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Historische Maissorten aus Bayern - Beschreibung und Evaluation
Einleitung
Mais wird seit dem sechzehnten Jahrhundert in Europa angebaut. Bereits vor der Einführung der Hybridzüchtung nach dem zweiten Weltkrieg erzeugten Landwirte auch lange Zeit in Bayern Mais. So lag beispielsweise die Maisanbaufläche im Jahr 1927 in Bayern nach der amtlichen Statistik bei 4236 ha. Angebaut wurden verschiedene sog. Landsorten, die in bestimmten Regionen auch als menschliches Grundnahrungsmittel dienten. Das Stroh wurde oftmals verfüttert. Die Sorten wurden in der Regel mit den Regionen ihrer Entstehung und Verbreitung bezeichnet, z.B. Chiemgauer Mais, Pfarrkirchner, Rottaler Mais, usw. Sie wurden ebenso wie für die Fütterung von Nutztieren auch für die menschliche Ernährung angebaut und vielfach in der Form von Grieß konsumiert. Typische regionale Gerichte hießen Ribel oder Sterz.
Seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sind diese Sorten aus der landwirtschaftlichen Praxis und der Ernährung verschwunden. Der Anbau wurde vollständig auf Hybriden umgestellt. Gerichte auf der Basis von Maisgrieß sind in Bayern zwischenzeitlich nahezu unbekannt und haben keine Verbreitung mehr.
Am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der LfL wurde im Jahr 2008 begonnen, Genbankmaterial aus den Beständen der deutschen Genbank in Gatersleben (Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, IPK) anzubauen, um die dort aufbewahrten Sorten aus Bayern und dem süddeutschen Raum zu sichten, Saatgut für weitere Forschungsvorhaben zu produzieren und sie merkmalsbezogen bzw. abhängig von ihren genetischen Eigenschaften auch der landwirtschaftlichen Praxis wieder zugänglich zu machen.
Auch für den ökologischen Landbau oder historische Zwecke (Definition und Beschreibung dieses Ausgangsmaterials) könnten diese, über Jahrhunderte an bayerische Bedingungen angepassten Sorten von Bedeutung sein oder Bestandteil von Ausstellungen werden. Das Saatgutverkehrsgesetz sieht in seiner aktuellen Fassung explizit die Möglichkeit vor, historische Sorten in einem besonderen Zulassungsverfahren registrieren und schützen zu lassen. Die Züchtungsforschung interessiert sich für die genetische Drift und Evolution züchtungsrelevanter Eigenschaften durch die Beschreibung dieses, an Bayern adaptierten Genpools (genetischen Diversität).
Material und Methoden
Im Jahr 2008 und 2009 wurden alte Landsorten an der LfL einem ersten Screening unterzogen und Saatgut für weitere Versuche erzeugt. Es wurden verschieden sortenspezifische Parameter erfasst. Die Notwendigkeit entsprechende Forschungskapazität aufzubringen, zeigt der aktuelle Verlust von Genmaterial bei Maislandsorten aus der Genbank Gatersleben an. Bereits im Verlauf des Anbaus 2008 stellte sich heraus, dass das Material der Deutschen Genbank, das von der LfL im Versuchsanbau getestet wurde, für den Zweck der Restaurierung dieser Sorten wenig geeignet ist. Es sind vielfach lediglich Inzuchtlinien verfügbar, die für die Wiederherstellung der für eine Populationssorte nötigen Varianz keine ausreichende Basis bilden. Damit muss auf Material aus anderen europäischen Genbanken zurückgegriffen werden.
In Anbetracht dieser Problematik sollten besondere Anstrengungen unternommen werden, diese historische genetische Ressource, die für die bayerische Landwirtschaft auch in Zukunft von Bedeutung sein könnte, nicht für immer unwiederbringlich zu verlieren. Aufgrund dieser Situation wurde eine Recherche in Genbanken der umliegenden Staaten durchgeführt (Österreich, Frankreich, Schweiz, Italien, Tschechien, Polen). Hier wird teilweise auch Material aus Bayern aufbewahrt. Accessionen mit bayerischer und süddeutscher Herkunft wurden in mehreren Institutionen ausfindig gemacht.
Ergebnisse und Diskussion
Es zeigt sich, dass in den Regionen nördlich der Alpen in der Zeit vom 17. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert vor allen Hartmais (Flint) vorherrschend war. Typisch ist die runde Kornform und ein hohes Tausendkorngewicht (Eschholz 2009). Wichtigstes Merkmal dieses Sortentyps ist seine hohe Kühletoleranz während der Jugendentwicklung (Peter 2007). Lediglich in klimatisch günstigeren Regionen wie dem niederbayerischen Rottal war seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch schon der Anbau von Zahnmais (Dent) verbreiteter. Hier ist einen Introgression von Hybridsortenmaterial in die vorliegende Populationssorte jedoch nicht auszuschließen (Bitocci 2009).
Die Tabelle 1 zeigt einige Charakteristika bayerische Mais- Landsorten in Vergleich zu anderen Herkünften. Die in Bayern früher gebräuchlichen Maissorten unterscheiden sich deutlich hinsichtlich der Blühzeitpunkte. Für ungünstigere Anbaulagen wurden früh blühende Sorten bevorzugt. Im südöstlichen Bayern ermöglichte es das günstige Klima auch hinsichtlich der Temperaturen anspruchsvolleren Zahnmais mit relativ später Blüte anzubauen. Die Anzahl der Kornreihen der Kolben lag bei 8-12, die Spindelfarbe war in der Regel weiß. Sortenmaterial anderer Regionen verfügte oft über mehr Kornreihen am Kolben und teilweise rote Spindeln.
Literatur
Eschholz, T. W., P. Stamp, R. Peter, J. Leipner, A. Hund (2009): Genetic structure and history of Swiss maize (Zea mays L. ssp. mays) landraces. Genetic Resources and Crop Evolution
Peter, R. (2007): Early vigour of Swiss maize landraces (Zea mays L.) in cool environments, Dissertation ETH Zürich No. 17398
Bitocchi, E. (2009) Introgression from modern hybrid varieties into landrace populations of maize (Zea mays ssp. mays L.) in central Italy. Molecular Ecology 18(4)
Juni 2010
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Tel.: 08161/71-3637 • Fax: 08161/71-4102
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