Pflanzen- und umweltgerechte Düngung von Arznei- und Gewürzpflanzen in Bayern

Traktor mit Schleuderstreuer auf dem Feld

Umsetzung der neuen Düngeverordnung vom 26. Mai 2017 (BGBl. I S. 1305)

Die Feldkulturen der Arznei-, Tee-, Gewürz- und Kosmetikpflanzen (kurz: Arznei- und Gewürzpflanzen) müssen wie alle anderen Feldfrüchte gedüngt werden – bedarfsgerecht und umweltgerecht. Seit 02.06.2017 gilt die neue Düngeverordnung, die unter anderem die Ermittlung des Stickstoff- und Phosphor-Düngebedarfs sowie die N- und P-Nährstoffbilanzierung vor allem in der Form, im Umfang und in den Konsequenzen neu regelt. Die Düngung entsprechend des Bedarfs und des Entzugs der Pflanzen entspricht der bisherigen guten fachlichen Praxis.

Arznei- und Gewürzpflanzen als Hauptkultur oder als Zweitfrucht

Die Kulturen der Arznei- und Gewürzpflanzen werden in Bayern den Ackerkulturen zugeordnet. In der Regel werden die Arznei- und Gewürzpflanzen als Hauptkulturen angebaut. Wenn eine Kultur als Zweitfrucht angebaut und im Anlagejahr geerntet wird, darf diese gedüngt werden. Die erforderliche Düngebedarfsermittlung kann mit den Bedarfswerten und den Ertrags-Zu- und Abschlägen der Hauptfrucht berechnet werden. Es kann dabei entweder der Rechengang für Hauptfrüchte oder für Zweitfrüchte verwendet werden. Wenn eine Kultur als Zweitfrucht angebaut und im Anlagejahr nicht geerntet wird, darf diese nicht gedüngt werden.

Für die Ermittlung des Düngebedarfs stehen die erforderlichen Basisdaten und ein EDV-Düngebedarfsermittlungsprogramm zur Verfügung

Besonderheiten

Die verschiedenen Arznei- und Gewürzpflanzen weisen viele Besonderheiten auf, so dass auch für den Umgang mit den Basisdaten und die Umsetzung in die praktische Düngung weitere Informationen und Empfehlungen notwendig sind. Diese werden im Folgenden dargestellt und im Zuge der Beratung und des Erkenntnisgewinns in der Praxis laufend ergänzt.

Berechnung des betriebseigenen Frischmasseertrags (Stand 12.04.18)

Für die Düngebedarfsermittlung ist der zu erwartende Frischmasseertrag notwendig. Dabei kann der betriebseigene Frischmasseertrag verwendet werden, wenn er über Verkaufsbelege nachgewiesen werden kann. Ist der betriebseigene Ertrag nicht bekannt bzw. nicht berechenbar, so kann der mittlere Frischmasseertrag aus Tabelle 1d verwendet werden.
Der betriebseigene Frischmasseertrag ist die Frischmasse, die vom Feld abgefahren und innerhalb der folgenden 5 Tage nicht wieder auf das gleiche Feld zurückgebracht wird. Als zu erwartender Frischmasseertrag ist der Durchschnitt der letzten 3 Jahre anzusetzen.
In den meisten Betrieben ist lediglich der Drogenertrag, d.h. die Masse des getrockneten Endprodukts bekannt. Auf dieser Basis muss auf die Frischmasse hochgerechnet werden. Dabei muss für die Ertragsberechnung auch das Gewicht der Stängel hinzugerechnet werden, wenn diese nach der Aufbereitung des Ernteguts nicht im erfassten Drogenertrag enthalten sind.
Grundsätzlich gilt: das Gewicht aussortierter Pflanzenteile (z.B: Stängel oder Schalen) ist zu berücksichtigen.
Drogengewicht kg TM/ha x Eintrocknungsverhältnis (EV) = Frischmasse kg FM/ha
Beispiel Zitronenmelisse:
EV = 5 (EUROPAM-Daten), die Krautmasse enthält 1/3 Stängel bzw. 2/3 Blätter
Daraus ergibt sich bei 40 dt TM/ha:
40 dt TM/ha Blattdroge x 5 = 200 dt frisches Blatt/ha
200 dt/ha frisches Blatt : (2/3 Blattanteil) = 300 dt frisches Kraut/ha
EUROPAM
Sofern keine eigenen Daten zum Eintrocknungsverhältnis vorliegen, sollen die Zahlen von EUROPAM (European Herbs Growers Association) verwendet werden. Diese sind für alle Kulturen in Basisdaten Tabelle 1d aufgeführt. In Tabelle 1d sind zudem für einzelne Kulturen Kraut-/Blatt- und Stängelerträge separat angegeben. Diese Werte sollen, wenn keine betriebseigenen Daten vorliegen, als Schätzwert herangezogen werden.
Aussortierte Pflanzenanteile weiterer Kulturen aus Versuchs- und Praxiserfahrung (werden ergänzt):
50 % Stängel bei Petersilie, Dill (Dillspitzenproduktion), Koriander
50 % Kapseln bei Mohn
Mit zunehmendem Alter des Aufwuchses steigt der Stängelanteil. Je nach betrieblichen Bedingungen und Erntestrategien können daher begründete Anpassungen am Stängelanteil vorgenommen werden. Diese sind zu dokumentieren. Wird eine hohe Stoppel auf dem Acker belassen, ist der Stängelanteil im Erntegut geringer. Dadurch reduziert sich die Abfuhr, der N-Bedarf des Aufwuchses bleibt jedoch gleich.
Im Beispiel der Zitronenmelisse-Frischmasse entfallen 200 dt auf die Blätter und 100 dt auf die Stängel. Werden die aussortierten Stängel innerhalb von fünf Tagen wieder auf dasselbe Feld zurückgebracht und verteilt, können sie als nicht abgefahren und damit als Ernterückstände gewertet werden. Werden sie später zurückgebracht (z.B. nach Kompostierung) oder auf ein anderes Feld verbracht, müssen sie als organischer Dünger behandelt und angerechnet werden. Die N-Gehalte der Stängel bzw. des Krauts von Tabelle 1d sind zu verwenden.

Ansatz Nmin-Gehalt im Boden

Sobald der Düngebedarf für eine Arznei- und Gewürzpflanzenkultur schriftlich ermittelt werden muss, ist ein Nmin-Wert anzusetzen. Ob dabei ein schlagspezifischer Nmin-Gehalt empfohlen wird oder der publizierte Nmin-Gehalt der LfL genutzt und angerechnet werden kann, ist in der folgenden Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 1: Bestimmung des Nmin-Gehalts zu den verschiedenen Terminen der N-Düngebedarfsermittlung
Termin der N-Düngebedarfsermittlung Schlagspezifischer Nmin-Gehalt Publizierter Nmin-Gehalt Bemerkung
Frühjahr, Kulturbeginn X oder X Für Hauptkultur „Sonstige Fruchtarten“ mit mittlerer Durchwurzelungstiefe (0-60 cm)
Frühjahr, Kulturbeginn, Vorkultur mit großen Ernterückstandsmengen X (empfohlen) oder X Für Hauptkultur „Sonstige Fruchtarten“ mit mittlerer Durchwurzelungstiefe (0-60 cm)
Sommer, Kulturbeginn X oder X Für Zweitfrucht
Spätsommer/Herbst, für letzten Aufwuchs (Kulturen mit 3 oder mehr Ernten X (empfohlen) oder X Für Zweitfrucht
Frühjahr, bei Austrieb (mehrjährige Kultur) X (empfohlen) Für Hauptkultur „Sonstige Fruchtarten“ mit mittlerer Durchwurzelungstiefe (0-60 cm)
Falls bei Arznei- und Gewürzpflanzen keine eigene Nmin-Untersuchung vorliegt, kann für die Berechnungen im Frühjahr der publizierte Nmin-Wert für „Sonstige Kulturen“ in der Tabelle „Hauptfrüchte mit einer mittleren (0-60 cm) Durchwurzelung des Bodens (kg N/ha)“ verwendet werden. DerNmin-Wert wird von der LfL im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt und im Internet veröffentlicht und ist in Abhängigkeit von der Durchwurzelungstiefe der Kultur aus den Nmin-Tabellen anzurechnen.

Nmin-Gehalte Ackerkulturen 2018

Mann nimmt Probe von Boden

Ziehung Nmin- Bodenprobe

Die relevante Durchwurzelungstiefe einer Kultur ist in Tabelle 9d unter „Bodentiefe“ für jede Kultur angegeben. Arznei- und Gewürzpflanzenkulturen, die auf Böden mit flacher (0-30), durchwurzelbarer Auflage stehen, erreichen auf diesen Böden nicht ihre normale Durchwurzelungstiefe. In diesen Fällen und im Fall, dass es sich um eine Kultur handelt, die nur bis 30 cm wurzelt, kann der angegebene Nmin-Gehalt für Hauptfrüchte mit einer mittleren (0-60 cm) Durchwurzelung des Bodens wie folgt reduziert werden: Bei einer Durchwurzelungstiefe des Bodens von circa 30 cm sollten nur 60 Prozent vom Nmin-Gehalt angesetzt werden.
Bei Kulturen mit mehreren Ernteschnitten je Vegetationsjahr ist vor dem Ausbringen der Teilgaben nach den Schnitten keine Nmin-Gehaltsbestimmung erforderlich, da keine neue Düngebedarfsberechnung gemacht werden muss. Bei mehr als zwei Schnitten und wenn die Erträge geringer als erwartet ausgefallen sind, wird vor der Düngung des letzten Aufwuchses eine Nmin-Untersuchung empfohlen, um N-Reste im Boden zu nutzen. Als N-Bedarfswert kann der rechnerische Anteil des N-Bedarfswerts für den letzten Schnitt angesetzt werden.
Ab dem 2. Standjahr wird beim Wiederaustrieb eine schlagspezifische Nmin-Gehaltsbestimmung empfohlen.

Vorfruchtwirkung von Arznei- und Gewürzpflanzen

Ist eine Arznei- oder Gewürzpflanzenkultur Vorfrucht, ist im Ackerbaubetrieb die Vorfruchtwirkung 0 kg N/ha.
Im Düngebedarfsermittlungsprogramm ist als Vorfrucht „sonstiges“ auszuwählen.
In Gemüsebaubetrieben sind für Dill, Petersilie und Schnittlauch die Vorfruchtwirkung aus der Düngeverordnung und die Umsetzungsbestimmungen der LWG zu berücksichtigen.
Unter den Arznei- und Gewürzpflanzenkulturen befinden sich einige, die große Mengen an Ernterückständen und in diesen auch Nährstoffe auf dem Feld zurücklassen (v.a. Stroh einiger Druschfrüchte und Kraut bei Wurzelfrüchten). Da der N-Gehalt in den Ernterückständen in der xl-Rechenhilfe nicht als Vorfruchtwirkung ausgewählt werden kann, wird in diesen Fällen eine schlagspezifische Nmin-Untersuchung vor der Folgekultur empfohlen. Alternativ kann auch eine eigenständige Verringerung des mit der xl-Rechenhilfe ausgegebenen N-Düngebedarfs für die Folgekultur erwogen werden.

Düngung bei verschiedenen Anbau- und Nutzungsformen

Düngung von Druschfrüchten

Der N-Bedarfswert bei Druschfrüchten - wie z. B. bei Arzneifenchel, Kümmel und Nachtkerze (jeweils zur Drogenproduktion) - berücksichtigt sowohl die Frischmasse der abgefahrenen Samen als auch die Frischmasse der Ernterückstände, also des Strohs. Für die Anpassung des N-Bedarfswerts ist alleine der erwartete Samenertrag, d.h. die betriebliche Abweichung vom Tabellen-Standard, relevant. Auch bei Druschfrüchten ist vom Drogenertrag (getrocknete Samen) auf den Frischmasseertrag hochzurechnen, d.h. mit dem Eintrocknungsfaktor (EV 1,5 bei Samen) zu multiplizieren. Der P-Bedarf entspricht dem P-Entzug der Samen. In der xl-Rechenhilfe wird die Anpassung des N- und P-Bedarfs an das betriebseigene Ertragsniveau automatisch errechnet.
Alle Heil- und Gewürzpflanzen, die nicht zur Drogenproduktion sondern zur Saatgutvermehrung angebaut werden, werden der Wildkräutersamenvermehrung zugeordnet. Saatgutvermehrungsbestände von Wildkräutern oder Wildgräsern fallen allgemein nicht unter die Arznei- und Gewürzpflanzen. Die Nährstoffgehalte und N-Bedarfswerte der Wildkräuter und Wildgräser sind in den Tabellen 1a und 9a (Hauptfrüchte des Ackerbaus) unter „Vermehrungspflanzen“ zu finden.

Düngung von mehrschnittigen Kulturen

Kulturen - wie z.B. Zitronenmelisse oder Petersilie - die im Ertragsjahr mehr als einmal geschnitten werden, sind mehrschnittige Kulturen. Dabei ist die Länge der gesamten Kulturdauer ohne Belang.
Bei der Düngebedarfsberechnung ist der Gesamtertrag aller Schnitte eines Vegetationsjahrs als betriebsspezifischer Frischmasseertrag anzusetzen. Die berechnete Düngermenge kann bei Stickstoff wie bisher auf die Phase des Bestandsaufbaus und nach den Schnitten aufgeteilt werden.
Bei Petersilie und Schnittlauch gibt die Düngeverordnung unterschiedliche N-Bedarfswerte für den Aufwuchs bis zum ersten Schnitt und für den Aufwuchs bis zum jeweils weiteren Schnitt vor. Diese Bedarfswerte stammen aus der Produktion für den Frischmarkt. Bei der Produktion für die Verarbeitung weichen die Erträge vor allem der ersten beiden Schnitte deutlich vom vorgesehenen Ertragsniveau ab, d.h. es wird deutlich früher geerntet. Daher wird in diesem Fall empfohlen, die Erträge der ersten beiden Schnitte zusammenzufassen und den Düngebedarf mit dem N-Bedarfswert für den 1. Schnitt zu ermitteln, jedoch wie erforderlich die Gaben aufzuteilen. Alle weiteren Schnitte werden dann wie vorgesehen mit dem N-Bedarfswert für alle weiteren Schnitte gerechnet. Dabei werden die erwarteten Erträge (3-jähriger Mittelwert des Betriebs) der Schnitte zusammengefasst, der Düngebedarf gerechnet und die N-Gaben aufgeteilt. Auch und gerade bei Petersilie und Schnittlauch ist eine Nmin-Untersuchung vor der Düngung des letzten Aufwuchses sinnvoll.

Düngung von mehrjährigen Kulturen

Ernte in jedem Jahr
Mehrjährige Kulturen - wie z. B. Pfefferminze, Zitronenmelisse, Brennnessel oder Sonnenhut - werden über mehrere Jahre beerntet. Für diese Kulturen ist jährlich eine Düngebedarfsermittlung vorzunehmen. Der N-Bedarfswert in Tabelle 9d bezieht sich auf ein Vegetationsjahr, je nach Datenlage wird zwischen dem 1. Kulturjahr und den Folgejahren unterschieden. Bei mehreren Schnitten kann der ermittelte N-Düngebedarf pro Jahr auf die Aufwuchsphasen verteilt werden.
Keine Ernte im Anlagejahr
Bei einigen Kulturen ist im ersten Kulturjahr (Anlagejahr) keine Ernte möglich.
Handelt es sich dabei um die Hauptfrucht (im Mehrfachantrag), besteht ein Düngebedarf. Für 2018 gilt:
  • Zur Düngebedarfsermittlung von Blattfrüchten im Anlagejahr muss die Frischmasse des zu erwartenden Aufwuchses abgeschätzt werden, es darf dabei maximal 50 % des durchschnittlichen Ertrags aus Tabelle 1d angesetzt werden.
  • Zur Düngebedarfsermittlung bei Druschfrüchten kann bis 50 % des Kornertrags, der im Folgejahr erwartet wird, angesetzt werden.
Handelt es sich um die Zweitfrucht, so darf diese im Anlagejahr nicht gedüngt werden.
Ernte nur im letzten Jahr
Einige Wurzelfrüchte erfordern eine mehrjährige Kultivierung bis zur Ernte, z. B. Gelber Enzian, Arzneirhabarber.
In Tabelle 9d sind die N-Bedarfswerte für jedes Kulturjahr angegeben. Diese leiten sich je nach Kultur aus den N-Entzügen im Erntejahr, aufgeteilt auf die übliche Anzahl an Kulturjahren, ab (z.B. Arzneirhabarber) oder aus N-Düngeempfehlungen in der Literatur (z.B. Gelber Enzian). Die erforderliche N-Düngung kann wie gewohnt auf mehrere Gaben aufgeteilt werden.
Bei langsam wachsenden Kulturen, wie zum Beispiel Gelber Enzian, ist nur ein geringer jährlicher P-Bedarf zu erwarten. Dieser wird in den Jahren ohne Ernte über den Bodenvorrat gedeckt. Daher erfolgt bei solchen Kulturen die P-Düngung nur im Erntejahr. In der xl-Rechenhilfe sind die beiden Kulturphasen getrennt angegeben.
Für starkwüchsige Arten, wie zum Beispiel den Arzneirhabarber, tritt dagegen in jedem Kulturjahr ein P-Düngebedarf ein, um das P-Angebot im Boden bedarfsgerecht und zeitnah zu ergänzen. Dabei kann der P-Entzug des Erntejahres gleichmäßig auf alle Anbaujahre verteilt werden. In der xl-Rechenhilfe ist dazu der im Erntejahr zu erwartende Wurzelertrag einzutragen.
Wurzelernte zu Kulturende nach mehrmaliger Kraut- oder Blütenernte
Bei Kulturen, von denen über mehrere Jahre das Kraut oder die Blüten geerntet werden, können zum Abschluss der Kultur auch die Wurzeln genutzt werden, z. B. bei Sonnenhut-Arten, Schlüsselblume, Liebstöckel.
Für diese sind in Tabelle 9d die jährlichen N-Bedarfswerte angegeben, die sich vorwiegend aus der Krautnutzung ergeben. Bei Sonnenhut, der viel Wurzelbiomasse bildet, wurden die N-Entzüge der Wurzeln auf drei Kulturjahre aufgeteilt und bei der Berechnung des jährlichen N-Bedarfswerts berücksichtigt.
Für die Ermittlung des P-Düngebedarfs werden die Entzüge der Blüten oder des Krauts jährlich und der Entzug durch die Wurzelernte erst im letzten Erntejahr berücksichtigt. Daher ist in der xl-Rechenhilfe in der Zeile „Nebenernteproduktabfuhr“ eine Auswahlmöglichkeit vorgegeben, mit der festgestellt wird, ob im Planungsjahr nur das Kraut oder die Blüten (=Haupternteprodukt; dann Nebenernteproduktabfuhr „nein“) oder auch die Wurzeln (=Nebenernteprodukt; dann Nebenernteproduktabfuhr „ja“) am Jahresende geerntet werden. Falls in Kulturen, in denen es nur ein Haupternteprodukt gibt, fälschlich „ja“ ausgewählt wird, hat dies keinen Effekt auf die Berechnung.

Nährstoffbilanz

In Tabelle 1d sind die Nährstoffgehalte aufgelistet. Diese können zur Berechnung der Nährstoffbilanz herangezogen werden. Alternativ können eigene plausible und repräsentative Analyseergebnisse genutzt werden. In der Nährstoffbilanz dürfen nur die Erträge angesetzt werden, die tatsächlich den Betrieb verlassen. Das heißt, dass die Erträge, die in der Düngebedarfsermittlung angesetzt werden, nicht automatisch die Erträge sind, die in die Nährstoffbilanz einfließen.

Kulturen mit Anbaujahren ohne Ernte

Manche Wurzelkulturen werden erst nach mehreren Kulturjahren geerntet. Werden diese in den Jahren ohne Ernte entsprechend ihres Bedarfs gedüngt, wirken sich solche Kulturen während der erntelosen Jahre ungünstig auf die betriebliche Nährstoffbilanz aus. Im Erntejahr ist dagegen ein Abfuhrüberschuss zu erwarten. Dieser Effekt wird dadurch abgepuffert, dass der betriebliche Durchschnitt der Bilanzierung über mehrere Jahre bewertet wird (N 3-jähriger, P 6-jähriger Durchschnitt). Zudem stehen in den Betrieben häufig unterschiedlich alte Kulturen auf den Flächen, damit regelmäßige Ernten möglich sind. Dadurch gleichen sich Aufbau- und Erntejahre potenziell aus.

Wenn Basisdaten fehlen oder stark von der betrieblichen Erfahrung abweichen

Bei der Artenvielfalt der Arznei-, Gewürz-, Tee- und Kosmetikpflanzen liegen nicht für alle Arten Nährstoffdaten vor. Daher sind in den Tabellen 1d und 9d vorwiegend Nährstoffgehaltsdaten und N-Bedarfswerte von Arten veröffentlicht, für die Nährstoffdaten, Düngeempfehlungen oder/und Codes für den Flächennutzungsnachweis vorliegen. Im Zuge der Beratungen zur Düngeverordnung werden nach Bedarf weitere Empfehlungen ausgesprochen, die von der LfL an dieser Stelle kontinuierlich veröffentlicht werden. In größeren Abständen werden auch die Tabellen 1d und 9d entsprechend ergänzt.

Wenn Basisdaten für Ihre Kultur fehlen:

  • prüfen, ob inzwischen Zahlen in den aktuellen Tabellen 1d und 9d ergänzt wurden
  • prüfen, ob die Kultur unter ‚Empfehlungen für Kulturen, für die keine Basisdaten publiziert sind‘, zu finden ist
  • falls dies nicht der Fall ist, bitte Kontakt mit der Beratungsstelle aufnehmen
Wenn bei der Düngebedarfsermittlung der resultierende Düngebedarf auf Grund der publizierten Basisdaten für eine Kultur deutlich unter der betrieblichen Erfahrung liegt, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Beratungsstelle auf bevor Sie den Dünger ausbringen. Liegt der resultierende Düngebedarf höher als in der bisherigen betrieblichen Düngepraxis, darf und soll weniger gedüngt werden als die Berechnung ergeben hat.
Um in Zukunft noch verlässlichere Bedarfs- und Entzugszahlen für die Düngeplanung bereitstellen zu können, planen wir weitere Daten zu erheben. Dazu werden wir zu gegebener Zeit auf die Betriebe zugehen und um Ertragsdaten und Erntemuster für Nährstoffuntersuchungen bitten.

Empfehlungen für Kulturen, für die keine Basisdaten publiziert sind (Stand 25.06.18 ändern)

  • Akelei (Aquilegia vulgaris), Nutzung des blühenden Krauts: N-Bedarfswert im Erntejahr 86 kg N/ha bei 100 dt FM/ha, Eintrocknungsverhältnis 5; Nmin aus 0-60 cm Bodentiefe anrechnen. Entzüge im Erntejahr (kg Nährstoff/dt FM): 0,46 N; 0,14 P2O5; 0,82 K2O; 0,03 MgO
  • Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Krautnutzung: Daten von Kapuzinerkresse verwenden, jedoch den Frischmasseertrag mit einem Eintrocknungsverhältnis von 5 (statt 10) hochrechnen
  • Federmohn (Macleaya cordata), Krautnutzung: N-Bedarfswert 1. Standjahr 134 kg N/ha bei 220 dt FM/ha, ab 2. Standjahr 193 kg N/ha bei 480 dt FM/ha; jeweils Nmin aus 0-60 cm Bodentiefe anrechnen. EV 5. Entzüge im 1. (ab 2.) Standjahr (kg Nährstoff/dt FM): 0,52 (0,36) N; 0,08 (0,05) P2O5; 0,41 (0,26) K2O; 0,07 (0,07) MgO
  • Kaukasischer Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz), Wurzelnutzung: Daten von Alant verwenden
  • Schnittknoblauch, Krautnutzung: Daten von „Schnittlauch, gesät nach 1. Schnitt“ verwenden, EV 10
  • Sellerie (Apium graveolens), Krautnutzung für Blattdroge: Daten von Liebstöckel verwenden; Stängelanteil 50%, EV 10
  • Wiesenknopf, Kleiner (Pimpinelle), Nutzung des jungen Krauts (Grüne Soße): Daten von Kerbel verwenden, ebenfalls EV 10
  • Winterhecke, Krautnutzung: Daten von „Schnittlauch, gesät nach 1. Schnitt“ verwenden, EV 10
  • Zitronenverbene (Aloysia citrodora), Krautnutzung: Daten von Eisenkraut, Echtes verwenden
Hinweis zur Nutzung der xl-Rechenhilfe
Heil- und Gewürzpflanzen, die im Tabellenblatt „Heil- und Gewürzpflanzen“ nicht zu finden sind, sind unter dem Tabellenblatt „Acker sonstiges“ zu berechnen. Die dazugehörigen Daten sind aus den Basisdaten oder dieser Umsetzungsbestimmung zu entnehmen und in das Tabellenblatt „Bedarfswert_sonstiges“ einzutragen. Sind die Werte eingetragen, erscheint die Kultur im Tabellenblatt „Acker sonstiges“.