Silierung von trockenheitsgeschädigtem Silomais

aufgrund Trockenheit unvollständig ausgebildeter Maiskolben

Welche Besonderheiten gilt es zu beachten?

Die aktuelle, lang andauernde Trockenheit in Teilen Bayerns lässt so manchen an vergangene Trockenjahre zurückdenken. Damals kam es zu Ertragsausfällen vom Grünland, wie auch von den Silomaisschlägen. Die resultierende Futterknappheit ließ die Preise beim Zukauf steigen, so dass Möglichkeiten der Verlustminderung bei der Futterkonservierung einen deutlich höheren Stellenwert erlangten.

Was ist anders?

Auf die Ergebnisse damaliger Untersuchungen zurückblickend lassen sich folgende wichtige Eigenschaften der Erntegüter bei großer Hitze zusammenfassen:

  • hohe Ausgangstemperatur
  • geringer Besatz mit natürlichen Mikroorganismen
  • meist hoher Gehalt an Trockenmasse, daher schlecht zu verdichten
  • hoher Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten (Zucker)
  • teilweise hoher Gehalt an Nitrat (Vorsicht! Gefahr der Entstehung Nitroser Gase steigt)

Was passiert im Silo?

Kurvendiagramm zum Verlauf der Fermentationstemperatur im SilomaisZoombild vorhanden

Verlauf der Fermentationstemperatur im Silo

Die hohe Temperatur im Erntegut steigt wie bei jeder Silierung durch pflanzliche und mikrobielle Prozesse zunächst um einige Grad an, bevor es zu einer langsamen Abkühlung des Silostocks kommt (Bild 2). Da Milchsäurebakterien unterschiedlicher Gattungen und Arten unterschiedliche Temperaturoptima und auch Fermentationswege besitzen, ist zwar von einer erfolgreichen Ansäuerung des Ausgangsmaterials auszugehen, allerdings sind durchaus Abweichungen von der „normalen“ Silierung zu erwarten.

Besonderheiten eines Silierversuches mit Erntegut aus dem Jahr 2003

  • verzögerte Ansäuerung bei steigenden Fermentationstemperaturen
  • bei 45 °C stark verminderte Silierung
  • gegenüber der Kontrolle erhöhte Restzuckergehalte
  • deutlich schnellere Erwärmung nach Öffnen des Silos
Tabelle 1: Gärparameter und Gärverluste sowie aerobe Stabilität von Silagen aus trockenheitsgeschädigtem Silomais nach 90 Tagen Lagerdauer bei unterschiedlichen Temperaturen (n = 3)
Lagertemperatur (°C) pH-Wert Masse-verlust (%) NH3-N
(% vom Nges)
Milchsäure
(% in FM)
Essigsäure
(% in FM)
Restzucker
(% in TM)
aerobe Stabilität
(Tage)
25
3,9 3,9

5,1

1,9

0,4

13,1

11

35 4,0

4,7 2,5 1,7 0,6 11,5 14
45 4,5 3,8 1,8 1,0 0,2 19,9
4

Im Versuch zeigte sich darüber hinaus, dass

  • eine lange Lagerdauer die Neigung zur Nacherwärmung vermindert
  • eine unsaubere, nicht konstant luftdichte Abdeckung enorme Mehrverluste bedingen kann
  • chemische Silierzusätze (DLG Wirkungsrichtung 2, siehe Siliermittelliste ) höhere Wirkungssicherheiten aufweisen als biologische
und daher in diesem Fall zu empfehlen sind. Werden chemische Siliermittel eingesetzt, kann mit der Verfütterung bereits nach wenigen Wochen begonnen werden, ohne negative Effekte auf die aerobe Stabilität befürchten zu müssen.

Was ist daher bei der Ernte zu beachten?

  • Bei TM-Gehalten über 40 %, die Häcksellänge weiter verkürzen < 6 mm.
  • Die zu walzenden Schichten sollten möglichst dünn sein (max. 30 cm).
  • Die stündliche Anfuhrleistung sollte geringer als das Dreifache des Walzgewichts sein.
  • Der Einsatz eines chemischen Siliermittels zur Verbesserung der aeroben Stabilität wird besonders für die oberen Schichten empfohlen.
  • Das Silo sollte besonders beim Verzicht auf chemische Siliermittel deutlich über sechs Wochen luftdicht geschlossen bleiben.

Achtung Lebensgefahr!

Bei der Silierung trockenheitsgeschädigter Pflanzen kann es in besonderem Maße in den ersten Tagen der Silierung zur Bildung Nitroser Gase (bräunliches, schweres Gas) kommen. Diese sind hochgradig gefährlich. Kontakt, besonders das Einatmen, ist unbedingt zu vermeiden, da hierdurch lebensbedrohliche Verätzungen der Lunge die Folge sein können.

Merkblatt Nitrose Gase pdf 209 KB

Kontrolle am Silo

Zur Beurteilung der Stabilität der Silage empfiehlt sich die Messung der Temperatur (Temperaturprofil) sowohl innerhalb des Silos als auch am Anschnitt. Temperaturdifferenzen im Silo von mehr als 5 K geben Anlass, von einer Wiedererwärmung auszugehen. Wird eine Nacherwärmung festgestellt können noch folgende Notmaßnahmen durchgeführt werden, deren Erfolg jedoch nicht sicher ist:
  • durch Rationsumstellung den Vorschub erhöhen
  • Anschnittbehandlung
    • 1 Liter Propionsäure mit 3 Litern Wasser gemischt auf 1 m2 gesprüht (Schutzkleidung nicht vergessen) oder
    • 800 g Harnstoff (zur Stickstoffergänzung) in 1 Liter warmen Wasser gelöst, mit einem weiteren Liter Propionsäure gemischt und davon 1 Liter auf 1 m2 gesprüht (Quelle: Thaysen 2003)
  • Umsilieren
  • Stabilisierung der PMR/TMR mit Propionaten, Benzoaten, Sorbaten oder anderen Konservierungsstoffen

Fazit

Haeckseln Trockener Silomais
Das Silieren bei sehr hohen Siliertemperaturen führt zu geringeren Milchsäure- und Essigsäuregehalten, die zu einer geringeren aeroben Stabilität (Nacherwärmungsproblem!) führen. Verstärkt wird dies durch zu geringe Verdichtung, bedingt durch zu hohe TM-Gehalte, große Häcksellänge, schlechte Verteilung und/oder geringes Walzgewicht. Frühes Öffnen der Silos und ungenügende Abdeckung wirken ebenfalls nacherwärmungsfördernd. Besonders durch den Einsatz chemischer Siliermittel mit dem DLG-Gütezeichen in Wirkungsrichtung 2, Verbesserung der aeroben Stabilität, kann die Situation deutlich verbessert werden.
Quelle:
Die Ergebnisse des Silierversuchs mit trockenheitsgeschädigtem Mais wurden beim VDLUFA veröffentlicht können im Detail im Tagungsband nachgelesen werden:

Beitrag Dr. W. Richter (2004): Gärqualität und aerobe Stabilität von trockenheitsgeschädigtem Silomais bei hohen Fermentationstemperaturen. VDLUFA-Band 60, Seiten 347-352 pdf 603 KB

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