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Chinas Heilpflanzen bereichern Bayerns Anbaupalette
Direkter Wissenstransfer in die Praxis
Ein "Paradebeispiel für angewandte Forschung" am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising nannte Projektleiter Prof. Dr. Ulrich Bomme anlässlich einer Feldführung am 24. August 2005 den deutschlandweit ersten vertraglich geregelten Pilot-Praxisanbau mit einigen chinesischen Heilpflanzen in Mittelfranken. Sechs Jahre interdisziplinärer Forschung und engagierte Pioniere auf der Anbauer- und Abnehmerseite seit diesem Jahr haben den erfolgreichen Sprung vom Versuchsanbau in das erste Praxisstadium ermöglicht. Aus diesem Anlass hatte Prof. Bomme zusammen mit den Landwirten Fachleute aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in Deutschland zu einer Feldbegehung mit anschließender Diskussion eingeladen.
Interdisziplinäre Forschung mit TCM-Pflanzen
Seit 1999 beschäftigt sich die Landesanstalt in einem vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium, seit Ende 2004 auch von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, finanziell geförderten Forschungsprojekt mit der systematischen Anbauforschung von 16 ausgewählten chinesischen Heilpflanzenarten. Eingebunden in das Vorhaben sind neben der Landesanstalt der Bereich Pharmakognosie des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz (Prof. Dr. Bauer), der Bereich Biodiversitätsforschung, Systematische Botanik des Department Biologie I der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München (Prof. Dr. Heubl), die Gesellschaft für die Dokumentation von Erfahrungsmaterial der Chinesischen Arzneitherapie (DECA) in Reitmehring (Dr. med. Friedl), die Kliniken SiLiMa in Riedering-Spreng (Dr. med. Friedl) und Am Steigerwald in Gerolzhofen (Dr. med. Schmincke) sowie die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf (Herr Geißendörfer) und zwei staatliche Versuchsstationen der LfL in Bayern. Seit wenigen Jahren besteht auch enge Kooperation mit der "Societas Medicinae Sinensis"/"Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin e.V." (SMS) (Dr. Hummelsberger) in München sowie den Firmen PhytoLab in Vestenbergsgreuth (Dr. Kabelitz, Frau Dr. Groß) und Kräuter Mix in Abtswind (Frau Dr. Torres-Londoño, Frau Friedmann).
Die Untersuchungen erstrecken sich von der detaillierten taxonomischen Einordnung mit Hilfe von DNA-Fingerprintanalysen über die züchterische Bearbeitung, die Keimungsphysiologie, das Wachstums- und Ernteverhalten, die Erntetechnologie und das Inhaltsstoffspektrum bis hin zu vergleichenden sensorischen und Qualitätsuntersuchungen des in den Versuchen gewonnenen Drogenmaterials (Droge = getrocknete Pflanzenteile) mit Importware.
Forschung ermöglicht Praxisanbau
Unter Berücksichtigung der Aspekte "Botanische Identifizierung", "Inhaltsstoffspektrum", "Qualität" und "Agronomische Ergebnisse" ist ein dokumentierter Feldanbau mit definiertem Pflanzenmaterial verschiedener Arten in Deutschland realisierbar. Im Jahr 2005 konnte nun mit beratender Unterstützung der Landesanstalt ein Pilot-Vertragsanbau mit den Arten Angelica dahurica, Salvia miltiorrhiza, Saposhnikovia divaricata, Scutellaria baicalensis (Wurzeldrogen), Artemisia scoparia, Leonurus japonicus, Siegesbeckia pubescens (Krautdrogen) in Bayern in die Wege geleitet werden. Auf insgesamt rund 10.000 m² bauen die beiden Betriebe Thomas Burk und Gerhard Frieß aus der Anbaugemeinschaft Rother Land und der Betrieb Karl Pfeiffer von der Erzeugergemeinschaft Aischgrund das Pflanzenmaterial für die Firmen China-Medica GmbH, Tegernsee und die SinoRes GmbH, Lüneburg an.
Die Landwirte sind versierte Spezialisten, die schon seit vielen Jahren professionell und großflächig europäische Heilpflanzen wie Echinacea, Johanniskraut, Pfefferminze oder Zitronenmelisse anbauen und zur Droge verarbeiten. Die gut gepflegten Bestände der chinesischen Heilpflanzen in den Betrieben Burk (Gustenfelden, Lkr. Roth) und Pfeiffer (Mailach, Lkr. Erlangen-Höchstadt) sprachen für sich und überzeugten auch kritische Fachleute aus dem Bereich der TCM-Ärzte, -Apotheker und -Handelsfirmen.
Selbstverständlich müssen für eine abschließende Beurteilung erst die genauen Qualitätsuntersuchungen der Drogen durch die Abnehmer abgewartet werden. Aufgrund der langjährigen Untersuchungen in Rahmen des Forschungsprojektes sind hier aber kaum böse Überraschungen zu erwarten.
Abgerundet wurden die beiden Feldführungen durch eine Besichtigung der großen Aufbereitungs- und Trocknungsanlage für europäische Heilpflanzen im Betrieb Hans-Wolfgang Ochs in Mailach. Bei größeren Abnahmemengen könnte eine solche Anlage künftig genau so für chinesische Heilpflanzen eingesetzt werden.
Dank an "Pioniere" und Geldgeber
Zum Ende der Veranstaltung nach einer rege geführten Diskussion bedankte sich Prof. Bomme bei den Landwirten für die gute Vorbereitung der Veranstaltung sowie das von ihnen und den Abnehmern (Herr Bachhuber, China Medica und Herr Löschner, SinoRes) gezeigte Engagement. Besonderer Dank gebühre weiterhin dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe für die finanzielle Förderung sowie den Firmen PhytoLab und Kräuter Mix für die große Unterstützung.
Chance muss von Abnehmern genutzt werden
Abschließend betonte Bomme, dass ein kontrollierter Anbau der "kurzen Wege" zwischen Produzent und Abnehmer von TCM-Drogen entsprechend der schon lange realisierten Praxis bei europäischen Arzneipflanzen einen wesentlichen Beitrag für die Versorgungs- und Arzneimittelsicherheit sowie für die Akzeptanz der TCM bei Gesundheitsbehörden und Krankenkassen leisten könnte. Nun seien die Abnehmer aufgefordert, die einmalige Chance zu nutzen und diesen Pilot-Anbau als Initialzündung zu betrachten! Erst wenn ein größerer Bedarf bestünde, könne an eine vorsichtige Anbauausweitung gedacht werden, die aber weiterhin großen Beratungsaufwand seitens der Landesanstalt und Experimentierfreudigkeit der Anbauer erfordere.
Bild 1: Prof. Dr. Ulrich Bomme (im bereits einmal beernteten Feld) und Landwirt Thomas Burk (2. von links) erläutern den Anbau von Leonurus japonicus
Bild 2: Angeregte Diskussion über Artemisia scoparia (ganz rechts Landwirt Gerhard Frieß, daneben Landwirt Thomas Pfeiffer, 6. von rechts Dr. med. Fritz Friedl, DECA)
Bild 3: Großes Interesse an Scutellaria baicalensis
Bild 4: Die professionelle Aufbereitungs- und Trocknungsanlage von Hans-Wolfgang Ochs beeindruckt die Besucher
Bild 5: Fachmännische Begutachtung des geschnittenen und getrockneten Krautes von Leonurus japonicus (von links nach rechts: Landwirte Karl und Thomas Pfeiffer; Dr. med. Josef Hummelsberger, SMS; Dr. Hongbin Zhang)
Bild 6: Prof. Dr. Bomme wird vom Bayerischen Fernsehen interviewt.
August 2005
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102
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