55. Kongress des Internationalen Hopfenbaubüros in der Hallertau 2015

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Der 55. Kongress des Internationalen Hopfenbaubüros fand in Bad Gögging in der Hallertau satt. Die Gemeinschaftsveranstaltung wurde durch den Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hopfenwirtschaftsverband e.V. organisiert. Die fachliche Betreuung erfolgte durch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Arbeitsbereich Hopfen aus Hüll, Wolnzach und Freising.

Fachprogramm

Besichtigung des Hopfenbaubetriebes Metzger in Altdürnbuch

Pflücktechnik
Die Pflücktechnik auf dem Betrieb Metzger mit einer Gesamtpflückleistung von 800 bis 1000 Reben je Sunde wurde von Herrn Stefan Fuß von der Arbeitsgruppe Hopfenbau und Produktionstechnik vorgestellt. Der Betrieb Metzger setzt dabei auf das „Zwei – Maschinen – Konzept“, da auch bei einem kurzfristigen Ausfall einer Maschine, mit der zweiten Maschine weiter gepflückter Hopfen für den Trocknungsprozess zur Verfügung gestellt werden kann. Im Vortrag konnte er durch eine Animation, die dankenswerterweise von der Firma WOLF Anlagen-Technik GmbH & Co. KG Geisenfeld zur Verfügung gestellt wurde, anschaulich alle Baugruppen der Pflückmaschinen erklären. Besonders deutlich konnte durch eine Zeitrafferaufnahme der zusätzliche Pflückeffekt von gefederten Pflückfingern gezeigt werden. Auch auf die Hopfenvorentnahme vor der Saugwindreinigung, die sich als eine der wichtigsten Nachrüstmaßnahme bei bestehenden Pflückmaschinen bewährt hat, wurde ausführlich beschrieben. Insgesamt setzt der Betrieb auf bewährte Pflücktechnik, die in dieser Form schon viele Jahre auf dem Betrieb steht und dadurch die Wartung und Reparaturen in den meisten Fällen ohne externe Hilfe kostengünstig durchgeführt werden können.
Vorstellung der Hochalphasorte Herkules und Hüller Special Flavor-Sorten
Die Fortschritte in der Hopfenzüchtung der LfL konnte Züchter Anton Lutz auf dem Betrieb Metzger bei der Bestandsbesichtigung der Hüller Zuchtsorten Herkules und Mandarina Bavaria für die IHB-Tagungsteilnehmer besonders gut unter Beweis stellen.
Im Hochalphabereich ist es mit Einführung der Sorte Herkules gelungen, stabil hohen Ertrag von 2.700 kg/ha, sehr hohe Alphasäurengehalte von 15 – 18 % und gute Krankheitstoleranz bzw.-resistenz in idealer Weise zu kombinieren. Für die Brauwirtschaft sind seine ausgezeichnete Brau- und Bitterqualität sowie seine ausgeprägte Lagerstabilität entscheidend. Sowohl die Hopfenpflanzer als auch die Brauer schätzen die Vorzüge und Stabilität dieser Sorte. Deshalb wurde Herkules innerhalb von weniger als 10 Jahren flächenmäßig zu der bedeutesten Hopfensorte in Deutschland mit aktuell 4.150 ha.

Hüller Zuchtsorten: Klassische Aroma-Sorten und Hochalpha-Sorten

Ein neues Marktsegment, so Anton Lutz, wurde mit der Züchtung der neuen Special Flavor-Sorten Mandarina Bavaria, Huell Melon und Hallertau Blanc den deutschen Pflanzern eröffnet. In Rekordzeit von nur 4 – 6 Jahren wurden diese Spezialaromasorten selektiert und von der Gesellschaft für Hopfenforschung 2012 als Sorten angemeldet. Erstmals können Hüller Zuchtsorten mit Mandarinen-, Melonen-, Erdbeer-, Stachelbeer-Aromen begleitet von traditionell hopfigen Noten der boomenden US-Craft-Brauerszene und innovativen Brauern weltweit für ihre Bierkreationen an die Hand gegeben werden. Aber, so fügte Anton Lutz hinzu, neuartige Aromaausprägungen sind für die Hüller Züchtungen alleine nicht ausreichend. Selbstverständlich müssen Neuzüchtungen zuallererst ihre Widerstandsfähigkeiten gegen Krankheiten und Schädlinge sowie ihr agronomisches Leistungspotential beweisen.
Die Anbaufläche der neuen Hüller Special Flavor-Sorten ist inzwischen auf 450 ha gestiegen. Dennoch kann damit die steigende Nachfrage der Brauer weltweit für diese einzigartigen Aromen Hüller Prägung noch nicht gedeckt werden.

Hüller Special-Flavor-Hopfen-Sorten

Trocknung und Konditionierung
Auf dem Betrieb Metzger erklärte Herr Jakob Münsterer die betrieblichen Abläufe bei der Trocknung und Konditionierung. Mit einer Darrfläche von 2 x 45 m² und vier Konditionierungskammern mit jeweils 65 m² sind die technischen Einrichtungen sehr groß dimensioniert. Anhand einer Präsentation und eines Videos schilderte Herr Münsterer die betrieblichen Abläufe und in einer kurzen Zusammenfassung die komplizierten Vorgänge bei der Hopfentrocknung und Konditionierung. Außerdem gab er einige Hinweise auf die in den letzten Jahren in vielen Versuchen festgestellten Zusammenhänge bei der Hopfentrocknung. Diese Ausführungen waren für alle Teilnehmer eine wichtige Grundlage für den späteren ausführlichen Fachvortrag auf der Fachtagung in Bad Gögging. Anschließend konnten die Besucher in einem moderierten Rundgang die Dimensionen der Trocknungs- und Konditionierungsanlage bestaunen und weitere Informationen sammeln.

Besichtigung des Hopfenforschungszentrums in Hüll

Drahtaufhängegerät
Johann Portner, der Leiter der Arbeitsgruppe Hopfenbau, Produktionstechnik, stellte das Drahtaufhängegerät der Fa. Soller vor, das in einem Verbundprojekt zwischen Hopfen- und Landtechnikspezialisten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Fa. Soller weiterentwickelt und optimiert wurde. Gefördert wurde das Projekt mit Mitteln der Innovationsförderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.
Ziel des Vorhabens war es, das derzeit manuelle Aufhängen des Aufleitdrahtes zu automatisieren. Das Gerät zur vollautomatischen Drahtaufhängung wird am Frontlader des Schleppers angebracht und befestigt während der Vorfahrt den Aufleitdraht in 7 m Höhe in vorgegebenen Abständen vollautomatisch am Hopfengerüst. Dies wird dabei von Sensoren gesteuert und überwacht. Der große Vorteil der Automatisierung besteht darin, dass die Arbeitskräfte auf der Hopfenkanzel eingespart werden können, die Unfallgefahr erheblich reduziert wird und die Arbeit witterungsunabhängig durchgeführt werden kann.
Sensorspritze zur Einzelpflanzenbehandlung
Die Sensorspritze zur Einzelpflanzenbehandlung wurde von Stefan Fuß vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit der Firma Reith Landtechnik GmbH & Co. KG Wolnzach und Firma Agrotop GmbH Obertraubling entwickelt wurde. Sensoren erkennen den Aufleitdraht und damit die Position des Hopfenstockes. Durch dieses Gerät konnte bei verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Schutz des Anwenders, die Dossierung und Platzierung der Pflanzenschutzmittel verbessert werden. Gleichzeitig ist durch die hohe Fahrgeschwindigkeit eine höhere Flächenleistung gegenüber der üblichen Technik möglich. Bei den frühen Sprühbehandlungen in der Saison können sogar die Pflanzenschutzmittelaufwendungen um ca. 50 % reduziert werden. Damit hat diese Innovation sowohl für den Anwender von Pflanzenschutzmittel als auch für die Umwelt erhebliche Vorteile erbracht.
Neuerungen bei Sprühgeräten
Eine Neuentwicklung zur Pflanzenschutztechnik in der Raumkultur Hopfen wurde ebenfalls von Stefan Fuß erklärt. Finanziell unterstützt durch die Erzeugergemeinschaft HVG und in Zusammenarbeit mit der Firma Mitterer KG Terlan Südtirol – Italien konnte ein Prototyp mit vielversprechenden Vorteilen vorgeführt werden. Die einzelnen Gebläse werden nicht über die Zapfwelle sondern über die Schlepperhydraulik angetrieben. Die Drehzahl der Ventilatoren können individuell eingestellt und geregelt werden. Durch die völlig neu gestaltete Luftführung mit mehreren kleinen Ventilatoren gegenüber dem Standard Axialgebläse mit einem Flügel können höhere Vorfahrtsgeschwindigkeiten und damit eine höhere Flächenleistungen erzielt werden.

Zukunftsweisende Forschung in der Hopfenzüchtung

Wie vielfältig und zugleich erfolgreich die Hüller Hopfenzüchtung ist, belegte Frau Dr. Elisabeth Seigner, Leiterin der Züchtungsforschung Hopfen, bei ihrer Vorstellung der aktuellen Züchtungsprogramme der LfL.
Im Fokus stehen gleichrangig die Entwicklung feiner, klassischer Aromasorten und neuer robuster, leistungsstarker Hochalphasorten sowie die Züchtung von Spezialaromasorten mit ganz besonderen, einzigartigen Aromaprofilen. Elisabeth Seigner stellte eingangs heraus, dass seit 2014 der Züchtungsablauf für Hüller Neuzüchtungen, insbesondere in der 2. Phase mit ihrem Praxisversuchsanbau und den Brauversuchen, optimiert wurde.

Der praktische Züchtungsprozess beginnend mit der wissenschaftlichen Planung und Durchführung der Kreuzungen, über die Resistenzprüfungen und dem Sämlings-Testanbau bis hin zur Stammes- und Hauptprüfung verbunden mit den chemischen Analysen wird in bewährter Weise von der LfL fortgeführt. Bei den Anbauversuchen vielversprechender Zuchtstämme werden die Hopfenwirtschaft und die Brauer neuerdings intensiver und breiter eingebunden. Des Weiteren ergänzt und unterstützt das neu ins Leben gerufene Beratungsgremium der GfH den Züchtungsprozess. Ergänzt wird der Selektionsprozess durch standardisierte Brauversuche.

Innovationen bei der Entwicklung von Hüller Zuchtstämmen und Sorten

Den Erfolg der Hüller Züchtung verdeutlichte Frau Seigner an Postern, die einen Überblick zu den aktuellen Aroma- und Hochalphasorten sowie den Hüller Special Flavor-Sorten und Zuchtstämmen geben. Die Hüller Sorten zeigen deutlich verbesserte Krankheitsresistenzen, gesteigerte Ernteerträge und beweisen ausgezeichnete Aroma-und Bitterqualitäten. So sind Landwirte und Brauer in gleichem Maße von den Hüller Zuchtsorten überzeugt, daher werden sie heute auch in der Hallertau auf nahezu 90 % der Hopfenanbaufläche angebaut.
Doch um am Puls der Zeit zu bleiben, gehen die Anstrengungen in der Züchtung weiter. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wird an der Verbesserung der Landsorte Tettnanger hinsichtlich Ertrag und Widerstandsfähigkeit geforscht. Daneben ist die Ergänzung des Portfolios an Special Flavor-Hopfen mit speziellen, einzigartigen Aromaausprägungen eine weitere Herausforderung für das Züchtungsteam in Hüll.

Hopfenanalytik

Während des Besuches der Teilnehmer in Hüll wurden 2 englischsprachige und vier deutschsprachige Gruppen durch die Analytik geführt. Den Besuchern wurden die verschiedenen Analyseverfahren für die wertgebenden Inhaltsstoffe des Hopfens vorgestellt. Die alpha-Säuren sind immer noch die wichtigsten Inhaltsstoffe des Hopfens, obwohl sich momentan insbesondere bei den Craft-Brewern das Interesse mehr zu den Aromastoffen verlagert. Die Polyphenole als dritte Gruppe der Hopfeninhaltsstoffe besitzen viele zusätzliche gesundheitsfördernde Funktionen. Die Besucher waren von der modernen Analytik sehr beeindruckt. Vor allem das neue Gaschromatographie-Massenspektrometersystem löste großes Erstaunen aus. Es wurde diskutiert, ob verschiedene Standorte und Anbauregionen auch einen Einfluss auf die Inhaltsstoffe haben. Viele Fragen gab es auch zum Thema Hopfentrocknung. Werden die Hopfeninhaltsstoffe bei unterschiedlichen Trocknungstemperaturen verändert. Aus diesen Fragen können wertvolle Aspekte für die eigene Arbeit gewonnen werden. Das Thema Trocknung wird gerade vom Kollegen Jakob Münsterer in Zusammenarbeit mit der Analytik intensiv bearbeitet.

Integrierter Pflanzenschutz

Peronospora Warndienst
Auf durchschnittlich 70 €/ha belaufen sich die Spritzmittelkosten für eine Peronosporabehandlung – auf die gesamte Fläche der Hallertau bezogen entstehen somit 1.050.000 € bei jeder Peronosporabehandlung. Dies berichtete Johann Schätzl, der an der Bayerischen Landesanstalt intensiv den Peronosporawarndienst betreut und den Kongressteilnehmern das Prognosemodell vorstellte. Durch die Pilzkrankheit Peronospora humuli, auch als Falscher Mehltau bezeichnet, kam es im Jahr 1926 in Deutschland erstmals zu katastrophalen Ernteausfällen (ø-Ertrag 5,8 Ztr./ha), weshalb seitdem in wöchentlichem Abstand vorbeugend gespritzt werden musste. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes wurde von 1974 – 1983 in Hüll intensiv geforscht, um von den vorbeugenden Kalenderspritzungen wegzukommen und diese durch gezielte Behandlungen zu ersetzen. Seit 1984 existiert der Peronosporawarndienst bayernweit. Es ist somit das erste und immer noch gut funktionierende Prognosemodell in ganz Deutschland. Bei sorgfältiger Beobachtung der Bestände und Berücksichtigung des Warndienstes konnte die durchschnittliche Anzahl der Bekämpfungsmaßnahmen um ca. 50 % von früher 12 auf 5-6 Behandlungen/Saison reduziert werden. Im Jahr 2015 waren sogar nur 2-3 Behandlungen notwendig. Diese Einrichtung mit 5 Prognosestationen in der Hallertau trägt wesentlich zur Verringerung der Umweltbelastung, zur Ertragssicherung und zur Kostenreduzierung bei.
Erdflohbekämpfung im Öko-Hopfenanbau
Der Hopfen-Erdfloh Psylliodes attenuatus wird im Ökologischen Hopfenbau zu einem gravierenden Problem für die Pflanzer. Im zeitigen Frühjahr fressen die überwinternden Käfer an den austreibenden Jungpflanzen als erster Nahrungsquelle. Bei stärkerem Befall werden die jungen Blätter fast skelettiert und das Wachstum der Pflanzen wird signifikant verzögert. Entscheidend ist jedoch der Schaden durch die ab Juli wieder auftretende neue Generation adulter Käfer: Diese Tiere fressen in Hoch-und Spätsommer an den Blüten und sich entwickelnden Dolden bis in 5-6 m Gerüsthöhe und können dabei zu signifikanten Ertragsverlusten führen.
Im Öko-Hopfenbau gibt es derzeit keine wirksame Praxismethode der Erdflohbekämpfung und die entstehenden Schäden werden gezwungenermaßen hingenommen. Zudem wird die Entwicklung einer effektiven Bekämpfungsmethode auch für den konventionellen Hopfenbau von großer Bedeutung sein, da zur Erdflohbekämpfung zukünftig vermutlich kein wirksames Insektizid mehr zur Verfügung stehen wird.
Einsatz und Etablierung von Raubmilben zur Spinnmilbenbekämpfung
Frau Marina Jereb, wissenschaftliche Projetktmitarbeiterin am Hopfenforschungsinstitut Hüll, stellte ein von der BLE gefördertes Forschungsvorhaben (Förderkennzeichen 2812NA014 Laufzeit 06/13-04/16) zur nachhaltigen Bekämpfung von Spinnmilben im ökologischen Hopfenanbau vor. Dabei demonstrierte sie die verschiedensten Möglichkeiten der Ausbringung von Raubmilben, anhand von Filzstreifen, Bohnenblättern oder Streuware die mittels eines speziellen Gerätes in den Bestand geblasen wird. In den Versuchen werden sowohl heimische (Typhlodromus pyri, Amblyseius andersoni), als auch gebietsfremde Raubmilbenarten (Phytoseiulus persimilis, Neoseiulus californicus) auf ihre Effektivität unter Freilandbedingungen gegen Spinnmilben getestet. Unter anderem wurde auch versucht durch geschnittene Rebstöcke des Weins die heimische Raubmilbenart Typhlodromus pyri in einem Hopfengarten anzusiedeln. Im Fokus der Arbeiten steht jedoch die langfristige Etablierung der heimischen Arten über mehrere Vegetationsperioden hinweg um eine nachhaltige Alternative zum jährlichen kostenintensiven Einsatz zu schaffen. Hierbei wird der Ansatz verfolgt durch Untersaaten, insbesondere Rohrschwingel (Festuca arundinaceae) eine Überwinterungsstruktur für die Nützlinge zu schaffen.
Versuche zur Minimierung des Einsatzes kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel
Im Rahmen eines vierjährigen, von der BLE über das 'Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft' (BÖLN) geförderten Forschungsprojektes werden Möglichkeiten zur Reduzierung der Kupferaufwandmenge bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus im ökologischen Hopfenbau gesucht. Hintergrund war das im Juli 2010 von den Öko-Verbänden formulierte 'Strategiepapier Kupfer', in dem die Vorgehensweise zur Lösung des Kupfer-Dilemmas im Ökolandbau skizziert wurde. Darin wurde als 'kurzfristiges Ziel' eine Reduktion des Reinkupfereinsatzes um 25 % formuliert. Im Zuge des BÖLN-Projektes konnte gezeigt werden, dass mit modernen Kupfer-Hydroxiden eine Reduktion von 4 auf 3 kg Cu/ha pro Jahr möglich ist. Dieses kurzfristige Ziel des Strategiepapiers kann somit als weitgehend erreicht angesehen werden; die Ergebnisse gelten allerdings einschränkend nur für Peronospora-tolerante Zuchtsorten, nicht für anfällige Landsorten, die im ökologischen Hopfenbau aber kaum mehr eine Rolle spielen.
Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Kupferreduktion auch über das aktuelle Ziel von 3 kg Cu/ha hinaus weiter vorangebracht werden muss, um einerseits diesen für den Pflanzenschutz eminent wichtigen Wirkstoff weiter zur Verfügung zu haben und andererseits kupferbedingte Umwelteinflüsse soweit möglich zu minimieren. Mit Mitteln der Erzeugergemeinschaft Hopfen HVG e.G. werden die Versuche 2014 bis 2016 im gleichen Rahmen und am selben Standort weitergeführt.

Fachtagung in Bad Gögging

Neue Erkenntnisse zur Leistungssteigerung und Energieeffizienz bei der Hopfentrocknung (Herr Jakob Münsterer)
In den letzten Jahren konnte in zahlreichen Versuchen durch Herrn Münsterer aufgezeigt werden, dass durch ein richtiges Verhältnis der Trocknungsparameter aus Trocknungstemperatur, Luftgeschwindigkeit und Schütthöhe die Trocknungsleistung deutlich gesteigert und gleichzeitig die Qualität bestens erhalten werden kann. Ein leistungsstarkes Trocknen hat qualitative, energetische und wirtschaftliche Vorteile. Voraussetzung für hohe Trocknungsleistungen ist nicht die Höhe der Trocknungstemperatur, sondern eine ausreichende Luftgeschwindigkeit für eine entsprechende Trocknungstemperatur. Zur Trocknungsoptimierung sind graphisch aufbereitete Messwerte wie z.B. relative Feuchte und Temperatur der Darrabluft dabei sehr hilfreich.

Neue Erkenntnisse zur Leistungssteigerung und Energieeffizienz von Hopfentrocknungsanlagen pdf 2,5 MB

Ökonomik der deutschen Hopfenproduktion (Herr Johann Portner)
Johann Portner, der Leiter der Arbeitsgruppe Hopfenbau, Produktionstechnik, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft stellte in seinem Vortrag zuerst verschiedene Kennzahlen der Produktion und Vermarktung von Hopfen dar. So blieb die Hopfenfläche in Deutschland in den letzten 40 Jahren rel. konstant bei einer abnehmenden Zahl von Betrieben (von ca. 7 500 Betriebe auf 1 171 in 2015). Eine Besonderheit der deutschen Hopfenproduktion sind die witterungsbedingten großen Ertragsschwankungen von Jahr zu Jahr. Anhand der Durchschnittserträge und durchschnittlichen Verkaufspreise der letzten 3 Jahre konnte aufgezeigt werden, dass der Markterlös in diesem Zeitraum im Mittel der Sorten unter 10 000 €/ha lag.
Die Produktionskosten wurden unterteilt in variable und feste Kosten sowie in weitere unberücksichtigte Kostenposition wie z.B. die eigene Arbeitsleistung, Pachtkosten und eine notwendige Eigenkapitalbildung für nachhaltig wirtschaftende Betriebe. Bei durchschnittlich 6 400 € variablen Kosten, 2 100 € Festkosten und 2 600 € Kosten für die eigene Arbeit und Pacht (bzw. Nutzungskosten) errechnen sich Gesamtkosten der Hopfenproduktion von 11 100 €/ha oder knapp 6 €/kg Hopfen. Preistreibend sind derzeit die Investitionskosten und die Kosten der Arbeitserledigung. Wegen der notwendigen Eigenkapitalbildung zur Finanzierung der steigenden Investitionskosten bei Ersatzbeschaffungen hat der Zukunftsbetrieb höhere Produktionskosten und benötigt daher spezielle Produktionsanreize. Das Fazit lautete: Langfristige Verträge zu kostendeckenden Preisen fördern die Investitionsbereitschaft der Pflanzer und sichern somit eine nachhaltige Hopfenerzeugung in Deutschland.

Ökonomik der deutschen Hopfenproduktion pdf 1,3 MB

Modellvorhaben: Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz im Hopfenbau – Teil 1 Grundlagen (Herr Dr. Florian Weihrauch)
Der Vortrag bot eine Einführung in den Integrierten Pflanzenschutz im Hopfenbau als fachlich zwingende Grundlage bei der Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen, auf der das gesamte Modellvorhaben basiert. Die gesetzlichen Grundlagen beruhen auf dem aktuellen Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) vom 6. Februar 2012. Als Leitbild des praktischen Pflanzenschutzes stellt der Integrierte Pflanzenschutz eine Kombination von Verfahren dar, bei denen unter vorrangiger Berücksichtigung biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt wird.

Grundlagen zum Modellvorhaben Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz im Hopfenanbau pdf 2,4 MB

Modellvorhaben: Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz im Hopfenbau – Teil 2 Umsetzung (Frau Maria Lutz)
Pflanzen im optimalsten Sinne integriert schützen – das zeigen seit dem Jahr 2014 fünf Hopfenbaubetriebe aus dem bayerischen Anbaugebiet, der Hallertau. Diese nehmen teil am Modellvorhaben „Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ und werden durch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) intensiv betreut. Die Projektbearbeiterin Maria Lutz gab den Kongressteilnehmern einen Einblick in die Problemstellungen auf den Betrieben, die sich durch einen unterschiedlichen Krankheits- und Schädlingsdruck ergaben, und wie diese jeweils gelöst wurden. Dabei wurden bewährte Schadschwellen und Prognosemodelle herangezogen, wie z.B. der Spinnmilbenindex und der Peronosporawarndienst. Außerdem kam innovative Technik zum Einsatz, wie sensorgesteuerte Pflanzenschutzgeräte und Einspülschleusen, durch die Pflanzenschutzmittel gezielter ausgebracht werden können und optimaler Anwenderschutz gewährleistet wird. Durch regelmäßige Bonituren war des Öfteren auch nur eine Teilflächenbehandlung notwendig, wodurch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringert werden konnte. Durch Hoftage und Vorträge erhalten zudem andere Hopfenbaubetriebe und die interessierte Bevölkerung einen Einblick, welche Maßnahmen auf den Betrieben durchgeführt wurden, und haben Gelegenheit zum fachlichen Austausch untereinander.

Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz im Hopfenanbau pdf 2,8 MB

Posterausstellung im Kongress Zentrum