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Moderne Gülletechnik und ertragreiche Grünlandbestände
Unter diesem Motto stand der 23. Allgäuer Grünlandtag am 15. Juli 2009 am LVFZ Spitalhof in Kempten
Dem interessierten Fachpublikum (ca. 400 Teilnehmer) konnte ein interessantes Programm geboten werden.
Der neue Leiter des staatlichen Bereiches des Spitalhofes Kempten (einem der beiden Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung und Grünland der LfL) Rasso Höck begrüsste das zahlreich erschiene Fachpublikum und dankte allen unterstützenden Institutionen und Firmen dieses Grünlandtages
Mitausrichtende Institutionen
Liste der vorgeführten Geräte / Maschinen
Fachvorträge
Aufgaben des LVFZ Spitalhof
Dr. Kay – Uwe Götz, Mitglied des Präsidiums der Landesanstalt für Landwirtschaft, stellte die zahlreichen Aufgaben des Spitalhofes Kempten vor. Er verdeutlichte die Einordnung des Spitalhofes in den Gesamtzusammenhang der durch die LfL durchgeführten Ressortforschung des Staatministeriums für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Bayern.
Als besonders positive Punkte konnte Dr. Götz die Verlängerung des Pachtvertrages bis zum Jahr 2019 bekanntgeben. Damit ist Sicherheit für geplante Investitionen und Neubaumaßnahmen des milchw. Vereines in 2010 auf eine sichere Grundlage stellen sowie Investitionen in die Versuchsmechanisierung (Austausch des Futterpflanzenvollernters) gegeben.
Folien des Vortrages
Gülledüngung - die Nährstoffe im Betrieb halten
Referent: Dr. Michael Honisch (AELF Kempten)
Die Gülle ist der bedeutendste Dünger im Allgäu. Die in ihr enthaltenen Nährstoffe sichern Ertrag und Qualität des Wirtschaftsgrünlands seit vielen Jahrzehnten. Vor dem Hintergrund eines weltweiten Anstiegs der Düngemittelpreise und der zunehmend angespannten Einkommenssituation in der Milchproduktion, gewinnt das Management vor allem mit der Gülle nochmals an Bedeutung. Insbesondere die Minimierung von Ammoniak-Verlusten steht im Vordergrund.
Hierfür gibt es auf allen Stufen des Gülleverwertungsprozesses (Tierhaltung/Fütterung, Lagerung und Ausbringung) Handlungsfelder – nicht erst bei der Ausbringung.
Je nach betrieblicher Gegebenheit ist die geeignete Strategie und Technik auszuwählen. Bereits die konsequente Einhaltung der guten fachlichen Praxis kann maßgeblich zur Emissionsminderung beitragen. Verlustmindernde, bodennahe Ausbringungsverfahren gehören zum Stand der Technik und sind durch die Kulapförderung auch wirtschaftlich. Sie sind insbesondere für die überbetriebliche Nutzung zur Vermeidung von Arbeitsspitzen und zur Ausbringung von Biogasgärresten zu empfehlen.
Folien des Vortrages
Kurzfassung
Verlustmindernde Gülleausbringung: Kriterien und Entscheidungshilfen für die Auswahl der Technik
Referent: Dr. Stefan Neser (LfL)
Nachdem der Vorredner den großen Bogen des Gülleeinsatzes gespannt hatte, gab Dr. Neser Entscheidungshilfen für die Auswahl der Technik.
Ausschlaggebend für die Auswahl der geeigneten Technik ist die einzelbetriebliche Situation. Betriebsstruktur, Flächenausstattung, Hangneigung und Bodensituation aber auch die Bereitschaft zum überbetrieblichen Maschineneinsatz sind nur einige Aspekte, die in die Entscheidungsfindung einbezogen werden müssen.
Bei steigenden Nährstoffpreisen werden verlustmindernde Techniken zunehmend auch wirtschaftlich interessant, die positiven Umweltwirkungen nützen damit auch dem Betrieb und verbessern die Akzeptanz in der außerlandwirtschaftlichen Bevölkerung.
Folien des Vortrages
Kurzfassung
Erfahrungen mit bodennaher Gülleausbringung
Referent: Raphael Röckenwagner (Geschäftsführer des Maschinenrings Traunstein)
Zum Abschluß der Vortragsreihe stellte Herr Raphael Röckenwagner in einen lebendigen Vortrag die eigenen, mehrjährigen Erfahrungen mit bodennaher Gülleausbringung vor.
Folien des Vortrages
Link zum MR Traunstein
Stationen im Versuchsfeld
Die Zeit nach der Mittagspause gehörte dann dem traditionellen Postenrundgang der durch ausgewählte Themen und Versuche am Standort Spitalhof führte.
Erzeugung hoher Futterqualität bei ausschließlicher Gülledüngung
Die erste Station wurde von Dr. Michael Diepolder (LfL) vorgestellt.
Zehnjährige Ergebnisse des Grünlandversuchs im Allgäuer Alpenvorland mit unterschiedlichen Stufen reduzierter Bewirtschaftungsintensität (kein Mineraldünger, Variation von Schnittzahl und Güllegaben) lassen folgende Rückschlüsse zu:
- Die Gülle-Nährstoffe wurden im Versuch sehr gut ausgenutzt, die N-Wirkung der eingesetzten dünnen Gülle (4,2 %) entsprach annähernd der von mineralischem N-Dünger in anderen Versuchen.
- Durch reduzierte Düngung ergeben sich Einschränkungen bei der Ausschöpfung des natürlichen Ertragspotenzials des Standorts (weidelgrasbetontes Grünland) in Höhe von etwa 10-25 %.
- Es können jedoch hohe Futterqualitäten vom Grünland erzielt werden, sofern von einem frühzeitigen ersten Schnitt in der ersten Mailhälfte und rechtzeitigen Folgeschnitten nicht abgewichen wird.
- Starke Eingriffe (Extensivierung) in das Düngungs-/Schnittsystem führen bei naturgegeben leistungsfähigem Grünlandbeständen auch hinsichtlich Inhaltsstoffen und Bestandszusammensetzung zu futterwirtschaftlich negativen Effekten.
verwendete Poster
Möglichkeiten zur messtechnischen Erfassung der Fließfähigkeit von Gülle
Praktische Messtechnik demonstriert im Einsatz von Herr Sven Raschbacher (LfL) .
Die Ergebnisse zeigen, dass die Fließfähigkeit von Rindergülle vor allem von deren TS-Gehalt abhängt. Aufgrund des Abbaus der organischen Substanz war der flüssige Biogasgärrest etwas fließfähiger als vergleichbare Rindergülle. Die mit Zusätzen angereicherten Güllen zeigten im Versuch gegenüber der unbehandelten dünnen Rindergülle keine verbesserte Fließfähigkeit.
verwendete Poster
Nachsaat mit Gülle
An der dritten Station wurde von Dr. Stephan Hartmann (LfL) Hinweise zu Nach- und Übersaat gegeben, wobei der Schwerpunkt heuer auf den Möglichkeiten der Kombination von Saatgut- und Gülleeinsatz lagen.
In Grünlandbetrieben mit mittleren bis höheren Intensitäten bei Viehbesatz, Schnittfrequenz und Einzeltierleistung ist die Narbenpflege zum Erhalt einer produktiven, dichten und unkrautunterdrückenden Grasnarbe eine ganzjährige Aufgabe. Dies trifft besonders auf Standorte/Flächen zu, die auf Grund der betriebswirtschaftlich notwendigen Intensitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte und den damit zwangsläufig verbundenen Bestandesänderungen näher an Grenzen der genetischen Streubreite wichtiger gewünschter Bestandesbildner (in der Regel dem Deutschen Weidelgras und dessen regionales Ausdauervermögen) liegen.
Hier ist es besonders wichtig, Fortschritte in der Pflanzenzüchtung, die diese Grenzen neu definieren können, in die Flächen zu bekommen.
Nachdem in den letzten Jahren stärker die Kombinationen aus Lehner-Streuer und Striegel mit dem Einsatzschwerpunkt Frühjahr im Vordergrund der Diskussion stand, wird sich nun wieder auch an die Ausbringung von Saatgut mit Gülle erinnert. Ein Verfahren, dass auch im Herbst problemlos in den normalen Arbeitsablauf aufgenommen werden kann.
verwendete Poster
Kurzfassung
Aktuelle Technik zur Gülleausbringung
Den Abschluss des Rundganges bildete eine Station und eine Praxisvorführung aktueller Technik zur Gülleausbringung vorgestellt von Herrn Georg Ohmayer (AELF Kempten).
Die Ausstellung zum Thema Gülleausbringungstechnik zeigte einen repräsentativen Querschnitt aktueller und soweit bekannt auch künftig zugelassener Gülleverteiler.
Dabei konnte die gesamte Bandbreite vom einfachen Überkopfverteiler bis hin zum Selbstfahrer mit Gülleinjektor gezeigt werden.
Bilder zur vorgestellten Gülletechnik
Grünlandtage frühere Jahre
Juli 2009
Dr. Stephan Hartmann
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102
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