anreise, Treffen der Gruppe um 15:30 Uhr am Flughafen in Kopenhagen.

Busfahrt von Kopenhagen nach Slagelse, Begleitung durch Herrn Carsten Jørgensen, Produktionsmanager bei Hunsballe Frø A/S. Herr Jørgensen hat die Exkursion vor Ort vorbereitet und gibt auf der Fahrt einen kurzen Einblick in die dänische Landwirtschaft.
Die dänische Landwirtschaft spielt eine große Rolle im Rahmen der Volkswirtschaft. Sie ist hoch technisiert und effizient. Sie beansprucht eine Vorreiterrolle bei der Nahrungsmittelqualität und -sicherheit sowie bei der Entwicklung neuer Produkte. Beispiel dafür sind die Schweine- und Grasssamenproduktion.

Mit 55 ha Betriebsfläche im Durchschnitt hat Dänemark eine gute Agrarstruktur (D - 41 ha).
Bezeichnend für die Situation der Landwirte ist eine starke staatliche Regulierung, die sich in einer betriebsspezifischen Stickstoffquote für jeden Betrieb sowie Restriktionen bei der Anwendung von PSM (2 kg Wirkstoff je ha und Jahr) darstellt. Als Begründung für diese Beschränkungen werden der Schutz der Umwelt und des Grundwassers genannt. Aus dieser Situation heraus stagnieren die Erträge bei Getreide und Rüben. Zusammen mit den günstigen klimatischen Bedingungen ergibt sich daraus eine gute Wettbewerbssituation für den Grassamenbau.

Betrieb August Bech, Valbygaards Gods, Slagelse

Besuch bei Landwirt August Blech, Valbygaards Gods, Slagelse
Diskussion mit Beratern und Vermehrern

Besuch bei Landwirt August Bech, Valbygaards Gods, Slagelse
Der reine Ackerbaubetrieb hat eine Gesamtfläche von 1107 ha, davon 850 ha Ackerland und 150 ha Wald. Der Umfang der Gras- und Weißkleevermehrung beträgt ca. 200 ha. Weiterhin werden 100 ha Winterraps und 50 ha Zuckerrüben (110 km Transportentfernung zur Zuckerfabrik) angebaut.
Im letzten Winter sind 190 ha Winterweizen der Sorte Tommi, der zu Weihnachten bereits eine Wuchshöhe von 25 cm aufwies, erfroren. Die Fläche wurde mit Sommergerste neu bestellt.


Typisches Anbauverfahren ist die Untersaat in Sommergerste. Nach Deckfruchternte werden die Gräser im Herbst durch eine Schafherde ( ca. 10 Tiere je ha) kurz gehalten. Bei Weißklee folgt im Frühjahr eine zweite Weideperiode bis Mitte Mai. Der Herbizideinsatz erfolgt streng nach Bedarf, vorwiegend in der Vegetationsruhe von Gras und Klee.


Fläche mit Mischanbau von Weißklee und Rotschwingel zur Samenvermehrung

Beeindruckend für die Gruppe ist die gemeinsame Untersaat von Weißklee und Rotschwingel in Sommergerste. Im ersten Folgejahr nach der Getreideernte erfolgt die Kleesaatproduktion, danach eine oder mehrere Ernten des Grassamen. Diese Verfahren sind sehr effizient, erfordert aber eine hervorragende Feldhygiene und einen ausgefeilten Pflanzenschutz.
Die Schläge sind groß und gut arrondiert um den Betriebssitz herum angeordnet. Die Grasbestände präsentieren sich gut. Besonders beeindruckt der niedrig gehaltene Weißkleebestand mit der Schafherde.

Auf einem Rundgang durch das Betriebsgelände besichtigen die Besucher die spartanische Ausstattung des Ackerbaubetriebes. Wichtigste anstehende Investition ist der Bau von 4 Metallsilos für Getreide. Wegen der steigenden Ansprüche zur Nachverfolgbarkeit (reine Partien) ist der Bau eines 5. Silos geplant. Die Technik ist leistungsfähig und hat eine hohe Schlagkraft.
Auf den Schwaddrusch von Gräsern und Klee ist der Betrieb technisch gut eingestellt.


Hunsballe Frø A/S, Slagelse

Sitz der Familie Hvidberg (Gründer von Hunsballe Frø A/S)
Die Teilnehmer vor dem historischen Gebäude


Saatgutaufbereitung und privates ISTA zert. Saatgutlabor der Fa. Hunsballe Frø A/S

Die Firma Hunsballe Frø A/S ist heute einer der beiden bestehenden dänischen Grassaatgutproduzenten. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Gärtner und Landwirt Jens Hvidberg gegründet. 1921 wurde der Betrieb als Aktiengesellschaft registriert.
Hunsballe Frø A/S ist ein Unternehmen der Idagard-Stiftung. Mit 50 % des Kapitals ist Hunsballe Frø A/S an den Unternehmern EURO GRASS BREEDING GmbH & Co. KG und EURO GRASS BV beteiligt. Dadurch ist die Gruppe mit 20 % Marktanteil der zweitgrößte Grassamenproduzent in Europa.

Die Firma hat ihren Hauptsitz in Holstebro (1996 erbaut) und eine Niederlassung in Slagelse (2001). Sie beschäftigt ca. 47 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 340000 €/Mitarbeiter und Jahr.
1996 wurde das Saatgut von ca. 4500 ha Vermehrungsfläche aufbereitet. Mittlerweile stehen über 16000 ha unter Vertrag, so dass die Reinigungs- und Lagerkapazitäten an ihre Grenzen stoßen.
Die Aufbereitungssaison geht von Juli bis Anfang Mai. Die Rohware wird beim Landwirt gelagert und in trockenem Zustand zur Aufbereitung angeliefert. In der Firma erfolgt die Lagerung in Großkisten, nach der Aufbereitung auch in Big-Bags oder in Säcken.
Von dem aufbereiteten Saatgut werden ca. 10 % in Dänemark selbst verbraucht, der ‚Rest’ geht in den Export.

Die Exkursion endet am ersten Tag um 22:30 Uhr am Hotel Antworskov in Slagelse.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Stiftungsgut Idagaard in Slagelse

Grassamenlager mit Bigbags

Der Tag beginnt mit einem Besuch im Stiftungsgut Idagaard in Slagelse.
Der Betriebsleiter, Casper Dahl, und seine Frau geben einen Überblick über die betriebliche Situation. Im Gut werden 200 ha Ackerland bewirtschaftet. Ein Schwerpunkt ist die Saatgutproduktion von Gras und Klee. Weiterhin wird Sommergerste, Weizen und seit kurzem auch Winterraps angebaut.

Das Problem des Stiftungsgutes besteht darin, dass die Fläche nicht durch Zukauf vergrößert werden darf. So bleibt zur besseren Nutzung der Maschinen nur die Zupacht von Flächen bzw. die Ausführung von Maschinendienstleistungen.
Das Betriebsleiterpaar bewirtschaftet neben dem Betrieb weitere 500 ha in Dienstleistung. Neben einer gut ausgebauten Maschinenhalle befinden sich zwei Lagerhallen auf dem Gelände, von denen eine relativ neu erbaute Halle als Interventionslager genutzt wird.

Bei einer kurzen Feldrundfahrt überzeugen sich die Teilnehmer vom guten Zustand der Saatgutvermehrungsflächen und diskutieren an Versuchsparzellen die Verfahren der Unkrautkontrolle an einem Pflanzenschutzversuch.

Herbizidversuch: Bekämpfung von jähriger Rispe in einer Vermehrung von Wiesenrispe
Diskussion des Versuches

Forschungszentrum ‚Flakkebjerg’ bei Slagelse

> Link zu Flakkebjerg


Forschungszentrum Flakkebjerg

Nächster Besichtigungspunkt ist der Besuch des dänischen Forschungszentrums ‚Flakkenbjerg’ bei Slagelse. Die Forschungsleiterin Frau Birte Boelt, die hier bereits seit 10 Jahren arbeitet, und Herr Rene Gislum geben Auskunft über die Arbeiten.
Das Landwirtschaftszentrum ist seit einem Jahr der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Aarhus angeschlossen. Die Finanzierung erfolgt zu 50 % durch die dänische Regierung, 25 % trägt die Universität und 25 % kommen von der Saatgutindustrie. Damit ist das Interesse und eine gute Zusammenarbeit aller interessierten Seiten gewährleistet. Neben der angewandten Forschung für die Saatgutwirtschaft erfolgt die Politikberatung von wissenschaftlicher Seite.

Das Forschungszentrum ist materiell gut ausgestattet. Die vorhandenen Maschinen erlauben die gleichen Arbeitsgänge, wie in der Praxis üblich.
Das betrifft insbesondere die Aussaat von Deckfrucht und Grassamen. In Dänemark werden nahezu 95 % der Grassamenbestände unter Deckfrucht ausgesät. Abwechselnde Reihen von Gerste und Gras sorgen für eine gute Etablierung der Gräser und ziehen bei der Deckfrucht nur geringfügige Ertragseinbußen nach sich.
Spezielle Erntetechnik gestattet neben der Ermittlung des Korn- bzw. Saatwareertrages auch die Messung des Strohertrages.
Neben den Versuchsfeldern stehen den 5 Wissenschaftlern und 6 Technikern Gewächshäuser und Gefäßstationen zur Verfügung. Die gute personelle Ausstattung ist aufgrund der engen Zusamenarbeit mit der Saatgut- und PS-Industrie möglich geworden (früher 1 Wiss. + 1 Techn.). Forschungsschwerpunkte sind die Unkrautkontrolle, Krankheiten und die Saatguttechnologie.

Die Restriktionen bei der N-Ausbringung haben politischen Hintergrund. In erster Linie soll der N-Eintrag in das Grundwasser begrenzt werden. Aus diesem Grund werden umfangreiche Untersuchungen zur N- Düngung durchgeführt. Die Restriktionen im Pflanzenschutz sind Ausgangspunkt für Untersuchungen zur Produktionstechnik beim Grassamenbau, insbesondere die Beeinflussung der Ertragsstruktur und die Halmstabilisierung.

Im anschließenden Rundgang durch die Labore wird der Forschungsschwerpunkt NIR-Spektroskopie und die Saatgutaufbereitungslage besichtigt.

DLF-Trifolium in Store Heddinge

Ankunft bei DLF-trifolium

Von Slagelse aus führt die Route durch das intensive Grasvermehrungsgebiet im Süden von Seeland nach DLF-Trifolium in Store Heddinge.

In der Forschungs- und Saatzuchtstation in Store Heddinge, wird die Gruppe durch den Züchter Lars Andersen geführt.

Zu Beginn gibt die Züchterin, Frau Vibeke Meier, eine Übersicht über die züchterischen Aktivitäten des Unternehmens.

Jährlich werden zwischen 7 und 10 Mio. € für Züchtung und Prüfung aufgewandt.
DLF-TRIFOLIUM ist der weltweit größte Hersteller von Klee- und Grassamen. Für die Futter- und Rasengräser-Arten unterhält der Konzern eines der größten und intensivsten Züchtungsprogramme in Europa. Umfangreiche Zuchtprogramme existieren darüber hinaus für Hülsenfrüchte und Futterrüben.
Der Hauptsitz des Konzerns befindet sich in Dänemark. Darüber hinaus besitzt DLF- TRIFOLIUM Tochtergesellschaften und Niederlassungen in England, Schottland, China, USA, Deutschland, Frankreich und der Tschechischen Republik. DLF- TRIFOLIUM hält weiterhin Anteile an einer Vielzahl von Unternehmen mit umfassenden Aktivitäten in den Bereichen Züchtung, Saatgutproduktion sowie Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe.

Die Zucht neuer Sorten ist wesentlicher Aufgabenschwerpunkt bei DLF-TRIFOLIUM. Jeder sechste Mitarbeitern des Unternehmens ist in Forschung & Entwicklung beschäftigt. Aktuelle Zuchtprogramme werden sowohl an unseren eigenen Stationen als auch zusammen mit Partnern in ganz Europa sowie den USA geprüft. Das daraus resultierende Pflanzenmaterial wird weltweit getestet um die besten Sorten mit optimaler Anpassung an die entsprechenden Klimaverhältnisse zu finden.

DLF-TRIFOLIUM ist weltweit größter Exporteur von Grassaaten. Die Produktion von mehr als 60.000 ha in Dänemark wird rund um die Welt exportiert. DLF-TRIFOLIUM liefert etwa ein Drittel des europäischen Grassaatverbrauchs. Das dänische Klima begünstigt hohe Saaterträge von bester Qualität. Aber auch Produktionen aus anderen europäischen Ländern und den USA stehen zur Verfügung um spezielle Arten und Sorten dem Kunden zur Verfügung zu stellen. Dies ermöglicht, zur richtigen Zeit Saatgut bester Qualität zu liefern.


Prüfungen zu Salz und Trockenstress

Der Rundgang in der Station führt durch die Labore und Gewächshäuser des Gentechnik-Bereiches. Das System zur Erstellung von GVO bei Gräsern wird vorgestellt. Zur Zeit aktuell ist ein Construct mit wesentlich erhöhtem Fruktangehalt, welches seine Fähigkeiten erstmals im Freilandanbau unter Beweis stellen muss.

Abschluss des Besuches ist die Besichtigung des Sortendemonstrationsfeldes. Die beeindruckende Vielfalt an Arten und Sorten widerspiegelt die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.


Sortendemonstrationsanlage der Fa. DLF-Trifolium
Meinungsaustausch am Abend

Freitag, 11. Mai 2007

Das für den 11. Mai vorgesehene Gespräch im Dänischen Plante Direktorate musste leider kurzfristig abgesagt werden.
Aus diesem Grund wird die geführte Stadtrundfahrt durch Kopenhagen auf den Vormittag des 11. Mai verlegt. Die Rundfahrt gibt einen guten Überblick über die Geschichte und die aktuelle Entwicklung der dänischen Hauptstadt.

Planmäßig trifft die Gruppe zur Abreise am Flughafen in Kopenhagen ein. Alle Teilnehmer haben sich einen guten Eindruck von der Leistungsfähigkeit der dänischen Forschung, Landwirtschaft und Saatgutindustrie im Bereich der Grassaaterzeugung machen können und die dafür zuständigen Personen kennen gelernt. Diese Eindrücke gilt es nun zu verarbeiten und in die eigene Arbeit einzubringen.

Eine seit vielen Jahren in Dänemark lebende Wienerin führt durch Koppenhagen


Wachwechsel
Die Seejungfrau von Koppenhagen

Der besondere Dank der Gruppe geht an Herrn Carsten Jørgensen, der diese Reise vorbereitet und während der gesamten Exkursion für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat. Mit den besten Wünschen für Gesundheit und Erfolg in Familie und Beruf verabschieden sich die Teilnehmer.

Weiterhin gilt der Dank auch dem Verein zur Förderung des Versuchswesens im Grassamenbau e. V., der diese Reise durch eine finanzielle Förderung unterstützt.


Reisebericht zum download  PDF-Dokument



Mai 2007
Dr. Reinhard Roßberg (DLG)
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102