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Der Hopfen
Der Hopfen hat eine lange Tradition
Bereits bei den alten Kulturvölkern der Babylonier und Ägypter fand der Hopfen als aromatische Pflanze bei der Herstellung von Bier Verwendung. Die Urheimat des Wildhopfens dürften feuchte Bergtäler im vorderen Asien sein.
In Deutschland wurde der Hopfenbau mit großer Wahrscheinlichkeit zur Zeit der Völkerwanderung von den Wenden eingeführt. Urkundlich wurde der Hopfenbau erstmals im Jahre 860 bei Nandlstadt erwähnt. Kriegsgefangene Wenden sollen in unserem Raum Hopfengärten angelegt haben.
Im Jahr 1516 erließ der bayerische Herzog Wilhelm IV. eine Brauordnung mit dem sog. "Reinheitsgebot". Darin ist bestimmt, daß zur Bierherstellung keine anderen "Stücke als Gerste, Hopfen, Wasser verwendet und gebraucht werden sollen". Dieses Reinheitsgebot ist bis heute gültig.
Da Hopfen ein sperriges Gut ist, das zur Zeit des Pferdefuhrwerkes nicht allzu weit transportiert werden konnte, wurde er im Einzugsgebiet der jeweiligen Brauereien, d.h. praktisch fast überall dort kultiviert, wo Bier gebraut wurde.
Im späten Mittelalter wurde in Norddeutschland verbreitet Hopfen angebaut. Aus statistischen Erhebungen der Jahre 1814/15 geht hervor, daß in Süddeutschland Hopfen von Passau bis zum Rheinland angebaut wurde, mit Schwerpunkten um Wasserburg, Memmingen und Nürnberg.
Durch die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse mit gleichzeitiger Erhöhung der Nachfrage, vor allem auch aus dem Ausland, haben sich nach und nach Anbaugebiete herauskristallisiert, in denen die klimatischen, bodenmäßigen und strukturellen Voraussetzungen den Anbau von qualitativ hochwertigem Hopfen begünstigen.
Heute wird in Deutschland Hopfen in den Gebieten Tettnang (Baden-Württemberg), Elbe-Saale (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) sowie in Bayern in den Gebieten Spalt, Hersbruck und Hallertau angebaut. Die Hallertau ist mit 15.500 ha das größte Anbaugebiet der Welt.
Geschichte des Hopfens in Zahlen
| 860 |
Hopfenbau erstmals urkundlich erwähnt (Gründl bei Nandlstadt) |
| 1516 |
Reinheitsgebot: Bier darf nur aus Gerste, Hopfen und Wasser hergestellt werden. |
| 1731 |
Hopfensiegel in Hersbruck |
| 1834 bis 1930 |
Verleihung der Hopfensiegelrechte an die Siegelbezirke in der Hallertau, Spalt und Hersbruck |
| 1874 |
Gründung der ersten Hopfenpflanzervereinigung |
| 1926 |
Gründung der Deutschen Gesellschaft für Hopfenforschung und Beginn der Hopfenforschung in Hüll |
| 1929 |
Erlaß des Hopfenherkunftsgesetzes mit Abgrenzung der Anbaugebiete und Herkunftsbezeichnung |
| 1954 |
Gründung der Hopfenverwertungsgenossenschaft Hallertau |
| 1958 |
Erstmaliger Abschluß von Vorverträgen |
| 1966 |
Abschluß der deutschen Hopfengeschäftsvereinbarungen (Vereinbarung der Hopfenpflanzer- und Händlerorganisation über Qualitätskriterien und Vermarktungsbedingungen) |
| 1971 |
Erlaß der EG-Marktordnung für Hopfen mit Erzeugerbeihilfen sowie Förderung der Sortenumstellung und Strukturverbesserung |
| 1973 |
Das Hopfenforschungsinstitut Hüll wird zum Abschnitt Hopfen der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau |
| 1977 |
Erlaß der EG-Verordnung über die Zertifizierung des Hopfens, wonach jeder Hopfen und jedes Hopfenerzeugnis bezeichnet werden muß nach Anbaugebiet, Erntejahr und Sorte |
| 1996 |
Neues Hopfengesetz, das den Anforderungen der Europäischen Union und des Hopfenmarktes noch mehr gerecht wird sowie neue Vermarktungsformen ermöglicht. |
| 1998 |
Einführung der Rechteckballen und Hofabwaage |
Mit Brief und Siegel - acht Hopfenanbaugebiete in Deutschland
Um den Qualitätsruf des Hopfens zu schützen, haben bereits frühzeitig bestimmte Orte das Recht erhalten, den Hopfen bei der Vermarktung zu siegeln und vor Vermischung oder sonstigen unguten Machenschaften zu schützen.
Nach dem Hopfengesetz sind die Anbaugebiete für Hopfen gesetzlich bestimmt. Nur Hopfen, der dort erzeugt wird, kann zertifiziert werden. Jedes Packstück erhält einen Anhänger mit der Bezeichnung "Deutscher Siegelhopfen", außerdem sind vermerkt das Herkunftsland, das Anbaugebiet, der Siegelbezirk, der Jahrgang und die Sorte des Hopfens. Hopfen, der nicht aus einem gesetzlich bestimmten Herkunftsgebiet kommt oder der bestimmten Qualitätsnormen nicht entspricht, kann nicht zertifiziert und damit nicht vermarktet werden.
Entwicklung des Hopfenbaues in Deutschland
Markante Daten

Die deutschen Anbaugebiete
Stand 2001

Hopfenanbaugebiete in Deutschland

Nur weibliche Pflanzen bilden Dolden
Der Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabinaceae) und der Ordnung der Nesselgewächse (Urticaceae). Der Hopfen ist zweihäusig und Windbefruchter. Nur die weiblichen Pflanzen bilden aus den Blüten Dolden, die nur dann einen hohen Brauwert haben, wenn sie nicht befruchtet werden. Der Kulturhopfen ist eine ausdauernde Pflanze, er kann bis zu 50 Jahre alt werden. Durchschnittlich werden die Hopfenpflanzungen jedoch nur 15 -20 Jahre genutzt und dann wegen des sinkenden Ertrages gerodet. Ausdauernd ist nur der Wurzelstock. Die oberirdischen Teile sind krautig und einjährig, sie werden vom Hopfenpflanzer jedes Jahr abgeschnitten. Im Herbst wandern die Nährstoffe aus der Rebe in den Stock, so daß der junge Austrieb im Frühjahr bis zu einer Höhe von ca. 1 m aus diesen Reserven ernährt werden kann. Das weit verzweigte Wurzelsystem reicht bis in eine Tiefe von 4 m und ermöglicht es der Hopfenpflanze, Nährstoffe und Wasser auch aus größeren Tiefen zu nutzen. Neben dem mehrjährigen Wurzelstock werden in den oberen Bodenschichten jedes Jahr Adventivwurzeln gebildet. Sie treiben aus den mit Erde zugedeckten Teilen der Sproßtriebe und dienen zusätzlich der Ernährung während des Hauptwachstums, vor allem aus den oberen Bodenschichten. Die im Frühjahr aus dem Wurzelstock treibenden Triebe, die wie im Weinbau als Reben bezeichnet werden, sind rechtswindend und halten sich mit Klimmhaaren am Aufleitdraht fest. Ihr Wachstum beginnt im April. Sie erreichen bis Anfang Juli das 7 m hohe Gerüst, so daß die durchschnittliche Wachstumsstrecke pro Tag 10 cm beträgt. Der Hopfen blüht Anfang bis Mitte Juli. Die weiblichen Blüten sind Blütenstände mit bis zu 60 Einzelblütchen. Die Dolden bilden sich allmählich aus den unbefruchteten Blüten, so daß der Hopfen Ende August bis Anfang September den höchsten Brauwert hat und geerntet wird.
Der Hopfen stellt hohe Ansprüche an Boden und Klima
Aufgrund des ausgedehnten tiefgreifenden Wurzelsystems benötigt der Hopfen tiefgründige, gut durchwurzelbare Böden. Bevorzugt sind vor allem gut bearbeitbare mittlere und leichtere Böden, da schwere Böden oft zu Staunässe neigen, was zu Wachstumsstörungen führt. In Bezug auf das Klima verlangt der Hopfen neben ausreichenden Niederschlägen im Sommer für einen hohen Ertrag und einen hohen Bitterstoffgehalt viel Sonnenschein für ein gutes Aroma. Beste Voraussetzungen für einen Hopfen mit hervorragendem Aroma bietet das Anbaugebiet Spalt mit sehr viel Sonnenschein. Bei gleichzeitig geringen Niederschlägen (im Jahresdurchschnitt 650 mm) sind jedoch die Erträge nicht allzu hoch. Das Anbaugebiet Hallertau vereinigt mit einer großen Zahl an Sonnenscheinstunden die Voraussetzungen für ein gutes Aroma und mit hohen Niederschlägen (durchschnittlich 800 mm) auch die Voraussetzungen für hohe Erträge. Unterschiedliche Jahreswitterung ist die Ursache für erhebliche Ertragsschwankungen. So wurden 1994 mit einem ausgesprochen heißen und trockenen Sommer (Juli und August nur 45 % Niederschläge im Vergleich zum langjährigen Mittel) im Durchschnitt nur 26,2 Ztr./ha geerntet; dies war trotz intensiver Pflege und Düngung der niedrigste Hektarertrag seit vielen Jahren. Im Jahre 1996 dagegen konnten bei reichlichen Sommerniederschlägen im Durchschnitt 36,2 Ztr./ha geerntet werden, das sind 37 % mehr als 1994. Diese großen Ertragsunterschiede haben eine ungleiche Marktbelieferung und große Preisschwankungen zur Folge.
Der Hopfen ist die Seele des Bieres
Der Hopfen gibt dem Bier den charakteristischen bitteren Geschmack und sein unverwechselbares Aroma. Von der Hopfenproduktion werden ca. 99,5 % für die Bierherstellung verwendet. Nur 0,5 % werden in der Pharmazie (beruhigende Wirkung) und als Ge schmacksbereicherung für einige Liköre verbraucht. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind im Hopfenmehl (Lupulin) enthalten.
Bedeutung der Inhaltsstoffe des Hopfens für das Bier:
- Bitterstoffe (bewertet in % Alpha-Säuren): bitterrer Geschmack, Schaumbildung, Haltbarkeit
- Aroma (verschiedene ätherische Öle): Geruch, Aroma und Geschmack
- Gerbstoffe: Konservierung und Klärung
Die Erntemenge einer durchschnittlichen Hopfenpflanze (450 g Trockenhopfen) reicht für 650 Liter Bier. Von einem Hektar wird die Hopfenmenge für 25.000 hl Bier produziert. Der durchschnittliche Hopfenbaubetrieb in der Bundesrepublik Deutschland bewirtschaftet 10 ha Hopfen. Dessen Erntemenge reicht für das Bier einer Stadt mit 190.000 Einwohnern (durchschnittlicher Bierverbrauch 130 l/Kopf).
Hopfensorten für alle Ansprüche der Brauer
Aus den Wildformen des Hopfens, der heute noch in verschiedenen Flußauen zu finden ist, wurden in jahrhundertelanger Auslese Sorten gezüchtet. Es sind dies die sogenannten Landsorten, die ebenso wie die neu gezüchteten Aromasorten einen verhältnismäßig niedrigen Bitterstoffgehalt von 3 - 8 % Alpha-Säuren, dafür aber ein gutes bis sehr gutes Aroma haben. Neben diesen Aromasorten wurden durch Kreuzungszüchtung Sorten mit einem höheren Bitterstoffgehalt (8- 10 % Alpha-Säuren), aber meist einem geringeren Aroma gezüchtet. Diese Bitterstoffsorten aus den 70er Jahren sind heute größtenteils ersetzt durch Hochalphasorten mit sehr hohem Bitterstoffgehalt von 12 - 17 % Alpha-Säuren.
Die Züchtung neuer Sorten ist aufwändig
Die Züchtung neuer Sorten muß die vielfältigen An forderungen der Brauwirtschaft berücksichtigen, aber auch die Anforderungen der Hopfenpflanzer nach krank heitsresistenten Sorten, guten Anbaueigenschaften und hohem Ertrag. Im Hopfenforschungszentrum der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Hüll bei Wolnzach wird laufend an der Züchtung neuer Hopfensorten gearbeitet. Dazu werden jährlich 100 gezielte Kreuzungen durchgeführt. Die anschließende Selektion von 100 000 jährlich aus Samen gezogenen Hopfenpflanzen ist ein langer und mühevoller Weg. Zum Entstehen einer neuen Sorte sind 8 - 12 Jahre intensiver Selektion notwendig. Mit neuen Züchtungsmethoden soll die Arbeit des Züchters verbessert und beschleunigt werden, damit durch bessere Resistenzeigenschaften der Pflanzenschutzaufwand weiter verringert werden kann. 70 % der deutschen Hopfenfläche sind bereits mit Zuchtsorten aus Hüll bepflanzt; Sorten, die hohe Brauqualität mit guten Anbaueigenschaften verbinden. Mit der Sorte Hallertauer Merkur konnte aus Hüll die erste mehltauresistente Sorte zugelassen werden.
Vermehrung
Eine neue Sorte entsteht aus einem einzigen Samen. Die weitere Vermehrung erfolgt über Sproßteile, die zu Vegetationsbeginn abgeschnitten werden (Fechser). Die Vermehrungsrate ist gering, so daß es lange dauert, bis von einer neuen Sorte genügend Pflanzen zum Anbau in der Praxis zur Verfügung stehen. Neue Verfahren der Vermehrung mit Bewurzelung von krautigen Trieben haben eine höhere Vermehrungsrate.
Hopfenanbau
Gerüstanlagen müssen jedem Wetter standhalten
Das Gerüst muß die ganze Last des Hopfens tragen. Ein voll ausgewachsener Hopfenbestand kurz vor der Ernte hat ein Gewicht von ca. 40 t/ha. Durch Wasseraufnahme bei Regen und die Belastung durch den Wind (Gewitter!) wird dieses Gewicht auf bis zu 100 t erhöht. Hopfengerüste sind 7 m hoch. 110 Holzmasten je Hektar tragen ein Drahtnetz, das an den Seiten im Boden verankert ist. Die Holzmasten (meist Fichten oder Kiefern) werden mit Imprägniersalz oder Teeröl behandelt, damit sie vor den Witterungseinflüssen geschützt sind. Für das Drahtnetz werden ca. 5 dt/ha Stahlseil und 5,5 dt/ha Stahlstacheldraht benötigt. Eine Gerüstanlage kostet insgesamt etwa 11.000 EUR je Hektar und hat eine Lebensdauer von ca. 30 Jahren.
Im Frühjahr werden die Hopfenstöcke zurückgeschnitten
Die erste Frühjahrsarbeit ist das Aufdecken und Schneiden der Hopfenstöcke. Mit einem Scheibenpflug wird von den Hopfenbifängen die Erde weggeackert. Dabei muß darauf geachtet werden, daß die Stöcke nicht beschädigt werden. Für diese Arbeit, die der Hopfenpflanzer Anrainen nennt, muß der Boden gut abgetrocknet sein. Das Aufdecken wurde früher mit der Haue und das Schneiden mit dem Messer in aufwändiger Handarbeit durchgeführt. Heute werden eigens für diesen Zweck konstruierte Aufdeck- und Schneidgeräte verwendet. In einem Arbeitsgang schneiden zwei rotierende Scheiben die Stöcke zurück und der angebaute Räumer schiebt die Erde ab. Von Bedeutung ist die richtige Schnittiefe. Bei zu tiefem Schnitt wird der Stock beeinträchtigt und er treibt schwächer aus. Die vom Stock weggeschnittenen Teile werden als Fechser bezeichnet. Werden sie eingepflanzt, so entstehen in 2 Jahren wieder vollausgebildete Hopfenstöcke.
Der Aufleitdraht wird jedes Jahr erneuert
Pro Hektar stehen je nach Sorte 1.800 - 2.000 Hopfenstöcke. Für jeden Stock müssen jedes Jahr zwei Aufleitdrähte angebracht werden. Dazu ist am Frontlader des Schleppers eine sogenannte Kanzel angebracht. Mit Hilfe dieser Kanzel können 2 - 3 Arbeitskräfte den Aufleitdraht am Drahtnetz in 7 Meter Höhe befestigen. Anschließend verankern 3 Personen den Draht im Boden. Er erhält einen Knoten und wird mit einem Treteisen in den Boden eingesteckt. Ein solches Team befestigt pro Tag 8.000 - 10.000 Drähte.
Die Hopfenpflege erfordert viel Handarbeit
Aus jedem Stock wachsen im Frühjahr ab Ende April 40-60 Triebe. Für eine normale Entwicklung werden nur 4-6 Triebe benötigt. Die übrigen werden abgeschnitten. Die benötigten Triebe werden "angeleitet", d. h. sie werden im Uhrzeigersinn um den Aufleitdraht gewickelt. Dies ist eine Hilfestellung für die Hopfentriebe, damit sie anschließend leichter weiterwachsen können. Da die Triebe vom Wind während des Wachstums gelegentlich wieder abgetrieben werden, muß auch später noch einige Male "nachgeleitet" werden. Aus dem Wurzelstock wachsen immer wieder neue Triebe heraus. Diese werden nicht benötigt, sie sind sogar eine Brutstätte für Krankheiten und Schädlinge und nehmen dem Stock Wachstumsenergie weg. Sie müssen deshalb in mehreren Arbeitsgängen entfernt werden. Dieses Entfernen der sog. Nachschosser geschieht von Hand oder mit dem Spritzgerät. Es werden dazu Stickstoffdüngemittel auf gelöst und auf die abzutötenden Triebe gespritzt. Dieses Mittel (Ammonsulfat) wirkt damit gleichzeitig zur Abtötung der Nachschosser und als Dünger.
Die Pflege des Hopfens macht sehr viel Arbeit. Allein ein Drittel des gesamten jährlichen Zeitbedarfs von 200 - 250 Stunden je ha, also ca. 80 Arbeitsstunden, muß dafür aufgewendet werden. Gerade in dieser Zeit werden durch entsprechende Pflege die Voraussetzungen für einen hohen Ertrag geschaffen. Nicht umsonst heißt ein altes Sprichwort: "Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen".
Eine gute Bodenfruchtbarkeit ist wichtig
Bodenbearbeitung ist notwendig, damit der Hopfenstock Sommerwurzeln (Adventivwurzeln) bilden kann, das Unkraut vernichtet und der Boden gelockert und durchlüftet wird. Zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit wird im Juli zwischen die Reihen Raps eingesät. Der Raps bildet nach der Hopfenernte einen dichten Bewuchs und schützt den Boden vor Erosion. Gleichzeitig liefert er organische Masse für die Humusbildung und ist Ernährungsgrundlage für die Regenwürmer. Der Raps bleibt über den Winter stehen und wird im April, bevor er blüht, eingemulcht.
Die Düngung des Hopfens erfolgt nach Bedarf
Der Hopfen erzeugt innerhalb kurzer Zeit eine große Pflanzenmasse und entnimmt dabei dem Boden eine große Menge an Nährstoffen. Zur Erzielung eines dauerhaft hohen Ertrages ist es notwendig, daß diese Nährstoffe dem Boden wieder zugeführt werden. Regelmäßige Bodenuntersuchung ist die Voraussetzung für eine Düngung genau nach den Bedürfnissen des Hopfens. Außerdem ist zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit eine regelmäßige Zufuhr organischer Stoffe für die Humusbildung notwendig. Der Hopfenpflanzer düngt deshalb regelmäßig mit organischen Düngern und zur Ergänzung der fehlenden Nährstoffe mit mineralischen Düngemitteln.
Ohne Pflanzenschutz geht es nicht
Der Hopfen wird von verschiedenen Krankheiten und Schädlingen befallen. Die Hopfenperonospora tritt seit 1924 regelmäßig auf. Vor allem in feucht-warmen Sommern sieht man die durch diese Krankheit hervorgerufenen verkrüppelten Triebe, die sogenannten "Bubiköpfe". Besonders gefährlich ist ein Befall der Blüte, der sie zum Absterben bringt und den Ertrag bis zum Totalausfall mindern kann. In den letzten Jahren ist auch Echter Mehltau ein zunehmendes Problem. Seit 1952 tritt in Deutschland auch die Hopfenwelke auf. Sie wird hauptsächlich verursacht durch einen Pilz, der die Saftleitungsbahnen der Hopfenrebe zerstört und sie so zum Absterben bringt. Gegen die Hopfenwelke gibt es keine Möglichkeiten der chemischen Bekämpfung, es wurden aber widerstandsfähige Sorten gezüchtet. Die Viruskrankheiten können ebenfalls nicht chemisch bekämpft werden. Befallene Stöcke müssen gerodet und bei der Neuanlage gesunde Fechser verwendet werden.
Tierische Schädlinge wie Rüsselkäfer, Hopfenblattlaus und Spinnmilben befallen je nach Lage und Witterung oberirdische Pflanzenteile wie Blätter und Dolden und verursachen erhebliche Schäden, wenn sie nicht rechtzeitig bekämpft werden. Das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen hängt sehr stark von dem Zusammenwirken der Witterung, der Lebensweise der Schaderreger und der Widerstandsfähigkeit der Kulturpflanzen ab. Der Pflanzenschutzwarndienst gibt dem Hopfenpflanzer Hinweise über den richtigen Zeitpunkt einer Bekämpfung, damit unnötige Spritzungen vermieden werden und trotzdem gesunder Hopfen erzeugt werden kann. Die Mittel zur Bekämpfung dieser Krankheiten und Schädlinge werden einer strengen Prüfung auf Wirksamkeit, Umweltverhalten und Unbedenklichkeit für das Erntegut unterzogen, bevor sie vom Hopfenpflanzer eingesetzt werden dürfen. Zum Ausbringen der Pflanzenschutzmittel sind spezielle Spritzgeräte (Gebläsespritzen) entwickelt worden, die das Spritzmittel über die gesamte Höhe gleichmäßig verteilen.
Perfekte Ernte und Trocknung zur Sicherung der Qualität
Die letzte große Arbeitsspitze des Hopfenbauern ist auch heute noch die Ernte. Im Mittelpunkt der Hopfenernte steht die stationäre Pflückmaschine. Die Hopfenreben müssen mit 40 Fahrten je ha zur stationären Pflückmaschine auf den Betrieb gefahren werden. Die Pflücke und Reinigung des Hopfens erledigen die modernen Maschinen heute mit zwei Mann Bedienung. Mit der Pflücke ist die Ernte jedoch nicht abgeschlossen. Der Hopfen ist Grüngut mit einem Wassergehalt von 80-85 % und muß, um den Verderb zu verhindern, sofort auf 11 % Wassergehalt getrocknet werden. Über Förderbänder wird dazu der Grünhopfen in die 14-15 m hohen Hopfendarren transportiert und bei einer Temperatur von 62-65° C in einer Zeit von 6 Stunden getrocknet. Die Hopfenernte bedingt heute eine kostspielige und komplizierte Technik. Sie ersetzt aber ein Heer von Hopfenpflückern. Ein mittlerer Betrieb mit 15 ha Hopfen bräuchte für die Handpflücke 180 Hopfenzupfer. Mit einer modernen Erntetechnik kann er seinen Hopfen mit 4 Arbeitskräften ernten und trocknen. Allerdings braucht er dazu Erntemaschinen um ca. 125.000 EUR sowie ein Darr- und Lagergebäude mit Einrichtung im Wert von 150.000 EUR. Nur mit dieser modernen Technik ist der Hopfenpflanzer heute konkurrenzfähig.


Hopfen aus Deutschland für Biere in aller Welt
Von der jährlichen Erntemenge wird nur ein Drittel von den deutschen Brauereien verbraucht. Rund zwei Drittel werden in über 100 Länder der Welt exportiert. Vorher wird er nach modernsten Analyseverfahren und traditioneller Handbonitierung untersucht, um beste Qualität zu garantieren. Nur noch 20 % wird unverändert als Doldenhopfen in den Brauereien eingesetzt, 80 % wird nach der Ernte zu Pellets oder Extrakt verarbeitet und vakuumverpackt, damit die Qualität möglichst unvermindert bei den Brauereien ankommt.
Betriebswirtschaft
Der Hopfenanbau ist in Deutschland für 2100 Betriebe mit den darauf lebenden Familien Arbeits- und Lebensgrundlage. Zusätzlich können eine große Zahl von Saisonarbeitskräften beschäftigt werden. Im Durchschnitt erzielen die Hopfenpflanzer pro Hektar bei einem Ertrag von 1685 kg und einem Preis von 3,80 EUR/kg ca. 6.400 EUR Verkaufserlöse. Die Preise unterliegen großen Schwankungen. So betrug z.B. 1996 der Preis für Freihopfen nur 25 bis 100 EUR je Zentner, während 1990 für Freihopfen ein Durchschnittspreis von 705 EUR je Zentner erzielt wurde. Um diese großen Preisschwankungen auszugleichen, werden seit 40 Jahren mehrjährige Lieferverträge mit den Handelsfirmen abgeschlossen, in denen ein Teil der Ernte im voraus zu einem festen Preis, meist 3,50 bis 4,20 EUR/kg, verkauft wird. Der Rest wird zum Freimarktpreis verkauft. Da auch die Erträge von Jahr zu Jahr schwanken, sind die Einnahmen der Hopfenbauern sehr großen Schwankungen unterworfen. Von den Verkaufserlösen für 1 Hektar Hopfen sind jährlich 2.800 bis 3.200 EUR an variablen Kosten (für Dünger, Aufleitdraht, Pflanzenschutzmittel, Heizöl für die Trocknung, Treibstoff u. a.) abzuziehen. Der verbleibende Deckungsbeitrag von 3.200 - 3.600 EUR je Hektar ist erforderlich für Abschreibungen (also Rücklagen für Neuanschaffungen veralteter Maschinen) und ist der Lohn für die Arbeit. Der Hopfen ist als Spezialkultur arbeits- und kapitalaufwendig, der Hopfenbauer muß viel Kapital investieren und viel arbeiten.
Hopfenbau in der Welt
Hopfen wird in mehr als 50 Ländern der Erde kultiviert. Nur Deutschland, USA, Tschechien, Polen und Slowenien produzieren für den Weltmarkt, während die anderen Länder Hopfen für den Eigenbedarf er zeugen und nur einen nicht benötigten Überschuß exportieren. Die Gesamthopfenfläche der Erde beträgt 58 946 ha (2001)
Hopfen gedeiht nur zwischen dem 35. und 55. Breitengrad, weil hier die langen Tage im Sommer die Voraussetzungen für die Blüte erfüllen.
Näher zum Äquator, also unter dem 35. Breitengrad, sind die Tage im Sommer kürzer und der Hopfen kann nicht richtig blühen und ausreifen.

Fotos: Josef Christl, Wolnzach; Karin Fries, München; Georg Roßbauer, Wolnzach; Wolfgang Seemann, München; Siebenbrodt, Bavaria Bildagentur, München; Josef Söklar, Pfaffenhofen; Andreas Ultsch, Regensburg; Eberhard Vogel, Regensburg
November 2003
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102
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