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Chinesische Heilpflanzen aus Bayern ? – Nach Experten- Fachexkursion durch China Kooperation vereinbart !
Seit mehreren Jahren wird am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft über den dokumentierten und kontrollierten Feldanbau ausgewählter Heilpflanzen, die in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) Verwendung finden, geforscht. Beteiligt an diesem von dem Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Bomme geleiteten interdisziplinären Forschungsprojekt sind Fachleute aus den Bereichen Medizin (Dr. Friedl, DECA), Pharmakognosie (Prof. Dr. Bauer, UNI Graz), Botanik (Prof. Dr. Heubl, LMU) und Sensorik (Frau Dr. Torres Londono, Fa. Kräuter Mix). Damit ist gewährleistet, dass nicht nur der Ertragsaspekt, sondern genauso die Belange der botanischen Identifizierung des Pflanzenmaterials, das Inhaltsstoffmuster, die sensorische Qualität und die Wirkungsweise dieser Pflanzen Berücksichtigung finden.
Die Verbesserung der Arzneimittelsicherheit und der Akzeptanz der von der Bevölkerung sehr erwünschten TCM bei Gesundheitsbehörden und Krankenkassen sowie die Kooperation zwischen Landwirtschafts- und Gesundheitsressort haben das Bayerische Landwirtschaftsministerium zu einer speziellen finanziellen Förderung dieses Projektes veranlasst. Dadurch ist es auch möglich geworden, im Rahmen einer Fachexkursion nach China einen intensiven Erfahrungs- und Informationsaustausch zur Förderung der TCM und zur Sicherung der Qualität des Pflanzenmaterials in Gang zu bringen. Durch die perfekte Vorbereitung, Organisation, Betreuung und Übersetzung vor Ort durch Dr. Hongbin Zhang, in Moosburg lebender chinesischer Agrarwissenschaftler, wurde die anstrengende Reise zu einem vollen Erfolg.
Während des neuntägigen Aufenthaltes wurden an insgesamt acht Orten fünf Institute bzw. Universitäten, vier botanische Gärten und Herbarien, mehrere Heil- und Würzmittelmärkte bzw. Handelsbetriebe, zwei Verarbeitungsfirmen, eine TCM-Klinik, eine Apotheke, verschiedene Felder mit TCM-Pflanzen sowie ein Naturschutzpark mit vielen wild vorkommenden Heilpflanzen besichtigt.
Die vielen Informationen aus den regen Fachdiskussionen und Eindrücke, die die von Prof. Bomme geleitete interdisziplinäre Delegation aus China mitbringen konnte, haben weitere Anregungen zur Optimierung der Forschungen gebracht. Gleichzeitig sind sie die Bestätigung dafür, dass der eingeschlagene Weg, einen gezielten und kontrollierten Anbau verschiedener dieser Pflanzen im Inland zu beginnen und durch gemeinschaftliche Anstrengungen mit chinesischen Fachinstitutionen die Qualität der getrockneten Ernteprodukte – der sogenannten „Drogen“ - zu verbessern, genau der richtige ist. Dies wird auch von der chinesischen Seite so gesehen, zumal wegen der großen Palette der Heilpflanzen und der großen benötigten Mengen ohnehin nur ein kleiner Teil in Deutschland angebaut werden kann. Mit dem Chongqing Institute of Medicinal Plant in der Provinz Sichuan konnte erfreulicherweise ein Abkommen für eine künftige Kooperation bei der Anbauforschung geschlossen werden.
Nach den Erkenntnissen dieser Fachexkursion, die vom 19. bis 29.05.04 von Peking über die Provinzen Hebei, Shandong (Partnerschaft mit Bayern) und Sichuan bis nach Hongkong führte, und aufgrund der guten Ergebnisse des bayerischen Forschungsprojektes könnten künftig einige chinesische Heilpflanzen wie Chinesische Engelwurz, Chinesischer Salbei, Baikal-Helmkraut oder Chinesisches Mutterkraut feldmäßig in Bayern angebaut werden. Nun sind die Abnehmer aufgefordert, mit ersten Vertragsanbauten in Bayern zu beginnen!
Reiseroute der China-Fachexkursion vom 19.05. bis 29.05.2004
Start in Peking am "Platz des Himmlischen Friedens" (von links: Dr. Friedl, DECA; Prof. Dr. Heubl, LMU; Delegationsleiter Prof. Dr. Bomme, LfL; Dr. Torres Londono, Fa. Kräuter Mix; Prof. Dr. Bauer, UNI Graz; Betreuer und Übersetzer Dr. Zhang)
Im Chinesischen National Herbarium in Peking
Prof. Heubl beim Begutachten verschiedener Herbarbelege
Rege Fachdiskussion mit Prof. Xiao Pei-Gen (2. von links) am Institute of Medicinal Plant Development (IMPLAD) in Peking
"Drogen"markt in der "Kräuterhauptstadt" Anguo (Provinz Hebei)
Im TCM-Pflanzen-Schaugarten von Anguo (Provinz Hebei)
Fachdiskussionen in der modernen Verarbeitungs- und Handelsfirma "Mayway Anguo", Provinz Hebei
Die chinesisch-deutsche Wissenschaftlergruppe vor der Shandong University of Traditional Chinese Medicine in Jinan, Provinz Shandong; 4. von links Delegationsleiter Prof. Dr. Ulrich Bomme
Dankesreden beim offiziellen Abendessen in Jinan, Provinz Shandong (stehend von links: Übersetzer Dr. Zhang, Delegationsleiter Prof. Bomme, stellv. Landwirtschaftsminister Wang Pei Zuan, Prof. Bauer)
Dekoktherstellung in der Shandong TCM-Klinik in Jinan
Mischkulturanbau von Mais und Chinesischer Engelwurz (Angelica dahurica) bei Nanchuan, Provinz Sichuan
Die chinesisch-deutsche Wissenschaftlergruppe vor dem Chongqin Institute of Medicinal Plant, Provinz Sichuan(von links: 2.: Prof. Fan Fiayong, Chengdu University of Traditional Chinese Medicine; 5.: Delegationsleiter Prof. Ulrich Bomme; 6.: Institutsdirektor Dai Weijie)
Terrassenanbau von Chinesischer Engelwurz (Angelica dahurica) bei Nanchuan, Provinz Sichuan
Modernes Anbaukonzept für Chinesischen Salbei (Salvia miltiorrhiza) an der School of Chinese Medicine der Hong Kong Baptist University
Vor der School of Chinese Medicine der Hong Kong Baptist University (3. von rechts: Direktor Prof. Kelvin Chan, 4. von rechts: Delegationsleiter Prof. Ulrich Bomme)
In einer Kräuterhandelsfirma in Hongkong
Vielseitiges Angebot an getrockneten Pflanzen und Tieren ("Drogen") in Hongkong
Entspannter Delegationsleiter Prof. Ulrich Bomme (Mitte) in Hongkong kurz vor dem Heimflug
Juni 2004
Prof. Dr. Ulrich Bomme (IPZ 3d)
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102
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