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Vermehrung von Gräsern und kleinkörnigen Leguminosen
Allgemeines
Der Vermehrungsanbau von Futterpflanzen führt in Bayern ein ausgesprochenes Nischendasein. Nur auf etwa 1.600 ha werden Samen von Gräsern und Kleearten erfolgreich erzeugt. Grassamenanbau ist nur bei ausgefeilter Produktionstechnik erfolgreich. Wie überall, sind auch hier Spezialisten gefragt. Die wichtigsten Arbeitsgänge bei der Grassamenvermehrung sind: Aussaat als Blanksaat oder in Deckfrucht, Stickstoffdüngung nach Deckfruchternte und/oder im frühen Herbst, Unkrautbekämpfung im Herbst oder Frühjahr, Pflege und Pflanzenschutz im Herbst und/oder Frühjahr, Stickstoffdüngung im Frühjahr, Drusch im Sommer (Frühsommer). Ein Einstieg ist nur langfristig sinnvoll, da hohe und sichere Erträge auf Dauer nur mit viel Erfahrung erreicht werden können. Hier leistet aber die Spezialberatung des Feldsaatenerzeugerrings und der Vermehrungsfirmen Hilfe. Gerade Einsteiger werden hinsichtlich der empfindlichen Bereiche, nämlich Höhe und Termin der Stickstoffdüngung, Wahl der Pflanzenschutzmittel in der Unkrautbekämpfung und optimaler Druschtermin eingehend beraten. Für Überlegungen zur Eingliederung des Grassamenanbaues in den Betrieb müssen neben der Wirtschaftlichkeit auch die gesamtbetrieblichen Vor- und Nachteile genannt werden.
Vorteile:
- Garantierte Abnahme des Erntegutes,
- Fruchtfolgeauflockerung, somit Entzerrung getreidestarker Fruchtfolgen,
- Förderung der Bodenfruchtbarkeit durch dichte Durchwurzelung und Anreicherung mit organischer Substanz,
- Milderung von Arbeitsspitzen (die Ernte einiger Arten liegt zum Beispiel vor der Weizenernte),
- (begrenzte) Einsatzmöglichkeiten von Gülle im Herbst als Teilersatz mineralischen Düngers.
Nachteile:
- Hohe Witterungsempfindlichkeit, insbesondere in der Zeit während der Blüte und bei der Ernte.
- Häufig ist die Trocknung des Erntegutes notwendig. Dabei ist unmittelbare Trocknung oder zumindest Belüftung nach dem Drusch zur Vermeidung von Keimschäden unbedingt erforderlich. Die Vermehrungsfirmen stellen nach Absprache Trocknungsmöglichkeiten zur Verfügung.
- Die Preise für Grassamen schwanken, weil nicht allein die Vermehrungsfläche in Bayern oder Deutschland, sondern in Europa ja sogar in Übersee die Preise bestimmen.
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kurzer Rückblick
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die professionelle Vermehrung von Gräsern keine lange Tradition hat. Im Jahr 1914 wurde durch die Bayerische Landeszuchtanstalt eine Umfrage über den Samenbau bei Gräsern bzw. Klee in sämtlichen Gemeinden Bayerns durchgeführt. Zwar gab es Kenntnisse im Bereich Kleevermehrung, die Vermehrung von Gräsern war aber fast gänzlich unbekannt. Allerdings ist dieser Zustand bei genauerer Betrachtung wenig verwunderlich: Erst 1919 begann durch die von Bayern ausgehende Grünlandbewegung eine systematische Grünlandforschung in Deutschland. Ökonomierat Ludwig Niggl (1875-1971) und Professor Carl Albert Weber (1856-1931) prägten den Ausdruck „Grünland“ als „Sammelbegriff für alles grünende Land, das der Futterwirtschaft dient“; bis dahin war dieses Wort im deutschsprachigem Raum nicht bekannt. Die Grünlandbewegung kann als Initialzündung für die Grünlandverbesserung angesehen werden. Ein Ergebnis aus den nachfolgenden Forschungen war, dass für eine Verbesserung der Futtergrundlage regional angepasstes, leistungsfähiges Saatgut notwendig ist.
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Produktion
- Standort- und Klimaansprüche
Informationen über Boden- und Wasseransprüche sowie Witterung.
- Saatmethoden und -termin
Erläuterungen zu Frühjahrsuntersaat, Frühjahrsblanksaat, Sommerblanksaat und Herbstuntersaat. Anforderungen an die Deckfrucht und Saatbettbereitung.
- Fruchtfolge
Der hohe Vorfruchtwert und die ertragsstabilisierende Wirkung für die gesamte Fruchtfolge beruht auf folgenden Vorgängen: Zufuhr von organischer Substanz, phytosanitäre Wirkung und Verbesserung von bodenphysikalischen Eigenschaften.
- Düngung
Hinweise zur Stickstoff-, Phosphat- und Kaliumdüngung. Bei der Stickstoffdüngung wird zwischen vier Terminen unterschieden: Spätsommerdüngung (August bis Anfang September), Herbstdüngung (nach Herbstnutzung), Frühjahrsdüngung (bei Vegetationsbeginn) und Spätkopfdüngung (2. N-Gabe bei Schoßbeginn).
- Pflege und Pflanzenschutz
Unkräuter, Ungräser, Krankheiten und Schädlinge können in der Grassamenvermehrung zu starken Ertrags- und Qualitätsminderungen führen. Um das Risiko zu minimieren, sind direkte und indirekte Kulturmaßnahmen auf den Pflanzenbau abzustimmen.
- Ernte und Reife
Zusammenfassende Übersicht über die Erntetechniken: Einphasendrusch, Zweiphasendrusch und Schwaddrusch.
- Belüftung und Trocknung
Hier finden Sie Hinweise zu Schütthöhen, Flächenbedarf und Trocknungstechnik.
- Saatgutanerkennung
Anbauhinweise zu ausgewählten Arten
Empfehlungen hinsichtlich Standortwahl, Fruchtfolge, Aussaat, Düngung, Pflege, Pflanzenschutz und Ernte bei den Arten:
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Marktentwicklung
- Europa und Welt
Zusammenfassung der geographischen Konzentration von Anbaugebieten, Entwicklung der weltweiten Produktionsflächen und Produktionsmengen.
- Deutschland
Überblick über Selbstversorgung, Absatzmöglichkeiten im Futter- und Rasensaatgutbereich.
- Bayern
Flächenumfang, Ertragszahlen, Artenspektrum und regionale Konzentration der bayerischen Gräser- und Kleevermehrungsvorhaben.
- Förderung
Fördermöglichkeiten der Gras- und Kleesamenvermehrung in Bayern.
Weitere Themen
- Nährstoffentzüge bei der Grassamenproduktion
Während für die ‘großen‘ landwirtschaftlichen Kulturen Faustzahlen für den Nährstoffentzug vorliegen und zwischen Bund und Ländern abgestimmt sind, fehlten diese für den Grassamenanbau im Bundesgebiet nahezu völlig. Deshalb hat der Fachbereich Agrarwirtschaft der Universität Gesamthochschule Paderborn in Zusammenarbeit mit der Deutschen Saatveredelung (DSV) Untersuchungen zum Nährstoffgehalt von Samen und Stroh bei den wichtigsten Grasarten durchgeführt. Diese Untersuchungsreihen wurden mit Daten der LFL zusammengeführt.
- Auswirkungen des Silierens auf die Keimfähigkeit von Ampfersamen (Rumex spp.)
In Futterbau- und Grünlandbetrieben kann die Verunkrautung mit Ampfer (Rumex spp.) ein Problem sein. Ob sich der Samenkreislauf des Ampfers durch Silieren unterbrechen oder einschränken lässt, wurde untersucht.
- Pflanzenschutzhinweise für den Grassamenbau
Links zu themenverwandten Inhalten
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Die Masse der Inhalte zu diesem Thema finden Sie auch hier als PDF
- (Masterarbeit Ludwig Dollinger 2010)
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Verwendete Literatur
Grundler, T. (2006). Steinach als Ausgangspunkt der deutschen Grünlandbewegung - Ein historischer Streifzug von 1904-1972. In Die Zukunft von Praxis und Forschung in Grünland und Futterbau - 50. Jahrestagung der AGGF (S. 14-19). Freising: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft.
Niggl, L. (1953). Die Geschichte der deutschen Grünlandbewegung 1914-1945. Steinach.
Weller, K. (1947). Der Samenbau der Gräser. Hannover: Landbuch-Verlag.
Januar 2012
Ludwig Dollinger und Dr. Stephan Hartmann
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102
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