Der Hopfen ist nicht nur Rohstoff für das Bierbrauen, sondern auch eine Arzneipflanze

Hopfen als Heilmittel war schon in der Antike bei den Griechen und Römern und in der arabischen Welt bekannt. Hopfen als Brauzusatz ist eine Erfindung der Mönche des Mittelalters. Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg ernannte Hopfen zur „Arzneipflanze des Jahres 2007“.


Der Hopfen ist nicht nur Rohstoff für das Bierbrauen, sondern auch eine Arzneipflanze

Hildegard von Bingen sagte im 12. Jahrhundert:
„Der Hopfen trockne die Eingeweide aus, mache traurig und betrübt. Aber durch seine Bitterkeit bewirke er immerhin, dass sich Getränke, denen er zugesetzt ist, lange hielten“
2-Methyl-3-buten-2-ol

2-Methyl-3-buten-2-ol

Die beruhigende sedative Wirkung von Hopfen

Es ist schon lange bekannt, dass Hopfen eine beruhigende sedative Wirkung hat. In Kombination mit Baldrian werden Hopfenpräparate als Beruhigungsmittel angeboten. Der Hopfen wirkt dabei wie das Schlafhormon Melatonin und der Baldrian wie Adenosin. Als Wirkstoff wird beim Hopfen die Substanz 2-Methyl-3-buten-2-ol angenommen, das ist ein Abbauprodukt der alpha-Säuren.

Die östrogene Wirkung von Hopfen

Seit Jahrhunderten wusste man schon, dass der Hopfen eine leichte östrogene Wirkung hat. Die dafür verantwortliche Substanz wurde erst vor zehn Jahren von Prof. de Keukeleire identifiziert.. Dies ist das 8-Prenylnarnaringenin. Diese Verbindung ist dem weiblichen Sexualhormon 17-ß-Östradiol sehr ähnlich und kann an Stellle von 17-ß-Östradiol den Östrogenrezeptor besetzen. Dadurch können hormonell bedingte Krebsrisiken gemindert werden.
8-Prenylnaringenin und 17-ß-Östradiol

8-Prenylnaringenin und 17-ß-Östradiol

Xanthohumol und die anderen Polyphenole

Hopfen ist insgesamt eine sehr polyphenolreiche Pflanze (2 - 8 %). Polyphenole werden ganz allgemein als sehr positiv für die Gesundheit bewertet, da sie antioxidativ wirken und freie Radikale einfangen können. Ein ganz besonderes Polyphenol ist jedoch Xanthohumol.
Xanthohumol wurde als Inhaltstoff des Hopfens erstmals 1913 beschrieben. 1961 wurde die chemische Struktur bestimmt. 1999 berichtete Prof. Fred Stevens von der Oregon State University in den USA von den antikanzerogenen Eigenschaften dieser Substanz. Dann explodierten die Forschungsaktivitäten und Veröffentlichungen. Unter anderen forscht das Krebsforschungszentrum Heidelberg und die Universitüät Wien über Xanthohumol. Inzwischen hat Xanthohumol auch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit die "Health Caims" erhalten. Dadurch ist wissenschaftlich belegt, dass Xanthohumol gesundheitsfördernd ist und somit darf es auch in Nahrungsergänzungsmitteln oder Functional Foods eingesetzt werden. Beim Bierbrauen isomerisiert Xanthohumol zu Isoxanthohumol, das eine nicht ganz so starke antikanzerogene Wirkung hat.
Xanthohumol, Isoxanthohumol, 8-Prenylnaringenin

Xanthohumol, Isoxanthohumol, 8-Prenylnaringenin

Die medizinische Wirkung von Xanthohumol

Die medizinische Wirkung von Xanthohumol